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Überreiche Gnade

Autobiographie von John Bunyan

„Von allen Ver­su­chun­gen, denen ich je in mei­nem Leben begeg­net bin, ist der Zwei­fel hin­sicht­lich des Seins und Wesens Got­tes und hin­sicht­lich der Wahr­heit des Evan­ge­li­ums die schlimms­te und die am schwers­ten zu ertra­gen­de. Wenn die­se Ver­su­chung kommt, so nimmt sie mir den Gurt mei­ner Len­den, und zieht mir den Boden unter den Füßen fort. Oh ich habe oft gedacht: „So steht nun fest, umgür­tet an euren Len­den mit Wahr­heit“ und auch jenes ande­re: „Wenn die Grund­fes­ten stür­zen, was ver­mag der Gerech­te?“
Manch­mal, wenn ich nach began­ge­ner Sün­de von der Hand Got­tes her­be Züch­ti­gung erwar­te­te, so war das Aller­nächs­te, das mir von ihm zuteil wur­de, das Offen­bar­wer­den sei­ner Gna­de. Manch­mal, wenn ich getrös­tet wor­den bin, habe ich mich einen Toren geschol­ten, dass mir in Schwie­rig­kei­ten ban­ge gewor­den ist. Und dann wie­der­um dach­te ich, wenn ich nie­der­ge­schla­gen war, wie unwei­se es von mir sei, der­art dem Tros­te aus­zu­wei­chen. (…) Über eine bestimm­te Sache habe ich mich recht gewun­dert. Auch wenn Gott mei­ne See­le mit noch so geseg­ne­ter Offen­ba­rung sei­ner selbst besucht, haben mich den­noch hin­ter­her sol­che Stun­den über­fal­len, die mei­nen Geist der­ma­ßen in Dun­kel­heit tauch­ten, dass ich auch nicht einen ein­zi­gen Augen­blick begrei­fen konn­te, was denn jener Gott und jener Trost sei­en, mit denen ich erquickt wor­den war.“

Die­ses offe­ne, herz­li­che und zeit­ge­mä­ße Zeug­nis ist bereits über 350 Jah­re alt. Es stellt sich die Fra­ge, wer der Mann war, der einem so aus dem Her­zen spre­chen kann, der so gut das for­mu­lie­ren kann, was einen Chris­ten oft­mals beschäf­tigt und nie­der­drückt. Tat­säch­lich wird man über­rascht sein, einen ein­fa­chen Kes­sel­fli­cker ken­nen­zu­ler­nen, jedoch auch einen eif­ri­gen, hin­ge­ge­ben und feu­ri­gen Chris­ten, näm­lich John Bun­yan. Vie­len ist sein Klas­si­ker „die Pil­ger­rei­se“ bekannt. Für Charles H. Spur­ge­on wur­de die­ses Buch so wich­tig, dass er die­ses Buch als unsterb­li­che Alle­go­rie bezeich­ne­te und dazu sogar eine Inter­pre­ta­ti­on ver­fass­te.  Trotz der Bedeu­tung sei­ner Wer­ke, dürf­te der Autor jedoch der Neu­zeit weni­ger bekannt sein.

Im fol­gen­den wer­de ich ver­su­chen sein Leben mit Aus­zü­gen aus die­ser Bio­gra­phie zu schil­dern. Bun­yan schrieb die­se Bio­gra­phie vor allem als Erbau­ungs­schrift, für „die­je­ni­gen gewid­met, die Gott für wür­dig erach­tet hat, um ihnen durch sei­nen Dienst am gött­li­chen Wort vom Glau­ben Zeug­nis zu geben“. 1628 in Bris­tol gebo­ren, darf er „trotz Nied­rig­keit und gerin­ger Acht­bar­keit sei­ner Eltern“ eine Schu­le besu­chen, um Lesen und Schrei­ben zu ler­nen. Sonst äußert sich J. Bun­yan wenig über sei­ne Kind­heit und Jugend, außer dass er sich als einen ver­dor­be­nen Men­schen erkennt. „Ich war (…) kei­ner Regung mehr fähig. Him­mel und Höl­le waren mir aus Augen und Sinn gekom­men.“ Obwohl Bun­yan also nichts von Gott hören will, geht Gott ihm nach und erret­tet ihn mehr­mals vom Tode. „…als Sol­dat war ich mit ande­ren dazu bestimmt wor­den, zur Bela­ge­rung eines gewis­sen Plat­zes aus­zu­zie­hen. Doch als ich gera­de abmarsch­fer­tig war, wünsch­te ein ande­rer von der Kom­pa­nie mei­nen Pos­ten ein­zu­neh­men (…) und als er (…) Wache stand, wur­de er mit einer Mus­ke­ten­ku­gel durch den Kopf beschos­sen und starb.“

Bun­yan führt lan­ge ein wil­des Leben, jedoch ändert sich mit sei­ner Hei­rat eini­ges. Sei­ne Frau kommt aus einem christ­li­chen Eltern­haus und bringt eini­ge geist­li­che Schrif­ten mit in die Ehe. Dadurch fängt Bun­yan an, sich lang­sam für das Chris­ten­tum zu öff­nen und beginnt damit die Ver­samm­lun­gen zu besu­chen. Unter dem Wort der Pre­digt wird ihm sein sün­di­ger Lebens­wan­del immer bewuss­ter.  Beson­ders schlimm ist er getrof­fen, als er von einer Nach­ba­rin als der „gott­lo­ses­te Bur­sche, von dem sie je in ihrem Leben gehört hat­te“ bezeich­net wur­de, der wohl „imstan­de sei, alle jun­gen Leu­te einer gan­zen Stadt zu ver­der­ben“. Dies trifft ihn hart, und Zwei­fel kom­men über ihn, ob denn für ihn über­haupt Gna­de vor­han­den ist. Trotz der Zwei­fel arbei­tet Bun­yan immer mehr an sei­nem Lebens­stil und macht eine 180°-Wende durch.  Er bekennt: „Mei­ne Nach­barn waren erstaunt über mei­ne gewal­ti­ge Bekeh­rung von äußers­ter Welt­lich­keit zu so etwas wie einem mora­li­schen Leben. Und es stimm­te, sie durf­ten es sehr wohl. Denn mei­ne Bekeh­rung war so groß­ar­tig wie die von einem Irren­haus­in­sas­sen zu einem ver­stän­di­gen Mann.“

John Bun­yan (1684), gemalt von John Sad­ler

Doch noch ist sei­ne Bekeh­rung sehr fleisch­lich und aus eige­ner Kraft, getrie­ben von dem Zorn Got­tes. Bun­yan erkennt, dass er ein „ange­mal­ter Heuch­ler ist, der auf sei­ne Fröm­mig­keit stolz ist“. Inner­lich hat er gro­ße Furcht vor dem Gericht Got­tes und fürch­tet um eine plötz­li­che Stra­fe. Doch aus der Heu­che­lei wird immer mehr der Wil­le und ein gro­ßes Ver­lan­gen danach, Gott nach­zu­fol­gen. Doch Bun­yan steht noch am Anfang sei­ner Nach­fol­ge. Schon bald plagt ihn das Gewis­sen, ob er denn Glau­ben hät­te.  Dann wie­der­um fragt er sich, ob Gott ihn auch wirk­lich erret­ten möch­te: „Ob ich (wohl) erwählt sei? Aber wie wäre es, wenn die Gna­den­frist jetzt vor­über und ver­stri­chen wäre?“. Die­se Gedan­ken quä­len und beschäf­ti­gen ihn wochen- und mona­te­lang. Die­se Ver­su­chun­gen wach­sen in ihm zu einem immer grö­ße­ren Feu­er. Beim For­schen im Hebrä­er­brief tritt ihm der Ver­su­cher beson­ders nahe und flüs­tert ihm ein, er habe den Hei­li­gen Geist geläs­tert und dadurch das Heil für immer ver­lo­ren. Die­se Anfech­tung soll ihn für Jah­re ver­fol­gen. Und obwohl er immer wie­der Got­tes Gna­de spürt, sieht er das mah­nen­de Wort über Esau: „Ihr wisst ja, dass er her­nach, als er den Segen erer­ben woll­te, ver­wor­fen wur­de, denn er fand kei­nen Raum zur Buße, obwohl er sie mit Trä­nen such­te“. Jetzt wird er von allen Sei­ten von Satan ange­grif­fen. Bald schon quält ihn die Fra­ge nach dem Sein Got­tes: „Wie kannst du fest­stel­len, dass Jesus unser Erlö­ser ist, obwohl die Tür­ken Moha­med in ihren Schrif­ten eben­so als Erlö­ser dar­le­gen?“

Durch alle die­se Kämp­fe und Ver­su­chun­gen merkt man beim Lesen auf eine schö­ne Art und Wei­se, wie Bun­yan von Sei­te zu Sei­te im Glau­ben wächst  und fest­stel­len darf, dass jeder Kampf ihn wei­ser, rei­ner und abhän­gi­ger von der Gna­de Got­tes macht. Jeder Kampf macht ihn um eine Erfah­rung mit Gott rei­cher. Ja, er darf auch aus dem ankla­gen­den Vers über Esau Got­tes Gerech­tig­keit und Gna­de ken­nen­ler­nen. Irgend­wann wird sei­nem Her­zen bewusst: „Plötz­lich ertön­te in mei­nem Her­zen fol­gen­de Stim­me: Ich muss zu Jesus gehen!“ Er kann glau­ben, dass Gott ihn als der Sün­der Größ­ten annimmt.

Dies sind nur eini­ge der Ver­su­chun­gen, die Bun­yan in sei­nem Leben wider­fah­ren. Man kann immer wie­der ganz deut­li­che Par­al­le­len zur „Pil­ger­rei­se“ erken­nen, in der Chris­ti­an z.B. bis auf das Letz­te gegen den Dra­chen kämpft. Aus­führ­lich beschreibt Bun­ya, wie er als Pre­di­ger des Wor­tes Got­tes gewach­sen ist und gibt auch einen Ein­blick in einen Ver­hör der bri­ti­schen Staats­ge­walt. Da Bun­yan sich nicht der angli­ka­ni­schen Kir­che beu­gen woll­te, wur­de er drei­mal zu lan­gen Haft­stra­fen ver­ur­teilt.

Die­ses Buch war eine gro­ße Erwei­te­rung für mein geist­li­ches Leben und ist in einem sehr span­nen­den und leben­di­gen Stil ver­fasst. Das Lesen war  eine gro­ße Ermu­ti­gung den Kampf gegen die Sün­de und die Ver­su­chung umso fri­scher auf­zu­neh­men. Auch ermahnt Bun­yan den Leser drin­gend sich vor For­ma­lis­mus zu schüt­zen und eine leben­di­ge Bezie­hung zu Gott pfle­gen. Leben mit Gott kann man nur, wenn man ihm glaubt! Ich wür­de es jedem emp­feh­len, der selbst immer wie­der von ver­schie­de­nen Zwei­feln geplagt wird. Auch ist es gera­de für unse­re Zeit wich­tig, zu erken­nen, dass Gott uns dazu geschaf­fen und beru­fen hat, damit er durch unser Leben ver­herr­licht wird.

Titel: Über­rei­che Gna­de
Unter­ti­tel: Auto­bio­gra­phie
Autor: John Bun­yan
Sei­ten: 140
For­mat: ca. 14 x 21 cm
Ein­band: Paper­back
Jahr: 2011
Ver­lag: 3L Ver­lag
ISBN: 978−3−941988−37−8 (Paper­back)
ISBN: 978−3−941988−37−7 (Hard­co­ver)
erhält­lich als:
Hard­co­ver: 10,20 EUR bei 3L Ver­lagleseplatz.de
Paper­back: 2,70 EUR bei leseplatz.de
Hör­buch 6 CDs: 14,95 EUR bei 3L Ver­lagleseplatz.de
Hör­buch MP3: 12,95 bei 3L Ver­lagleseplatz.de

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