Biografien
Schreibe einen Kommentar

„Lerne Christus, und zwar den Gekreuzigten“

Einblicke in Luthers Briefe

Zahl­reich sind die Brie­fe Luthers, die zu einem beacht­li­chen Teil auch noch erhal­ten sind. Hier eini­ge Kost­pro­ben.

  • 8 April 1516 an Georg Spen­lein. Ein Trost­brief an einen Bru­der:

Daher, mein lie­ber Bru­der, ler­ne Chris­tus, und zwar den gekreu­zig­ten, ler­ne ihm zu sin­gen und an Dir selbst ver­zwei­felnd zu ihm zu spre­chen: Du, Herr Jesus, bist mei­ne Gerech­tig­keit, ich aber bin dei­ne­Sün­de; du hast das Mei­ne auf dich genom­men und mir das Dei­ne gege­ben; du hast ange­nom­men, was du nicht warst, und mir gege­ben, was ich nicht war. Hüte Dich, daß Du nie­mals nach einer so gro­ßen Rein­heit trach­test, daß Du Dir nicht als Sün­der erschei­nen oder gar kein Sün­der sein willst. Denn Chris­tus wohnt nur in Sün­dern.

 

  •  31. Okto­ber 1517 an Erz­bi­schof Albrecht von Mainz. Beküm­mert über den Zustand des Evan­ge­li­ums (Am sel­ben Tag wie der The­sen­an­schlag. Inhalt deu­tet Pro­gramm der Refor­ma­ti­on bereits an):

So sind auch die Wer­ke der Fröm­mig­keit und Nächs­ten­lie­be unend­lich viel bes­ser als der Ablaß. Und doch wer­den die­se weder mit gro­ßer Pracht noch mit so gro­ßem Eifer gepre­digt. Ja, sie müs­sen schwei­gen, damit der Ablaß gepre­digt wer­den kann, wäh­rend doch das aller Bischö­fe vor­nehm­lichs­tes und ein­zi­ges Amt sein soll­te, daß das Volk das Evan­ge­li­um und die Lie­be Chris­ti ler­ne. Denn nir­gend­wo hat Chris­tus befoh­len, den Ablaß zu pre­di­gen. Aber das Evan­ge­li­um zu pre­di­gen hat er nach­drück­lich befoh­len. Wie groß ist daher der Greu­el, wie groß die Gefahr für einen Bischof, der – wäh­rend das Evan­ge­li­um ver­stummt – nichts ande­res als das Ablaß­ge­schrei unter sein Volk zu brin­gen gestat­tet und sich um die­ses mehr als um das Evan­ge­li­um küm­mert!

 

  • Anfang Novem­ber 1517 an Kur­fürst Fried­rich den Wei­sen. Als Bett­ler um ein Gewand bit­tend (Luther leb­te vor allem bis zur Ehe­schlie­ßung äußerst arm­se­lig):

Gnä­digs­ter Herr und Fürst! Wie mir E.F.G. im vori­gen Jahr durch den Hirschfeld40 zusag­ten, ein neu Kleid zu geben, so kom­me ich nun und bit­te E.F.G., des­sel­ben ein­ge­denk zu sein …

 

  • 14 Dezem­ber 1518 an Johan­nes Reuch­lin. Dank­bar für das Werk, dass Gott wirkt (Reuch­lin ver­fass­te unter schwers­ten Wider­stän­den ein Lehr­buch für Hebrä­isch):

Das hat der Herr durch Dich gewirkt, daß die­ser Teu­fel unter den Sophis­ten end­lich ein­mal lernt, den rech­ten Stu­di­en der Theo­lo­gie behut­sa­mer und gelin­der zu wider­ste­hen, und Deutsch­land anfängt auf­zu­at­men, nach­dem die Leh­re der Schrift lei­der so vie­le Jahr­hun­der­te nicht bloß unter­drückt, son­dern viel­mehr aus­ge­löscht war. Die­ser Anfang in den so schö­nen Stu­di­en durf­te nicht durch einen Men­schen von gerin­gem Anse­hen gemacht wer­den.

 

  • Am 17. April 1521 an Johan­nes Cuspi­nia­nus. (Zwi­schen den bei­den Pro­zess­ta­gen vor dem Kai­ser und der end­gül­ti­gen Wei­ge­rung sei­ne Wer­ke zu wider­ru­fen):

Aber ich wer­de auch nicht einen Buch­sta­ben wider­ru­fen, wenn Chris­tus mir gnä­dig ist.

 

  • Am 28 April 1521 an Lukas Cra­nach. Ein Kom­men­tar über den Reichs­tag zu Worms:

Man hat sich mei­ner Ankunft zu Worms nicht ver­se­hen, und wie mir das Geleit gehal­ten ist, wis­set Ihr alle wohl aus dem Ver­bot, das mir ent­ge­gen kam. Ich mein­te, Kai­ser­li­che Majes­tät soll­te einen Dok­tor oder fünf­zig ver­sam­melt und den Mönch red­lich über­wun­den haben. So (aber) ist nicht mehr hier ver­han­delt wor­den als so viel: Sind die Bücher dein? Ja. Willst du sie wider­ru­fen oder nicht? Nein. So hebe dich (von dan­nen). O, wir blin­den Deut­schen, wie kin­disch han­deln wir und las­sen uns so jäm­mer­lich von den Roma­nis­ten äffen und nar­ren!

 

Alle Zita­te aus:
Mar­tin Luther: 1516. Mar­tin Luther: Gesam­mel­te Wer­ke, Ab  S. 7071
(vgl. Luther-W Bd. 10, S. 14) © Van­den­hoeck und Ruprecht
http://www.digitale-bibliothek.de/band63.htm

Hinterlasse einen Kommentar!

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.