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Calvins Urteile über Luther

„Luther schreibt irgendwo selbst über sich so: ob ich wollte oder nicht wollte, es zwangen mich meine Feinde, täglich weiser zu werden. Sehr wahr sagt er das. Wie ein Stein so haben sie seinen Geist geschärft. Noch versunken in jenen tiefen Finsternissen, von welchen fast der ganze Erdkreis verschlungen war, als er einen Funken aus enger Ritze hervorglänzen sah, wagte er es, ihm zu nahen.“ (Calvin an Pighius, S.5))

Neben all dem sorgfältig aufbereiteten Material, dass Licht und Recht liefert, findet sich auch eine Ausarbeitung über Calvins Aussagen und Stellungnahmen über Luther von Dr. A. Zahn. Aus diesem Werk habe ich auch erfahren, dass Calvin tatsächlich einen Brief an Luther richtete, mit der Bitte französicher Pfarrer, bei einer Gewissensentscheidung zu vermitteln. Immer wieder überrascht die hohe Ehrerbietung die Calvin gegenüber Luther bringt. Leider hat Luther jedoch diesen Brief nie erhalten, da Calvin einen weiteren an Melanchton mit der Bitte richtete, er möge entscheiden ob Luther gerade für den Brief empfänglich sei. Wie zu erwarten, handelte Melanchton vorsichtig.

Überschwängliche „Lutherfans“ meinten „Luther „wäre der letzte Elias, von dem Maleachi geweissagt habe, mit welcher Lüge man ebenso den Namen Luthers befleckt, wie die Ägypter den Leichnam und das Grab des Jeremias durch ihre Anbetung. Gott könne noch einen vortrefflicheren als Luther oder doch einen ihm gleichen erwecken. Gottes Schätze seien nicht in einer Person erschöpft, daß nicht ein Ähnlicher aus seinem unermeßlichen und unbegreiflichen Quell hervorgehen könne.“ (S. 9)

Insgesamt eine sehr ausgewogene und wohlgesonnene Sicht auf den Reformator, selbst mitten im wüsten Abendmahlstreit schreibt Calvin an Bullinger:

Ich wünsche aber, daß Folgendes Euch recht einleuchte: Erstlich, was Luther für ein großer Mann ist; welche außerordentliche Gaben ihn auszeichnen, und mit welcher Seelenkraft und Beharrlichkeit, mit welcher Geschicklichkeit er bis auf diesen Tag durch seine Lehre so glücklich gekämpft hat, um das Reich des Antichrists zu stürzen, und zugleich be-müht gewesen ist, die Lehre des Heils zu verbreiten. Ich habe schon oft gesagt, daß, wenn er mich auch einen Teufel schelten sollte, ich ihn doch immer ehrenvoll als einen außerordentlichen Diener Gottes anerkennen würde, der freilich, so wie er mit außerordentlichen Tugenden begabt ist, auch große Fehler an sich trägt. (S. 13)

Ein kleines Werk, welches ich gerne las und ein guter Baustein im Bereich Reformationsgeschichte ist. Kostenfrei und hervorragend aufgearbeitet bei Licht und Recht. Eine gute Zusammenfassung der Beziehung Calvins über Luther liefert Hanniel Strebel.

Vergleiche auch die Briefe Martin Luthers.

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