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Das Gebet eines Arminianers
polemische Apologetik von C.H. Spurgeon

In sei­ner Pre­digt „Free Will — a slave“ denkt Spur­ge­on dar­über nach, wie wohl ein armi­nia­ni­sches Gebet klin­gen würde:

„Ihr habt bestimmt schon vie­le armi­nia­ni­sche Pre­dig­ten gehört, aber ihr habt noch nie ein armi­nia­ni­sches Gebet gehört — denn im Gebet sind die Hei­li­gen eins in Wort, Tat und Geist.
Ein Armi­nia­ner wür­de auf den Knien ver­zwei­felt beten wie ein Cal­vi­nist. Er kann nicht über den frei­en Wil­len beten: das ist schlicht­weg unmög­lich. Stellt euch vor, er wür­de beten:

„Herr, ich dan­ke dir, dass ich nicht wie die­se armen, anma­ßen­den Cal­vi­nis­ten bin. Herr, ich wur­de mit einem herr­li­chen frei­en Wil­len gebo­ren; ich wur­de mit einer Kraft gebo­ren, durch die ich mich dir von selbst zuwen­den kann; ich habe mei­ne Gna­de ver­bes­sert. Wenn jeder mit sei­ner Gna­de das­sel­be getan hät­te wie ich, wären sie alle geret­tet wor­den. Herr, ich weiß, du machst uns nicht wil­lig, wenn wir nicht selbst wil­lig sind. Du gibst jedem Men­schen Gna­de; man­che ver­bes­sern sie nicht, aber ich schon. Es gibt vie­le, die in die Höl­le gehen wer­den, die genau­so mit dem Blut Chris­ti erkauft wur­den wie ich; sie hat­ten genau­so viel vom Hei­li­gen Geist, der ihnen gege­ben wur­de; sie hat­ten eine genau­so gute Chan­ce und waren genau­so geseg­net wie ich. Es war nicht dei­ne Gna­de, die uns unter­schied­lich gemacht hat; ich weiß, dass sie sehr viel getan hat, den­noch habe ich den Knopf gedrückt; ich habe das genutzt, was mir gege­ben wur­de, und ande­re nicht — das ist der Unter­schied zwi­schen mir und ihnen.“

- Das ist ein Gebet für den Teu­fel, denn nie­mand sonst wür­de ein sol­ches Gebet spre­chen.“ (eige­ne Übersetzung)

Damit fällt Spur­ge­on einen Punkt, den Her­man Bavinck im ers­ten Band sei­ner Refor­med Dog­ma­tics ähn­lich sieht. Er schreibt dort (S377): „Es ist unbe­strit­te­nes Zeug­nis aller reli­giö­ser Erfah­rung von Chris­ten, dass das Heil, sowohl in einem objek­ti­ven, wie sub­jek­ti­ven Sinn, ein­zig das Werk Got­tes ist. Somit mag eine Per­son in Theo­rie ein Pela­gia­ner sein, in der Pra­xis des christ­li­chen Lebens, vor allem im Gebet ist jeder Christ ein Augus­ti­nia­ner. Denn hier ist alle Selbst­ver­herr­li­chung aus­ge­schlos­sen, und nur Gott allein bekommt die Ehre….“

Das ausgetauschte Leben
Ein Brief von Hudson Taylor an seine Schwester

In einem sehr per­sön­li­chen Brief schil­dert Hud­son Tay­lor, wie er im Kampf um die Hei­li­gung Chris­tus neu als Erret­ter erlebt hat (Voll­stän­dig hier zu fin­den):

„Ich fühl­te, dass ich für mich per­sön­lich wie für die gan­ze Mis­si­on mehr Hei­lig­keit, mehr Leben,
mehr Kraft bedür­fe. Ich emp­fand, wel­che Undank­bar­keit, Gefahr und Sün­de dar­in lag, dass ich nicht ganz nahe bei Gott leb­te. Ich bete­te, fas­te­te, rang, fass­te Ent­schlüs­se, las das Wort Got­tes flei­ßi­ger, such­te mir mehr Stil­le zu neh­men, um über die gött­li­chen Din­ge nach­zu­den­ken? alles war wir­kungs­los. Jeden Tag, ja jede Stun­de stand ich unter dem Druck der Sün­de. Ich wuss­te, dass alles gut sein wür­de, wenn ich nur in Jesus blie­be; aber ich konn­te nicht. Ich begann den Tag mit Gebet und war ent­schlos­sen, mei­ne Augen nicht einen Augen­blick von ihm abzuwenden.“

Tay­lor fühlt sich als Ver­sa­ger, weil das nicht gelingt: Wei­ter­le­sen

The Whole Christ von Sinclair Ferguson
Persönliche Neuentdeckung 2021

Sin­c­lair Fer­gu­son ist mit „The Who­le Christ“ in mehr­fa­cher Hin­sicht ein Spa­gat gelun­gen. Einer­seits gelingt es ihm, eine tro­cken wir­ken­de Debat­te der schot­ti­schen Pres­by­te­ria­ner im 18ten Jahr­hun­dert in unse­re Zeit zu holen. Dabei erweist er sich als Exper­te in den Lebens­läu­fen vie­ler Puri­ta­ner und der Gläu­bi­gen Schott­lands. Sei­ne Detail­an­ga­ben erleich­tern dabei den Lese­fluss und öff­nen mit die­sen Dar­stel­lun­gen eine wei­te Tür in das bun­te und leben­di­ge Werk der Puri­ta­ner (Ich den­ke per­sön­lich, dass ihm das sogar viel bes­ser gelingt als z.B. Bee­ke in der „Puri­tan Theo­lo­gy“). Doch wor­um ging es bei die­ser Debat­te, die als „the Mar­row Con­tro­ver­sy“ bis heu­te fast jeden Theo­lo­gie­stu­den­ten Schott­lands beschäf­tigt? Fer­gu­son arbei­tet die Rele­vanz der dahin­ter­ste­hen­den Fra­ge her­aus: Gibt es eine Bedin­gung, um zu Jesus zu kom­men bzw. von sei­nen Seg­nun­gen zu pro­fi­tie­ren. Wir ken­nen die­se Fra­ge oft im Rah­men der Fra­ge: „Kann ich jedem sagen, dass Chris­tus für ihn gestor­ben ist?“ Wer bis dahin dach­te, dass es bloß ein cal­vi­nis­ti­sches Pro­blem ist, wird von den Aus­füh­run­gen Fer­gu­sons überrascht: 

„Lei­der sind Cal­vi­nis­ten und Armi­nia­ner (his­to­risch gese­hen, defor­mier­te Cal­vi­nis­ten in ihrer Theo­lo­gie) genau an die­sem Punkt in den­sel­ben Feh­ler ver­fal­len, (näm­lich) die Seg­nun­gen des Evan­ge­li­ums von der Per­son Chris­ti zu abstrahieren.

Armi­nia­ner glau­ben an ein uni­ver­sa­les Süh­nop­fer, das jedem Men­schen das Heil ermög­licht (wenn auch kei­nem garan­tiert), weil Chris­tus aus­nahms­los für alle gestor­ben ist. Eine typi­sche armi­nia­ni­sche Ant­wort auf die per­sön­li­che Süh­ne (oder das „begrenz­te Süh­nop­fer“) ist daher die Aus­sa­ge: „Wenn ich das glau­ben wür­de, könn­te ich nicht mehr allen das Evan­ge­li­um pre­di­gen, weil ich ihnen nicht mehr sagen könn­te: „Chris­tus ist für dich gestor­ben“. Das kann also unmög­lich eine bibli­sche Leh­re sein, denn wir sol­len ja allen Men­schen das Evan­ge­li­um verkünden.“

In gewis­ser Wei­se stimm­te der defor­mier­te Cal­vi­nis­mus des frü­hen acht­zehn­ten Jahr­hun­derts mit der glei­chen zugrun­de lie­gen­den Logik über­ein, argu­men­tier­te aber vor dem Hin­ter­grund der per­sön­li­chen Süh­ne, dass die Wohl­ta­ten des Todes Chris­ti nicht allen gehö­ren und daher auch nicht allen ange­bo­ten wer­den sollten.

Wir haben gese­hen, dass der fal­sche Schritt hier die Tren­nung von Nut­zen und Wohl­tä­ter ist. Was ist dann die bibli­sche Ant­wort? Es ist ein­fach so, dass die Apos­tel das Evan­ge­li­um an kei­ner Stel­le mit die­sen Wor­ten ver­kün­di­gen: „Glaubt, weil Chris­tus für euch gestor­ben ist.“ Nein, die Recht­fer­ti­gung für den Glau­ben an Chris­tus ist weder das Wis­sen um die Erwäh­lung noch die Über­zeu­gung von der uni­ver­sa­len Erlö­sung. Es ist auch nicht das Bewusst­sein unse­rer Sünd­haf­tig­keit. Es ist die Tat­sa­che, dass Jesus Chris­tus in der Lage ist, alle zu ret­ten, die durch ihn zu Gott kom­men, denn er ist der ein­zi­ge Name, der unter dem Him­mel gege­ben ist, durch den wir geret­tet wer­den können.

Chris­tus selbst ist das Evan­ge­li­um“ (S. 51f. eige­ne Über­set­zung) Wei­ter­le­sen

Erklärt mir mal, wo komm ich her?
Ein Aufklärungsbuch von Ute Buth

Die Auf­klä­rung der Kin­der war mal wei­test­ge­hend ein Mono­pol des elter­li­chen Hau­ses. Oft genug bedeu­te­te das zwar, dass man gar nicht auf­ge­klärt wur­de, doch ver­passt man heu­te die recht­zei­ti­ge Auf­klä­rung der Kin­der, sprin­gen ande­re Instan­zen schnell ein. Ob es sich nun um Sexu­al­kun­de-Unter­richt, Freun­des­kreis, Kon­fir­ma­ti­ons­un­ter­richt, und schließ­lich natür­lich die gren­zen­lo­sen Wei­ten des Inter­nets, in dem die Gren­ze zwi­schen Sexu­al­auf­klä­rung und Schmutz im bes­ten Fall als unscharf zu bezeich­nen ist. 

Obwohl das ein her­aus­for­dern­des Feld ist, den­ke ich, dass es wich­tig ist hier zu inves­tie­ren, und den „alter­na­ti­ven Auf­klä­rern“ vor­an­zu­kom­men. Wer dafür ein hilf­rei­ches Buch sucht, um mit Kin­dern ab etwa 6 Jah­ren ins Gespräch zu kom­men, dürf­te in dem Buch von Fr Dr. Buth eine hilf­rei­che Unter­stüt­zung haben. In unse­rer Fami­lie kom­men die Fra­gen häu­fig im Rah­men einer Schwan­ger­schaft: „Kön­nen auch Papas Kin­der krie­gen“, „Wie kommt das Baby in den Bauch und wie­der raus“ sind eigent­lich ganz typi­sche Indi­ka­to­ren um ins Gespräch zu kom­men. Das hier vor­ge­stell­te Buch kann nun ent­we­der Hin­wei­se für in Eigen­ver­ant­wor­tung geführ­te Gesprä­che geben oder auch von den Kin­dern selbst gele­sen wer­den. Als Fami­lie haben wir mit die­sen Stra­te­gien gute Erfah­run­gen gemacht:

  • Nicht mehr beant­wor­ten, als die Kin­der wis­sen wol­len. Dritt­kläss­ler die Bana­nen Kon­do­me über­zie­hen müs­sen, weil Pro­Fa­mi­lia das so möch­te, emp­fin­den das zu einem beacht­li­chen Teil am Schluss ein­fach nur als Eklig. Dabei gibt es an Sexua­li­tät und noch weni­ger an Geschlecht­lich­keit nichts ekli­ges. Hier ist auch ein Indi­vi­du­el­ler Fak­tor dabei, so woll­te unser Sohn viel weni­ger über die­se Pro­zes­se wis­sen als die Tochter.
  • Wir muss­ten ler­nen die Orga­ne und Kör­per­tei­le so zu bezeich­nen, wie sie hei­ßen. Eben „Penis“ sagen und nicht „Pipi“. Wir haben fest­ge­stellt, dass die Kin­der hier oft weni­ger Scham haben, als wir Erwach­se­ne. Oft ent­steht die Not­wen­dig­keit dafür fast auto­ma­tisch, z.B. kam die Fra­ge „Was bedeu­tet Beschnei­dung?“. Ich glau­be hier ent­steht die Her­aus­for­de­rung, Sex eben nicht als etwas „Schmut­zi­ges“ zu sehen oder zu vermitteln.
  • Bibli­sches Voka­bu­lar trai­nie­ren: Das ist mir z.B. an Got­tes Schöp­fungs­auf­trag an die Men­schen auf­ge­fal­len: „Seid frucht­bar und meh­ret euch!“ heißt es da. Die Frucht­bar­keit ist ein guter Aus­gangs­punkt um über Sexua­li­tät zu spre­chen und kann schnell genutzt wer­den, um Abar­tig­kei­ten abzugrenzen.
  • Sexu­el­le Auf­klä­rung umfasst auch ganz prak­ti­sche Din­ge: Z.B. sind alle Kör­per­tei­le, die die Unter­wä­sche bedeckt, pri­vat und dür­fen von nie­man­dem gese­hen oder ange­fasst wer­den. So kann man Kin­der schon sehr früh auf­merk­sam und sen­si­bel für sexu­el­len Miss­brauch machen.

Noch sind unse­re Kin­der recht klein, aber aus die­sen kei­men­den Fra­gen erge­ben sich wei­ter­füh­ren­de Fra­gen die tie­fer in Fra­gen der Iden­ti­tät, des Mann seins/Frau seins, des per­sön­li­chen Selbst­be­fin­dens und des Bezu­ges zum nächs­ten grei­fen. Von der Autorin gibt es auch ein Werk für Teen­ager-Mäd­chen, dass wir uns nun als Fami­lie auch geholt haben.

Der am häufigsten falsch zitierte Bibelvers

Neu­lich bin ich wie­der über 1 Kor 14,33 gesto­ßen: „Denn Gott ist nicht ein Gott der Unord­nung, son­dern des Frie­dens.“ Ob nun die besorg­te Mut­ter, der über­for­der­te Ord­ner oder der ermah­nen­de Pfar­rer, wie oft greift man zur ver­kürz­ten Ablei­tung die­ses Ver­ses: „Gott ist ein Gott der Ord­nung“. Selbst Goog­le höchst­per­sön­lich bestä­tigt das. Tippt man „Gott ist ein Gott…“ in das Such­fens­ter ein, ist „der Ord­nung“ das ers­te vor­ge­schla­ge­ne Such­ergeb­nis. Bewei­se? Das Ergeb­nis der Suche in unter­schied­li­chen Brow­sern fiel ein­deu­tig aus:

Wich­ti­ger als das Gott ein Gott der Leben­den ist, der gro­ße Din­ge und Wun­der tut und uns sieht, ist also, dass Gott ein Gott der Ord­nung ist (ich schwei­ge dar­über, das das ande­re direk­te Zita­te wären).

Eini­ge der Arti­kel, die die Suche lie­fert, habe ich übri­gens durch­ge­le­sen und zumin­dest bei eini­gen davon gilt der glei­che Ein­druck, den man auch vom man­trar­ti­gen Wie­der­ho­len der For­mel „Gott ist ein Gott der Ord­nung“ kennt. Rela­tiv kon­text­un­ge­bun­de­nes Durch­drü­cken von Regeln und Struk­tur! (Ich geste­he man­che erfah­re­ne Ver­let­zung durch die­se Ver­wen­dung ein) Wei­ter­le­sen

Es ehrt Gott, wenn wir ausschließlich auf seine Verherrlichung ausgerichtet sind

Auf die Fra­ge „auf wie vie­le Wei­sen man Gott ver­herr­li­chen kann“, hat Tho­mas Wat­son vie­le Ant­wor­ten. Eine ist, dass wir Gott dann ver­herr­li­chen wenn wir uns auf sei­ne Ehre hin aus­rich­ten. Klingt fast tri­vi­al, nicht? Doch hören wir auf Watson:

Wir sind auf Got­tes Ver­herr­li­chung ausgerichtet…

„(1.) Wenn wir Got­tes Ehre über alle ande­ren Din­ge stel­len; über Anse­hen, Besitz oder Bezie­hun­gen; wenn die Ehre Got­tes mit die­sen kon­kur­riert — dann müs­sen wir sei­ne Ehre die­sen vor­zie­hen. Wenn Bezie­hun­gen auf unse­rem Weg zum Him­mel lie­gen, müs­sen wir ent­we­der über sie hin­weg­ge­hen oder sie zer­stö­ren. „Jeder, der sei­nen Vater oder sei­ne Mut­ter mehr liebt als mich, ist mei­ner nicht wert ; wer sei­nen Sohn oder sei­ne Toch­ter mehr liebt als mich, der ist mei­ner nicht wert!“ Mt.10,37. Ein Kind muss ver­ges­sen, dass es ein Kind ist; es muss weder Vater noch Mut­ter ken­nen um der Sache Got­tes wil­len. „Der von sei­nem Vater und von sei­ner Mut­ter spricht: »Ich sehe ihn nicht«, und von sei­nem Bru­der: »Ich ken­ne ihn nicht«“ (5. Mo 33,9). Das bedeu­tet also, auf Got­tes Ehre aus­ge­rich­tet zu sein.

(2.) Wir rich­ten uns auf Got­tes Ehre aus, wenn wir uns damit zufrie­den geben, dass Got­tes Wil­le geschieht, auch wenn er dem unse­ren wider­spricht. „Herr, ich bin zufrie­den damit zu ver­lie­ren, wenn du gewinnst. Ich bin zufrie­den, weni­ger Gesund­heit zu haben — wenn ich mehr Gna­de habe, und du mehr Herr­lich­keit. Lass es gute oder bit­te­re Medi­zin sein — wenn DU sie mir nur gibst. Herr, ich begeh­re das, was am meis­ten zu dei­ner Ehre ist!“ Unser geseg­ne­ter Erlö­ser sag­te: „Nicht wie ich will, son­dern wie du willst.“ Mt.26,69. Wenn Gott durch sei­ne Lei­den mehr Herr­lich­keit haben kann, war er zufrie­den mit dem Leid. „Vater, ver­herr­li­che dei­nen Namen.“

(3.) Wir stre­ben nach Got­tes Herr­lich­keit, wenn wir uns damit zufrie­den geben, von ande­ren in Gaben und Anse­hen über­bo­ten zu wer­den — damit sei­ne Herr­lich­keit ver­grö­ßert wird. Ein Mensch, der Gott in sei­nem Her­zen und Got­tes Ehre in sei­nem Blick hat, wünscht, dass Gott ver­herr­licht wird; Wer auch immer das Werk­zeug dabei sein mag, so freut er sich dar­über, wenn das geschieht. „Eini­ge pre­di­gen aus Eifer­sucht und Riva­li­tät. Ande­re aber pre­di­gen über Chris­tus mit rei­nen Moti­ven. Die­se ande­ren haben kei­ne rei­nen Beweg­grün­de, wenn sie über Chris­tus pre­di­gen. Sie pre­di­gen mit selbst­süch­ti­gem Ehr­geiz, nicht auf­rich­tig. Aber ob ihre Moti­ve nun rein sind oder nicht, die Tat­sa­che bleibt dass die Bot­schaft über Chris­tus gepre­digt wird, also freue ich mich.“ Sie pre­dig­ten Chris­tus aus Neid, sie benei­de­ten Pau­lus um die Schar Men­schen und sie pre­dig­ten, um ihn zu über­tref­fen und ihm sei­ne Zuhö­rer weg­zu­neh­men. „Nun“, sagt Pau­lus, „so lan­ge Chris­tus gepre­digt wird  und Gott die Ehre bekommt, will ich mich freu­en. Lass mei­ne Ker­ze erlö­schen, wenn die Son­ne der Gerech­tig­keit nur schei­nen mag!“


Aus: Tho­mas Wat­son, A Body of Divini­ty; eige­ne Übersetzung.

„Die Liebe Gottes findet nicht vor, sondern schafft sich, was sie liebt.“
Die Heidelberger Disputation 1518

Durch Carl Tru­e­man (z.B. in sei­ner Vor­le­sung zur Refor­ma­ti­ons­ge­schich­te, in der Essay-Samm­lung des Autors  „Refor­ma­ti­on — heu­te noch aktu­ell“ im kürz­lich erschie­nen Buch „Luther on the chris­ti­an life“ geht er jeweils sehr aus­führ­lich auf Luthers Unter­schei­dung zwi­schen Theo­lo­gen der Herr­lich­keit und Theo­lo­gen des Kreu­zes ein). wur­de ich auf ein Ereig­nis in Luthers Lauf­bahn auf­merk­sam, dass in vie­len Dar­stel­lun­gen des Refor­ma­tors schnell untergeht. 

Im April 1518 (und noch deut­lich vor der Eröff­nung des Ver­fah­rens durch die römi­sche Kurie  im Juli 1518) fand unter Lei­tung Luthers eine Dis­pu­ta­ti­on in der Ver­samm­lung der Augus­ti­ner statt, die sei­ne The­sen zum Ablass dis­ku­tie­ren soll­te. Luther berei­te­te The­sen vor, die wohl eini­ge über­rascht haben dürf­ten. Sehr ent­schie­den ent­schei­det sich Luther für eine augus­ti­ni­sche Dar­stel­lung des Heils. Eini­ge der 28 The­sen (hier samt Begrün­dung voll­stän­dig zu fin­den) im Wortlaut:

Die Wer­ke der Men­schen, wenn sie auch noch so sehr in die Augen fal­len und gut zu sein schei­nen, müs­sen doch als Tod­sün­den gelten.

Der Mensch, der da meint, er wol­le dadurch zur Gna­de gelan­gen, dass er tut, soviel ihm mög­lich ist, häuft Sün­de auf Sün­de, so dass er dop­pelt schul­dig wird.

Ganz gewiss muss ein Mensch an sich selbst ver­zwei­feln, um für den Emp­fang der Gna­de Chris­ti berei­tet zu werden.

Das Gesetz sagt: »Tue das!«, und es geschieht nie­mals. Die Gna­de spricht: »An den sollst du glau­ben!«, und alles ist schon getan.

Nicht der ist gerecht, der viel Wer­ke tut, son­dern wer ohne Wer­ke viel an Chris­tus glaubt.

Die Lie­be Got­tes fin­det nicht vor, son­dern schafft sich, was sie liebt. Die Lie­be des Men­schen ent­steht nur an dem, was sie lie­bens­wert findet.

Wei­ter­le­sen

Was ist denn, bitteschön, reformatorische Theologie? — eine Artikelreihe von Hanniel Strebel

Han­ni­el Stre­bel hat eine prä­gnan­te Arti­kel­rei­he für E21 erstellt, in der er der Fra­ge nach­geht, was refor­ma­to­ri­sche Theo­lo­gie sei! Ich bin sehr dank­bar für den Arti­kel, da ich die letz­ten Mona­te vor­nehm­lich mit der Fra­ge ver­bracht habe, wie ich selbst mei­nen Glau­ben defi­nie­ren soll­te. Beson­ders posi­tiv möch­te ich sei­nen Ansatz her­vor­he­ben, weder eine kon­fes­si­ons­ge­bun­de­ne noch eine all­zu all­ge­mei­ne Stel­lung zu wäh­len (Han­ni­el schreibt selbst dar­über). Ich kann inner­halb mei­ner theo­lo­gi­schen Bub­ble nicht mit dem West­mins­ter Bekennt­nis in der Hand argu­men­tie­ren, und sehe nur die Mög­lich­keit zurück zur Schrift zu gehen und Got­tes Wort spre­chen lassen.

Im wesent­li­chen Stau­ne ich dar­über, dass ich sowohl unab­hän­gig und ziem­lich anders geprägt, ja gar aus einem völ­lig ande­ren Kul­tur­kreis, genau die­se Ent­de­ckun­gen im Erbe der Refor­ma­ti­on gemacht habe, von denen Han­ni­el schwärmt (auch wenn ich wei­ter­hin den Begriff „refor­miert“ ver­wen­den würde)

Ich möch­te fünf Filet-Stü­cke sei­ner Rei­he her­vor­he­ben: Wei­ter­le­sen

Wann bin ich gesetzlich? — Ein Einblick von John Colquhoun

Wenn ein Mensch zu Taten des Gehor­sams gedrängt ist, weil er den Zorn Got­tes fürch­tet, der sich im Gesetz offen­bart und nicht weil er an Sei­ne Lie­be glaubt, die sich im Evan­ge­li­um offen­bart… Wenn er Gott wegen Sei­ner Macht und Gerech­tig­keit fürch­tet und nicht auf­grund Sei­ner Güte, wenn er in Gott viel eher einen rächen­den Rich­ter, als einen lei­den­schaft­li­chen Freund und Vater sieht, und und wenn er Gott als fürch­ter­li­che Majes­tät vor sich sieht, statt unend­lich gnä­dig und barm­her­zig wird dadurch sicht­bar, dass er unter der Herr­schaft eines gesetz­li­chen Geis­tes ist, oder zumin­dest dar­an lei­det… Er zeigt, dass er unter dem Ein­fluss die­ses hass­erfüll­ten Ver­su­chers steht … wenn sein Ver­trau­en auf gött­li­ches Erbar­men durch die Leben­dig­keit sei­ner Pflich­ten und nicht durch die Ent­de­ckun­gen der Frei­heit und der Reich­tü­mer erlö­sen­der Gna­de geprägt sind, die ihm im Evan­ge­li­um ange­bo­ten wer­den, oder wenn er das ewi­ge Leben nicht als Gabe Got­tes durch Jesus Chris­tus erwar­tet, son­dern als Got­tes Rekom­pen­sa­ti­on für sei­nen Gehor­sam und sein Lei­den, wird schmerz­haft deut­lich, dass er sich unter der Macht eines gesetz­li­chen Geis­tes befindet.

gefun­den in „The Who­le Christ“ von Sin­c­lair Fer­gu­son, der hier aus dem Werk „Trea­tise on the Law and Gos­pel“ des Pur­tia­ners John Col­quho­un zitiert. 

Sag mal — wer ist Jesus?

Sin­c­lair B. Fer­gu­son ist wahr­schein­lich so etwas wie ein Uni­ver­sal-Theo­lo­ge, sein Werk umfasst Kom­men­ta­re (Jako­bus-Brief, Mar­kus-Evan­ge­li­um), dog­ma­ti­sche Wer­ke (The Holy Spi­rit in der CoCT-Rei­he, The Chris­ti­an Life, eine Ein­füh­rung in Dog­ma­tik), his­to­risch-theo­lo­gi­sche Stu­di­en (The Who­le Christ, Ein Werk, dass die Mar­row-Kon­tro­ver­se ana­ly­siert). Der Schot­te ist Mit­her­aus­ge­ber eines theo­lo­gi­schen Lexi­kons, Dozent am West­mins­ter Theo­lo­gi­cal Semi­na­ry und reger Pre­di­ger (auf sermonaudio.com fin­den sich immer­hin über 680 Pre­dig­ten von ihm, wenn man bereit ist, sich auf den hef­ti­gen schot­ti­schen Akzent ein­zu­las­sen). Ent­spre­chend habe ich auch gleich zuge­grif­fen, als ich erfuhr, dass es von Fer­gu­son ein Kin­der­buch gibt.

Die 33 Lek­tio­nen des Buches sind grob in 6 Tei­le unter­teilt, von denen die ers­ten drei wei­test­ge­hend chro­no­lo­gisch das Leben Jesu durch­ge­hen. Hier zeigt sich die Inter­dis­zi­pli­na­ri­tät des Autors gro­ße Vor­tei­le. So geht er zunächst von all­ge­mei­nen Fra­gen aus: „Was bedeu­tet der Name Jesus?“ ‚„Wie konn­te Jesus wis­sen, was Gott von ihm erwar­te­te?“ oder „Wie ver­hielt sich Jesus als Kind und als Jugend­li­cher?“ Anschlie­ßend geht er die Sta­tio­nen der Tau­fe, der Ver­su­chung, der Beru­fung der Jün­ger, der Lehr­tä­tig­keit, der Wun­der und schließ­lich des Lei­dens Jesu durch. Das Buch hat sei­ne größ­te Stär­ke vor allem dar­in, dass der Autor wirk­lich die Dar­stel­lung Jesu in den Evan­ge­li­en spre­chen lässt. Wenn er z.B. über die Ver­su­chung Jesu in der Wüs­te spricht, ver­passt Fer­gu­son es nicht, auf die Par­al­le­le zum Volk Got­tes in der Wüs­te, wie auch der Ver­su­chung von Adam und Eva im Gar­ten hin­zu­wei­sen. Auch wenn er über Jesu Leh­re spricht, geht der Autor z.B. der Fra­ge nach, war­um Jesus „so vie­le außer­ge­wöhn­li­che Geschich­ten erzählt hat“. In den wei­te­ren Abschnit­ten  beschäf­tigt sich Fer­gu­son damit, was es bedeu­tet, das Jesus der Ret­ter war, wie sein Weg ans Kreuz aus­sieht, und wie sein Ruf an die Nach­fol­ge heu­te an uns ergeht.

Jede der 33 Lek­tio­nen besitzt eine zen­tra­le Bibel­stel­le, einen Lek­tü­rehin­weis, eine Fra­ge zum Wei­ter­den­ken und spre­chen und eine krea­ti­ve Auf­ga­be. Dadurch ist das Buch zum Vor­le­sen, wie zum Sel­ber /-lesen und /-bear­bei­ten geeig­net. Wir haben die 33 Lek­tio­nen ent­spre­chend in ca. 2 Mona­ten durchgearbeitet.