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Mit ChatGPT im Gespräch über Johannes 9, Sinn im Leiden, Mission und empfehlenswerte Bibelkommentare

Die Künstliche Intelligenz OpenAI bzw. ChatGPT ist in aller Munde. Sie schreibt kleine Programme, Gedichte und Sachtexte, löst Matheaufgabe und empfiehlt Pizzabelag. Auf Biblipedia findet sich gar ein Predigttext von ChatGPT. Ich konnte nicht wiederstehen auf chat.openai.com mit der künstlichen Intelligenz über Johannes 9 zu reden (Ich habe die Antworten von ChatGPT immer wieder gekürzt, da er häufig ganze Fragmente beinahe Identisch wiedergab, ansonsten aber nichts am Text geändert). Dennoch brachte ich die AI am Schluß dazu Jesus als Retter zu bekennen.

S.P: Welche Hintergrundinformationen benötige ich, um Johannes Kapitel 9 besser zu verstehen? Ich meine das Wunder Jesu, als er den Blindgeborenen sehend gemacht hat:

ChatGPT: Um das Wunder, das Jesus in Johannes 9 vollbringt, in seinem historischen und literarischen Kontext zu verstehen, könnten einige Hintergrundinformationen hilfreich sein:

  1. In der Bibel werden Wunder oft als Zeichen dargestellt, die die Autorität und Macht Gottes oder seiner Vertreter demonstrieren. Das Wunder des Blindengeborenen, der sehend gemacht wird, könnte also als ein solches Zeichen verstanden werden, das Jesus als von Gott gesandten Messias oder Prophet ausweist.
  2. Das Johannesevangelium gehört zu den späteren Schriften des Neuen Testaments und unterscheidet sich in mancher Hinsicht von den anderen Evangelien. Eines der Hauptmerkmale des Johannesevangeliums ist sein starkes Augenmerk auf die Verkündigung Jesu und seine göttliche Natur. Im Johannesevangelium werden viele Wunder beschrieben, die Jesus vollbringt, und sie werden oft als „Zeichen“ bezeichnet, die die Wahrheit seiner Lehren und seine göttliche Natur bezeugen sollen.
  3. In der jüdischen Tradition galt Blindheit oft als Strafe für Sünde. Das Wunder, das Jesus vollbringt, indem er den Blindgeborenen sehend macht, könnte daher auch als eine Art „Sündenvergebung“ oder „Reinigung“ verstanden werden, die Jesus für den betreffenden Menschen vollzieht.
  4. Johannes 9 findet innerhalb des größeren Kontexts des Johannesevangeliums statt. Es könnte daher hilfreich sein, auch die umgebenden Kapitel zu lesen, um das Wunder in seinem literarischen Kontext besser zu verstehen.

S.P.: Ist Strafe für die Sünde die übliche Erklärung für unser Leiden?

ChatGPT: In manchen Religionen und theologischen Traditionen wird das Leiden und die Not, die Menschen erfahren, als Strafe für Sünde gesehen. Dieser Gedanke findet sich zum Beispiel in der jüdischen Tradition und in manchen christlichen Traditionen. In der Bibel werden manche Leiden, die Menschen erfahren, tatsächlich als direkte Folge von Sünde dargestellt, zum Beispiel das Leiden, das Kain aufgrund seiner Mordtat erfährt (Genesis 4,12).

In anderen Fällen wird das Leiden, das Menschen erfahren, als Teil des menschlichen Lebens betrachtet, das alle Menschen aufgrund der ursprünglichen Sünde, die Adam und Eva begangen haben, teilen. Dieser Gedanke findet sich zum Beispiel in der christlichen Tradition, die das Konzept der Erbsünde lehrt.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Sichtweise des Leidens nicht die einzige oder universelle Sichtweise ist. In manchen Religionen und theologischen Traditionen wird das Leiden anders erklärt, zum Beispiel als Prüfung oder Gelegenheit zur persönlichen Entwicklung. Andere sehen das Leiden als einfach einen Teil des menschlichen Lebens an, ohne es direkt mit Sünde oder Strafe in Verbindung zu bringen.(…)

S.P.: Warum ist es wichtig für dich zu betonen, dass es keine allgemeingültige Antwort auf das Leiden gibt?

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Wenn selbst Beethoven und Shakespeare nicht genug sind

Die Tage bin ich bei Kreeft/Tacelli auf diese Aussage von/über Jean-Paul Sartre gestoßen: „Even the atheist Jean-Paul Sartre admitted that “there comes a time when one asks, even of Shakespeare, even of Beethoven, ‘Is that all there is?’ ” (Peter Kreeft und Ronald K. Tacelli, Handbook of Christian Apologetics: S. 78). – Ich habe das Zitat nicht auf deutsch finden können und übersetze frei: „Selbst der Atheist Jean-Paul Sartre räumte ein, dass es Zeitengibt, in der man sich sogar über Shakespeare und Beethoven fragt: ‚War das alles?'“

Kreeft und Tacelli führen Sartres Aussage im Rahmen ihrer Argumentation auf, dass unser Verlangen „nach Mehr“ davon zeugt, dass wir mit einem Verlangen „nach Mehr programmiert“ sind. Gänzliche Zufriedenheit im Materiellen? – Fehlanzeige!

Ich gebe den Autoren in ihrer These recht, aber beim Lesen der oben genannten Zeilen schweiften meine Gedanken zur Pracht der Musik. Zur Erfüllung, die wir beim Konsum von Musik erfahren. Sollte es da etwas besseres geben als „Beethovens Neunte“? Seine letzte vollende Sinfonie ist wirklich ein Genuss (Auf Youtube finden sich zahlreiche Aufführungen, von denen ich einige angehört habe, aber meine Expertise reicht nicht aus, um sie zu bewerten).

Es ist auch Beethovens Neunte die im Jahre 2072, wenn alle Emotionen mit Medikamenten unterdrückt werden und Kunst verboten ist, da sie Gefühle und Emotionen fördert, den leitenden „Anti-Gefühls-Polizisten“ John Preston zum Umdenken führt. So stellt es die Dystopie „Equilibrium“ dar: Als Preston ein Nest von „Sinnestätern“ aufdeckt, dass gefüllt ist mit den letzten Resten an Kunstartikeln, kann er nicht widerstehen eine Schalplatte aufzulegen und hört auf dieser die Neunte Sinfonie von Beethoven (Diese hervorragende Szene mit Christian Bale findet sich hier).

So gut wie jeder dürfte zumindest einen Auszug dieser Sinfonie kennen, die Europahymne über die Freude (Ich kann an dieser Stelle nicht widerstehen auf die herrliche Parodie dieser Ode an die Freude von Rowan Atkinson hinzuweisen). Geradezu auf unglaubliche Weise beeindruckend ist schließlich die Tatsache, dass diese Komposition von Beethoven verfasst wurde, als er bereits vollständig taub war.

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Wenn man nicht mehr lesen kann…

Immer wieder habe ich Phasen, in denen mir Bücher, vor allem theologische Bücher als derart lästig vorkommen, dass ich sie nicht mehr lesen mag.

Es sind Phasen, in denen mich selbst die besten Werke und liebsten Autoren ärgern. Ich möchte das an einem meiner Lieblingsautoren, Carl R. Trueman, illustrieren. So fiel mir immer auf, dass er „katholikenfreundlich“ schreibt. Das finde ich im Allgemeinen zunächst unproblematisch. Aber dann lese ich seine Kritik an den Evangelikalen, die Bekenntnisse nicht so ernst nehmen. Nun was soll man dann machen? Soll ich Carl. R. Trueman daran erinnern, dass es ja sein Bekenntnis ist, das in Artikel 26,5 über den Papst diese Aussage trifft: „Auch der Papst von Rom kann nicht in irgendeinem Sinn ihr Haupt sein, sondern er ist der Antichrist, der Mensch der Sünde und Sohn des Verderbens, der sich selbst in der Kirche gegen Christus und alles, was Gott genannt wird, erhebt“. In Kürze: Ich fange an, diese Aussagen persönlich zu nehmen und das Gefühl, dass all diese Aussagen bloß Macht-Strategien sind, um sich einen guten Lehrstuhl zu verschaffen oder die richtige Zeitschrift (FirstThings) als Herausgeber zu erhalten, fängt an zu dominieren.

Natürlich mag ich mich irren, und ich hoffe, hier kein Urteil über Trueman zu fällen, sondern vor allem zu beschreiben, wie der Keim eines Verdachts aufkommt, der nicht so schnell ausgerottet werden kann. Das Lesen von Trueman ist auf jeden Fall zunächst gelähmt. Greife ich nach Trueman zu einem seelsorgerlichen Werk, keimt der Verdacht aber weiter: Auch dieses Buch landet in der Ecke, da ich nicht den Verdacht loswerde, dass dieses wiederum aus rein finanziellen oder sonstig manipulativen Gründen verfasst wurde. Im Übrigen ist das ganze hier nur ein punktueller Einblick in eine äußerst dicke und Schicht Frustration mit theologischen Büchern, die oft lange schlummert und nun erbarmungslos herausbricht. Ich habe einfach keine Geduld mehr mit ihnen.

Das kann gehörig frustrierend sein, aber da ich bereits die dritte Runde „dieser Fastenzeit“ drehe, bringe ich dieses Mal etwas mehr Gelassenheit mit. In diesem Artikel möchte ich nun schildern, was ich anschließend unternehme (und was mich letztlich zu den Büchern zurückbringt)

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Letters of Note – Briefe, die die Welt bedeuten

Da läuft man nach Jahren mal wieder in eine Tschibo-Filiale und stolpert über ein Buch, das man gleich einpackt – und völlig zurecht, wie sich herausstellen stellte.

Der Band enthält ein Sammelsurium von 112 Briefen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Menschheitsgeschichte. So findet sich der vermeintliche Brief von Jack the Ripper an eine Bürgerwehr (der Sendung war eine menschliche Niere beigelegt), wie der Brief, den Charles Dickens an die Times schrieb, als er der Hinrichtung eines Paars beiwohnte.

Was das Buch besonders anschaulich macht ist, dass bei den meisten Briefen die Originale als farbliche Abbildungen beigefügt sind.

So kann man z.B. die Kokosnuss bestaunen, die John F. Kennedy während des zweiten Weltkriegs mit einer Hilfsbitte nach einer Strandung einem neugeborenen übergab oder das Rezepte des Eierkuchens, dass Queen Elizabeth II an US-Präsiden Eisenower sandte.

Handschriftliche Briefe! Ah, wie wundervoll und herrlich! Da kriegt man Lust, selber ein paar Briefe zu schreiben.

Einige Briefe sind herrlich ironisch, so wie die Bitte eines 14 Jährigen Fidel Castros beim US-amerikanischen Präsidenten um „einen grünen zehn Dollar Schein“ oder das Schreiben einer Elfjährigen an den damals noch bartlosen Abraham Lincoln mit dem Hinweis, dass ein Bart ihm sicher viel mehr Wählerstimmen einbringen würde („Alle Damen lieben Bärte“). Immer wieder findet man aber auch erschütternde Schreiben, wie z.B. ein Brief vom FBI an Martin Luther King, in dem sie ihn aktiv erpressen und ihm nahelegen Suzid zu begehen (!) oder das SChreiben vom Mark Chapman an einen Memorabilia-Experten, der frägt, was ein signiertes Album von John Lennon für einen Wert besitzt (Chapman hat wenige Stunden nachdem er sein Album von Lennon signieren lassen hat, diesen erschossen).

Obwohl jeder Brief seine Geschichte beschreibt, finden sich auch Briefe mit historischer Bedeutung, wie z.B. eine Schrift aus der ägyptischen Antike, die den Dienst eines „Pharao-angestellten schildert“ oder das Schreiben, in dem Maria Stuart ihre bevorstehende Hinrichtung schildert.

In einigen Fällen bekommt man auch die Antwort mit, so auch in dem Fall, als Phyllis, am 19.01.1936 Einstein fragte, ob Wissenschaftler beten, die Einstein, wenn auch sehr freundlich formuliert letztlich verneint, auch wenn er eingesteht, dass „Doch auch jeder, der sich ernsthaft mit der Wissenschaft beschäftigt, ist irgendwann davon überzeugt, dass ein Geist den Gesetzen des Universums innewohnt, der dem des Menschen bei weitem überlegen ist.“ Auf diese Art führt die Beschäftigung mit der Wissenschaft zu einem ganz besonderen religiösen Gefühl, das sich natürlich sehr von der Religiosität einer unbefangeneren Person unterscheidet“

Die Briefe sind auch mit ihren Fehlern übersetzt worden, was auch in der Übersetzung (der meist ursprünglich englischen Briefe) lebensnah werden lässt. Das Buch kann ein guter Startpunkt für weitere historische Studien werden. Auf Englisch kann man die im Buch enthaltenen Briefe mit vielen weiteren auch auf der gleichnamigen Seite lesen: lettersofnote.com.

„Zum König geboren“ von Dorothy L. Sayers

Dieses Buch ist eine kostbare Entdeckung für das Jahr 2022. Manfred Siebald, der das Buch übersetzt hat, liefert auch das Vorwort zu diesem Werk, dass zu seiner Veröffentlichung in den 40ern Jahren für Empörung gesorgt hat:

Der Hintergrund war dieser: Das BBC wollte einen Hörspielzyklus über das Leben Jesu veröffentlichen. Dass man Dorothy L. Sayers, also eine Nicht-Theologin (und Krimi-Schreiberin) als Autorin dieses Werkes aussuchte, schockierte die Zuhörerschaft womöglich ähnlich wie die Tatsache, dass die theatralische Darstellung der Dreieinigkeit verboten war. Verstieß auch ein Hörspiel dagegen?

Was herauskam ist ein zwölfteiliger Hörspielzyklus mit umfangreichen Personenbeschreibungen. Der Zusammenhang zu dem Buch: Das Buch ist die Übersetzung der Hörspieltexte und eben der Personenbeschreibungen. Dieses Buch zu lesen war mir ein Hochgenuss und immer wieder nickte ich überrascht über die Zusammenhänge, die Sayers aus den einzelnen Begebenheiten im Leben Jesu zog: Z.B. wie die drei Versuchungen Jesu in der Wüste immer wieder an ihn in seinem Dienst herantraten. Oder wie sich die Frage nach der Macht und Herrschaft von Krippe bis Kreuz bis hin zur Auferstehung zieht.

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Rezension: John MacArthur: Heiligung

Rezension: John MacArthur: Heiligung – Gottes Leidenschaft für sein Volk

Heiligung – ein Buch von John MacArthur – das nicht nur für Pastoren und Älteste geschrieben wurde. Aber es ist auf jeden Fall eins, dass korrigierend und hilfreich für leitende Brüder ist. Die wenigsten werden die Gelegenheit bekommen, mit John MacArthur ein persönliches Gespräch zu führen. Aber mit diesem Buch kannst du dich mit ihm in einen Raum setzen. Und wenn du ihn dann fragen würdest, was vielen Gemeinden heute fehlt, würde er dir in ca. 1,5 Stunden erzählen, dass es vor allem an Heiligung mangelt.

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„Das Gericht über Gott“ – von John Stott

In dem umfassenden und ausgezeichneten Werk „Das Kreuz“ schreibt John Stott darüber, was er als „das größte und herrlichste aller Themen“ bezeichnet. Das Buch betrachtet weit mehr als den Aspekt des Sühnetodes, auch wenn das eine zentrale Stellung einnimmt. Scott schafft es vor den Leser allgemeinverständlich verschiedene Aspekte des Kreuzes Christi zu zeigen, die Bedeutung des Kreuzes für die Verkündigung, für unser Gottesbild, als Wirkung für unsere Heiligung und dem Sieg über dem Bösen, aber auch als Antwort auf ungelöste Fragen nach dem Leid, die Stott zu Ende seines Werkes betrachtet Hier findet sich die Kurzgeschichte „das Lange Schweigen“. An dieser Stelle ist keine Quelle angegeben und ich konnte auch in der englischen Fassung keinen Ursprung ausmachen, nehme also an, dass diese lesenswerte Kurzgeschichte von John Stott selbst stammt (ich hoffe der Verlag verzeiht mir ein etwas zu großes Zitat):

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Jesus predigen – nicht irgendwas!

In „Jesus predigen – nicht irgendwas!“ finden sich drei Essays von Wilhelm Busch über die Kunst des Predigers. Im ersten, ausgezeichneten Essay, der 1938 unter dem Titel „Vom Dienst des Predigers“ erschienen ist, schreibt Wilhelm Busch auch darüber, dass es „wichtig ist, die klare Linie des Textes in ihrer ganzen Einseitigkeit stehenzulassen, dem Text nicht seine Eigenheit rauben. Wir dürfen nicht aus der Sorge heraus, es könnten lehrhafte Missverständnisse entstehen, mit „zwar auch“ allerlei Einschränkungen einfügen, die schließlich die klare, anschauliche Richtung des Textes verwischen oder verbiegen.“

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„…und ihre Freundschaft zerbrach nicht“
aus "Der Silberne Sessel" von C. S. Lewis

„und ihre Freundschaft zerbrach nicht“ – In der silberne Sessel erfahren Eustachius und Jill von Rilian, dem Sohn Kaspians, der bei einem der zahllosen Versuche sich an der Schlange zu rächen, die seine Mutter ermordet hat, entführt wird.

Dieser Zwischenfall sollte die Freundschaft von Kaspian mit Drinian (der Leibwache des jungen Prinzens) unter starke Spannung setzen. Diese Begebenheit illustriert, wie Freundschaften durch Schicksalsschläge herausgefordert werden und wie Vergebung und Nachsicht eine Freundschaft bewahren können: Weiterlesen

Lesenswerte Blogartikel Oktober 2022

Ein paar Artikel, die im Oktober verfangen haben. Diesmal habe ich einige Blogneuentdeckungen für euch.