Puritaner, Rezensionen
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Der scharlachrote Buchstabe

In der Zeit der Gründerväter wird die Ehebrecherin Hester Prynne dazu verurteilt inmitten von Puritanern sich ein rotes A (wahrscheinlich für Adultery o.Ä = Ehebruch ) auf die Brust zu nähen. Bei der Verurteilung murmeln einige ältere Damen auch was von Todesstrafe, während der bleiche Pfarrer Arthur Dimmesdale den Verhör leitet. Hester verweigert es, den Namen des beteiligten Parts zu nennen, doch dem Leser wird schon bald klar, dass es niemand anderes ist, als der Pfarrer selbst, der hier eine Schuld verschweigt. Auch eine klarere Predigt über seine Sünde als eine Art anonyme Beichte führt zu keiner Gewissenserleichterung. Bald kehrt der bis dahin als verschollen gegoltene Ehemann Hester Prynnes, ein Arzt zurück und erkennt schon bald im Pfarrer den Ehebrecher. Das nützt er genüsslich aus, um mit vielen Tricks den Pfarrer in den nahen Wahnsinn zu treiben. Schließlich aber in der größten Seelennot ringt sich Dimmesdale zu einem öffentlichen Bekenntnis durch und bekennt seine Schuld, worauf er endlich in Ruhe sterben kann. Roger Chillingworth, der Ehemann Hesters hat nun keinen Lebenszweck mehr und stirbt nach einem Jahr.

Diese Erzählung von Nathaniel Hawthorne hat mich schon immer fasziniert! Nun bin ich aber zudem auf ein Werk von Leland Ryken gestoßen, mit welchem er Klassiker nach Pfarrern und Pastoren durchsucht und analysiert, natürlich ging er nicht an diesem Meisterwerk Hawthornes vorbei. Er weißt darauf hin, dass der Autor zwei Weltbilder aufeinander prallen lässt, die romantische und die christliche! Zunächst profitiert Hester Prynne deutlich in ihrer Gunst, doch das Finale zeigt, dass es besser ist, Sünde aufzudecken und zu bekennen. Hätte ich doch diese Hinweise Rykens bereits beim Lesen des Buches gehabt.

(Sätze in Fett auch auf deutsch)

Sünde aufdecken oder zudecken?

„The initial sins of adultery and cover-up are what set the entire steamroller of evil into motion. In keeping with Hawthorne’s strategy of setting the romantic and Christian worldviews in competition, throughout the first half of the story Hester is a sympathetic foil (contrast) to the minister’s weakness. As bad as the sins of sexual indulgence, moral cowardice, and abandonment of a persecuted woman are, as the story unfolds, hypocrisy emerges as Rev. Dimmesdale’s most intensely felt sin. As the preacher makes veiled hints of his sexual sin in his sermons, his parishioners idealize him even more for what seems to be extreme piety. In a summary statement, we read, “It is inconceivable, the agony with which this public veneration tortured him” (chap. 6). The contrast between Hester and Dimmesdale is primarily the contrast between confessed sin and concealed sin, and the mainspring of the book is the fact and effects of hidden sin in a minister who appears to be an exemplary Christian.“

Der Unterschied zwischen Hester und Dimmesdale ist vor allem der Unterschied zwischen bekannter und verborgener Sünde, und der Antrieb des Buches ist die Tatsache und die Wirkung der verborgenen Sünde in einem Minister, der als vorbildlicher Christ erscheint.

Sünde wirkt süß, ist aber tödlich

„The subtle evil influence in the minister’s life is Hester. In the middle of the book, when Hester and Dimmesdale meet in the forest, Hester proposes that she and Dimmesdale run away from the village that torments them. This is the enthronement of romantic impulse, choosing escape from society rather than confession of sin to God. For all her affectionate loyalty to Dimmesdale, Hester’s proposal represents a temptation to abandon moral duty and God. The narrator editorializes this angle when he asserts, “Tempted by a dream of happiness,” Dimmesdale “had yielded himself with deliberate choice . . . to what he knew was deadly sin. And the infectious poison of that sin had been thus rapidly diffused throughout his moral system” (chap. 20). On the verge of receiving God’s forgiveness, Dimmesdale asks Hester, “Is not this better than what we dreamed of in the forest?” (chap. 23). And Hester, romantic spokesperson to the last, replies, “I know not.”“

Der Erzähler editiert diesen Blickwinkel, als er deutlich macht, „Dimmesdale ist von einem Traum des Glücks in Versuchung geführt“ und habe sich mit einer bewussten Entscheidung  für das entschieden. . . von dem er wusste, dass es todbringende Sünde ist. Und das ansteckende Gift dieser Sünde hatte sich so schnell in seinem gesamten moralischen System verbreitet.

Satan verführt um zu verklagen

„Roger Chillingworth, Hester’s husband who lives with Dimmesdale and ostensibly serves as his doctor, rather quickly comes to the conclusion that Dimmesdale was the sexual partner of his wife. Thereupon Chillingworth systematically fans the flames of Dimmesdale’s guilty conscience. In the climactic confession scene, as Dimmesdale receives God’s forgiveness, Chillingworth repeatedly mutters, “Thou hast escaped me.” In the last chapter of the book, we learn that once Chillingworth’s opportunity for revenge was taken from him, he died within a year, deprived of his reason for living.“

Chillingworth murmelt ständig: „Du bist mir entkommen.“ Im letzten Kapitel des Buches erfahren wir, dass Chillingworth, nachdem ihm die Gelegenheit zur Rache genommen worden war, seines Lebensgrundes beraubt, nach einem Jahr verstarb.

Übrigens: der von Hawthorne beschriebene Brauch mit dem scharlachroten Buchstaben hat keine historische Grundlage. Oberflächlich betrachtet wirkt, das Werk wie eine Abrechnung mit dem Puritanismus, Ryken deckt die tiefere Botschaft auf. Ob das auch den heutigen modernen Lesern gelingt?

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