Alle Artikel in: Biografien

„… trotzdem Ja zum Leben sagen“ von Viktor Frankl
Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager

Ich bin über diese nüchternen und doch erschütternden Aufzeichnungen von Viktor Frankl in seinem Buch „… trotzdem Ja zum Leben sagen“ gestoßen. Sie haben mich sofort gefesselt. Frankls Weisheit mit Leiden umzugehen ist äußerst lehrreich. Ich habe einige Zitate aus dem Buch ausgewählt: Individuelle Schuld und gute Tat Das Individuum ist es, das schuldig am Nächsten wird und jedes mal aufs Neue vor der Entscheidung steht, gut oder böse zu handeln. Entsprechend stellt Frankl fest: Unter den Lagerinsassen, die sich viele, viele Jahre in Lagern aufhielten, von einem Lager in das andere und schließlich insgesamt in Dutzende von Lagern gebracht wurden, konnten sich im Durchschnitt nur jene am Leben erhalten, die in diesem Kampf um die Lebenserhaltung skrupellos waren und auch vor Gewalttätigkeit, ja sogar nicht einmal vor Kameradschaftsdiebstahl zurückschreckten. Wir alle, die wir durch tausend und abertausend glückliche Zufälle oder Gotteswunder – wie immer man es nennen will – mit dem Leben davongekommen sind, wir wissen es und können es ruhig sagen: die Besten sind nicht zurückgekommen (Hervorhebung des Autors) „Der Mut zum Bekenntnis erhöht …

Matthew Henry

Allan Harman hat eine Biographie über Matthew Henry verfasst, die dank des 3L-Verlag auch deutschsprachig erhältlich ist. Das Buch ist gut übersetzt und lässt sich durch seine Kürze relativ schnell durchlesen. Einige Lektionen, die ich mitgenommen habe: Matthew Henry hat fast alles bei seinem Vater Philip Henry gelernt: Als Nonkonformisten war es ihm verwehrt, Theologie zu studieren. Es blieb nur der Weg über Jura, der ihm den Zugang zu den antiken Sprachen ermöglichte (obwohl er griechisch schon als Kind gelernt hat) Es gab zwar wohl ein illegales theologisches Seminar der Nonkonformisten. Doch kaum hat Matthew mit dem Studium angefangen, wurden fast alle Studierende krank an der Grippe (sie wohnten auf engstem Raum) und einige verstarben gar. Für Matthew bedeutete es erst einmal das Ende seiner theologischen Laufbahn Er wird Pastor einer presbyterianischen Gemeinde und sucht ständig Kontakt mit anderen Gemeinden, ja schreibt darüber sogar ein Buch. Dennoch wird ihm die Annahme durch die offizielle Kirche erst nach seinem Tode gewährt (er wird in einer anglikanischen Kirche bestattet) Er arbeitet ungemein viel, predigt äußerst systematisch und …

Benjamin Breckinridge Warfield

Als John MacArthur gefragt wurde, welche Bücher er auf eine einsame Insel mitnehmen würde, listet er als zweites ein Buch von Warfield auf: The Inspiration and Authority of the Bible. Wer sich auf der anderen Seite mit Warfield wohl bekanntestem Schüler, nämlich J.Gresham Machen beschäftigt, wird ebenfalls wissen, wie sehr sein Denken von Warfield gezehrt hat. Vergleiche hierfür z.B. die Kurzbiographie von Piper über Machen aus dem Jahre 1993 (J. Gresham Machen’s Response to Modernism). Somit war ein grundlegendes Interesse an den Schriften Warfields gegeben, doch bin ich an dem von MacArthur genannten Buch kläglich gescheitert. Es war mir einfach zu schwer. Deswegen war ich sehr dankbar für einen Guide, den ich in meiner Logos Bibliothek gefunden habe.   Nach einer kurzen Biographie, die an einen Wikipedia-Artikel erinnert, folgen Stationen des Lebens, Soziales Netzwerk (damit man weiß, mit wem sich Warfield auseinandergesetzt hat) und Einflüsse auf sein Denken (Wer hätte gedacht, dass niemand anderes als Franz Delitzsch Warfield ausgebildet hat). Im Übrigen: Über Frame und Van Til sind es gerade mal zwei Generationen um zurück zu Warfield …

„Der Fürst der Prediger“ in einer Biographie für Kinder und Teens

Der Lebenslauf Spurgeons wird regelmäßig neu aufgearbeitet, was bei einem Prediger durchaus überraschend sein kann, da ein Prediger nun mal etwas nachgeht, dass jedem bekannt sein dürfte, nämlich der Predigt. Nichts im Vergleich zu den zahlreichen Prüfungen und Abenteuern eines Missionars, oder? Dennoch haben wir uns als Familie an diese Biographie Spurgeons in kindsgerechter Sprache gewagt und haben die Kapitel als morgendliche Frühstückslektüre genossen. Jedes der zehn Kapitel des Buches, das den ersten Band einer bereits vierteiligen Reihe darstellt, liess sich dabei gut auf meistens zwei Lesungen aufteilen. Dadurch, dass gezielt Stationen des Lebens Spurgeons herausgesucht werden (Bekehrung, erste Predigt, Heirat, Brand in der Music Hall etc…) werden die Kinder nicht mit zahlreichen Informationen überhäuft und können dennoch eine rote Linie in der Entwicklung Spurgeons verfolgen. Sehr positiv herauszuheben ist, dass keine Hagiographie betrieben wird, sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut dargestellt wird, der ebenfalls mit Zweifeln, Verunsicherungen und Anfächtungen kämpft. Dadurch lässt sich gut vermitteln, dass hier ein Stück Heilsgechichte stattfindet, da Gott eingreift,rettet und dafür einen Menschen mit seinen Schwächen benutzt. Dadurch …

Tipp: Hermann August Menge

Dem Verlag CLV ist es zu verdanken, dass die ausgezeichnete und sprachlich schöne „Menge-Bibel“ nach vielen Jahren in einer leichten Bearbeitung wieder erhältlich ist (www.menge2020.de). Parallel dazu ist eine Kurzbiografie im selben Verlag erschienen. Ein guter Junge, aber ein bisschen dumm! – so lautet das Urteil der Mutter Menge über ihren 1841 geborenen Sohn Hermann August. Diese Fehleinschätzung widerlegt er am Gymnasium und beweist sein glänzendes Gedächtnis und eine ungewöhnliche Begabung bei der Erlernung von Sprachen. Er studiert alte Sprachen und Geschichte und promoviert bereits nach 6 Semestern zum Dr. phil., ein Jahr später besteht er das Staatsexamen. Er wird Lehrer an verschiedenen Gymnasien, verfasst Lehr- und Wörterbücher und wird später Schuldirektor. Seine Fähigkeit zu lehren und „seine Gabe, den Unterrichtsstoff klar, einfach und lebendig nahezubringen“ machen ihn zu einem beliebten und geschätzten Lehrer, bevor er mit 59 Jahren aufgrund Krankheitsbeschwerden pensioniert wird. Und erst im Ruhestand soll Menge sein Lebenswerk beginnen und vollenden. Obwohl er in einer gottesfürchtigen Familie aufwächst, erlebt er erst im Alter von 60 Jahren „eine gewaltige, nicht plötzliche, sondern allmählich …

„In deiner Gerechtigkeit erlöse mich“

„Nun fühlte ich mich ganz und gar neugeboren und durch offene Pforten in das Paradies selbst eingetreten. Da zeigte sich mir sogleich die ganze Schrift von einer anderen Seite. Von daher durchlief ich die Schrift, wie ich sie im Gedächtnis hatte, und las auch in anderen Ausdrücken die gleiche Struktur [analogia], wie: >das Werk Gottes<, d.h. was Gott in uns wirkt, >die Kraft Gottes<, mit der er uns kräftig macht, >die Weisheit Gottes<, mit der er uns weise macht, >die Stärke Gottes<, >das Heil Gottes<, >die Herrlichkeit Gottes<. Nun, mit wieviel Haß ich früher das Wort >Gerechtigkeit Gottes< gehaßt hatte, mit um so größerer Liebe pries ich dieses Wort als das für mich süßeste; so sehr war mir diese Paulusstelle wirklich die Pforte zum Paradies. Später las ich Augustins »De spiritu et littera«, wobei ich unverhoffterweise darauf stieß, daß auch er die Gerechtigkeit Gottes ähnlich interpretiert: [als die Gerechtigkeit], »mit der uns Gott bekleidet, indem er uns rechtfertigt«/1/. Und obwohl dies noch unvollkommen gesagt ist und Augustin von der Anrechnung [imputatio] nicht alles klar expliziert, …

Unter den Lisu

Die Bedeutung von James Fraser und der Familie Kuhn für die christliche Mission unter den Lisu, einer ethnischen Minderheit am südwestlichen Rande kann nicht hoch genug bewertet werden. Heute verdankt das Lisu-Volk seine Schrift dem Einsatz von James Fraser. Ja viel mehr, selbst die chinesische Regierung gibt das Christentum als „Staatsreligion“ dieser Provinz an. Wie eine antichristliche Farce liest sich hier der deutsche Artikel über das Lisu-Volk. Was heute so breite Bahnen schlägt fing mehr als primitiv mit dem Werk von James Fraser an und wurde durch das Ehepaar Kuhn fortgesetzt. Isobel wurde 1901 in einer christlichen Familie geboren. Ihr Vater betete zwar bereits am Kinderbett dafür, dass seine Tochter Missionarin wird, und die Mutter leitete einen Unterstützerkreis für Mission, dennoch wollte es die Familie alles andere als akzeptieren, als Isobel (auch „Belle“ genannt) ihre Entscheidung mitteilte, dass sie ihr Leben der Mission in China geweiht habe. „Das wirst du nur über meine Leiche tun“, war die Reaktion ihrer Mutter. Zunächst war Isobel entsetzt und doch befand sie sich hier nur mitten in der Schule …

Tipp: Wie der Herr mich führte

Es ist bemerkenswert, wie wenig bekannt der 2007 verstorbene Bibellehrer William MacDonald außerhalb konservativ-evangelikaler Gemeinden geblieben ist. Er war ein Mann der leisen Worte, fest in Gottes Wort gegründet und wenig hochtrabend in seinen Auslegungen und Erklärungen. Das machte ihn in vielen Gemeinden zu einem gern gelesenen Autor. Prediger in vielen Ländern und Sprachen nutzen dankbar seine Kommentare zur ganzen Bibel. Als ich in meiner Jugendzeit sein Buch „Wahre Jüngerschaft“ las, packte es mich wie viele andere, und hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Seitdem greife ich gerne zu fast jedem seiner über 80 Bücher, sobald es auf dem hiesigen Markt erscheint. Unvergessen ist für mich auch sein Einsatz für die Glaubwürdigkeit der Bibel, der besonders im Buch „Ist die Bibel Wahrheit?“ sichtbar wird. Es ist zu bedauern, dass William MacDonald kein Tagebuch geführt hat, und es keine Autobiografie gibt. Gerne hätte ich mehr aus seinem Leben erfahren und bin deshalb dankbar, dass jetzt dieser dünne Band erschienen ist, der auf zwei Vorträgen von MacDonald basiert. Es ist ein flüchtiger, kurzer Abriss über sein Leben und …

Calvins Urteile über Luther

„Luther schreibt irgendwo selbst über sich so: ob ich wollte oder nicht wollte, es zwangen mich meine Feinde, täglich weiser zu werden. Sehr wahr sagt er das. Wie ein Stein so haben sie seinen Geist geschärft. Noch versunken in jenen tiefen Finsternissen, von welchen fast der ganze Erdkreis verschlungen war, als er einen Funken aus enger Ritze hervorglänzen sah, wagte er es, ihm zu nahen.“ (Calvin an Pighius, S.5)) Neben all dem sorgfältig aufbereiteten Material, dass Licht und Recht liefert, findet sich auch eine Ausarbeitung über Calvins Aussagen und Stellungnahmen über Luther von Dr. A. Zahn. Aus diesem Werk habe ich auch erfahren, dass Calvin tatsächlich einen Brief an Luther richtete, mit der Bitte französicher Pfarrer, bei einer Gewissensentscheidung zu vermitteln. Immer wieder überrascht die hohe Ehrerbietung die Calvin gegenüber Luther bringt. Leider hat Luther jedoch diesen Brief nie erhalten, da Calvin einen weiteren an Melanchton mit der Bitte richtete, er möge entscheiden ob Luther gerade für den Brief empfänglich sei. Wie zu erwarten, handelte Melanchton vorsichtig. Überschwängliche „Lutherfans“ meinten „Luther „wäre der letzte Elias, von dem …

„Lerne Christus, und zwar den Gekreuzigten“

Zahlreich sind die Briefe Luthers, die zu einem beachtlichen Teil auch noch erhalten sind. Hier einige Kostproben. 8 April 1516 an Georg Spenlein. Ein Trostbrief an einen Bruder: Daher, mein lieber Bruder, lerne Christus, und zwar den gekreuzigten, lerne ihm zu singen und an Dir selbst verzweifelnd zu ihm zu sprechen: Du, Herr Jesus, bist meine Gerechtigkeit, ich aber bin deineSünde; du hast das Meine auf dich genommen und mir das Deine gegeben; du hast angenommen, was du nicht warst, und mir gegeben, was ich nicht war. Hüte Dich, daß Du niemals nach einer so großen Reinheit trachtest, daß Du Dir nicht als Sünder erscheinen oder gar kein Sünder sein willst. Denn Christus wohnt nur in Sündern.    31. Oktober 1517 an Erzbischof Albrecht von Mainz. Bekümmert über den Zustand des Evangeliums (Am selben Tag wie der Thesenanschlag. Inhalt deutet Programm der Reformation bereits an): So sind auch die Werke der Frömmigkeit und Nächstenliebe unendlich viel besser als der Ablaß. Und doch werden diese weder mit großer Pracht noch mit so großem Eifer gepredigt. Ja, …