Autor: Sergej Pauli

„O felix culpa“
Aus der römisch-katholischen Osternachtsliturgie

Manch­mal stößt man über ein Zitat in unter­schied­li­chem Kon­text mehr­fach. So ging es mir mit einem Aus­schnitt aus der Oster­nachts­lit­ur­gie, der min­des­tens pro­vo­zie­rend for­mu­liert ist. Da heißt es (latei­ni­sche und deut­sche Fas­sung von hier): O cer­te necessa­ri­um Adae pec­ca­tum, quod Chris­ti mor­te dele­tum est! O felix cul­pa, quae talem ac tan­tum meruit habe­re Redemp­to­rem! Oh wahr­haft heil­brin­gen­de Sün­de des Adam, du wur­dest uns zum Segen, da Chris­ti Tod dich ver­nich­tet hat. O glück­li­che Schuld, welch gro­ßen Erlö­ser hast du gefun­den! Der Aus­ruf „O glück­li­che Schuld“ hat es sogar zu einem Wiki­­pe­­dia-Arti­­kel geschafft. Kost­bar ist der dahin­ter­lie­gen­de Gedan­ke, dass die Wie­der­her­stel­lung des Sün­ders in der Erlö­sung in in einen höhe­ren Stand bringt, als den er vor dem Fall besaß. Vor allem Augus­ti­nus inves­tier­te in die­se Über­le­gun­gen eini­ge Zeit und Hirn­schmalz. Dar­un­ter im Enchi­ri­dion (Dem Buch vom Glau­ben, der Hoff­nung und der Lie­be). Da heißt es unter ande­rem: Meli­us enim iudi­ca­vit de malis bene­fa­ce­re, quam mala nul­la esse per­mit­te­re — Gott hielt es für bes­ser aus dem Bösen das Gute zu wir­ken, als gar kein Böses zuzu­las­sen). Ent­spre­chend ist der Zustand des Men­schen in …

Christus in der ganzen Schrift erkennen und verkündigen
Literaturhinweise für ein Bibelstudium mit Christus im Zentrum

Mei­ne Rei­se in ein Bibel­le­sen mit Chris­tus im Zen­trum fing mit Edmund Clow­ney an. Zuerst bin ich auf die von Clow­ney mit Tim Kel­ler gemein­sam gehal­te­ne Vor­le­sung „Preaching Christ in a Post­mo­dern World gesto­ßen“.  Die­se war ein gewis­ser Start­punkt und spä­ter griff ich zur Vor­le­sung zur bibli­schen Theo­lo­gy von Clow­ney, die eben­falls kos­ten­frei zugäng­lich ist. Sei­ne Stra­te­gie stellt Clow­ney in Kür­ze auch in einem Essay vor, der das Ein­lei­tungs­ka­pi­tel zu einem Pre­digt­sam­mel­band von ihm dar­stellt: Preaching Christ in All of Scrip­tu­re — Chris­tus aus der gan­zen Schrift pre­di­gen. Durch Clow­ney habe ich auch uner­war­te­te Fähr­ten der Schrift ent­deckt, die zu Chris­tus füh­ren. In sei­ner Vor­le­sung führt Clow­ney aus, wie z.B. das Gebot „Du sollst nicht ehe­bre­chen“ auf Chris­tus zeigt: Gott nimmt nicht eine bereits vor­han­de­ne Insti­tu­ti­on der Ehe, um die­se als Meta­pher für die Lie­be Chris­ti zu sei­ner Gemein­de zu ver­wen­den, son­dern die Ehe ist ein Abbild einer längst, ja vor Grund­le­gung der Welt vor­han­de­nen Rea­li­tät, der die­nen­den Lie­be Chris­ti. Unse­re Ehen wer­den an die­sem Anspruch, der im Sohn Got­tes zu sehen ist, gemes­sen. Des­we­gen ist Ehe­bruch und Hurerei …

Vom Passa von Melito von Sardes
Die älteste christliche Osterpredigt

Im Rah­men mei­ner Vor­be­rei­tung einer Pre­digt zu Chris­tus im Alten Tes­ta­ment habe ich rela­tiv aus­führ­li­che Recher­chen gemacht. Dabei bin ich auch auf die­se Oster­pre­digt von Meli­to von Sar­des gesto­ßen. Das Werk selbst wur­de erst vor etwas mehr als 150 Jah­ren ent­deckt und ist über­ra­schend gut erhal­ten. Dabei han­delt es sich um ein sehr frü­hes Werk der Kir­chen­ge­schich­te. Ja, die­ser Meli­to kam tat­säch­lich aus dem Sar­des, dass wir aus der Offen­ba­rung ken­nen. Sehr lesens­wer­te Hin­wei­se zum Hin­ter­grund der Schrift fin­den sich in der Ein­lei­tung von Blank zu die­sem Werk. Auch die notier­ten Par­al­lel­stel­len  rechts neben dem Pre­digt­text sind eine Hil­fe für den Hin­ter­grund die­ser Pre­digt. Das Werk ist  rele­vant für das Ver­ständ­nis der Bezie­hung von Altem und Neu­en Tes­ta­ment, dass in der Alten Kir­che spä­tes­tens durch den Ein­fluss von Mar­ci­on, der das Alte Tes­ta­ment als nicht kano­nisch ablehn­te, rele­vant wur­de. Dabei ist das Werk von Meli­to auch homi­le­tisch bzgl. der ver­wen­de­ten Sprach­fi­gu­ren inter­es­sant, so arbei­tet Meli­to häu­fig mit Auf­zäh­lun­gen oder Gegen­über­stel­lun­gen. Zwei Bei­spie­le: Die­se Anwen­dung sieht Meli­to in den bit­te­ren Kräu­tern, die zum Pas­sah­lamm gereicht wur­den: „Daher …

Ein neuer Blog über das Leben in sexueller Reinheit
unbeschwert laufen… frei von Pornographie!

Die Tage wur­de ich auf einen noch recht neu­en Blog auf­merk­sam gemacht, den ich ger­ne wei­ter emp­feh­len möch­te: Auf unbeschwert-laufen.de  fin­den wir einen Blog, der sich den Kampf um sexu­el­le Rein­heit und gegen die Por­no­gra­phie und Selbst­be­frie­di­gung auf die Fah­ne geschrie­ben hat. Ich schrei­be hier Blog, aber es ist wohl viel­mehr eine umfang­rei­che Daten­bank, oder noch bes­ser, eine Infor­ma­ti­ons­sta­ti­on. Auf unbeschwert-laufen.de fin­den sich zahl­rei­che Infor­ma­tio­nen, dar­un­ter eine der umfang­reichs­ten Lite­ra­­tur-Sam­m­­lun­­­gen zu die­sem geist­li­chen Kampf­feld und eine aus­führ­li­che Dar­stel­lung mit gegen­wär­tig mehr als 200 Res­sour­cen zu die­sem The­ma, dar­un­ter auch Ansprech­stel­len für Seel­sor­ge und Bera­tung  oder Res­sour­cen für Frau­en (als Täter und/oder Opfer betrof­fen) oder eine Auf­lis­tung der unter­schied­lichs­ten Zeit­schrif­ten­ar­ti­kel. In beson­de­rer Wei­se hat mir die Auf­be­rei­tung audio­vi­su­el­ler Bei­trä­ge zuge­sagt, die man hier fin­den kann. Über­haupt ist die Sei­te sehr ordent­lich und über­sicht­lich auf­ge­baut und besitzt ein anspre­chen­des Design. Ich hat­te vor kur­zem auch die Mög­lich­keit den Ver­ant­wort­li­chen des Blogs per­sön­lich zu spre­chen und sein Eifer,  in die­sem The­ma vor allem Män­nern zu hel­fen Sieg und Befrei­ung zu erfah­ren, wirk­te anste­ckend. Ich bin mir sicher, dass …

Interview mit Philipp Kruse — Leiter von BibleProject Deutsch
Eine Neue Weise, um die Alte Botschaft zu verbreiten

Wir hat­ten die Mög­lich­keit für ein inter­view mit Phil­ipp Kru­se, dem Ver­ant­wort­li­chen für die Vide­os von Bib­le­Pro­ject Deutsch, über sei­ne Arbeit und die Zie­le von Bib­le­Pro­ject zu spre­chen. Das Bib­le­Pro­ject bie­tet zahl­rei­che Erklär-Vide­os, unter ande­rem zu den Büchern der Bibel , aktu­ell aber auch zu zen­tra­len Begrif­fen der Bibel und zu bibli­schen The­men  z.B. auf you­tube an. Emp­feh­lens­wert ist auch das dazu pas­sen­de Mate­ri­al, z.B. aus unter­schied­li­chen Pos­tern im Shop.    S.P. Wie ent­stand die Idee des Bible Pro­jects? Wie kam es, dass die Vide­os auch auf Deutsch auf­be­rei­tet wur­den? P.K. Als Jugend­re­fe­rent habe ich mich 2015 nach einem Tool auf die Suche gemacht, um unse­ren Mit­ar­bei­ten­den den gro­ßen Zusam­men­hang der Bibel zu erklä­ren. Hin­ter­grün­de, Zusam­men­hän­ge, Buch­erklä­run­gen ohne Theo­lo­gie­stu­di­um. Bei der Suche bin ich auf „The Bible Pro­ject“ gesto­ßen und war begeis­tert. Inner­halb weni­ger Minu­ten wird der rote Faden der Bibel, die Ein­tei­lung des Buches und Hin­wei­se auf Jesus auf­ge­zeigt. Der Satz „Hel­ping peop­le expe­ri­ence the Bible as a uni­fied sto­ry that leads to Jesus” pack­te mich. Nur lei­der gab es die­se Vide­os nur auf Eng­lisch. Nicht für …

Ein Gedicht von Kurt Tucholsky
Augen in der Großstadt

Seit vor eini­gen Tagen die Mas­ken­pflicht in einem Groß­teil der Innen­räu­me gefal­len ist, habe ich mich  wie­der­holt gefragt, wie ich das so ein­fach zulas­sen konn­te, mit so einer Über­men­ge an irren und unmensch­li­chen Maß­nah­men mit­zu­ma­chen. Ich beob­ach­te, wie ich gie­rig die Gesich­ter mei­nes Gegen­über lesen will und wie sehr mir das die letz­ten zwei Jah­re gefehlt hat. — Gefehlt hat? Ist es nicht ein Stück­weit die anony­me Indi­vi­dua­li­tät der Ver­städ­te­rung die in der Gesichts­ver­mum­mung voll­endet wird? Ich auf jeden Fall, ent­de­cke die Frei­heit aufs Neue, auch dem häss­li­chen, unan­ge­neh­men, böse drein bli­cken­den Bür­ger frisch ent­ge­gen­zu­bli­cken und zu rufen: „Grüß Gott“, „Das Leben ist schön“, „Hal­lo“, „Jesus lebt“ oder was auch immer. Wie sehr hat mir das gefehlt! Ein Grund Frei­heit radi­kal neu zu ent­de­cken! Das wie­der­um erin­nert mich beson­ders an das Gedicht „Augen in der Groß­stadt“. Unter den vie­len prä­gnan­ten und aus­drucks­vol­len Gedich­ten und Pro­sa­tex­ten Tuchol­skys (eine gute Aus­wahl fin­det sich hier), passt das heu­te beson­ders gut.. Kurt Tuchol­sky, der die Kata­stro­phe des Natio­nal­so­zia­lis­mus nahe­zu pro­phe­tisch bevor­sah, über­leb­te sei­ne Ent­täu­schung am Unter­gang sei­nes Vater­lan­des nicht, das Vater­land, das …

Aus der Osterpredigt von Melito von Sardes

In der Oster­pre­digt des Meli­to von Sar­des fin­det sich bereits ein sehr rei­fer Umgang mit dem Alten Tes­ta­ment. Meli­to von Sar­des ist so „lan­ge her“ (gest. 180 n.Chr), dass er noch aus der in Offen­ba­rung bekann­ten Gemein­de Sar­des wirk­te. Die Pre­digt zeigt, dass die Kir­che bereits sehr früh Chris­tus als das Ziel des Alten Tes­ta­ments erkann­te. Der voll­stän­di­ge Text samt hilf­rei­chen Hin­ter­grün­den zu Meli­to und die­ser Oster­pre­digt fin­det sich hier. Sehr ele­gant ist die Anwen­dung des Pas­sah­lam­mes als ein „Vor­bild auf Chris­tus“ und besteht doch nicht aus blo­ßer Typo­lo­gie, son­dern eher in einem Fort­schrei­ten der Offen­ba­rung Got­tes: Das Oster­lamm zeugt von der glei­chen Wahr­heit, wie Chris­tus. Meli­to zieht dabei auch wei­te Krei­se aus ande­ren Tex­ten des Alten Tes­ta­men­tes, um die­se neue Rea­li­tät zu erklä­ren. In der Aus­ein­an­der­set­zung mit Mar­ci­on, ob das Alte Tes­ta­ment auch ein sakra­ler Text der Kir­che sei, war die­se Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Alten Tes­ta­ment nötig gewor­den und Meli­to meis­ter­te die­se Auf­ga­be. Doch über­zeugt euch selbst:

Unterm Rad von Hermann Hesse
Eine Erzählung über ein vernachlässigtes Thema

„Unterm Rad“, einer frü­hen Erzäh­lung von Her­mann Hes­se ist es zu ver­dan­ken, dass ich ein wenn auch gespal­te­ner Fan von Hes­se bin.  Die Novel­le han­delt von Hans Gie­ben­rath, einem begab­ten Jugend­li­chen, der an den Ansprü­chen der Päd­ago­gik an ihn schließ­lich end­gül­tig schei­tert. Natür­lich ist hier auch eine Abrech­nung Hes­ses mit der preu­ßi­schen Inter­nats­kul­tur zu fin­den. Doch die­se loka­le Inter­pre­ta­ti­on hat den glo­ba­len Gedan­ken,  dass es eine DER Urängs­te des Men­schen ist, unter die Räder zu kom­men: Ob nun die Räder der Umstän­de, oder der eige­nen Ansprü­che, die Gefahr einer voll­stän­di­gen Kata­stro­phe beglei­tet den Men­schen bereits bei den ers­ten (erfolg­rei­chen?) Schrit­ten einer schu­li­schen Lauf­bahn. Ich glau­be „Unterm Rad“ lie­fert eini­ge gute Ana­ly­sen dafür, dass z.B. auch wohl­wol­len­de Nächs­te, den schau­ri­gen, von Beginn vor­han­de­nen Pro­zess des Unter­ge­hens nicht wahr­neh­men kön­nen: Hans, als ein­zi­ger aus sei­ner Stadt, erreicht die Teil­nah­me an einem Lan­des­examen in Stutt­gart. Ent­spre­chend bekommt er zwar einer­seits Extra­un­ter­richt, aber auch Angel­ver­bot und eine Ein­schrän­kung des Umgangs mit sei­nen Freun­den. Jeder blick­te auf eine zukünf­ti­ge herr­li­che Kar­rie­re von Hans, aber nicht auf die ver­küm­mern­de See­le des …

Der jüdisch-amerikanische Radio-Moderator Dennis Prager über Evangelikale
Das Leseverhalten der Evangelikalen aus jüdischer Sicht

Den­nis Pra­ger ist in Ame­ri­ka schon jahr­zehn­te­lang als kon­ser­va­ti­ver und unge­wöhn­li­cher Radio­mo­de­ra­tor bekannt. Sei­ne Ana­ly­se des Lese­ver­hal­tens evan­ge­li­ka­ler Chris­ten dürf­te glo­bal ins Schwar­ze tref­fen. Ent­deckt, via Moner­gism: „Eine Sache, die mir bei Evan­ge­li­ka­len auf­ge­fal­len ist, ist, dass sie nicht lesen. Sie lesen die Bibel nicht, sie lesen die gro­ßen christ­li­chen Den­ker nicht, sie haben noch nie von Aquin gehört. Wenn sie Pres­by­te­ria­ner sind, haben sie noch nie die Begrün­der des Pres­by­te­ria­nis­mus gele­sen. Das kann ich nicht ver­ste­hen. Als Jude ist das für mich ver­wir­rend. Das Gebot des Stu­di­ums ist im Juden­tum so tief ver­wur­zelt, dass wir uns in das Stu­di­um ver­tie­fen. Gott hat uns ein Gehirn gege­ben, sol­len wir es nicht in sei­nem Dienst ein­set­zen? Wenn ich das Haus eines evan­ge­li­ka­len Chris­ten betre­te und ins­ge­samt 30 Bücher sehe, die meis­ten davon Best­sel­ler, ver­ste­he ich das nicht. Ich habe Bücher­re­ga­le mit christ­li­chen Büchern, und ich bin Jude. War­um habe ich mehr christ­li­che Bücher als 98 % der Chris­ten in Ame­ri­ka? Das ist so selt­sam für mich.“ O‑Ton: