Alle Artikel in: Biografien

Matthew Henry

All­an Har­man hat eine Bio­gra­phie über Mat­thew Hen­ry ver­fasst, die dank des 3L-Ver­­lag auch deutsch­spra­chig erhält­lich ist. Das Buch ist gut über­setzt und lässt sich durch sei­ne Kür­ze rela­tiv schnell durch­le­sen. Eini­ge Lek­tio­nen, die ich mit­ge­nom­men habe: Mat­thew Hen­ry hat fast alles bei sei­nem Vater Phil­ip Hen­ry gelernt: Als Non­kon­for­mis­ten war es ihm ver­wehrt, Theo­lo­gie zu stu­die­ren. Es blieb nur der Weg über Jura, der ihm den Zugang zu den anti­ken Spra­chen ermög­lich­te (obwohl er grie­chisch schon als Kind gelernt hat) Es gab zwar wohl ein ille­ga­les theo­lo­gi­sches Semi­nar der Non­kon­for­mis­ten. Doch kaum hat Mat­thew mit dem Stu­di­um ange­fan­gen, wur­den fast alle Stu­die­ren­de krank an der Grip­pe (sie wohn­ten auf engs­tem Raum) und eini­ge ver­star­ben gar. Für Mat­thew bedeu­te­te es erst ein­mal das Ende sei­ner theo­lo­gi­schen Lauf­bahn Er wird Pas­tor einer pres­by­te­ria­ni­schen Gemein­de und sucht stän­dig Kon­takt mit ande­ren Gemein­den, ja schreibt dar­über sogar ein Buch. Den­noch wird ihm die Annah­me durch die offi­zi­el­le Kir­che erst nach sei­nem Tode gewährt (er wird in einer angli­ka­ni­schen Kir­che bestat­tet) Er arbei­tet unge­mein viel, pre­digt äußerst sys­te­ma­tisch und sein berühmter …

Benjamin Breckinridge Warfield

Als John MacAr­thur gefragt wur­de, wel­che Bücher er auf eine ein­sa­me Insel mit­neh­men wür­de, lis­tet er als zwei­tes ein Buch von War­field auf: The Inspi­ra­ti­on and Aut­ho­ri­ty of the Bible. Wer sich auf der ande­ren Sei­te mit War­field wohl bekann­tes­tem Schü­ler, näm­lich J.Gresham Machen beschäf­tigt, wird eben­falls wis­sen, wie sehr sein Den­ken von War­field gezehrt hat. Ver­glei­che hier­für z.B. die Kurz­bio­gra­phie von Piper über Machen aus dem Jah­re 1993 (J. Gres­ham Machen’s Respon­se to Moder­nism). Somit war ein grund­le­gen­des Inter­es­se an den Schrif­ten War­fiel­ds gege­ben, doch bin ich an dem von MacAr­thur genann­ten Buch kläg­lich geschei­tert. Es war mir ein­fach zu schwer. Des­we­gen war ich sehr dank­bar für einen Gui­de, den ich in mei­ner Logos Biblio­thek gefun­den habe.   Nach einer kur­zen Bio­gra­phie, die an einen Wiki­­pe­­dia-Arti­­kel erin­nert, fol­gen Sta­tio­nen des Lebens, Sozia­les Netz­werk (damit man weiß, mit wem sich War­field aus­ein­an­der­ge­setzt hat) und Ein­flüs­se auf sein Den­ken (Wer hät­te gedacht, dass nie­mand ande­res als Franz Delitzsch War­field aus­ge­bil­det hat). Im Übri­gen: Über Frame und Van Til sind es gera­de mal zwei Genera­tio­nen um zurück zu Warfield …

„Der Fürst der Prediger“ in einer Biographie für Kinder und Teens

Der Lebens­lauf Spur­ge­ons wird regel­mä­ßig neu auf­ge­ar­bei­tet, was bei einem Pre­di­ger durch­aus über­ra­schend sein kann, da ein Pre­di­ger nun mal etwas nach­geht, dass jedem bekannt sein dürf­te, näm­lich der Pre­digt. Nichts im Ver­gleich zu den zahl­rei­chen Prü­fun­gen und Aben­teu­ern eines Mis­sio­nars, oder? Den­noch haben wir uns als Fami­lie an die­se Bio­gra­phie Spur­ge­ons in kinds­ge­rech­ter Spra­che gewagt und haben die Kapi­tel als mor­gend­li­che Früh­stücks­lek­tü­re genos­sen. Jedes der zehn Kapi­tel des Buches, das den ers­ten Band einer bereits vier­tei­li­gen Rei­he dar­stellt, liess sich dabei gut auf meis­tens zwei Lesun­gen auf­tei­len. Dadurch, dass gezielt Sta­tio­nen des Lebens Spur­ge­ons her­aus­ge­sucht wer­den (Bekeh­rung, ers­te Pre­digt, Hei­rat, Brand in der Music Hall etc…) wer­den die Kin­der nicht mit zahl­rei­chen Infor­ma­tio­nen über­häuft und kön­nen den­noch eine rote Linie in der Ent­wick­lung Spur­ge­ons ver­fol­gen. Sehr posi­tiv her­aus­zu­he­ben ist, dass kei­ne Hagio­gra­phie betrie­ben wird, son­dern ein Mensch aus Fleisch und Blut dar­ge­stellt wird, der eben­falls mit Zwei­feln, Ver­un­si­che­run­gen und Anfäch­tun­gen kämpft. Dadurch lässt sich gut ver­mit­teln, dass hier ein Stück Heils­ge­chich­te statt­fin­det, da Gott eingreift,rettet und dafür einen Men­schen mit sei­nen Schwä­chen benutzt. Dadurch …

Tipp: Hermann August Menge

Dem Ver­lag CLV ist es zu ver­dan­ken, dass die aus­ge­zeich­ne­te und sprach­lich schö­ne „Men­­ge-Bibel“ nach vie­len Jah­ren in einer leich­ten Bear­bei­tung wie­der erhält­lich ist (www.menge2020.de). Par­al­lel dazu ist eine Kurz­bio­gra­fie im sel­ben Ver­lag erschie­nen. Ein guter Jun­ge, aber ein biss­chen dumm! – so lau­tet das Urteil der Mut­ter Men­ge über ihren 1841 gebo­re­nen Sohn Her­mann August. Die­se Fehl­ein­schät­zung wider­legt er am Gym­na­si­um und beweist sein glän­zen­des Gedächt­nis und eine unge­wöhn­li­che Bega­bung bei der Erler­nung von Spra­chen. Er stu­diert alte Spra­chen und Geschich­te und pro­mo­viert bereits nach 6 Semes­tern zum Dr. phil., ein Jahr spä­ter besteht er das Staats­examen. Er wird Leh­rer an ver­schie­de­nen Gym­na­si­en, ver­fasst Lehr- und Wör­ter­bü­cher und wird spä­ter Schul­di­rek­tor. Sei­ne Fähig­keit zu leh­ren und „sei­ne Gabe, den Unter­richts­stoff klar, ein­fach und leben­dig nahe­zu­brin­gen“ machen ihn zu einem belieb­ten und geschätz­ten Leh­rer, bevor er mit 59 Jah­ren auf­grund Krank­heits­be­schwer­den pen­sio­niert wird. Und erst im Ruhe­stand soll Men­ge sein Lebens­werk begin­nen und voll­enden. Obwohl er in einer got­tes­fürch­ti­gen Fami­lie auf­wächst, erlebt er erst im Alter von 60 Jah­ren „eine gewal­ti­ge, nicht plötz­li­che, son­dern all­mäh­lich erfol­gen­de Umwandlung.“ …

„In deiner Gerechtigkeit erlöse mich“

„Nun fühl­te ich mich ganz und gar neu­ge­bo­ren und durch offe­ne Pfor­ten in das Para­dies selbst ein­ge­tre­ten. Da zeig­te sich mir sogleich die gan­ze Schrift von einer ande­ren Sei­te. Von daher durch­lief ich die Schrift, wie ich sie im Gedächt­nis hat­te, und las auch in ande­ren Aus­drü­cken die glei­che Struk­tur [ana­lo­gia], wie: >das Werk Got­tes<, d.h. was Gott in uns wirkt, >die Kraft Got­tes<, mit der er uns kräf­tig macht, >die Weis­heit Got­tes<, mit der er uns wei­se macht, >die Stär­ke Got­tes<, >das Heil Got­tes<, >die Herr­lich­keit Got­tes<. Nun, mit wie­viel Haß ich frü­her das Wort >Gerech­tig­keit Got­tes< geh­aßt hat­te, mit um so grö­ße­rer Lie­be pries ich die­ses Wort als das für mich süßes­te; so sehr war mir die­se Pau­lus­s­tel­le wirk­lich die Pfor­te zum Para­dies. Spä­ter las ich Augus­tins »De spi­ri­tu et lit­te­ra«, wobei ich unver­hoff­ter­wei­se dar­auf stieß, daß auch er die Gerech­tig­keit Got­tes ähn­lich inter­pre­tiert: [als die Gerech­tig­keit], »mit der uns Gott beklei­det, indem er uns rechtfertigt«/1/. Und obwohl dies noch unvoll­kom­men gesagt ist und Augus­tin von der Anrech­nung [impu­ta­tio] nicht alles klar expliziert, …

Unter den Lisu

Die Bedeu­tung von James Fra­ser und der Fami­lie Kuhn für die christ­li­che Mis­si­on unter den Lisu, einer eth­ni­schen Min­der­heit am süd­west­li­chen Ran­de kann nicht hoch genug bewer­tet wer­den. Heu­te ver­dankt das Lisu-Volk sei­ne Schrift dem Ein­satz von James Fra­ser. Ja viel mehr, selbst die chi­ne­si­sche Regie­rung gibt das Chris­ten­tum als „Staats­re­li­gi­on“ die­ser Pro­vinz an. Wie eine anti­christ­li­che Far­ce liest sich hier der deut­sche Arti­kel über das Lisu-Volk. Was heu­te so brei­te Bah­nen schlägt fing mehr als pri­mi­tiv mit dem Werk von James Fra­ser an und wur­de durch das Ehe­paar Kuhn fort­ge­setzt. Iso­bel wur­de 1901 in einer christ­li­chen Fami­lie gebo­ren. Ihr Vater bete­te zwar bereits am Kin­der­bett dafür, dass sei­ne Toch­ter Mis­sio­na­rin wird, und die Mut­ter lei­te­te einen Unter­stüt­zer­kreis für Mis­si­on, den­noch woll­te es die Fami­lie alles ande­re als akzep­tie­ren, als Iso­bel (auch „Bel­le“ genannt) ihre Ent­schei­dung mit­teil­te, dass sie ihr Leben der Mis­si­on in Chi­na geweiht habe. „Das wirst du nur über mei­ne Lei­che tun“, war die Reak­ti­on ihrer Mut­ter. Zunächst war Iso­bel ent­setzt und doch befand sie sich hier nur mit­ten in der Schu­le Gottes, …

Tipp: Wie der Herr mich führte

Es ist bemer­kens­wert, wie wenig bekannt der 2007 ver­stor­be­ne Bibel­leh­rer Wil­liam Mac­Do­nald außer­halb kon­­ser­­va­­tiv-evan­­ge­­li­­ka­­ler Gemein­den geblie­ben ist. Er war ein Mann der lei­sen Wor­te, fest in Got­tes Wort gegrün­det und wenig hoch­tra­bend in sei­nen Aus­le­gun­gen und Erklä­run­gen. Das mach­te ihn in vie­len Gemein­den zu einem gern gele­se­nen Autor. Pre­di­ger in vie­len Län­dern und Spra­chen nut­zen dank­bar sei­ne Kom­men­ta­re zur gan­zen Bibel. Als ich in mei­ner Jugend­zeit sein Buch „Wah­re Jün­ger­schaft“ las, pack­te es mich wie vie­le ande­re, und hat einen blei­ben­den Ein­druck hin­ter­las­sen. Seit­dem grei­fe ich ger­ne zu fast jedem sei­ner über 80 Bücher, sobald es auf dem hie­si­gen Markt erscheint. Unver­ges­sen ist für mich auch sein Ein­satz für die Glaub­wür­dig­keit der Bibel, der beson­ders im Buch „Ist die Bibel Wahr­heit?“ sicht­bar wird. Es ist zu bedau­ern, dass Wil­liam Mac­Do­nald kein Tage­buch geführt hat, und es kei­ne Auto­bio­gra­fie gibt. Ger­ne hät­te ich mehr aus sei­nem Leben erfah­ren und bin des­halb dank­bar, dass jetzt die­ser dün­ne Band erschie­nen ist, der auf zwei Vor­trä­gen von Mac­Do­nald basiert. Es ist ein flüch­ti­ger, kur­zer Abriss über sein Leben und wie …

Calvins Urteile über Luther

„Luther schreibt irgend­wo selbst über sich so: ob ich woll­te oder nicht woll­te, es zwan­gen mich mei­ne Fein­de, täg­lich wei­ser zu wer­den. Sehr wahr sagt er das. Wie ein Stein so haben sie sei­nen Geist geschärft. Noch ver­sun­ken in jenen tie­fen Fins­ter­nis­sen, von wel­chen fast der gan­ze Erd­kreis ver­schlun­gen war, als er einen Fun­ken aus enger Rit­ze her­vor­glän­zen sah, wag­te er es, ihm zu nahen.“ (Cal­vin an Pig­hi­us, S.5)) Neben all dem sorg­fäl­tig auf­be­rei­te­ten Mate­ri­al, dass Licht und Recht lie­fert, fin­det sich auch eine Aus­ar­bei­tung über Cal­vins Aus­sa­gen und Stel­lung­nah­men über Luther von Dr. A. Zahn. Aus die­sem Werk habe ich auch erfah­ren, dass Cal­vin tat­säch­lich einen Brief an Luther rich­te­te, mit der Bit­te fran­zö­si­cher Pfar­rer, bei einer Gewis­sens­ent­schei­dung zu ver­mit­teln. Immer wie­der über­rascht die hohe Ehr­er­bie­tung die Cal­vin gegen­über Luther bringt. Lei­der hat Luther jedoch die­sen Brief nie erhal­ten, da Cal­vin einen wei­te­ren an Melan­chton mit der Bit­te rich­te­te, er möge ent­schei­den ob Luther gera­de für den Brief emp­fäng­lich sei. Wie zu erwar­ten, han­del­te Melan­chton vor­sich­tig. Über­schwäng­li­che „Luther­fans“ mein­ten „Luther „wäre der letz­te Eli­as, von dem …

„Lerne Christus, und zwar den Gekreuzigten“

Zahl­reich sind die Brie­fe Luthers, die zu einem beacht­li­chen Teil auch noch erhal­ten sind. Hier eini­ge Kost­pro­ben. 8 April 1516 an Georg Spen­lein. Ein Trost­brief an einen Bru­der: Daher, mein lie­ber Bru­der, ler­ne Chris­tus, und zwar den gekreu­zig­ten, ler­ne ihm zu sin­gen und an Dir selbst ver­zwei­felnd zu ihm zu spre­chen: Du, Herr Jesus, bist mei­ne Gerech­tig­keit, ich aber bin dei­ne­Sün­de; du hast das Mei­ne auf dich genom­men und mir das Dei­ne gege­ben; du hast ange­nom­men, was du nicht warst, und mir gege­ben, was ich nicht war. Hüte Dich, daß Du nie­mals nach einer so gro­ßen Rein­heit trach­test, daß Du Dir nicht als Sün­der erschei­nen oder gar kein Sün­der sein willst. Denn Chris­tus wohnt nur in Sün­dern.    31. Okto­ber 1517 an Erz­bi­schof Albrecht von Mainz. Beküm­mert über den Zustand des Evan­ge­li­ums (Am sel­ben Tag wie der The­sen­an­schlag. Inhalt deu­tet Pro­gramm der Refor­ma­ti­on bereits an): So sind auch die Wer­ke der Fröm­mig­keit und Nächs­ten­lie­be unend­lich viel bes­ser als der Ablaß. Und doch wer­den die­se weder mit gro­ßer Pracht noch mit so gro­ßem Eifer gepre­digt. Ja, …

Tipp: Susanna Wesley

Nun, eine „Mut­ter des Metho­dis­mus“, wie Susan­na Wes­ley auch genannt wird, stellt man sich sicher wohl orga­ni­siert, fein und gut behü­tet vor. Die Rea­li­tät sah jedoch auch bei Susan­na Wes­ley viel rau­er aus: Bereits als Teen­ager ist sie im Kon­flikt mit ihrem Vater und ver­lässt sei­ne puri­ta­ni­sche Gemein­de. Mit 19 hei­ra­tet sie einen Pas­tor, der jedoch lie­ber Poli­tik treibt, statt sich um sei­ne Schäf­chen zu küm­mern, stän­dig ver­schul­det ist, und bei einer Ehe­strei­tig­keit auch mal ein Jahr fort bleibt. Neun ihrer Neun­zehn Kin­der verster­ben bereits im Klein­kind­al­ter. Als Susan­na Wes­ley mit 73 ver­stirbt, leben nur noch 8 ihrer Kin­der. In all die­sem Tumult schafft sie es ihre Kin­der zu erzie­hen und zu bil­den. Es wird deut­lich, dass dabei eine ganz­heit­li­che Bil­dung ange­strebt wird. Susan­na Wes­ley war ein Kind ihrer Zeit und doch auch ein Kind Got­tes, wel­ches an ihre Platz für ihren Herrn leuch­te­te. Die von mir gele­se­ne Bio­gra­phie von Dal­li­mo­re ist nur noch anti­qua­risch erhältlich.