Alle Artikel in: Biografien

Verfolgt im Atheismus

Das Mis­si­ons­werk Frie­dens­stim­me hat 2018 aus einer rus­si­schen, bereits etwas ver­al­te­ten Vor­la­ge meh­re­re Bio­gra­phien über­setzt und durch neue­re ergänzt. Her­aus­ge­kom­men ist ein Band mit zwan­zig beein­dru­cken­den Bio­gra­phien: Die Erzäh­lun­gen machen deut­lich, dass den Chris­ten in der Sowjet­uni­on bra­chi­als­te Gewalt und Ver­fol­gung ent­ge­gen ström­te, die über Jahr­zehn­te unge­bro­chen anhielt: Chris­ten wur­den von ihren Arbeits­stel­len ent­las­sen, inhaf­tiert, in Straf­la­ger ver­setzt und auch sonst durch Pres­se und Gerüch­te ver­un­glimpft und dis­kri­mi­niert. Das Buch kon­zen­triert sich auf drei The­men­be­rei­che: Ver­fol­gung um die Zeit des zwei­ten Welt­krie­ges: Hier war es bra­chia­le Gewalt und die Käl­te Sibi­ri­ens mit denen die Chris­ten aus­ge­löscht wer­den soll­ten. Doch der ent­ge­gen­ge­setz­te Effekt trat ein. Das Evan­ge­li­um erreich­te Gefäng­nis­se und ent­fern­te Ecken der Sowjet­uni­on Ab Ende der Fünf­zi­ger Jah­re scheint die Stra­te­gie umzu­schla­gen. Man dräng­te die Gemein­den zu einer „staat­lich aner­kann­ten Regis­trie­rung“. Fast alle der Bap­tis­ten­ge­mein­den waren (zumin­dest anfangs) damit ein­ver­stan­den, obwohl die „Regis­trie­rung“ vor­sah, dass Kin­der kei­nen Got­tes­dienst mehr besu­chen konn­ten. Ab den 60ern ent­stand jedoch ein Wider­stand in den eige­nen Krei­sen, der zu einer Abspal­tung einer Grup­pe führ­te, die die­se Ver­mi­schung von Staat und …

Tipp: Christliche Denker für eine neue Generation

Han­ni­el Stre­bel hat bereits vor eini­gen Jah­ren bei ceBooks.de fünf kur­ze ebooks über Christ­li­che Den­ker ver­fasst. Lei­der bin ich erst vor kur­zem dazu gekom­men die­se zu lesen.  Ches­ter­ton, C.S. Lewis, Packer, Scha­ef­fer und Sol­sche­ni­zyn wer­den in Leben, Werk und Den­ken mit je ca. 10.000 Wör­tern ein­ge­führt. Das ist die per­fek­te Län­ge um einen Start­punkt in die meist kaum zu über­schau­en­de Schreib­leis­tung der Den­ker zu bekom­men. Mei­ne per­sön­li­che Nagel­pro­be mach­te ich mit dem Band über C.S. Lewis, da mir sei­ne Wer­ke eben­falls recht gut bekannt waren, ich aber gleich­zei­tig kaum etwas über den Mann C.S. Lewis wuss­te. Sehr posi­tiv fand ich die Her­an­ge­hens­wei­se des Autors, dass man Leben und Den­ken ins­be­son­de­re bei Chris­ten nie tren­nen kann. Zusätz­lich über­rascht Han­ni­el immer wie­der mit einem sehr per­sön­li­chen und dabei wär­men­den Zugang, der vor allem jun­gen Leu­ten den Ein­stieg in die­se Lite­ra­tur erleich­tern kann. Beein­dru­ckend ist zudem, dass deut­lich wird, dass sich Han­ni­el sehr inten­siv und tief­grün­dig sowohl mit dem Werk wie mit dem Leben von C.S. Lewis aus­ein­an­der­ge­setzt hat und aus einer Viel­zahl von Wer­ken aus­führ­lich zitiert. Han­ni­el ver­sucht zudem …

Tipp: „Der Bibelübersetzer Hermann Menge“

Ich gra­tu­lie­re dem Fol­gen Ver­lag zum ers­ten Print-Buch: Der Bibel­über­set­zer Her­mann Men­ge. Eine gute Wahl. Her­mann Men­ge wur­de zu sei­ner Bibel­über­set­zung durch sei­ne Skep­sis gedrängt. Er woll­te nicht wahr­ha­ben, dass die Bibel kei­ne Fäl­schung ist. Als Gym­na­si­al­di­rek­tor hat­te er genug Sprach­kennt­nis­se um sich zunächst auf das neue Tes­ta­ment zu kon­zen­trie­ren, spä­ter aber soll­te Gott ihm genug Lebens­zeit auch für das alte Tes­ta­ment geben. Mehr über Men­ge erfahrt ihr hier. Paul Olbricht gelingt eine kur­ze aber kla­re Dar­stel­lung des Phi­lo­lo­gen, dabei sah er als Schü­ler gar nicht so nach Sprach­ge­nie aus: Gera­de­zu nie­der­schmet­ternd war für Her­mann der Aus­fall der ers­ten latei­ni­schen Klas­sen­ar­beit! Er bekam sein Erzeug­nis als „sub cen­sura“, „unkor­ri­gier­bar“ zurück und war auch im Grie­chi­schen so schlecht aus­ge­rüs­tet, dass er bei sei­nem Klas­sen­leh­rer Nach­hil­fe­stun­den neh­men muss­te. Jetzt erst soll­te sich zei­gen, ob sei­ne Mut­ter mit ihrem Urteil, dass er „en büss­chen dumm“ sei, recht gehabt hat­te oder nicht. Nein, sie hat­te sich – im Gegen­satz zu so vie­len Müt­tern, die ihren Kin­dern die her­vor­ra­gends­ten Eigen­schaf­ten andich­ten – in einem schwe­ren Irr­tum befun­den! Denn Her­mann bekun­de­te nicht nur ein gera­de­zu glän­zen­des Gedächt­nis, mit dem …

Tipp: Anita – Gottes Weg ist der Beste

Bio­gra­fi­sche Erzäh­lun­gen, deren Hand­lung in Russ­land statt­fin­det, erschei­nen nicht oft. Der Ver­lag Frie­dens­stim­me hat so eine klei­ne Bio­gra­fie aus dem Rus­si­schen über­setzt und ver­öf­fent­licht. Im Ver­lags­text heißt es: Ani­ta ist eine jun­ge Frau, die sich zwi­schen dem schma­len Weg der Bibel und dem brei­ten Weg im Tru­bel der Zeit ent­schei­den muss. Wel­cher Weg wird sie glück­lich machen? Was bedeu­tet ihre Ent­schei­dung für die Zukunft. Ani­ta ist hin und her geris­sen. Es geht schließ­lich um mehr als Freund­schaft, Anse­hen und Lie­be – es geht um das ewi­ge Leben. Der Schreib­stil ist ein­fach und für Leser aktu­el­ler Erzäh­lun­gen und Roma­ne unge­wohnt. Aber wenn man sich erst ein­mal dar­auf ein­ge­las­sen hat, liest es sich gut. Aus dem Vor­wort erfährt der Leser, dass sich das Buch an Jugend­li­che rich­ten soll. Und tat­säch­lich dürf­te der Inhalt die­ses Buches beson­ders für jün­ge­re Leser fremd und daher inter­es­sant vor­kom­men, da es die Ent­ste­hung einer Bezie­hung zwi­schen zwei got­tes­fürch­ti­gen Men­schen Mit­te des 20. Jahr­hun­derts auf­zeigt. Jun­ge Men­schen aus christ­li­chen – auch kon­ser­va­ti­ven Eltern­häu­sern – sind heu­te stark von säku­la­ren Vor­stel­lun­gen geprägt, wie es zu einer …

Tipp: Afrika war nur der Anfang

Vor eini­gen Jah­ren habe ich Afri­ka war nur der Anfang mit Begeis­te­rung gele­sen und spä­ter fest­ge­stellt, dass es ver­grif­fen war. Nun ist das Buch in der 5. Auf­la­ge erschie­nen. Im Ver­lags­text heißt es: Mar­tin Ved­der berich­tet von Erleb­nis­sen, die er mit einem gro­ßen Gott machen durf­te. Er möch­te damit dem Leser Mut machen, es eben­so mit dem zu wagen, der ver­spro­chen hat, nie­mals den zu ver­las­sen, der sich auf Ihn ver­lässt. Ja, Gott ist treu, und auf unse­ren Herrn Jesus Chris­tus ist Ver­lass in jeder Situa­ti­on! Was auch kom­men mag: Wir sind gebor­gen in Sei­ner Hand, und nie­mand und nichts wird uns jemals aus die­ser Sei­ner Hand und der Hand Sei­nes Got­tes rau­ben! Der Mis­sio­nar und Grün­der der Zen­­tral-Afri­­ka-Mis­­si­on ZAM Mar­tin Ved­der hat wäh­rend sei­ner Zeit in Afri­ka viel mit Gott erlebt und sei­ne Erfah­run­gen auf 144 Sei­ten fest­ge­hal­ten. In einem Inter­view hier im Blog schreibt Ved­der, wie es zu dem Buch gekom­men ist: Mein Buch „Afri­ka war nur der Anfang“ ent­stand in Fol­ge ver­schie­de­ner Anfra­gen, mei­ne Erleb­nis­se, die ich teil­wei­se auf Mis­si­ons­aben­den berich­te­te, in schrift­li­cher Form …

Tipp: William Carey, der Vater der modernen Mission

Wil­liam Careys Werk ist kaum zu über­schau­en. Sein Ein­fluss in Indi­en ist nicht hoch genug zu schät­zen. So ist auch die Abschaf­fung des Miss­brauchs der Wit­wen­ver­bren­nun­gen auf sei­nen Ein­satz zurück­zu­füh­ren. Meh­re­re Pflan­zen wur­den von ihm ent­deckt und beschrie­ben. Jedoch ist er vor allem Mis­sio­nar und Bibel­über­set­zer gewe­sen. Als Sprach­ge­nie war es ihm mög­lich das Neue Tes­ta­ment in 22 Spra­chen zu über­set­zen. Die gan­ze Bibel hat er zudem in wei­te­re 6 Spra­chen über­setzt, dar­un­ter Sans­krit, Hin­di, Mara­thi und Ben­ga­lisch. Vor allem die ben­ga­li­sche Bibel­über­set­zung war sein Lebens­wert, vie­le wei­te­re Über­set­zun­gen ver­ste­hen sich natür­lich als Pio­nier­ar­beit. Wenn mir etwas bei der Bio­gra­phie nicht gefal­len hat, dann das sie zu kurz ist. Ein der­art umfang­rei­ches Werk, wie die Mis­si­on in Seram­po­re kann man kaum hin­rei­chend auf etwas mehr als 250 Sei­ten beschrei­ben. Den­noch ist das Buch ein gutes Ein­stiegs­werk und gibt eine gute Über­sicht über einen der größ­ten Mis­sio­na­re seit der Zeit der Apos­tel. Man könn­te zum Leben Careys an die­ser Stel­le zahl­rei­che Aus­füh­run­gen machen, z. B. sei­ne Kampf gegen das Kas­ten­sys­tem. Mit­glied ihrer Gemein­schaft konn­te nur jemand werden, …

Tipp: Schreib’s auf!

Im Jahr 1955 starb mein Urgroß­va­ter müt­ter­li­cher­seits. Er hat uns ein dün­nes Buch hin­ter­las­sen, in dem er aus sei­nem Leben und über unse­re Vor­fah­ren berich­tet. Es ist span­nend zu lesen, was er und mei­ne Vor­fah­ren erlebt haben, was sie dach­ten und was sie taten. Es ist ein Ein­tau­chen in eine ande­re Zeit, mit der man ver­bun­den ist. Und es weckt in mir das Vor­ha­ben, mein eige­nes Leben — mög­lichst sys­te­ma­tisch und geglie­dert — in Buch­form fest­zu­hal­ten. Wie pas­send, dass im Ver­lag Riga­tio der Autor und Gemein­de­äl­tes­ter Peter Güth­ler ein für die­sen Zweck gera­de­zu per­fek­tes Buch ver­öf­fent­licht hat: Schreib’s  auf! ist ein Erin­ne­rungs­al­bum, in das du dei­ne eige­ne Geschich­te schrei­ben kannst. Fra­gen zu dei­ner Her­kunft, Kind­heit, Jugend und dei­nem Leben als Erwach­se­ner hel­fen dir dabei. Schreib‘s auf für dich oder die Per­son, die dir die­ses Buch über­reicht hat – dein Kind oder dei­nen Enkel, dei­nen Nef­fen oder dei­ne Nich­te … Sie wol­len wis­sen, wie du auf­ge­wach­sen bist und was du erlebt hast. (Ver­lags­text) Das sehr hoch­wer­tig wir­ken­de Buch mit Lese­bänd­chen und 120 Sei­ten ist vol­ler Fra­gen und aus­rei­chend Platz, um die Geschich­te eines Lebens aufzuschreiben. …

Tipp: Ein Leben im Einsatz

Es war der Wunsch von Pas­tor Wil­helm Busch, dass nach sei­nem Heim­gang kei­ne Bio­gra­fie über ihn erscheint. Ich bedaue­re die­sen Wunsch, und bin des­halb froh, dass es das Buch Plau­de­rei­en in sei­nem Stu­dier­zim­mer aus sei­ner eige­nen Feder gibt, und dass Ulrich Par­zany einen Ein­blick in Buschs Leben und Wir­ken im Buch Ein Leben im Ein­satz gege­ben hat. Ein Leben im Ein­satz ist zuerst vor eini­gen Jahr­zehn­ten und jetzt in der 2. und 3. Auf­la­ge über­ar­bei­tet bei Christ­li­che Buch­hand­lung Büh­ne erschie­nen. Ich will mich dies­mal mit eini­gen gewon­ne­nen Erkennt­nis­sen und Zita­ten begnü­gen. Busch war zunächst kein Pazi­fist im pri­va­ten Bereich. Erst durch das Lesen von Der fran­zö­si­sche Pro­tes­tan­tis­mus von Joseph Cham­bon kam er zur Über­zeu­gung, dass ein Christ sich nicht wehrt und Gewalt aus­ge­schlos­sen ist. In unse­rem Jugend­kreis wur­de die­ses Buch stu­diert. Wir sahen auf ein­mal, was zu tun ist. (…) Wir begrif­fen auf ein­mal, was das heißt: Ich stel­le mich hin und lass mich schla­gen und beschimp­fen. Und das ist der Weg Jesu, wie er nach Gol­ga­tha ging. S. 132 Busch gab sich Mühe, den immer mehr ein­engen­den recht­li­chen Rahmenbedingungen …

Besprechung: Luther für Eilige

Das Refor­ma­ti­ons­jahr 2017 hat unzäh­li­ge Bücher über Luther und die Refor­ma­ti­on in die Buch­hand­lun­gen und Online­shops beför­dert. Der Pfar­rer Fabi­an Vogt hat für Wenig­le­ser und Eili­ge das gleich­na­mi­ge Buch geschrie­ben. Nach einem kur­zen Abriss über Mar­tin Luthers Leben stellt der Autor aus dem umfang­rei­chen Werk Luthers zwölf wich­ti­ge Tex­te vor. Vogt zitiert Luther in vie­len über­wie­gend ein­zel­nen Sät­zen und ord­net sie ein. Manch­mal wird nicht ein­deu­tig klar, ob Luthers Aus­sa­gen zusam­men­ge­fasst wer­den, oder es sich um Gedan­ken des Autoren han­delt. Ein Regis­ter ermög­licht das Nach­schla­gen von bestimm­ten Begrif­fen. Was ich bedaue­re, ist die eher bibel­kri­ti­sche Hal­tung des Autors, die sich an eini­gen weni­gen Stel­len nie­der­schlägt. Dass Luther zum Bei­spiel lehr­te, dass nur ein Mann und eine Frau hei­ra­ten könn­ten, ord­net Vogt dahin­ge­hend ein, dass er nun ein­mal ein Kind sei­ner Zeit war (S 103). Beson­ders im „Aus­blick“ am Ende des Buches ver­mis­se ich „Allein die Schrift“ als Schwer­punkt in Luthers Leben und Werk. Statt­des­sen trifft der Leser auf typisch modern-evan­­ge­­lisch-kir­ch­­li­che Sät­ze wie „Was von dem, was unse­re Gemein­den und Kir­chen­lei­tun­gen tun, bringt Jesu Bot­schaft von der …

Richard Friedenthal: Martin Luther — Sein Leben und seine Zeit

In mei­nem Bücher­re­gal ste­hen fünf ver­schie­de­ne Bio­gra­phien über Mar­tin Luther. Obwohl ich nicht alle voll­stän­dig gele­sen habe, gefällt mir kei­ne mehr als die von Richard Frie­den­thal. Ich glau­be, heu­te neigt man dazu, an Luther vor allem sei­ne Feh­ler zu sehen, allen vor­an sei­nem Anti­se­mi­tis­mus, der in der Tat abscheu­lich war. Oder sei­nem har­ten Ver­hal­ten gegen­über den Wider­täu­fern, die ja, so will es man­cher wis­sen, die Glau­bens­vor­fah­ren der Bap­tis­ten waren. Doch wie viel Posi­ti­ves man im Leben eines Tho­mas Münt­zers fin­den kann, will auch kei­ner auf­zäh­len. Ande­re ver­meint­lich posi­ti­ve Stim­men sehen einen Rebell, oder einen Frau­en­recht­ler, den Grün­der des Kapi­ta­lis­mus und der „schnel­len“ Presse.