Alle Artikel in: Puritaner

Ist der Glaube ein Geschenk von Gott?

Es ist immer wie­der berei­chernd, manch­mal aber auch ernüch­ternd kon­fes­sio­nel­le Schrif­ten zu stu­die­ren. So bin ich erst jetzt dazu gekom­men, die fünf Punk­te der Remons­tran­ten von 1610 zu lesen und habe doch etwas uner­war­tet Über­ra­schen­des ent­deckt. Ich über­setz­te aus der latei­ni­schen und hol­län­di­schen Ver­si­on, die ich von P. Schaff besit­ze: Dass der Men­sche den selig machen­den Glau­ben nicht aus sich sel­ber besitzt, noch aus Kraft sei­nes frei­en Wil­lens, da er im Zustand der Auf­leh­nung und der Sün­de nichts Gutes (was ja ins­be­son­de­re der selig­ma­chen­de Glau­be ist) aus sich her­aus den­ken, wol­len oder tun kann. Es ist aber not­wen­dig, dass er von Gott, in Chris­tus durch sei­nen Hei­li­gen Geist wie­der­ge­bo­ren und in der Wie­der­ge­burt, in Ver­nunft, den Affek­ten, des Wil­len und allen Kräf­ten neu belebt wird, damit er nach dem Wort Chris­ti rich­tig ver­ste­hen, den­ken, wol­len und das wah­re Gute voll­brin­gen kann. Wie auch Joh. 13,5 sagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun!“ Bei der Recher­che ist mir auf­ge­fal­len, dass die eng­li­sche Über­set­zung von Schaff, die auch im Weg Grund­la­ge für zahl­rei­che ver­öf­fent­lich­te Ver­sio­nen ist, das …

Der scharlachrote Buchstabe

In der Zeit der Grün­der­vä­ter wird die Ehe­bre­che­rin Hes­ter Pryn­ne dazu ver­ur­teilt inmit­ten von Puri­ta­nern sich ein rotes A (wahr­schein­lich für Adul­te­ry o.Ä = Ehe­bruch ) auf die Brust zu nähen. Bei der Ver­ur­tei­lung mur­meln eini­ge älte­re Damen auch was von Todes­stra­fe, wäh­rend der blei­che Pfar­rer Arthur Dim­mes­da­le den Ver­hör lei­tet. Hes­ter ver­wei­gert es, den Namen des betei­lig­ten Parts zu nen­nen, doch dem Leser wird schon bald klar, dass es nie­mand ande­res ist, als der Pfar­rer selbst, der hier eine Schuld ver­schweigt. Auch eine kla­re­re Pre­digt über sei­ne Sün­de als eine Art anony­me Beich­te führt zu kei­ner Gewis­sens­er­leich­te­rung. Bald kehrt der bis dahin als ver­schol­len gegol­te­ne Ehe­mann Hes­ter Pryn­nes, ein Arzt zurück und erkennt schon bald im Pfar­rer den Ehe­bre­cher. Das nützt er genüss­lich aus, um mit vie­len Tricks den Pfar­rer in den nahen Wahn­sinn zu trei­ben. Schließ­lich aber in der größ­ten See­len­not ringt sich Dim­mes­da­le zu einem öffent­li­chen Bekennt­nis durch und bekennt sei­ne Schuld, wor­auf er end­lich in Ruhe ster­ben kann. Roger Chil­ling­worth, der Ehe­mann Hes­ters hat nun kei­nen Lebens­zweck mehr und stirbt nach …

Buchrezension: Sind religiöse Gefühle zuverlässige Anzeichen für wahren Glauben?

Die­ser Klas­si­ker wur­de vor fast 270 Jah­ren von einem Mann geschrie­ben, der bis heu­te in Ame­ri­ka als einer der größ­ten Phi­lo­so­phen und Theo­lo­gen geach­tet wird. Gleich­zei­tig ist er unter den Chris­ten als Erwe­ckungs­pre­di­ger an der Sei­te von Geor­ge White­field bekannt. Edwards hat die „Gro­ße Erwe­ckung“ in Ame­ri­ka mit­er­lebt – mit all den posi­ti­ven, aber auch den nega­ti­ven Begleit­um­stän­den wie z.B. ober­fläch­li­che Begeis­te­rung, Eksta­se, kör­per­li­chen, see­li­schen und geist­li­chen Ent­glei­sun­gen. Sei­ne Nüch­tern­heit und sei­ne schar­fe, geist­li­che Beob­ach­tungs­ga­be führ­ten dazu, dass er die­ses Buch schrieb, in dem er sei­ne Ein­drü­cke ana­ly­siert und mit der Bibel ver­gleicht, um den Erweck­ten damals wie heu­te eine Hil­fe zu bie­ten, mensch­li­che Begeis­te­rung von geist­li­cher Fröm­mig­keit zu unter­schei­den. Die­ses wich­ti­ge Werk, das – soweit wir wis­sen – nun zum ers­ten Mal in deut­scher Spra­che erschie­nen ist, zeigt, wel­che Emo­tio­nen und Ver­hal­tens­wei­sen bei „Erweck­ten“ nur flei­sch­­lich- reli­gi­ös und damit ungeist­lich sind – im Gegen­satz zu den Emo­tio­nen und Früch­ten, die der Geist Got­tes im Leben Wie­der­ge­bo­re­ner bewirkt.

Überreiche Gnade

„Von allen Ver­su­chun­gen, denen ich je in mei­nem Leben begeg­net bin, ist der Zwei­fel hin­sicht­lich des Seins und Wesens Got­tes und hin­sicht­lich der Wahr­heit des Evan­ge­li­ums die schlimms­te und die am schwers­ten zu ertra­gen­de. Wenn die­se Ver­su­chung kommt, so nimmt sie mir den Gurt mei­ner Len­den, und zieht mir den Boden unter den Füßen fort. Oh ich habe oft gedacht: „So steht nun fest, umgür­tet an euren Len­den mit Wahr­heit“ und auch jenes ande­re: „Wenn die Grund­fes­ten stür­zen, was ver­mag der Gerech­te?“ Manch­mal, wenn ich nach began­ge­ner Sün­de von der Hand Got­tes her­be Züch­ti­gung erwar­te­te, so war das Aller­nächs­te, das mir von ihm zuteil wur­de, das Offen­bar­wer­den sei­ner Gna­de. Manch­mal, wenn ich getrös­tet wor­den bin, habe ich mich einen Toren geschol­ten, dass mir in Schwie­rig­kei­ten ban­ge gewor­den ist. Und dann wie­der­um dach­te ich, wenn ich nie­der­ge­schla­gen war, wie unwei­se es von mir sei, der­art dem Tros­te aus­zu­wei­chen. (…) Über eine bestimm­te Sache habe ich mich recht gewun­dert. Auch wenn Gott mei­ne See­le mit noch so geseg­ne­ter Offen­ba­rung sei­ner selbst besucht, haben mich den­noch hin­ter­her solche …

Die Fähigkeit des prophetischen Redens

Wie in die­sem Blog schon eini­ge Male erwähnt, bringt der 3L Ver­lag immer wie­der Wer­ke von Puri­ta­nern her­aus. Der­zeit sind bereits 14 Bän­de ver­schie­de­ner Autoren, wie Owen, Bun­y­an und wei­te­rer Puri­ta­ner erschie­nen. Der Inhalt der Bücher ist wirk­lich kost­bar. Auf­grund der schö­nen Auf­ma­chung machen die Bücher jedoch auch jedes Bücher­re­gal um eine Per­le rei­cher. An die­ser Stel­le wird Band acht die­ser Rei­he vor­ge­stellt. Zu Beginn erst eini­ge Wor­te zum Autor, der mir gänz­lich unbe­kannt war. Glück­li­cher­wei­se ent­hält jeder der Puri­­ta­­ner-Bän­­de ein kur­zes Vor­wort zum Autor.  So konn­te man fest­stel­len, das Per­kins 1585 in War­wickshire gebo­ren wur­de und am Christ’s Col­le­ge in Cam­bridge stu­dier­te er Theo­lo­gie. Danach dien­te er 44 Jah­re lang bis zu sei­nem Tod 1602 sei­ner Gemein­de in Gre­at St. Andrew als Pre­di­ger. Er hielt es immer für eine gro­ße Beru­fung von Gott, dass er sei­nem Gott als Pre­di­ger die­nen darf. Er glaub­te, dass die Pre­digt die Her­zen der­je­ni­gen, die sie hör­ten, auf­rei­ßen soll­te. Über­dies sah er den Pre­di­ger als geist­li­chen Apo­the­ker, des­sen Kennt­nis der bibli­schen Arz­nei ihn befä­higt, die Wun­den zu waschen und die geistlichen …

John Bunyan: Die Pilgerreise (neue Ausgabe) — Teil 3

Hier folgt nun der drit­te und letz­te Teil mei­ner Buch­be­spre­chung des neu auf­ge­leg­ten und sprach­lich über­ar­bei­te­tem Klas­si­kers Die Pil­ger­rei­se von John Bun­y­an. Teil 1 und Teil 2 kön­nen unten den hin­ter­leg­ten Links nach­ge­le­sen wer­den. Trotz eini­ger Kri­tik­punk­te bin ich von der neu­en Aus­ga­be begeis­tert. Sie liest sich flüs­sig und ist leicht ver­ständ­lich. Die zusätz­li­chen Kapi­tel­über­schrif­ten tei­len die ehe­mals recht lan­gen Kapi­tel in leicht zu bewäl­ti­gen­de Sinn­ab­schnit­te ein. Das anspre­chend gestal­te­te Cover gibt dem Buch eine wür­di­ge Hül­le, die ich mit immer wie­der ger­ne anschaue. Die Hard­co­ver­aus­ga­be liegt gut in der Hand und wird auch nach mehr­ma­li­gem Lesen nicht zer­fled­dert aus­se­hen. Außer­dem kann ich die Pil­ger­rei­se auch auf mei­nem Rea­der als E‑Book lesen, kann dar­in bequem nach Pas­sa­gen suchen und habe sie über­all dabei. Eini­ge Anmer­kun­gen zum Vor­wort von Johan­nes Falk Ein weg­wei­sen­des Vor­wort zu einem über 300 Jah­re alten Best­sel­ler zu schrei­ben, erfor­dert eine soli­de Kennt­nis des Inhalts, des Autors und der Rezep­ti­ons­ge­schich­te. Auch wenn ich weit davon ent­fernt bin, ein John-Bun­­y­an-Exper­­te zu sein, gibt es eini­ge Sät­ze im Vor­wort, die mei­ner Mei­nung nach nicht kor­rekt sein können. …

John Bunyan: Die Pilgerreise (neue Ausgabe) — Teil 2

Im ers­ten Teil der Buch­be­spre­chung habe ich eini­ge Grün­de genannt, war­um ich das Buch Die Pil­ger­rei­se von John Bun­y­an gut fin­de und jedem emp­feh­len kann. Im zwei­ten Teil gehe ich auf die sprach­li­che Neu­be­ar­bei­tung der Pil­ger­rei­se ein, die die­ses Jahr im SCM R. Brock­haus Ver­lag erschie­nen ist. Wenn ich Ver­glei­che anstel­le, bezie­he ich mich auf die älte­re Aus­ga­be von 1998. Weil die­ser Arti­kel recht lang gewor­den ist, wer­de ich im nächs­ten Bei­trag auf das Vor­wort von Johan­nes Falk ein­ge­hen. Hier also die Vor- und Nach­tei­le der sprach­li­chen Neu­be­ar­bei­tung. 1. Sie ist ide­al zum Vor­le­sen. Wer schon ein Mal die älte­re Aus­ga­be der Pil­ger­rei­se jeman­den vor­le­sen muss­te, wird gemerkt haben, dass sie dafür nicht so gut geeig­net ist. Holp­rig ist es vor allem bei den vie­len Dia­lo­gen. Hier zuerst ein Aus­zug aus der alten Aus­ga­be (S.153):

John Bunyan: Die Pilgerreise (neue Ausgabe) — Teil 1

„Der Weg ist das Ziel.“ Das behaup­te zumin­dest Kon­fu­zi­us. Es mag sein, dass die­se Aus­sa­ge für eini­ge Wege, die man geht, zutrifft. Doch die­se Idee auf den Lebens­weg zu über­tra­gen, kann fata­le Fol­gen haben. John Bun­y­an fand in der Bibel eine ande­re Beschrei­bung des Lebens­we­ges: „Geht ein durch die enge Pfor­te! Denn die Pfor­te ist weit und der Weg ist breit, der ins Ver­der­ben führt; und vie­le sind es, die da hin­ein­ge­hen. Denn die Pfor­te ist eng und der Weg ist schmal, der zum Leben führt; und weni­ge sind es, die ihn fin­den“ (Mt. 7,13−14). Wel­ches Ziel du erreichst, hängt davon ab, wel­chen Weg du gehst. Die Bibel kennt nur zwei Zie­le, die auf zwei ver­schie­de­nen Wegen erreicht wer­den. Das hier von Jesus ver­wen­de­te Bild legt John Bun­y­an sei­nem Werk „Die Pil­ger­rei­se zur seli­gen Ewig­keit“ zugrun­de (so lau­tet der Titel der ers­ten deut­schen Über­set­zung. Sei­ne alle­go­ri­sche Erzäh­lung, die zuerst 1678⁄1684 erschien, erfreut sich bis heu­te gro­ßer Beliebt­heit. Ich möch­te hier die aktu­el­le und sprach­lich neu bear­bei­te­te deut­sche Aus­ga­be von 2012 aus dem SCM R. Brockhaus …

Buchrezension: Geborgen in Ihm

Ger­ne wünscht man es sich als Christ, in allen Lebens­la­gen stark zu sein und auch dann nicht ein­zu­kni­cken, wenn wirk­lich alles schief läuft. Ande­rer­seits begeg­net man immer wie­der Chris­ten, die mut­los, ent­täuscht und manch­mal sogar frus­triert die Hoff­nung auf­zu­ge­ben schei­nen, weil sie kraft­los gewor­den sind. Dafür kann es ver­schie­de­ne Grün­de geben: eige­nes Ver­schul­den und eige­ne Sün­de, Ent­täu­schung, Krank­hei­ten, Burn-Out oder Depres­sio­nen. Wo fin­det man in sol­chen Situa­tio­nen für sich selbst und für Ande­re Hil­fe, die wirk­sam aus der Not führt? Richard Sib­bes hat­te wohl sol­che Situa­tio­nen vor Augen, als er das Buch „Gebor­gen in ihm“ schrieb. Der eng­li­sche Titel „The Brui­sed Reed“ (Das geknick­te Rohr) ver­rät mehr über den Inhalt, vor­aus­ge­setzt man erkennt in dem Titel ein Bibel­zi­tat. Denn es geht in die­sem Buch tat­säch­lich im Wesent­li­chen nur um den einen Vers aus Mat­thä­us 12,20 (zitiert aus Jes 42,3): „Ein geknick­tes Rohr wird er nicht zer­bre­chen, und einen glim­men­den Docht wird er nicht aus­lö­schen, bis er das Recht hin­aus­füh­re zum Sieg.“ Der ers­te Gedan­ke, der mir kam, als ich erfuhr, dass das gesam­te Buch eine Auslegung …

Matthew Henry: Leben voller Freude

Mit gro­ßem Gewinn lese ich regel­mä­ßig Mat­thew Henry’s Haupt­werk Expo­si­ti­on of the Old and New Tes­ta­ment (Kom­men­tar zum Alten und Neu­en Tes­ta­ment). Und so war­te­te ich gespannt auf das ers­te deut­sche Buch von Mat­thew Hen­ry: Leben vol­ler Freu­de. Die­ses Buch ist das Letz­te von Mat­thew Hen­ry und wur­de 1714, sei­nem Todes­jahr, gedruckt. Es ist also gleich­sam sein Ver­mächt­nis und wenn man so will, sei­ne letz­ten Wor­te, die bis in unse­re Zeit hin­ein­klin­gen. Das Buch basiert auf 6 Pre­dig­ten, die der Autor 1713 hielt und auf Wunsch sei­ner Zuhö­rer für die Ver­öf­fent­li­chung über­ar­bei­te­te. Die­ser Neu­aus­ga­be wur­de zusätz­lich ein Vor­wort von James I. Paker bei­gefügt, in dem er in Kür­ze in das Buch und das Leben des Autors ein­führt und außer­dem dem Leser Hin­wei­se gibt, wie er das Bes­te aus dem Buch her­aus­zu­ho­len hat.