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Russisch-Orthodoxe Seelsorge bei Starez Sossima
Aus die Brüder Karamasow von F.M. Dostojewski

„Die Brü­der Kara­ma­sow“ ist ein Meis­ter­werk in unter­schied­lichs­ter Hin­sicht. Viel­leicht ergibt sich auf die­sem Blog einst die Mög­lich­keit zu einer aus­führ­li­chen Bespre­chung die­ses letz­ten Romans von F.M. Dostojewski.

Im Zwei­ten Kapi­tel des zwei­ten Buches des Ers­ten Teils die­ses umfang­rei­chen Wer­kes (mein rus­si­sches Hör­buch ist über 45h lang) kön­nen wir Sta­rez Sossi­ma (Ein Sta­rez ist so etwas wie eine Art „Über-Abt“ eines ortho­do­xen Klos­ters) bei Gesprä­chen mit unter­schied­li­chen Rat­su­chen­den beob­ach­ten. Ich fin­de in sei­nen Ant­wor­ten viel Weis­heit, auch wenn man man­ches „ins Evan­ge­li­sche“ über­set­zen soll­te. Aus dem hal­ben Dut­zend Gesprä­chen (hier ab S. 34) habe ich drei ausgesucht.

Die Sze­nen sind in sich abge­schlos­sen, und bis auf eine haben sie auch kei­ne wei­te­re Bedeu­tung für den Ver­lauf des Romans, kön­nen also in sich gele­sen wer­den. Ich habe sehr aus­führ­li­che Zita­te gewählt, um auch die gezeich­ne­ten Rah­men­be­din­gun­gen aufzuzeigen:

Kann schwere Sünde vergeben werden?

Beach­tet das Fein­ge­fühl, mit dem der Sta­rez das Pri­va­te pri­vat sein lässt aber vor allem den Hin­weis auf das Evan­ge­li­um am Schluss. In Dos­to­jew­skis Bei­spie­len fin­det sich zudem immer ein Zusam­men­hang zwi­schen kör­per­li­chem und see­li­schem Leid.

„Der Sta­rez hat­te in der Men­ge bereits die glü­hen­den Augen einer abge­zehr­ten, offen­bar schwind­süch­ti­gen jun­gen Bäue­rin bemerkt. Schwei­gend sah sie ihn an, ihre Augen baten um etwas,aber sie schien sich zu fürch­ten, näher zu kommen.
»Was führt dich her, mei­ne Liebe?«

»Erlö­se mei­ne See­le, Vater!« sag­te sie lei­se und lang­sam, fiel auf die Knie und beug­te sich bis zu sei­nen Füßen. »Ich habe gesün­digt, Vater. Ich fürch­te mich wegen der Sünde.«

Der Sta­rez setz­te sich auf die unters­te Stu­fe, und die Frau näher­te sich ihm, ohne sich von den Knien zu erheben.

»Ich bin das drit­te Jahr Wit­we«, begann sie fast flüs­ternd und schien dabei am gan­zen Kör­per zu zit­tern. »Ich hat­te es schwer in der Ehe, er war alt und schlug mich. Dann lag er krank, ich sah ihn an und dach­te: Wenn er nun wie­der gesund wird und auf­steht, was dann? Und da kam mir die­ser Gedanke …«

»War­te!« sag­te der Sta­rez und brach­te sein Ohr ganz dicht an ihre Lip­pen. Die Frau sprach flüs­ternd wei­ter, so daß die ande­ren kaum ein Wort auf­fan­gen konn­ten. Sie war bald fer­tig. Wei­ter­le­sen

J.I. Packer in seiner Einführung zu Owens Werk über das Sühneopfer Christi
Was ist biblisches Evangelium?

Man­che Dia­man­ten sind gut ver­steckt. Das gilt unbe­dingt für den Ein­lei­tungs­es­say, den J.I. Packer (Vgl. für einen Lebens­lauf die­sen Arti­kel) 1958 als Ein­füh­rung in eine Neu­auf­la­ge von John Owens Buch „The Deaht of Death in the Death of Christ“ ver­fasst hat. Der Arti­kel fin­det sich im Web oder deutsch­spra­chig als Teil die­ser gekürz­ten Über­set­zung von John Owens Klassiker.

Neu­lich griff ich wie­der­holt zur Ein­füh­rung von Packer, eigent­lich weil ich mich für Owens Werk auf­wär­men woll­te: Bis­her habe ich nichts ver­gleich­ba­res gele­sen, dass prä­zi­ser den Unter­schied von Armi­nia­nis­mus und Cal­vi­nis­mus auf­zeigt. Häu­fig kann man den Ein­druck bekom­men, als mei­ne man das sel­be, und betrach­te zwei unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven. Weit gefehlt, folgt man der Argu­men­ta­ti­on von Packer (eige­ne Übersetzung):

„Es gibt zwei kohä­ren­te Inter­pre­ta­tio­nen des bibli­schen Evan­ge­li­ums, die in einem kla­ren Gegen­satz zuein­an­der sind. Der Unter­schied zwi­schen den bei­den sind nicht bloß unter­schied­li­che Schwer­punk­te, son­dern der Inhalt. Ein Evan­ge­li­um ver­kün­digt einen Gott, der ret­tet, das ande­re spricht von einem Gott, der den Men­schen befä­higt, sich selbst zu ret­ten. Das eine ver­kün­digt die drei gro­ßen Hand­lun­gen der Hei­li­gen Drei­ei­nig­keit zur Wie­der­her­stel­lung der ver­lo­re­nen Mensch­heit — Erwäh­lung durch den Vater, Erlö­sung durch den Sohn und Beru­fung durch den Geist — als an die glei­chen Per­so­nen gerich­tet und ihre Erret­tung unfehl­bar erhal­tend. Die ande­re Sicht gibt jeder Hand­lung eine ande­ren Bezugs­punkt (die Erlö­sung bezieht sich auf die gesam­te Mensch­heit, die Beru­fung auf alle, die das Evan­ge­li­um hören, und die Erwäh­lung auf die Hörer, die dar­auf ant­wor­ten) und bestrei­tet, dass das Heil des Men­schen durch irgend­ei­ne die­ser Hand­lun­gen gesi­chert ist.

Die­se zwei Theo­lo­gien zeich­nen den Heils­plan somit in völ­lig unter­schied­li­chen Kate­go­rien auf. Die eine macht das Heil vom Werk Got­tes abhän­gig, die ande­re vom Werk des Men­schen; die eine betrach­tet den Glau­ben als Teil des Heils­ge­schen­kes Got­tes, die ande­re als des Men­schen eige­nen Bei­trag zum Heil; die eine gibt Gott die gan­ze Ehre für die Ret­tung der Gläu­bi­gen, die ande­re teilt das Lob zwi­schen Gott, der sozu­sa­gen die Heils­ma­schi­ne­rie gebaut hat, und dem Men­schen, der sie durch sei­nen Glau­ben in Gang gesetzt hat.

Die­se Unter­schie­de sind zwei­fel­los wich­tig, und der blei­ben­de Wert der „fünf Punk­te“ als Zusam­men­fas­sung des Cal­vi­nis­mus besteht dar­in, dass sie deut­lich machen, in wel­chen Berei­chen und in wel­chem Aus­maß die­se bei­den Auf­fas­sun­gen von­ein­an­der abweichen.…“

Lesenswerte Blog-Artikel September 2022

In Zukunft pla­ne ich, regel­mä­ßig auf lesens­wer­te Blog-Arti­kel hin­zu­wei­sen.  Das lief bei mir über den Bild­schirm in den letz­ten Wochen.

Wel­che Arti­kel habt ihr die letz­ten Wochen gele­sen? Wel­ches The­ma bewegt euch? Zu wel­chem The­ma hät­tet ihr ger­nen einen Arti­kel? Hin­ter­lasst mir ger­ne eure Kommentare!

O Beard, Where art Thou?

Wie man es von Greg Mor­se gewöhnt ist, ein mit aus­rei­chend Iro­nie aus­ge­stat­te­ter Arti­kel, der Männ­lich­keit und Bär­te und Schöp­fung dis­ku­tiert. Sein Aus­gangs­punkt: War­um war es für die Män­ner Davids eine so gro­ße Schan­de, als sie Zwangs­ra­siert wur­den? (2. Sam. 10, 11ff) Erschie­nen am 22.08.2022 bei desiringGod.

How the 5 Solas Do More Than Respond to Catholicism

Der Arti­kel, den Micha­el Kru­ger am 29.08.2022 auf sei­nem Blog michaeljkruger.com ver­öf­fent­lich hat, ging mir in die­ser Wei­se eben­falls durch den Kopf. Aus­ge­hend von den 5 Solis kann man leicht auf­zeich­nen, was es bedeu­tet „typisch evan­ge­lisch zu sein“. Wie häu­fig bei Kru­ger emp­fin­de ich sei­ne Arti­kel als etwas zu kurz, so dass die wirk­lich bren­nen­den Fra­gen nicht aus­rei­chend tief genug berührt wer­den. Wei­ter­le­sen

Medienstapel im Sommer 2022

Im fol­gen­den ein paar Files“, die im Som­mer auf Ohren und Augen gingen:

Weisheit im Umgang mit den sozialen Medien

Vik­tor Mar­tens von der Bibel­ge­mein­de Bay­reuth, hält hier einen Vor­trag über Weis­heit im Umgang mit den sozia­len Medi­en. Sein Fazit ist, dass „Unse­re digi­ta­le Ernäh­rungs­py­ra­mi­de“ kor­ri­giert (oder umge­kehrt) wer­den muss. In sei­nem Vor­trag geht er auf ganz prak­ti­sche Her­aus­for­de­run­gen ein, die uns im Umgang mit sozia­len Medi­en begeg­nen und ent­larvt ein „zu Viel“ und ein „zu Schnell“ am Kon­sum der Sozia­len Medi­en als Unwei­se. Unter ande­rem kann es pas­sie­ren, dass ich letzt­lich nur das höre, was ich hören möch­te, ja dass die ent­spre­chen­den Such­al­go­rith­men mir auch nur das auf­ti­schen, was ich hören möch­te. Ein viel­schich­ti­ger und gelun­ge­ner Vor­trag mit vie­len prak­ti­schen Situa­tio­nen, frisch und unauf­ge­regt vor­ge­tra­gen. Als exzel­lent wür­de ich den Vor­trag bezeich­nen, wenn er weni­ger in die Zeit der Coro­na-Situa­ti­on spre­chen würde:

Der Orientzyklus als Hörspiel und als Film

Ich woll­te (gegen­wär­tig ganz Gegen­kul­tur) Karl May den Kin­dern näher brin­gen. Also ver­such­ten wir uns an ein 10h Hör­spiel vom Hör­ver­lag. Dadurch das lan­ge Ein­blen­den aus dem eigent­li­chen Leben Mays ein­ge­wo­ben wer­den, war das Hör­spiel so lei­der kaum an Kin­der ver­mit­tel­bar. Wir hör­ten schließ­lich wei­te Tei­le des ers­ten Ban­des: „Durch die Wüs­te“. Zwei Tei­le des Ori­ent­zy­klus wur­den auch recht ordent­lich ver­filmt: „Durchs wil­de Kur­di­stan“ und „der Schut“. Wei­ter­le­sen

Lesestapel im Sommer 2022

Ein Blick auf Bücher, die mei­ne Som­mer­fe­ri­en beglei­tet haben.

  • „Die zwei Bücher an sei­ne Frau“ von Ter­tul­li­an. Eine ver­rück­te Schrift, die eigent­lich die radi­ka­le Aus­rich­tung Ter­tul­li­ans bezeugt. Er emp­fiehlt, ein wei­ses Vor­ge­hen für den Fall, dass er stirbt und sie als Wit­we da bleibt: Am bes­ten nicht wie­der­hei­ra­ten! Zitat Ter­tul­li­an: “ Man kann sagen: wofür man erst einer Erlaub­nis bedarf, das ist nicht gut. Wie­so denn? Für das, was erst erlaubt wird, gibt es immer eine Ver­an­las­sung zur Ertei­lung der Erlaub­nis, wel­che ver­däch­tig ist. Das Vor­züg­li­che­re aber braucht nicht erst von jemand erlaubt zu wer­den — weil es unbe­denk­lich und wegen sei­ner Ein­fach­heit an sich klar ist.“ Man erahnt in die­sem Buch den auf­kei­men­den Monas­ti­zis­mus der frü­hen Kirche
  • „Grie­che sucht Grie­chin“ von Fried­rich Dür­ren­matt. Ein ele­gan­ter Anfang, ein viel­ver­spre­chen­der Mit­tel­teil, und wie so oft bei Dür­ren­matt ein eher schwa­cher Abgang. Tat­säch­lich wur­de das Werk nie been­det, und hat nur eine vom Autor bei­gefüg­te Schluß­skiz­ze. Ein gro­tes­kes Werk, dass den Men­schen immer das Cha­os vor Augen stellt. Da es um die Ver­mäh­lung eines streng­gläu­bi­gen Grie­chen (er ist tat­säch­lich „Alt­neu­pres­by­te­ra­ner“) mit einer „heim­li­chen Mätres­se“ geht, teils leicht anstö­ßig zu lesen.
  • „Wahr­heits­be­kräf­ti­gung aller Arti­kel Mar­tin Luthers“  Es war super schwer von die­sem Werk über­haupt eine deut­sche Fas­sung zu fin­den, obwohl man vor allem in der eng­lisch­spra­chi­gen Luther-Rezep­ti­on stän­dig zu die­ser Schrift, die eine gebün­del­te Wie­der­le­gung der Bann­bul­le von Papst Leo ist, dar­stellt.  Hier fin­det sich die Vor­re­de kos­ten­frei im Web. Das voll­stän­di­ge Werk ist Teil die­ser Rei­he. Sehr lesens­wert. Der frü­he Luther in Rein­form: “ Daher sage ich auch jetzt noch: Hüte dich, hüte dich, Bru­der Christ, dass du nie­mals auf dei­ne Reue ver­traust; nicht die­ser, son­dern dei­nem Glau­ben hat Gott Ver­ge­bung der Sün­den ver­hei­ßen. Es gibt näm­lich zwei Wor­te Got­tes: Das eine ist das Gebot, das ande­re ist die Ver­hei­ßung. Das Gebot for­dert Wer­ke, die Ver­hei­ßung Glau­ben. Und es ist nicht denk­bar, wie die Ver­hei­ßung erfüllt wer­den könn­te ohne den Glau­ben durch irgend­ein Werk.“
  • Pere­lan­dra —  Tri­lo­gie. Nun bin ich bei Band drei ange­langt und hal­te das Werk für einen äußerst gelun­ge­nen Gegen­ent­wurf zur Sci-Fi-Lite­ra­tur a la Star Wars oder Krieg der Wel­ten. Einen kur­zen Ein­blick in die ers­ten bei­den Bän­de gebe ich in die­sem Arti­kel.
  • F.B. Mey­er: John the Bap­tist. Ich habe mich aus­führ­lich mit dem Leben Johan­nes des Täu­fers beschäf­tigt. Das Neue Tes­ta­ment räumt die­sem „von allen Frau­en gebo­re­nen Größ­ten“ wei­ten Raum ein; so über­rasch­te mich z.B. der regel­mä­ßi­ge Bezug zu Johan­nes dem Täu­fer in der Apos­tel­ge­schich­te. Zudem wird sein Dienst eben­falls bereits im Alten Tes­ta­ment ange­kün­digt. In der Vor­be­rei­tung konn­te ich kaum sinn­vol­le und hilf­rei­che Lite­ra­tur fin­den. Mey­ers Werk kann ich zu Gute hal­ten, dass es wirk­lich alle Etap­pen im Leben von Johan­nes dem Täu­fer bespricht. Die Anwen­dun­gen sind aber deut­lich über­zeich­net, so dass das Werk letzt­lich an Prä­gnanz verliert.
  • Lite­ra­tur zum Buch Rich­ter: Nach einem Jahr Pau­se habe ich mir wie­der Lite­ra­tur zum Buch Rich­ter vor­ge­knöpft. Die eige­ne Vor­be­rei­tung und Aus­ein­an­der­set­zung mit die­sem Buch hilft mir nun viel aus­ge­wo­ge­ner mit wei­ter­füh­ren­der Lite­ra­tur zu die­sem The­ma umzu­ge­hen. Ich habe das sehr kon­ser­va­ti­ve Werk von Bill Coo­per gele­sen „The Autenthi­ci­ty of the Book of Jud­ges“. Coo­per erar­bei­tet zahl­rei­che hilf­rei­che Infor­ma­tio­nen auf, die die Glaub­wür­dig­keit des Buches Rich­ter unter­strei­chen, geht aber nicht aus­rei­chend auf kri­ti­sche Ele­men­te ein. Ich ver­su­che zu die­sem Werk bei Gele­gen­heit eine Rezen­si­on nach­zu­rei­chen. Ich griff dann auf das Buch „The Tri­umph of Iro­ny in the Book of Jud­ges“ von Lil­li­an R. Klein. Ein Buch, das vor allem die lite­ra­ri­sche Struk­tur, und vor­nehm­lich die Ver­wen­dung iro­ni­scher, humor­vol­ler, sar­kass­ti­scher Stil­mit­tel des Autors beschreibt. Wei­test­ge­hend hat die Autorin hilf­rei­che Hin­wei­se, auch wenn mei­nes Erach­tens mei­ne Figur zu sehr über gedeu­tet wird. Schließ­lich bin ich noch auf „Sto­ry as Torah: Rea­ding the Old Tes­ta­ment Nar­ra­ti­ve Ethi­cal­ly“ von Gor­don Wen­ham gesto­ßen. Die­ses Buch wid­met sich der Fra­ge, wie man die wei­test­ge­hend neu­tral und sach­lich geschil­der­ten Bege­ben­hei­ten im Buch Rich­ter und im Buch Gene­sis ethisch deu­ten kann. Der Autor weist dar­auf hin, dass die Struk­tur die­ser Bücher oft Hin­wei­se für die Deu­tung sol­cher Ereig­nis­se gibt. Die­ses Werk ist äußerst lesenswert.

Was habt ihr in euren Som­mer­fe­ri­en gelesen?

„Eine Predigt für den schlechtesten Menschen auf Erden“
Spurgeons Verkündigung des Evangeliums

Charles Haddon Spurgeon by Alexander Melville.jpgIch soll­te häu­fi­ger zu den Pre­dig­ten von Spur­ge­on grei­fen. Sei­ne einer­seits ein­fa­che und nach­sich­te, aber gleich­zei­tig ent­schie­de­ne und sau­be­re Art der Evan­ge­li­ums­ver­kün­di­gung ist eine Ermu­ti­gung für jeden Chris­ten, aber auch Vor­bild für jeden, der im Ver­kü­di­gungs­dienst steht.

Spur­ge­ons Pre­digt über Lukas 18,13 (Das Gebet des Zöll­ners) ist mit dem Titel „Eine Pre­digt für den schlech­tes­ten Men­schen auf Erden“ über­schrie­ben. Die voll­stän­di­ge Pre­digt fin­det sich kos­ten­frei in The Spur­ge­on Libra­ry oder in über­setz­ter Fas­sung im Band 7 der Spur­ge­on­pre­dig­ten vom 3l-Verlag.

Spur­ge­on zieht aus Lukas 18,13 vier Lehren:

  1.  Die Wirk­lich­keit der Sünd­haf­tig­keit ist kein Grund zur Verzweiflung;
  2.  Ein Gefühl von Sünd­haf­tig­keit ver­leiht kein Recht auf Gnade;
  3.  Das Wis­sen ihrer eige­nen Sünd­haf­tig­keit führ die Men­schen zu den rech­ten Taten;
  4.  Das Glau­bens­vol­le Beken­nen der Sünd­haf­tig­keit ist der Weg des Friedens.

Gera­de das, was Spur­ge­on im zwei­ten Kapi­tel aus­führt, fand ich wert­voll und einer Neu­ent­de­ckung in unse­rer Zeit wert. Ich zitie­re ausführlich:

Wei­ter­le­sen

„Evangelischer Glaube Kompakt“ von Thomas Schirrmacher
Darüber wie es ist, als Nicht-Presbyterianer das Westminster Bekenntnis zu lesen

Das hat mich zunächst in die­ser Ver­si­on des West­mins­ter Glau­bens­be­kennt­nis­ses von 1647 (Im fol­gen­den mit WB abge­kürzt) von Tho­mas Schirr­ma­cher irri­tiert, dass er das Werk mit einem zusätz­li­chen Titel ver­sieht: „evan­ge­li­scher Glau­be kom­pakt“. Je mehr ich aber auf die­se Bekennt­nis­schrift zurück­grei­fe, des­to eher sehe ich es als eine Art „Cheat-Buch“ für dog­ma­ti­sche Fra­gen.  Als ich vor eini­ger Zeit z.B. für eine Jugend­grup­pe einen Vor­trag über das The­ma Heils­ge­wiss­heit vor­be­rei­tet habe, griff ich voll­stän­dig auf die Struk­tur zurück, wie es das WB In Kapi­tel 18 dar­stellt: Behut­sam ent­wi­ckelt das Bekennt­nis an die­ser Stel­le, dass es vor allem um den Wachs­tum im Glau­ben geht, dass Heils­ge­wiss­heit mög­lich, aber nicht heils­not­wen­dig sei, erstre­bens­wert, aber nicht auf eine zu ver­zwei­feln­de Wei­se, son­dern im Gott­ver­trau­en anzueignen.

Oder neh­men wir Kapi­tel 9: Vom frei­en Wil­len. Das Bekennt­nis hat hier die augus­ti­ni­sche Struk­tur im Hin­ter­grund, so dass es die Wil­lens­frei­heit vor dem Fall, nach dem Fall, nach der Wie­der­ge­burt und in der Herr­lich­keit betrach­tet. Somit fällt die Ant­wort nicht ein­fach plump mit „ja oder nein“  aus, son­dern führt ziel­stre­big zur Fra­ge nach „ech­ter Wil­lens­frei­heit“  Mit den Wor­ten des Bekennt­nis­ses, dass es übri­gens kos­ten­frei zum Down­load gibt: (Arti­kel 9,5) „Der Wil­le des Men­schen wird erst im Stand der Herr­lich­keit volk­kom­men und unver­än­der­lich frei gemacht, nur Gutes zu tun.“ Damit argu­men­tiert das Bekennt­nis an die­ser Stel­le völ­lig anders, als die übli­che evan­ge­li­ka­le Lösung, die meint, wir wür­den im Him­mel nicht mehr sün­di­gen, weil Satan nicht mehr da sei.

Sehr hilf­reich auch für Jung­schar­un­ter­richt oder all­ge­mein Jün­ger­schaft, sind die ers­ten Kapi­tel des Bekennt­nis­ses gene­rell: Da wäre das ers­te Kapi­tel von der Hei­li­gen Schrift zu erwäh­nen, das bei wei­tem nicht so plump for­mu­liert ist, wie es ger­ne die libe­ra­len Chris­ten bibel­gläu­bi­gen Evan­ge­li­ka­len vor­wer­fen, und natür­lich das Kapi­tel über die Drei­ei­nig­keit, oder schließ­lich, das sei beson­ders her­vor­ge­ho­ben,  das Kapi­tel über Chris­tus den Mittler.

Das Mit­tel­stück des Bekennt­nis­ses bil­den Fra­gen der Erret­tung, wie der Recht­fer­ti­gung, der Adop­ti­on, der Buße, des Aus­har­rens und des Geset­zes Got­tes mit abschlie­ßen­den Fra­gen nach der Bezie­hung zwi­schen Staat und Kir­che, des Sab­bats, der Ehe und den Sakra­men­ten, sowie der Gemeindezucht.

Wer ein Bekennt­nis aus refor­mier­ter Sicht sucht, kommt nie­mals an die­ser Bekennt­nis­schrift vor­bei. Schirr­ma­chers Aus­ga­be wird durch zahl­rei­che Stütz­stel­len und durch die wei­te­ren Vari­an­ten die­ser pro­tes­tan­ti­schen Bekennt­nis­schrift deut­lich berei­chert. John Owen war bekannt­lich nicht der pres­by­te­ria­ni­schen Kir­chen­ord­nung zuge­neigt, und erwei­ter­te das Kapi­tel zum The­ma „Gemein­de“ erheb­lich. Die­se Vari­an­te wie­der­um war grund­le­gend für Anpas­sun­gen zum The­ma Tau­fe und form­ten so das Glau­bens­be­kennt­nis der bri­ti­schen Bap­tis­ten (natür­lich das von 1689).  Auf die­se Wei­se kann Schirr­ma­cher auf­zei­gen, wie zen­tral das WB für unter­schied­li­che pro­tes­tan­ti­sche Strö­mun­gen wur­de. Wei­ter­le­sen

Wie auf Perelandra über Gottes Willen im Bösen diskutiert wurde
„O felix culpa“ auf der Venus

Perelandra: Die Perelandra-Trilogie, Band 2 by [C. S. Lewis]End­lich habe ich mich gewagt die Sci­ence-Fic­tion Tri­lo­gie von C.S.Lewis zu lesen. Sie ist als Gegen­ent­wurf zu der zu sei­ner Zeit auf­kei­men­den Sci­ence-Fic­tion-Lite­ra­tur zu ver­ste­hen. Ent­ge­gen den zahl­rei­chen Wer­ken von H.G.Wells (auch heu­te noch durch Krieg der Wel­ten bekannt) geht in C.S.Lewis Space-Tri­lo­gie die Gefahr nicht vom Außer­ir­di­schen Leben, son­dern vom Men­schen aus. Im ers­ten Band wird der Lin­gu­ist Ran­som von zwei Wis­sen­schaft­lern auf den Mars (im Buch Mala­kan­dra genannt) ent­führt, die hof­fen, die gro­ßen Gold­vor­kom­men dort im Aus­tausch für ein Men­schen­op­fer Ran­soms erwer­ben und aus­beu­ten zu können.

Nur durch das Ein­grei­fen der Eldi­la, einer Art Boten Got­tes (auf einem Pla­net ohne Sün­den­fall leben alle ein Leben vor Gott), kann die schlimms­te Kata­stro­phe ver­hin­dert wer­den, und die Mensch­lin­ge wer­den wie­der zurückgeschickt.

Ran­soms Blick auf das Leben wird durch die­se Begeg­nung ver­än­dert und er wird von den Eldi­la auf eine wei­te­re Mis­si­on nun auf den Pla­ne­ten Venus (von den Bewoh­nern dort Pere­lan­dra genannt) geschickt. Er weiß nur, dass er eine gro­ße Gefahr unter­bin­den soll, aber nicht genau wel­che. Bald begeg­net er einer Köni­gin auf die­sem Pla­ne­ten, die auf der Suche nach ihrem König ist. Bei­de sind eine Art Ure­va und Uradam. Im Grun­de nutzt C.S. Lewis die­se Sze­ne um Dia­lo­ge von einem Men­schen nach dem Sün­den­fall mit den Men­schen vor dem Sün­den­fall zu ermög­li­chen. Wei­ter­le­sen

„O felix culpa“
Aus der römisch-katholischen Osternachtsliturgie

Manch­mal stößt man über ein Zitat in unter­schied­li­chem Kon­text mehr­fach. So ging es mir mit einem Aus­schnitt aus der Oster­nachts­lit­ur­gie, der min­des­tens pro­vo­zie­rend for­mu­liert ist. Da heißt es (latei­ni­sche und deut­sche Fas­sung von hier):

O cer­te necessa­ri­um Adae peccatum,
quod Chris­ti mor­te dele­tum est!

O felix culpa,
quae talem ac tan­tum meruit habe­re Redemptorem!

Oh wahr­haft heil­brin­gen­de Sün­de des Adam,
du wur­dest uns zum Segen, da Chris­ti Tod dich ver­nich­tet hat.

O glück­li­che Schuld,
welch gro­ßen Erlö­ser hast du gefunden!

Der Aus­ruf „O glück­li­che Schuld“ hat es sogar zu einem Wiki­pe­dia-Arti­kel geschafft. Kost­bar ist der dahin­ter­lie­gen­de Gedan­ke, dass die Wie­der­her­stel­lung des Sün­ders in der Erlö­sung in in einen höhe­ren Stand bringt, als den er vor dem Fall besaß. Vor allem Augus­ti­nus inves­tier­te in die­se Über­le­gun­gen eini­ge Zeit und Hirn­schmalz. Dar­un­ter im Enchi­ri­dion (Dem Buch vom Glau­ben, der Hoff­nung und der Lie­be). Da heißt es unter ande­rem: Meli­us enim iudi­ca­vit de malis bene­fa­ce­re, quam mala nul­la esse per­mit­te­re — Gott hielt es für bes­ser aus dem Bösen das Gute zu wir­ken, als gar kein Böses zuzu­las­sen). Ent­spre­chend ist der Zustand des Men­schen in der Herr­lich­keit ein Bes­se­rer, da er nicht sün­di­gen kann. Die Herr­lich­keit von jeman­den, der nicht mehr die Mög­lich­keit besitzt zu sün­di­gen ist somit bes­ser und höher, als die, von jeman­den der sie kann.

Die­ses unter­schied­li­che  Befä­hi­gung Gutes und Böses zu tun, fin­den wir erneut im West­mins­ter Bekennt­nis, dass sich eng an den vier Wil­lens­zu­stän­den des Men­schen ori­en­tiert, wie es Augus­ti­nus schil­dert, als es das Kapi­tel vom frei­en Wil­len beschreibt:

  • Vor dem Fall: Fähig zu sündigen
  • Nach dem Fall: Nicht fähig nicht zu sündigen
  • Nach der Wie­der­ge­burt: Fähig nicht zu sündigen
  • In der Herr­lich­keit: Nicht fähig zu sündigen

In Kür­ze. Ein erneu­er­ter Blick auf die Erlö­sung erneu­ert auch unse­ren Blick dar­auf, was „ech­te Frei­heit des Wil­lens bedeu­tet“, näm­lich die, mit Got­tes Wil­len im Ein­klang zu sein. Oder mit den Wor­ten des West­mins­ter Bekennt­nis­ses (Arti­kel 9.5):

„Der Wil­le des Men­schen wird erst im Stand der Herr­lich­keit voll­kom­men und unver­än­der­lich frei gemacht, nur Gutes zu tun“

Die zwei Autoren, die „felix cul­pa“ erwähn­ten, waren übri­gens, zunächst Edmund Clow­ney, der in sei­nem Werk zur Chris­to­lo­gie zeigt, dass wir erst nach dem Fall die Herr­lich­keit Chris­ti erfah­ren und zwei­tens Hel­mut Thieli­cke in einem Pre­digt­band über die Gleich­nis­se Chris­ti (unter dem Titel „Das Bil­der­buch Got­tes“ erschienen).

Christus in der ganzen Schrift erkennen und verkündigen
Literaturhinweise für ein Bibelstudium mit Christus im Zentrum

Preaching Christ in All of Scripture (English Edition) by [Edmund P. Clowney]Mei­ne Rei­se in ein Bibel­le­sen mit Chris­tus im Zen­trum fing mit Edmund Clow­ney an. Zuerst bin ich auf die von Clow­ney mit Tim Kel­ler gemein­sam gehal­te­ne Vor­le­sung „Preaching Christ in a Post­mo­dern World gesto­ßen“.  Die­se war ein gewis­ser Start­punkt und spä­ter griff ich zur Vor­le­sung zur bibli­schen Theo­lo­gy von Clow­ney, die eben­falls kos­ten­frei zugäng­lich ist.

Sei­ne Stra­te­gie stellt Clow­ney in Kür­ze auch in einem Essay vor, der das Ein­lei­tungs­ka­pi­tel zu einem Pre­digt­sam­mel­band von ihm dar­stellt: Preaching Christ in All of Scrip­tu­re — Chris­tus aus der gan­zen Schrift predigen.

Durch Clow­ney habe ich auch uner­war­te­te Fähr­ten der Schrift ent­deckt, die zu Chris­tus füh­ren. In sei­ner Vor­le­sung führt Clow­ney aus, wie z.B. das Gebot „Du sollst nicht ehe­bre­chen“ auf Chris­tus zeigt: Gott nimmt nicht eine bereits vor­han­de­ne Insti­tu­ti­on der Ehe, um die­se als Meta­pher für die Lie­be Chris­ti zu sei­ner Gemein­de zu ver­wen­den, son­dern die Ehe ist ein Abbild einer längst, ja vor Grund­le­gung der Welt vor­han­de­nen Rea­li­tät, der die­nen­den Lie­be Chris­ti. Unse­re Ehen wer­den an die­sem Anspruch, der im Sohn Got­tes zu sehen ist, gemes­sen. Des­we­gen ist Ehe­bruch und Hure­rei auch so tra­gisch, da wir dem nicht nach­kom­men, zu dem wir als Abbilder/Bilder Got­tes beru­fen sind. Apro­pos Bil­der Got­tes. Sol­len wir uns nicht auch des­we­gen kei­ner­lei Bil­der von Gott machen, da Gott selbst „den Abganz sei­ner Herr­lich­keit“ (Heb. 1.1−2) in sei­nem Sohn zei­gen will und wir eben nur einen Anti­chris­ten pro­du­zie­ren wür­den, wenn wir sel­ber ein Bild von Gott machen würden?

In die­ser Wei­se ent­deckt und beschreibt Clow­ney, wie alle Spu­ren, Bil­der, Gedan­ken, Gebo­te, Tra­di­tio­nen und Prak­ti­ken der Bibel zu Chris­tus füh­ren. Ist Chris­tus in den Geset­zen der Tho­ra zu fin­den, ver­ste­hen wir plötz­lich, war­um sich die Psalmsän­ger an den Gebo­ten, ob nun den Zere­mo­ni­al­ge­set­zen oder den juris­ti­schen, der­art erfreu­en: „HERR, wenn ich an dei­ne ewi­gen Ord­nun­gen den­ke, so wer­de ich getrös­tet. (…) Dei­ne Gebo­te sind mir ein Lied gewor­den“ (Ps. 119,52.54) Wei­ter­le­sen