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„O felix culpa“
Aus der römisch-katholischen Osternachtsliturgie

Manch­mal stößt man über ein Zitat in unter­schied­li­chem Kon­text mehr­fach. So ging es mir mit einem Aus­schnitt aus der Oster­nachts­lit­ur­gie, der min­des­tens pro­vo­zie­rend for­mu­liert ist. Da heißt es (latei­ni­sche und deut­sche Fas­sung von hier):

O cer­te necessa­ri­um Adae peccatum,
quod Chris­ti mor­te dele­tum est!

O felix culpa,
quae talem ac tan­tum meruit habe­re Redemptorem!

Oh wahr­haft heil­brin­gen­de Sün­de des Adam,
du wur­dest uns zum Segen, da Chris­ti Tod dich ver­nich­tet hat.

O glück­li­che Schuld,
welch gro­ßen Erlö­ser hast du gefunden!

Der Aus­ruf „O glück­li­che Schuld“ hat es sogar zu einem Wiki­pe­dia-Arti­kel geschafft. Kost­bar ist der dahin­ter­lie­gen­de Gedan­ke, dass die Wie­der­her­stel­lung des Sün­ders in der Erlö­sung in in einen höhe­ren Stand bringt, als den er vor dem Fall besaß. Vor allem Augus­ti­nus inves­tier­te in die­se Über­le­gun­gen eini­ge Zeit und Hirn­schmalz. Dar­un­ter im Enchi­ri­dion (Dem Buch vom Glau­ben, der Hoff­nung und der Lie­be). Da heißt es unter ande­rem: Meli­us enim iudi­ca­vit de malis bene­fa­ce­re, quam mala nul­la esse per­mit­te­re — Gott hielt es für bes­ser aus dem Bösen das Gute zu wir­ken, als gar kein Böses zuzu­las­sen). Ent­spre­chend ist der Zustand des Men­schen in der Herr­lich­keit ein Bes­se­rer, da er nicht sün­di­gen kann. Die Herr­lich­keit von jeman­den, der nicht mehr die Mög­lich­keit besitzt zu sün­di­gen ist somit bes­ser und höher, als die, von jeman­den der sie kann.

Die­ses unter­schied­li­che  Befä­hi­gung Gutes und Böses zu tun, fin­den wir erneut im West­mins­ter Bekennt­nis, dass sich eng an den vier Wil­lens­zu­stän­den des Men­schen ori­en­tiert, wie es Augus­ti­nus schil­dert, als es das Kapi­tel vom frei­en Wil­len beschreibt:

  • Vor dem Fall: Fähig zu sündigen
  • Nach dem Fall: Nicht fähig nicht zu sündigen
  • Nach der Wie­der­ge­burt: Fähig nicht zu sündigen
  • In der Herr­lich­keit: Nicht fähig zu sündigen

In Kür­ze. Ein erneu­er­ter Blick auf die Erlö­sung erneu­ert auch unse­ren Blick dar­auf, was „ech­te Frei­heit des Wil­lens bedeu­tet“, näm­lich die, mit Got­tes Wil­len im Ein­klang zu sein. Oder mit den Wor­ten des West­mins­ter Bekennt­nis­ses (Arti­kel 9.5):

„Der Wil­le des Men­schen wird erst im Stand der Herr­lich­keit voll­kom­men und unver­än­der­lich frei gemacht, nur Gutes zu tun“

Die zwei Autoren, die „felix cul­pa“ erwähn­ten, waren übri­gens, zunächst Edmund Clow­ney, der in sei­nem Werk zur Chris­to­lo­gie zeigt, dass wir erst nach dem Fall die Herr­lich­keit Chris­ti erfah­ren und zwei­tens Hel­mut Thieli­cke in einem Pre­digt­band über die Gleich­nis­se Chris­ti (unter dem Titel „Das Bil­der­buch Got­tes“ erschienen).

Christus in der ganzen Schrift erkennen und verkündigen
Literaturhinweise für ein Bibelstudium mit Christus im Zentrum

Preaching Christ in All of Scripture (English Edition) by [Edmund P. Clowney]Mei­ne Rei­se in ein Bibel­le­sen mit Chris­tus im Zen­trum fing mit Edmund Clow­ney an. Zuerst bin ich auf die von Clow­ney mit Tim Kel­ler gemein­sam gehal­te­ne Vor­le­sung „Preaching Christ in a Post­mo­dern World gesto­ßen“.  Die­se war ein gewis­ser Start­punkt und spä­ter griff ich zur Vor­le­sung zur bibli­schen Theo­lo­gy von Clow­ney, die eben­falls kos­ten­frei zugäng­lich ist.

Sei­ne Stra­te­gie stellt Clow­ney in Kür­ze auch in einem Essay vor, der das Ein­lei­tungs­ka­pi­tel zu einem Pre­digt­sam­mel­band von ihm dar­stellt: Preaching Christ in All of Scrip­tu­re — Chris­tus aus der gan­zen Schrift predigen.

Durch Clow­ney habe ich auch uner­war­te­te Fähr­ten der Schrift ent­deckt, die zu Chris­tus füh­ren. In sei­ner Vor­le­sung führt Clow­ney aus, wie z.B. das Gebot „Du sollst nicht ehe­bre­chen“ auf Chris­tus zeigt: Gott nimmt nicht eine bereits vor­han­de­ne Insti­tu­ti­on der Ehe, um die­se als Meta­pher für die Lie­be Chris­ti zu sei­ner Gemein­de zu ver­wen­den, son­dern die Ehe ist ein Abbild einer längst, ja vor Grund­le­gung der Welt vor­han­de­nen Rea­li­tät, der die­nen­den Lie­be Chris­ti. Unse­re Ehen wer­den an die­sem Anspruch, der im Sohn Got­tes zu sehen ist, gemes­sen. Des­we­gen ist Ehe­bruch und Hure­rei auch so tra­gisch, da wir dem nicht nach­kom­men, zu dem wir als Abbilder/Bilder Got­tes beru­fen sind. Apro­pos Bil­der Got­tes. Sol­len wir uns nicht auch des­we­gen kei­ner­lei Bil­der von Gott machen, da Gott selbst „den Abganz sei­ner Herr­lich­keit“ (Heb. 1.1−2) in sei­nem Sohn zei­gen will und wir eben nur einen Anti­chris­ten pro­du­zie­ren wür­den, wenn wir sel­ber ein Bild von Gott machen würden?

In die­ser Wei­se ent­deckt und beschreibt Clow­ney, wie alle Spu­ren, Bil­der, Gedan­ken, Gebo­te, Tra­di­tio­nen und Prak­ti­ken der Bibel zu Chris­tus füh­ren. Ist Chris­tus in den Geset­zen der Tho­ra zu fin­den, ver­ste­hen wir plötz­lich, war­um sich die Psalmsän­ger an den Gebo­ten, ob nun den Zere­mo­ni­al­ge­set­zen oder den juris­ti­schen, der­art erfreu­en: „HERR, wenn ich an dei­ne ewi­gen Ord­nun­gen den­ke, so wer­de ich getrös­tet. (…) Dei­ne Gebo­te sind mir ein Lied gewor­den“ (Ps. 119,52.54)

Clow­ney hat ins­ge­samt einen äußerst hilf­rei­chen Hin­weis dafür, wie man eine bibli­sche Typo­lo­gie von einer unbi­bli­schen Alle­go­rie unter­schei­den kann. Er fasst das fol­gen­der­ma­ßen zusam­men (Gra­phik aus „Preaching Christ in All of Scrip­tu­re, S. 32)

Zur Erklä­rung: Ein Ereig­nis oder Amt des Alten Tes­ta­ments (in der Gra­phik E) muss bereits zu Zei­ten des Alten Tes­ta­ments eine Wahr­heit T1 beses­sen haben, die wäh­rend der Heils­ge­schich­te eine Erfül­lung Tn in Chris­tus besitzt. Aus die­sem wie­der­um folgt die Pre­digt für unse­re Zeit.  Die wei­ßen Pfei­le zei­gen die kor­rek­ten Wege. Die grau­en wie­derz­um zei­gen die Pro­ble­me von Ver­kür­zun­gen: Allein aus einem Ele­ment des AT über eine Alle­go­rie zur unse­ren Pre­digt zu sprin­gen wird der  Bedeu­tung die­ser Wahr­heit für das Alte Tes­ta­ment nicht gerecht. So wäre es z.B. falsch zu sagen: Die Bun­des­la­de ist aus Holz, und aus die­sem Holz auf das Holz des Kreu­zes Chris­ti zu schlie­ßen. Das wäre eine unpas­sen­de Alle­go­rie. Nimmt man wie­der­um ein Ereig­nis des Alten Tes­ta­ments und über­trägt es ohne jeg­li­che Bedeu­tung inner­halb der Heils­ge­schich­te auf den Zuhö­rern liegt die Gefahr des Mora­lis­mus nahe. Dies pas­siert, wenn man z.B. David als „muti­ges Bei­spiel“ für den Umgang mit Ängs­ten in sei­nem Kampf gegen Goli­ath dar­stellt, und dabei die Rol­le des gesalb­ten Stell­ver­tre­ters über­sieht, die David in die­sem Kampf über­sieht. ( Es wird auch dem Text nicht gerecht, den nebst David hat­te auch Goli­ath kei­ner­lei Pro­ble­me mit Ängs­ten oder man­geln­dem Mut — was beweist, dass es in der Geschich­te eben nicht dar­um geht, zu zei­gen „wie man mutig wird“). So wie Davids Sieg den Män­nern den Mut gegen die Phi­lis­ter gibt, so gibt der Sieg des end­gül­ti­gen Gesalb­ten des Herrn sei­nem Volk Mut im Kampf gegen die Sünde.

Die Ver­bin­dung zwi­schen der Rea­li­tät des Neu­en Tes­ta­ments mit dem Ele­ment des Alten Tes­ta­ments ist somit eine zwei­fa­che: Eine Sym­bo­li­sche Bezie­hung (Z.B. Klei­der des Pries­ters) wie eine heils­ge­schicht­li­che (Chris­tus ist ein Pries­ter nicht nach der Ord­nung Levis son­dern Melchisedeks).

Clow­neys Stra­te­gien hel­fen der Gemein­de das Evan­ge­li­um in allen Sei­ten der Schrift, sowohl im Alten, wie im Neu­en Tes­ta­ment zu erkennen.

Wer eine wei­ter­füh­ren­de Ana­ly­se des The­mas Chris­tus im Alten Tes­ta­ments sucht, wird sicher­lich in „Preaching Christ from the Old Tes­ta­ment“ von Sid­ney Grei­da­nus ein Werk fin­den, dass sehr aus­führ­lich gehal­ten ist und auch alter­na­ti­ve Ver­ständ­nis­se darstellt.

Ein kur­zes refor­ma­to­ri­sches Paper­back zu die­sem The­ma fin­det sich in Tho­mas Schirr­ma­cher „Chris­tus im Alten Tes­ta­ment“, dass der Autor auch kos­ten­frei anbietet.

Eine ande­re Sache ist natür­lich auch, wie sol­che Pre­dig­ten schließ­lich prak­tisch aus­se­hen. Wil­helm Busch hat sei­ne Alt­tes­ta­ment­li­chen Pre­dig­ten mit „Spu­ren zum Kreuz“ ver­öf­fent­licht, heu­te kos­ten­frei bei CLV/sermononline down­load­bar. Busch gibt selbst Spur­ge­on als den an, der ihm gehol­fen hat, das Alte Tes­ta­ment mit neu­en Augen zu sehen (Ver­gleicht dafür das sehr tief­grün­di­ge Vor­wort Buschs in Spu­ren zum Kreuz). Spur­ge­ons Pre­dig­ten zu alt­tes­ta­ment­li­chen Vor­bil­dern erschie­nen wie­der­holt in unter­schied­li­chen Sam­mel­bän­dern, meh­re­re davon bie­te ich kos­ten­frei auf mei­ner Home­page zum Down­load an ( vor allem: Alt­tes­ta­ment­li­che Vor­bil­der, Chris­tus im Alten Tes­ta­ment, Das Evan­ge­li­um im Jesaja)

Sehr hilf­reich emp­fand ich übri­gens auch  die Aus­füh­run­gen von Edu­ard Böhl, die er als Ein­lei­tung zu sei­nen zwölf mes­sia­ni­schen Psal­men auf­führt (Link führt zum kos­ten­frei auf Licht und Recht vor­han­de­nen Buch).

Die­ses The­ma wird auch in Kom­men­ta­ren ver­tieft, beson­ders hilf­reich fin­de ich die Rei­he von Trem­per Long­man (III) zur „Gos­pel accord­ing to the Old Tes­ta­ment“. Ich nut­ze die­ses Rei­he vor allem in Logos und habe hier vor eini­ger Zeit den Kom­men­tar zum Rich­ter-Buch vorgestellt.

Abschlie­ßend: Ich bin ins­ge­samt der Mei­nung, dass man mit „Chris­tus im Alten Tes­ta­ment“ auch über­trei­ben kann, so sehr, dass man nicht mehr in der Lage ist in Hiob ein Vor­bild der Geduld oder in Elia ein Bei­spiel des Gebets sehen kann. Jako­bus konn­te das in sei­nem Brief! Auch kann das „Ich pre­di­ge nur Chris­tus“ eigent­lich nur eine Aus­re­de für Ober­fläch­lich­keit und Feh­len von jeg­li­cher Kon­kret­heit wer­den. Ich fand John Pipers Aus­füh­run­gen dazu sehr hilf­reich. Aber das man auch von der ande­ren Sei­te vom Pferd fal­len kann, bedeu­tet nicht, dass man nicht einen gott­ge­fäl­li­gen Zugang zum Alten Tes­ta­ment ent­wi­ckeln soll­te. Wir dür­fen Got­tes Wort in der Gegen­wart Got­tes Lesen und er möge durch sei­nen guten Hei­li­gen Geist unser Herz zu einer tie­fe­ren Erkennt­nis der Lie­be Chris­ti rei­fen las­sen. Das wir aber Chris­tus in den Schrif­ten, Pro­phe­ten und Mose ent­de­cken müs­sen, lehr­te schon Chris­tus selbst sei­ne Jün­ger: „Er sprach aber zu ihnen: Das sind mei­ne Wor­te, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt wer­den, was von mir geschrie­ben steht im Gesetz des Mose und in den Pro­phe­ten und Psal­men. Da öff­ne­te er ihnen das Ver­ständ­nis, dass sie die Schrift ver­stan­den…“ (Luk. 24,44−45)

 

Vom Passa von Melito von Sardes
Die älteste christliche Osterpredigt

St. Melito of Sardis - Saints & Angels - Catholic OnlineIm Rah­men mei­ner Vor­be­rei­tung einer Pre­digt zu Chris­tus im Alten Tes­ta­ment habe ich rela­tiv aus­führ­li­che Recher­chen gemacht. Dabei bin ich auch auf die­se Oster­pre­digt von Meli­to von Sar­des gesto­ßen. Das Werk selbst wur­de erst vor etwas mehr als 150 Jah­ren ent­deckt und ist über­ra­schend gut erhal­ten. Dabei han­delt es sich um ein sehr frü­hes Werk der Kir­chen­ge­schich­te. Ja, die­ser Meli­to kam tat­säch­lich aus dem Sar­des, dass wir aus der Offen­ba­rung ken­nen. Sehr lesens­wer­te Hin­wei­se zum Hin­ter­grund der Schrift fin­den sich in der Ein­lei­tung von Blank zu die­sem Werk. Auch die notier­ten Par­al­lel­stel­len  rechts neben dem Pre­digt­text sind eine Hil­fe für den Hin­ter­grund die­ser Predigt.

Das Werk ist  rele­vant für das Ver­ständ­nis der Bezie­hung von Altem und Neu­en Tes­ta­ment, dass in der Alten Kir­che spä­tes­tens durch den Ein­fluss von Mar­ci­on, der das Alte Tes­ta­ment als nicht kano­nisch ablehn­te, rele­vant wurde.

Dabei ist das Werk von Meli­to auch homi­le­tisch bzgl. der ver­wen­de­ten Sprach­fi­gu­ren inter­es­sant, so arbei­tet Meli­to häu­fig mit Auf­zäh­lun­gen oder Gegen­über­stel­lun­gen. Zwei Beispiele:

Die­se Anwen­dung sieht Meli­to in den bit­te­ren Kräu­tern, die zum Pas­sah­lamm gereicht wurden:

„Daher ist bit­ter geworden
dir das Fest der unge­säu­er­ten Brote,
wie von dir geschrie­ben steht:
Ihr wer­det Unge­säu­er­tes mit Bit­ter­kräu­tern essen.
Bit­ter sind dir die Nägel, die du zuge­spitzt hast;
bit­ter die Zun­ge, die du geschärft hast;
bit­ter die fal­schen Zeu­gen, die du auf­ge­stellt hast;
bit­ter die Stri­cke, die du bereit­ge­legt hast;
bit­ter die Gei­seln, die du gefloch­ten hast;
bit­ter Judas, den du gekauft hast;“

oder an einer ande­ren Stel­le, an dem die Sym­bo­lik des AT mit der Prä­senz des Neu­en Tes­ta­ments ver­gli­chen wird:

Denn wert­voll war einst die Schlach­tung des Schafes,
nun ist sie wert­los wegen des Lebens des Herrn.
Wert­voll war der Tod des Schafes,
nun ist er wert­los wegen des Hei­les des Herrn.
Wert­voll war einst das Blut des Schafes,
nun ist es wert­los wegen des Geis­tes des Herrn.
Wert­voll war einst das stum­me Lamm,
nun ist es wert­los wegen des schuld­lo­sen Sohnes.
Wert­voll war der Tem­pel unten,
nun ist er wert­los wegen des Chris­tus droben.
Wert­voll war das unte­re Jerusalem,
nun ist es wert­los wegen des
obe­ren Jerusalem

Die Oster­pre­digt ist des­we­gen inter­es­sant, weil es ein sehr frü­hes Zeug­nis dafür ist, wie die Kir­chen­vä­ter das Evan­ge­li­um in der Bot­schaft des Alten Tes­ta­ments erkann­ten und anwen­de­ten. Meli­to geht von der Bezie­hung von Vor­bild (Typos) und Wahr­heit (Ale­t­heia) aus. Dabei hat aber schon das Typos das Mys­te­ri­um der eigent­li­chen Bot­schaft in sich. Das Bei­spiel, dass Meli­to wählt, um die­se Bezie­hung zu illus­trie­ren fand ich dabei beson­ders stark. Meli­to geht der Fra­ge nach, was den Engel davon abhielt, die Erst­ge­burt derer, die ihre Haus­pfor­te mit Lam­mes Blut stri­chen, zu schla­gen. Sei­ne Ant­wort: es ist die Wahr­heit hin­ter dem Sym­bol, die wirkt:

O unsäg­li­ches Mysterium!
Die Schlach­tung des Schafes
wur­de als die Ret­tung des Vol­kes erfunden,
und der Tod des Schafes
wur­de des Vol­kes Leben
und das Blut
schreck­te den Würg­engel ab.
Sage mir, Engel,
wovor schrakst du zurück?
Vor der Schlach­tung des Schafes,
oder vor dem Leben des Herrn?
Vor dem Tod des Schafes,
oder vor dem Vor­bild des Herrn?
Vor dem Blut des Schafes,
oder vor dem Geist des Herrn?
Offen­sicht­lich warst du erschrocken,
weil du das Mys­te­ri­um des Herrn
in dem Schaf gesche­hen sahst,
das Leben des Herrn
in der Schlach­tung des Schafes,
das Vor­bild des Herrn
in dem Tod des Schafes;
dar­um schlugst du Isra­el nicht,
son­dern mach­test nur Ägyp­ten kinderlos.
Was ist das für ein neu­es Mysterium?
Ägyp­ten wird geschla­gen zum Verderben,
Isra­el wird behü­tet zum Heil!

Ins­ge­samt ein gelun­ge­nes Werk. Als radi­ka­ler Pro­tes­tant freue ich mich jedes mal über so viel Kon­gru­enz mit den Kir­chen­vä­tern. Chris­tus als her­me­neu­ti­scher Schlüs­sel zum Alten Tes­ta­ment wird von Meli­to hilf­reich und weg­wei­send ange­wandt. Die Fra­ge wie nun aber die Bezie­hung von Isra­el und Gemein­de gegen­wär­tig sind, bleibt aber etwas unbe­ant­wor­tet, was aber offen­sicht­lich auch nicht die Absicht die­ses Pre­di­gers war.

Wer aus­führ­li­cher in das The­ma „Chris­tus aus dem alten Tes­ta­ment pre­di­gen“ ein­stei­gen möch­te, wird sicher­lich in Sid­ney Grey­da­nus Buch „Preaching Christ from the Old Tes­ta­ment“ einen guten Beglei­ter finden.

 

Ein neuer Blog über das Leben in sexueller Reinheit
unbeschwert laufen… frei von Pornographie!

Die Tage wur­de ich auf einen noch recht neu­en Blog auf­merk­sam gemacht, den ich ger­ne wei­ter emp­feh­len möch­te: Auf unbeschwert-laufen.de  fin­den wir einen Blog, der sich den Kampf um sexu­el­le Rein­heit und gegen die Por­no­gra­phie und Selbst­be­frie­di­gung auf die Fah­ne geschrie­ben hat. Ich schrei­be hier Blog, aber es ist wohl viel­mehr eine umfang­rei­che Daten­bank, oder noch bes­ser, eine Infor­ma­ti­ons­sta­ti­on. Auf unbeschwert-laufen.de fin­den sich zahl­rei­che Infor­ma­tio­nen, dar­un­ter eine der umfang­reichs­ten Lite­ra­tur-Samm­lun­gen zu die­sem geist­li­chen Kampf­feld und eine aus­führ­li­che Dar­stel­lung mit gegen­wär­tig mehr als 200 Res­sour­cen zu die­sem The­ma, dar­un­ter auch Ansprech­stel­len für Seel­sor­ge und Bera­tung  oder Res­sour­cen für Frau­en (als Täter und/oder Opfer betrof­fen) oder eine Auf­lis­tung der unter­schied­lichs­ten Zeitschriftenartikel.

In beson­de­rer Wei­se hat mir die Auf­be­rei­tung audio­vi­su­el­ler Bei­trä­ge zuge­sagt, die man hier fin­den kann. Über­haupt ist die Sei­te sehr ordent­lich und über­sicht­lich auf­ge­baut und besitzt ein anspre­chen­des Design. Ich hat­te vor kur­zem auch die Mög­lich­keit den Ver­ant­wort­li­chen des Blogs per­sön­lich zu spre­chen und sein Eifer,  in die­sem The­ma vor allem Män­nern zu hel­fen Sieg und Befrei­ung zu erfah­ren, wirk­te anste­ckend. Ich bin mir sicher, dass Gott die­se Sei­te und die Mate­ria­li­en dar­auf segens­brin­gend ver­wen­den wird. Wenn ich etwas bemän­geln wür­de, dann höchs­tens den sehr engen the­ma­ti­schen Rah­men, so fän­de ich z.B. auch eine etwas all­ge­mei­ne­re Sei­te zur christ­li­chen Sexu­al­ethik hilf­reich. Womög­lich ist aber gera­de die­se kon­zen­trier­te the­ma­ti­sche Fixie­rung eine Unterstützung/Orientierungshilfe für Men­schen, die gera­de gegen ihre Por­no­sucht kämp­fen. Auf die­se Wei­se bleibt der Blog auch eine Hil­fe­stel­lung für die, die Men­schen in Ihren Anfech­tun­gen auf die­sem Gebiet begleiten.

 

 

Interview mit Philipp Kruse — Leiter von BibleProject Deutsch
Eine Neue Weise, um die Alte Botschaft zu verbreiten

Wir hat­ten die Mög­lich­keit für ein inter­view mit Phil­ipp Kru­se, dem Ver­ant­wort­li­chen für die Vide­os von Bib­le­Pro­ject Deutsch, über sei­ne Arbeit und die Zie­le von Bib­le­Pro­ject zu spre­chen. Das Bib­le­Pro­ject bie­tet zahl­rei­che Erklär-Vide­os, unter ande­rem zu den Büchern der Bibel , aktu­ell aber auch zu zen­tra­len Begrif­fen der Bibel und zu bibli­schen The­men  z.B. auf you­tube an.

Emp­feh­lens­wert ist auch das dazu pas­sen­de Mate­ri­al, z.B. aus unter­schied­li­chen Pos­tern im Shop. 


 

S.P. Wie ent­stand die Idee des Bible Pro­jects? Wie kam es, dass die Vide­os auch auf Deutsch auf­be­rei­tet wurden?

P.K. Als Jugend­re­fe­rent habe ich mich 2015 nach einem Tool auf die Suche gemacht, um unse­ren Mit­ar­bei­ten­den den gro­ßen Zusam­men­hang der Bibel zu erklä­ren. Hin­ter­grün­de, Zusam­men­hän­ge, Buch­erklä­run­gen ohne Theo­lo­gie­stu­di­um. Bei der Suche bin ich auf „The Bible Pro­ject“ gesto­ßen und war begeis­tert. Inner­halb weni­ger Minu­ten wird der rote Faden der Bibel, die Ein­tei­lung des Buches und Hin­wei­se auf Jesus auf­ge­zeigt. Der Satz „Hel­ping peop­le expe­ri­ence the Bible as a uni­fied sto­ry that leads to Jesus” pack­te mich. Nur lei­der gab es die­se Vide­os nur auf Eng­lisch. Nicht für alle so leicht zu ver­ste­hen. So rief ich kur­zer Hand in Port­land an und erkun­dig­te mich, ob ich die­ses wun­der­ba­re Pro­jekt nicht nach Deutsch­land holen könnte.

 

S.P. Was könnt ihr als Mit­ar­bei­ter / Orga­ni­sa­tor des Pro­jekts per­sön­lich mitnehmen?

P.K. Seit Beginn des Pro­jekts haben wir das Ver­sor­gen Got­tes erlebt. Er hat sich ein­deu­tig dazu gestellt und immer wie­der lässt uns das erstaunt, demü­tig und dank­bar auf das Pro­jekt blicken.

Wir selbst sind ein Team aus ver­schie­de­nen Kon­fes­sio­nen, Gemein­den und Kir­chen mit dem glei­chen Wunsch und Ziel, unse­ren Glau­ben zu erklä­ren, zu leben und Men­schen einen neu­en Zugang zu Gott und der Bibel zu schaf­fen. Dadurch neh­men wir alle per­sön­lich viel aus die­sem Pro­jekt mit. Wir nutz­ten das Mate­ri­al selbst, pri­vat und in unse­ren Jugend­grup­pen, Mit­ar­bei­ter­schu­lun­gen und Predigten.

 

S.P. Wie erle­ben Sie die Rück­mel­dun­gen der Zuschau­er? Gibt es auch kri­ti­sche Rückmeldungen?

P.K.: Zum Groß­teil sind die Rück­mel­dun­gen sehr posi­tiv. Wir erle­ben immer wie­der Ermu­ti­gung in dem was wir tun. In Gesprä­chen und in Rück­mel­dun­gen erfah­ren wir immer wie­der die vor­herr­schen­de Not und den Bedarf Mate­ri­al an die Hand zu bekom­men, um die Bibel greif­bar zu machen. Die Men­schen ler­nen mit unse­ren Vide­os für Prü­fun­gen, ler­nen Gott neu ken­nen und las­sen sich auf die Bibel ein, haben wie­der Freu­de am Lesen, weil sie mehr ver­ste­hen und ein­ord­nen kön­nen. Das sind Feed­backs die uns als Team bestär­ken und unglaub­lich freu­en und berühren.

 

S.P. Das Bib­le­Pro­ject hat ursprüng­lich eng­lisch­spra­chig ange­fan­gen. Wie auf­wän­dig ist es, die Vide­os, die häu­fig vie­le Tex­te ent­hal­ten, ins Deut­sche zu über­set­zen. Wie viel Zeit wird  für ein Video benötigt?

P.K. Jedes Video durch­läuft ver­schie­de­ne Pha­sen bevor es ver­öf­fent­licht wer­den kann. Die Ori­gi­nal­tex­te und Spre­cher­skrip­te wer­den über­setzt, theo­lo­gisch geprüft, neu ein­ge­spro­chen, neu geschrieben/designt, ani­miert und erneut nach Qua­li­tät und Rich­tig­keit geprüft. Je nach­dem, um wel­ches Video es sich han­delt, dau­ert es zwi­schen 2 – 4 Wochen bis zur Veröffentlichung.

 

S.P. Ganz aktu­ell habt ihr auch ange­fan­gen Wort­stu­di­en zu ver­öf­fent­li­chen. Wel­che Ideen habt ihr bei Bib­le­Pro­ject noch?

P.K. Wir freu­en uns schon sehr auf wei­te­re Seri­en, die die Ame­ri­ka­ner aktu­ell aus­ar­bei­ten und pro­du­zie­ren. Nach der Wort­stu­die geht es wei­ter mit der Serie zum „Wesen Got­tes“. Eine abso­lut genia­le Serie – ihr dürft gespannt sein.

 

S.P. Gibt es Über­le­gun­gen die Vide­os auch in wei­te­re Spra­chen anzubieten?

P.K: Auf jeden Fall! Die Vide­os wer­den bereits 50 Spra­chen pro­du­ziert. Alle wei­te­ren Spra­chen fin­det man auf der Web­site der Ame­ri­ka­ner. Unter ande­rem gibt es sie bereits in Ara­bisch, Por­tu­gie­sisch, Far­si, Fran­zö­sisch, Fin­nisch, Spa­nisch, Ita­lie­nisch, Japa­nisch…. Und vie­le mehr.

 

S.P. Wie kön­nen Chris­ten und Gemein­den das Bib­le­pro­ject unter­stüt­zen? Gibt es auch die Mög­lich­keit der Mit­ar­beit am Projekt?

Als das deut­sche Bible Pro­ject freu­en wir uns sehr über Ver­net­zungs­part­ner. Kon­kret bedeu­tet das, dass sich christ­li­che Orga­ni­sa­tio­nen und Kir­chen zum Pro­jekt stel­len und es mit­be­wer­ben in Ihren Krei­sen und Sub­sti­tu­tio­nen. Dar­über hin­aus ist und bleibt das Pro­jekt spen­den­ba­siert und wird nur solan­ge exis­tie­ren bis sich Men­schen auch finan­zi­ell dazu­stel­len. Als Orga­ni­sa­ti­on oder Gemein­de kann man uns sehr gern regel­mä­ßig finan­zi­ell unter­stüt­zen und das Pro­jekt mittragen.

 

S.P. Vie­len Dank für das Gespräch.

(Ein Bei­spiel für eine gra­phi­sche Dar­stel­lung von Gene­sis 12 – 50:)

Ein Gedicht von Kurt Tucholsky
Augen in der Großstadt

Seit vor eini­gen Tagen die Mas­ken­pflicht in einem Groß­teil der Innen­räu­me gefal­len ist, habe ich mich  wie­der­holt gefragt, wie ich das so ein­fach zulas­sen konn­te, mit so einer Über­men­ge an irren und unmensch­li­chen Maß­nah­men mitzumachen.

Kurt Tucholsky Literature MuseumIch beob­ach­te, wie ich gie­rig die Gesich­ter mei­nes Gegen­über lesen will und wie sehr mir das die letz­ten zwei Jah­re gefehlt hat. — Gefehlt hat? Ist es nicht ein Stück­weit die anony­me Indi­vi­dua­li­tät der Ver­städ­te­rung die in der Gesichts­ver­mum­mung voll­endet wird?

Ich auf jeden Fall, ent­de­cke die Frei­heit aufs Neue, auch dem häss­li­chen, unan­ge­neh­men, böse drein bli­cken­den Bür­ger frisch ent­ge­gen­zu­bli­cken und zu rufen: „Grüß Gott“, „Das Leben ist schön“, „Hal­lo“, „Jesus lebt“ oder was auch immer. Wie sehr hat mir das gefehlt! Ein Grund Frei­heit radi­kal neu zu entdecken!

Das wie­der­um erin­nert mich beson­ders an das Gedicht „Augen in der Groß­stadt“. Unter den vie­len prä­gnan­ten und aus­drucks­vol­len Gedich­ten und Pro­sa­tex­ten Tuchol­skys (eine gute Aus­wahl fin­det sich hier), passt das heu­te beson­ders gut.. Kurt Tuchol­sky, der die Kata­stro­phe des Natio­nal­so­zia­lis­mus nahe­zu pro­phe­tisch bevor­sah, über­leb­te sei­ne Ent­täu­schung am Unter­gang sei­nes Vater­lan­des nicht, das Vater­land, das sei­ne Bücher zum Teil der ers­ten Bücher­ver­bren­nun­gen 1933 erklärte…

Augen in der Großstadt

Wenn du zur Arbeit gehst
am frü­hen Morgen,
wenn du am Bahn­hof stehst
mit dei­nen Sorgen:
dann zeigt die Stadt
dir asphaltglatt
im Menschentrichter
Mil­lio­nen Gesichter:
Zwei frem­de Augen, ein kur­zer Blick,
die Braue, Pupil­len, die Lider –
Was war das? Viel­leicht dein Lebensglück…
vor­bei, ver­weht, nie wieder.

Du gehst dein Leben lang
auf tau­send Straßen;
du siehst auf dei­nem Gang,
die dich vergaßen.
Ein Auge winkt,
die See­le klingt;
du hast’s gefunden,
nur für Sekunden…
Zwei frem­de Augen, ein kur­zer Blick,
die Braue, Pupil­len, die Lider –
Was war das? Kein Mensch dreht die Zeit zurück…
vor­bei, ver­weht, nie wieder.

Du mußt auf dei­nem Gang
durch Städ­te wandern;
siehst einen Puls­schlag lang
den frem­den Andern.
Es kann ein Feind sein,
es kann ein Freund sein,
es kann im Kamp­fe dein
Genos­se sein.
Es sieht hinüber
und zieht vorüber…
Zwei frem­de Augen, ein kur­zer Blick,
die Braue, Pupil­len, die Lider –
Was war das? Von der gro­ßen Mensch­heit ein Stück!
Vor­bei, ver­weht, nie wieder.

Aus der Osterpredigt von Melito von Sardes

See of Sardis - WikiwandIn der Oster­pre­digt des Meli­to von Sar­des fin­det sich bereits ein sehr rei­fer Umgang mit dem Alten Testament.

Meli­to von Sar­des ist so „lan­ge her“ (gest. 180 n.Chr), dass er noch aus der in Offen­ba­rung bekann­ten Gemein­de Sar­des wirk­te. Die Pre­digt zeigt, dass die Kir­che bereits sehr früh Chris­tus als das Ziel des Alten Tes­ta­ments erkann­te. Der voll­stän­di­ge Text samt hilf­rei­chen Hin­ter­grün­den zu Meli­to und die­ser Oster­pre­digt fin­det sich hier.

Sehr ele­gant ist die Anwen­dung des Pas­sah­lam­mes als ein „Vor­bild auf Chris­tus“ und besteht doch nicht aus blo­ßer Typo­lo­gie, son­dern eher in einem Fort­schrei­ten der Offen­ba­rung Got­tes: Das Oster­lamm zeugt von der glei­chen Wahr­heit, wie Chris­tus. Meli­to zieht dabei auch wei­te Krei­se aus ande­ren Tex­ten des Alten Tes­ta­men­tes, um die­se neue Rea­li­tät zu erklären.

In der Aus­ein­an­der­set­zung mit Mar­ci­on, ob das Alte Tes­ta­ment auch ein sakra­ler Text der Kir­che sei, war die­se Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Alten Tes­ta­ment nötig gewor­den und Meli­to meis­ter­te die­se Auf­ga­be. Doch über­zeugt euch selbst: Wei­ter­le­sen

Buchvorstellung: Als Oma ein Flüchtling war

Verena Klassen: Als Oma ein Flüchtling war

Mil­lio­nen Flücht­lin­ge sind zur­zeit unter­wegs. Das sind Zah­len, die man sich nicht vor­stel­len kann. Viel­leicht kennst du Flücht­lings­ge­schich­ten aus der Ver­gan­gen­heit, als dei­ne Vor­fah­ren betrof­fen waren. Viel­leicht, als dei­ne Oma ein Flücht­ling war. Aber auch das ist schon lan­ge her. Doch viel­leicht ste­hen gera­de jetzt Flücht­lin­ge vor dei­ner Tür, vor der Tür dei­ner Gemein­de oder in der Nach­bar­schaft. Und du stellst fest, das sind nicht ein­fach irgend­wel­che von die­sen Mil­lio­nen, son­dern Men­schen mit Namen, Cha­rak­ter und Her­zen so wie du. Das sind dei­ne Nächs­ten. Wei­ter­le­sen

Unterm Rad von Hermann Hesse
Eine Erzählung über ein vernachlässigtes Thema

Hermann Hesse auf suhrkamp.de„Unterm Rad“, einer frü­hen Erzäh­lung von Her­mann Hes­se ist es zu ver­dan­ken, dass ich ein wenn auch gespal­te­ner Fan von Hes­se bin.  Die Novel­le han­delt von Hans Gie­ben­rath, einem begab­ten Jugend­li­chen, der an den Ansprü­chen der Päd­ago­gik an ihn schließ­lich end­gül­tig schei­tert. Natür­lich ist hier auch eine Abrech­nung Hes­ses mit der preu­ßi­schen Inter­nats­kul­tur zu fin­den. Doch die­se loka­le Inter­pre­ta­ti­on hat den glo­ba­len Gedan­ken,  dass es eine DER Urängs­te des Men­schen ist, unter die Räder zu kom­men: Ob nun die Räder der Umstän­de, oder der eige­nen Ansprü­che, die Gefahr einer voll­stän­di­gen Kata­stro­phe beglei­tet den Men­schen bereits bei den ers­ten (erfolg­rei­chen?) Schrit­ten einer schu­li­schen Laufbahn.

Ich glau­be „Unterm Rad“ lie­fert eini­ge gute Ana­ly­sen dafür, dass z.B. auch wohl­wol­len­de Nächs­te, den schau­ri­gen, von Beginn vor­han­de­nen Pro­zess des Unter­ge­hens nicht wahr­neh­men kön­nen: Hans, als ein­zi­ger aus sei­ner Stadt, erreicht die Teil­nah­me an einem Lan­des­examen in Stutt­gart. Ent­spre­chend bekommt er zwar einer­seits Extra­un­ter­richt, aber auch Angel­ver­bot und eine Ein­schrän­kung des Umgangs mit sei­nen Freun­den. Jeder blick­te auf eine zukünf­ti­ge herr­li­che Kar­rie­re von Hans, aber nicht auf die ver­küm­mern­de See­le des Jun­gen. Ledig­lich der Schus­ter und pie­tis­ti­sche Stun­den­bru­der Flaig sieht mehr, gibt ande­re Rat­schlä­ge, schei­tert schließ­lich aber auch dar­an, den „Jun­gen zu ret­ten“ (Ver­glei­che dafür auch das aus­führ­li­che Zitat am Ende des Artikels).

Natür­lich zeigt Hes­se auch den Gegen­typ von Hans auf, in Form von Her­mann Heil­ner, dem Hans auf dem Inter­nat im Klos­ter Maul­bronn begeg­net, nach­dem er das Examen in Stutt­gart über­ra­schend gut bestan­den hat. Heil­ner ist wohl intel­li­gent und macht sich nichts aus der Schu­le und auch nichts dar­aus, dass er irgend­wann, nach einer uner­laub­ten Flucht, des Inter­nats ver­wie­sen wird. Doch hier ist ja nicht wirk­lich eine Lösung für das „Aus­har­ren im Räder­werk“ zu fin­den, son­dern eher ein Ent­zug, eine Flucht aus die­ser Räde­rung. Wei­ter­le­sen