Alle Artikel mit dem Schlagwort: Spurgeon

C.H. Spurgeon: Auf dein Wort
Andachten für jeden Tag

Ein Freund, der schon Jah­re­lang die unter­schied­lichs­ten Andachts­bü­cher ver­wen­det, mein­te neu­lich, dass „Auf dein Wort“ von Spur­ge­on jenes ist, was sowohl am Meis­ten mit­ge­ge­ben hat, wie auch am Bes­ten hän­gen­ge­blie­ben ist. Die Andacht für den 1. Janu­ar emp­fin­de ich als sehr tref­fend auch für das Jahr 2022: „„Der Herr aber sprach zu Mose: Ist denn die Hand des Herrn ver­kürzt?“ (4. Mose 11,23) Oft benimmt sich die Gemein­de Got­tes so, als sei sie davon über­zeugt, dass die Hand des Herrn ver­kürzt ist. Sie glaubt zwar, dass die gött­li­che Hand einst mäch­tig genug war, an einem Tag drei­tau­send Men­schen durch die ein­fa­che Pre­digt des Petrus zu bekeh­ren. Sie glaubt, dass ihr Gott in alten Tagen so gewal­tig war, dass ihre armen, unge­bil­de­ten Evan­ge­lis­ten es mit den Schü­lern des Sokra­tes auf­neh­men konn­ten und imstan­de waren, die Göt­ter der Hei­den zu stür­zen. Sie glaubt das alles, und doch han­delt sie heu­te oft so, als sie das Evan­ge­li­um kraft­los gewor­den und als hät­te sich der Geist Got­tes völ­lig von ihr zurück­ge­zo­gen! In jenen ers­ten Tagen sand­te sie ihre Mis­sio­na­re bis …

Zwölf Perlenketten meiner Lektüre

Der Arti­kel „Mei­ne per­sön­li­che „Top-Ten“ Aus­wahl christ­li­cher Wer­ke“ benö­tigt drin­gend eine Aktua­li­sie­rung. Heu­te kann ich sie end­lich lie­fern: Zunächst möch­te ich auf­zei­gen, wo die Gren­zen mei­nes bis­he­ri­gen Arti­kels lie­gen.  Anschlie­ßend erläu­te­re ich das Kon­zept, dass ich als „Per­len­ket­ten“ bezeich­ne: Das Kon­zept ermög­licht mir, sich mit zen­tra­len The­men aus­führ­lich zu befas­sen und doch unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven ein­zu­bin­den. Die Fra­ge, die ich dabei bespre­che, ist, wie man eine hilf­rei­che Ket­te mit einem pas­sen­den „Anfangs­kno­ten“ knüpft. Schließ­lich gewäh­re ich einen Blick in eine grö­ße­re Aus­wahl an Per­len­ket­ten. Was an mei­ner bis­he­ri­gen Lis­te pro­ble­ma­tisch ist Im Wesent­li­chen drei Din­ge: 1) Es fehl­te Struk­tur: Vor allem „hei­li­ge from­me“ Titel präg­ten mich, häu­fig ohne Fol­gen für das all­täg­li­che Leben. 2) Fehlt Sub­stanz: Vor 9 Jah­ren war ich ein­fach kein erfah­re­ner Leser: So kann­te ich außer Cal­vins Bibel­kom­men­ta­ren kaum einen ande­ren Kom­men­tar. Und obwohl ich die­se wei­ter­hin für exzel­lent hal­te, den­ke ich, dass man wei­ser mit Kom­men­ta­ren umge­hen kann. 3) Ich kon­zen­trie­re mich aus­schließ­lich auf christ­li­che Wer­ke. Ein Schwer­punkt, der mein Leben auch wei­ter­hin prägt, aber ich habe immer auch ger­ne Klas­si­ker gele­sen, die ich nun mit …

Ein technisches Gleichnis

„Bevor ich das Evan­ge­li­um kann­te, sam­mel­te ich die unter­schied­lichs­ten Kennt­nis­se aller Arten von Wis­sen­schaf­ten – mal hier­von, mal davon, ein wenig Che­mie, ein wenig Bota­nik, ein wenig Astro­no­mie, ein wenig dies, ein wenig das. Es war ein chao­ti­sches Durch­ein­an­der. Seit ich das Evan­ge­li­um ken­ne, ent­steht in mei­nem Gehirn Ord­nung: Alles bekommt sei­nen Platz. Mir scheint, daß ich, als ich Chris­tus ent­deck­te und ihn als gekreu­zigt, den Mit­tel­punkt des Sys­tems gefun­den hat­te, so dass ich nun jede wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis ein­ord­nen kann. Von der Erde aus gese­hen, bewe­gen sich die Pla­ne­ten völ­lig unge­ord­net. Erst die Kennt­nis des Son­nen­sys­tems gibt ihnen Kon­stanz und Ord­nung. So ist es mit dem Wis­sen. Begin­ne mit wel­cher Dis­zi­plin du willst – du hast immer nur die hal­be Wahr­heit. Beginnst du mit dem Wis­sen von dem gekreu­zig­ten Chris­tus, dann hast du die Son­ne, um die alle ande­ren Wis­sen­schaf­ten sich in voll­kom­me­ner Har­mo­nie bewe­gen. Chris­tus ist für mich die Weis­heit Got­tes. Seit ich Chris­tus, den Gekreu­zig­ten ken­ne, kann ich alles ler­nen.“ (C.H. Spur­ge­on; Alles zur Ehre Got­tes, Auto­bio­gra­phie S. 63) An kei­ner Stel­le sei­ner Autobiographie …

Über 4600 Texte von Spurgeon auf Deutsch

EDIT: Schriftenarchiv.de hat sei­nen Dienst ein­ge­stellt und die Doku­men­te fin­den sich nun hier.   Mit gro­ßer Freu­de bin ich seit vie­len Jah­ren ein Nutz­nie­ßer von Spur­ge­ons Pre­dig­ten. Ich habe vie­le auf Deutsch erhält­li­chen Bücher von Spur­ge­on gele­sen. Zusätz­lich habe ich immer wie­der auf sei­ne eng­li­schen Pre­dig­ten bei spurgeongems.org  zurück­ge­grif­fen. Hier im Blog haben wir schon seit 2012 eine umfang­rei­che Biblio­gra­fie zu C.H. Spur­ge­on mit meist deut­schen Wer­ken, die von Ser­gej Pau­li erstellt wur­de und gepflegt wird. Doch gibt es noch ande­re Spur­­ge­on-Lie­b­ha­­ber, die in ihrem Kata­log über 4600 Pre­dig­ten und ande­re Buch­aus­zü­ge von Spur­ge­on digi­ta­li­siert und kos­ten­los zur Ver­fü­gung gestellt haben. Ich kann nur erah­nen, wie viel Arbeit dahin­ter steckt. Es ist auf jeden Fall eine sehr wert­vol­le „Schatz­kam­mer“ aus Spur­ge­ons Feder. Und das in deut­scher Spra­che. Wenn ich das rich­tig sehe, dann stammt in die­sem Archiv die ers­te Pre­digt von Spur­ge­on aus dem Jahr 2007. Das sind also 10 Jah­re flei­ßi­ger Arbeit. An die­ser Stel­le einen herz­li­chen Glück­wunsch und vie­len Dank für die­se über­aus wert­vol­le Arbeit.

Tipp: Bibellese am Morgen und am Abend

Spur­ge­on gehört wahr­schein­lich zu den meist­ge­druck­ten Pre­di­gern des 18. Jahr­hun­derts. Ser­gej Pau­li hat hier im Blog in 2015 eine Über­sicht mit allen Büchern und ande­ren Medi­en erstellt, die im Zusam­men­hang mit Spur­ge­on ste­hen. Und die­se Biblio­gra­phie ist bei wei­tem nicht voll­stän­dig. Regel­mä­ßig erschei­nen wei­te­re Bücher. Zuletzt hat der Ver­lag CLV meh­re­re sehr schön gemach­te Bücher im hand­li­chen For­mat mit fes­tem Ein­band ver­öf­fent­licht. Es sind nicht alle Jäger, die das Horn bla­sen, Guter Rat für aller­lei Leu­te, Die herz­li­che Barm­her­zig­keit, Es steht geschrie­ben und Ich bin der Herr, dein Arzt. Ich möch­te auf ein Andachts­buch von Spur­ge­on hin­wei­sen, wel­ches bereits in 2012 erschie­nen ist. Bibel­le­se am Mor­gen und am Abend ist bei Licht­zei­chen erschie­nen und ver­rät schon im Titel, dass es sich hier­bei um ein unge­wöhn­li­ches Andachts­buch han­delt. Das ist auch am Umfang zu bemer­ken, so ist es gan­ze 760 Sei­ten dick. Statt nur 366 Andach­ten ent­hält das Buch 2 x 366 Andach­ten, für jeden Mor­gen und für jeden Abend im Jahr. Jede Andacht beginnt mit einem Vers, der im Wei­te­ren von Spur­ge­on aus­ge­legt wird. Das Buch hat einen …

Meine persönlichen Lieblingsautoren christlicher Werke

Vor fast drei Jah­ren habe ich hier im Blog mei­ne liebs­ten christ­li­chen Bücher vor­ge­stellt. In die­ser Zeit durf­te ich eini­ges Neue ler­nen, und kom­me dadurch zum Ergeb­nis, eini­ge Autoren neu dazu neh­men zu müs­sen, und ande­re wie­der­um aus der Lis­te zu strei­chen. Die Lis­te ist zudem nicht bewer­tend zu ver­ste­hen und ist total sub­jek­tiv. Zudem glau­be ich, dass eini­ge Autoren für ande­re Men­schen weit­aus hilf­rei­cher sein könn­ten, als für mich; dies kann jedoch auch umge­kehrt sein. Eine War­nung soll­te aus­ge­spro­chen wer­den: Egal wel­ches Buch du lesen wirst, wenn du es mit der fal­schen Ein­stel­lung liest, wird es dir zum Scha­den die­nen, selbst wenn es die Bibel höchst­per­sön­lich ist. Betrach­te nur die gan­zen Theo­lo­gen, die Chris­tus aus ihrer Theo­lo­gie raus gewor­fen haben, und nichts mehr Rech­tes in Got­tes Wort ent­de­cken kön­nen. Bei jedem Autor möch­te ich zudem hin­zu­fü­gen, was sei­ne Wer­ke mir per­sön­lich gebracht haben.

Die Sünde hat unsere Natur so umschlungen, wie die Riesenschlange ihr Opfer umklammert

Kennst du das? Da ist der eine Autor, und jeder redet von ihm, wie toll und groß­ar­tig er sei. Wie geist­lich sei­ne Wer­ke, wie got­tes­fürch­tig sein Wan­del. Doch fra­ge ja nicht, wie vie­le Bücher der Loben­de vom zu Loben­den gele­sen hat. Meis­tens nur eini­ge Zita­te. So erle­be ich das immer wie­der mit Mar­tin Luther. In höchs­ten Tönen wird die Leis­tung des gro­ßen Refor­ma­tors gelobt, doch sei­ne Wer­ke kennt heu­te kaum einer. Ich glau­be Jean Cal­vin trifft es noch här­ter. Wie vie­le „Cal­vi­nis­ten“ haben wohl Cal­vins Wer­ke stu­diert? Ich den­ke aber auch an einen drit­ten in die­ser Rei­he, näm­lich an den Fürs­ten der Pre­di­ger, Charles Had­don Spur­ge­on. Der christ­li­che Markt (auch deutsch­spra­chig) ist rela­tiv reich­hal­tig an Wer­ken von Spur­ge­on, wie man auch die­ser Biblio­gra­phie ent­neh­men kann. Jedoch scheint es guten Büchern meist  so zu gehen wie einer Fami­li­en­bi­bel: Schön plat­ziert im Regal, und regel­mä­ßig abge­staubt, damit man nicht sieht, dass man das Buch kaum aufmacht.

Durch viel Trübsal

Spur­ge­on berich­tet immer wie­der von den tie­fen Gewis­sens­bis­sen, die ihn als Teen­ager und Jugend­li­chen plag­ten: Mein Herz war Brach­land, mit Unkraut bedeckt, aber eines Tages kam der gro­ße Bräu­ti­gam und begann, mei­ne See­le zu pflü­gen. Er kam mit zehn schwar­zen Pfer­den, er benutz­te eine schar­fe Pflug­schar und zog tie­fe Fur­chen. Die schwar­zen Pfer­de, das waren die zehn Gebo­te, und es war die Gerech­tig­keit Got­tes, die mei­nen Geist wie eine Pflug­schar auf­riss. Ich war ver­dammt — hoff­nungs­los, hilf­los — ich dach­te, ich stün­de direkt vor der Höl­le. Dann kam eine neue Zeit des Pflü­gens in eine ande­re Rich­tung. Denn als ich das Evan­ge­li­um zu hören begann, trös­te­te es mich nicht. Ich wünsch­te wohl, dar­an Teil zu haben, aber ich fürch­te­te, eine sol­che Gna­de kom­me für mich nicht in Fra­ge.  Die aus­er­wähl­tes­ten Ver­hei­ßun­gen Got­tes blick­ten mich fins­ter an, und sei­ne Dro­hun­gen don­ner­ten auf mich her­ab. Ich bete­te, fand aber kei­ne Ant­wort des Frie­dens. Die­ser Zustand hielt lan­ge an. Es quäl­te Spur­ge­on zutiefst, dass er kei­nen Frie­den mit Gott fin­den konn­te. Sei­ne tie­fen Erfah­run­gen waren für sein geist­li­ches Leben von gro­ßer Bedeu­tung. Denn …

C.H. Spurgeon und die Taufe

Spur­ge­on kam aus einem Hau­se, in dem er von sei­nem Groß­va­ter, der ein unab­hän­gi­ger Pas­tor war, als Kind getauft wur­de. Den­noch nahm er als 16-jäh­­ri­­ger noch­mals die Glau­bens­tau­fe an. Vie­le Ursa­chen führ­ten zu die­ser Ent­schei­dung. Eine davon liegt in einem Gespräch Spur­ge­ons mit einem angli­ka­ni­schen Pries­ter (man beach­te, dass Charles zu die­sem Zeit­punkt erst 11 Jah­re alt war): Geist­li­cher: Wie ist dein Vor­na­me? Spur­ge­on: Charles. G: Wer gab dir die­sen Namen? S: Das weiß ich lei­der nicht so genau. Ich ken­ne kei­ne Tauf­pa­ten, die jemals etwas für mich getan hät­ten, denn ich habe kei­ne. Ver­mut­lich haben mir mei­ne Eltern die­sen Namen gege­ben (…). G: Du bist also nie rich­tig getauft wor­den? S: O doch, Sir, ich bin getauft! Mein Groß­va­ter hat mich in dem klei­nen Zim­mer getauft, und er ist doch ein Pas­tor. Also weiß ich, dass er es rich­tig gemacht hat. G: Aber du hat­test damals weder Glau­ben noch Buße und hät­test folg­lich nicht getauft wer­den dür­fen! S: War­um, das hat doch damit nichts zu tun! Alle Kin­der soll­ten doch getauft wer­den. G: Woher weißt du da? Sagt …

Der steinerne Apfel und andere Geschichten

Wie bereits letz­te Woche ange­kün­digt, soll hier bei nimm-lies.de eine wöchent­li­che Kolum­ne zu Charles H. Spur­ge­on ent­ste­hen. Chro­no­lo­gisch sinn­voll, haben wir letz­tes Mal ein Kind­heits­er­leb­nis von Spur­ge­on ver­ar­bei­tet und wol­len auch dies­mal eini­ge Erleb­nis­se aus sei­ner Kind­heit ver­öf­fent­li­chen. Obwohl ich mich vor allem an der Auto­bio­gra­phie Spur­ge­ons ori­en­tie­re, ver­su­che ich doch mög­lichst viel­fäl­ti­ge Quel­len zu ver­wen­den. Das fol­gen­de Erleb­nis zeigt auf anschau­li­che Wei­se, wie Spur­ge­on in jedem Erleb­nis eine Leh­re für das Leben sah (Auto­bio­gra­phie, S.26): Ich erin­ne­re mich an einen stei­ner­nen Apfel, den ich als Kind auf dem Kamin­sims ent­deck­te — er war einem Apfel herr­lich ähn­lich und auch sehr gut ange­malt. Ich beob­ach­te­te die­sen Apfel Jahr um Jahr, und er wur­de nicht rei­fer. Er faul­te auch nicht. Er war in einer her­vor­ra­gen­den Umge­bung, um weich und süß zu wer­den; wenn er doch nur ein­mal aus­rei­fen wür­de! Aber ich den­ke, dass nicht ein­mal die Son­ne des Äqua­tors oder der Tau des Her­mon ihn tafel­fer­tig gemacht hät­ten. Sei­ne har­te, mar­mor­ne Art hät­te selbst die Zäh­ne eines Rie­sen zer­bre­chen las­sen. Er war ein schein­hei­li­ger Pro­fes­sor, ein hart­her­zi­ger Spötter …