Autor: Sergej Pauli

Das Gebet eines Arminianers
polemische Apologetik von C.H. Spurgeon

In sei­ner Pre­digt „Free Will — a slave“ denkt Spur­ge­on dar­über nach, wie wohl ein armi­nia­ni­sches Gebet klin­gen wür­de: „Ihr habt bestimmt schon vie­le armi­nia­ni­sche Pre­dig­ten gehört, aber ihr habt noch nie ein armi­nia­ni­sches Gebet gehört — denn im Gebet sind die Hei­li­gen eins in Wort, Tat und Geist.Ein Armi­nia­ner wür­de auf den Knien ver­zwei­felt beten wie ein Cal­vi­nist. Er kann nicht über den frei­en Wil­len beten: das ist schlicht­weg unmög­lich. Stellt euch vor, er wür­de beten: „Herr, ich dan­ke dir, dass ich nicht wie die­se armen, anma­ßen­den Cal­vi­nis­ten bin. Herr, ich wur­de mit einem herr­li­chen frei­en Wil­len gebo­ren; ich wur­de mit einer Kraft gebo­ren, durch die ich mich dir von selbst zuwen­den kann; ich habe mei­ne Gna­de ver­bes­sert. Wenn jeder mit sei­ner Gna­de das­sel­be getan hät­te wie ich, wären sie alle geret­tet wor­den. Herr, ich weiß, du machst uns nicht wil­lig, wenn wir nicht selbst wil­lig sind. Du gibst jedem Men­schen Gna­de; man­che ver­bes­sern sie nicht, aber ich schon. Es gibt vie­le, die in die Höl­le gehen wer­den, die genau­so mit dem Blut Chris­ti erkauft wur­den wie ich; sie hat­ten genauso …

Das ausgetauschte Leben
Ein Brief von Hudson Taylor an seine Schwester

In einem sehr per­sön­li­chen Brief schil­dert Hud­son Tay­lor, wie er im Kampf um die Hei­li­gung Chris­tus neu als Erret­ter erlebt hat (Voll­stän­dig hier zu fin­den): „Ich fühl­te, dass ich für mich per­sön­lich wie für die gan­ze Mis­si­on mehr Hei­lig­keit, mehr Leben, mehr Kraft bedür­fe. Ich emp­fand, wel­che Undank­bar­keit, Gefahr und Sün­de dar­in lag, dass ich nicht ganz nahe bei Gott leb­te. Ich bete­te, fas­te­te, rang, fass­te Ent­schlüs­se, las das Wort Got­tes flei­ßi­ger, such­te mir mehr Stil­le zu neh­men, um über die gött­li­chen Din­ge nach­zu­den­ken? alles war wir­kungs­los. Jeden Tag, ja jede Stun­de stand ich unter dem Druck der Sün­de. Ich wuss­te, dass alles gut sein wür­de, wenn ich nur in Jesus blie­be; aber ich konn­te nicht. Ich begann den Tag mit Gebet und war ent­schlos­sen, mei­ne Augen nicht einen Augen­blick von ihm abzu­wen­den.“ Tay­lor fühlt sich als Ver­sa­ger, weil das nicht gelingt:

The Whole Christ von Sinclair Ferguson
Persönliche Neuentdeckung 2021

Sin­c­lair Fer­gu­son ist mit „The Who­le Christ“ in mehr­fa­cher Hin­sicht ein Spa­gat gelun­gen. Einer­seits gelingt es ihm, eine tro­cken wir­ken­de Debat­te der schot­ti­schen Pres­by­te­ria­ner im 18ten Jahr­hun­dert in unse­re Zeit zu holen. Dabei erweist er sich als Exper­te in den Lebens­läu­fen vie­ler Puri­ta­ner und der Gläu­bi­gen Schott­lands. Sei­ne Detail­an­ga­ben erleich­tern dabei den Lese­fluss und öff­nen mit die­sen Dar­stel­lun­gen eine wei­te Tür in das bun­te und leben­di­ge Werk der Puri­ta­ner (Ich den­ke per­sön­lich, dass ihm das sogar viel bes­ser gelingt als z.B. Bee­ke in der „Puri­tan Theo­lo­gy“). Doch wor­um ging es bei die­ser Debat­te, die als „the Mar­row Con­tro­ver­sy“ bis heu­te fast jeden Theo­lo­gie­stu­den­ten Schott­lands beschäf­tigt? Fer­gu­son arbei­tet die Rele­vanz der dahin­ter­ste­hen­den Fra­ge her­aus: Gibt es eine Bedin­gung, um zu Jesus zu kom­men bzw. von sei­nen Seg­nun­gen zu pro­fi­tie­ren. Wir ken­nen die­se Fra­ge oft im Rah­men der Fra­ge: „Kann ich jedem sagen, dass Chris­tus für ihn gestor­ben ist?“ Wer bis dahin dach­te, dass es bloß ein cal­vi­nis­ti­sches Pro­blem ist, wird von den Aus­füh­run­gen Fer­gu­sons über­rascht:  „Lei­der sind Cal­vi­nis­ten und Armi­nia­ner (his­to­risch gese­hen, defor­mier­te Cal­vi­nis­ten in ihrer …

Erklärt mir mal, wo komm ich her?
Ein Aufklärungsbuch von Ute Buth

Die Auf­klä­rung der Kin­der war mal wei­test­ge­hend ein Mono­pol des elter­li­chen Hau­ses. Oft genug bedeu­te­te das zwar, dass man gar nicht auf­ge­klärt wur­de, doch ver­passt man heu­te die recht­zei­ti­ge Auf­klä­rung der Kin­der, sprin­gen ande­re Instan­zen schnell ein. Ob es sich nun um Sexu­al­­kun­­­de-Unter­­richt, Freun­des­kreis, Kon­fir­ma­ti­ons­un­ter­richt, und schließ­lich natür­lich die gren­zen­lo­sen Wei­ten des Inter­nets, in dem die Gren­ze zwi­schen Sexu­al­auf­klä­rung und Schmutz im bes­ten Fall als unscharf zu bezeich­nen ist.  Obwohl das ein her­aus­for­dern­des Feld ist, den­ke ich, dass es wich­tig ist hier zu inves­tie­ren, und den „alter­na­ti­ven Auf­klä­rern“ vor­an­zu­kom­men. Wer dafür ein hilf­rei­ches Buch sucht, um mit Kin­dern ab etwa 6 Jah­ren ins Gespräch zu kom­men, dürf­te in dem Buch von Fr Dr. Buth eine hilf­rei­che Unter­stüt­zung haben. In unse­rer Fami­lie kom­men die Fra­gen häu­fig im Rah­men einer Schwan­ger­schaft: „Kön­nen auch Papas Kin­der krie­gen“, „Wie kommt das Baby in den Bauch und wie­der raus“ sind eigent­lich ganz typi­sche Indi­ka­to­ren um ins Gespräch zu kom­men. Das hier vor­ge­stell­te Buch kann nun ent­we­der Hin­wei­se für in Eigen­ver­ant­wor­tung geführ­te Gesprä­che geben oder auch von den Kin­dern selbst gele­sen wer­den. Als …

Der am häufigsten falsch zitierte Bibelvers

Neu­lich bin ich wie­der über 1 Kor 14,33 gesto­ßen: „Denn Gott ist nicht ein Gott der Unord­nung, son­dern des Frie­dens.“ Ob nun die besorg­te Mut­ter, der über­for­der­te Ord­ner oder der ermah­nen­de Pfar­rer, wie oft greift man zur ver­kürz­ten Ablei­tung die­ses Ver­ses: „Gott ist ein Gott der Ord­nung“. Selbst Goog­le höchst­per­sön­lich bestä­tigt das. Tippt man „Gott ist ein Gott…“ in das Such­fens­ter ein, ist „der Ord­nung“ das ers­te vor­ge­schla­ge­ne Such­ergeb­nis. Bewei­se? Das Ergeb­nis der Suche in unter­schied­li­chen Brow­sern fiel ein­deu­tig aus: Wich­ti­ger als das Gott ein Gott der Leben­den ist, der gro­ße Din­ge und Wun­der tut und uns sieht, ist also, dass Gott ein Gott der Ord­nung ist (ich schwei­ge dar­über, das das ande­re direk­te Zita­te wären). Eini­ge der Arti­kel, die die Suche lie­fert, habe ich übri­gens durch­ge­le­sen und zumin­dest bei eini­gen davon gilt der glei­che Ein­druck, den man auch vom man­trar­ti­gen Wie­der­ho­len der For­mel „Gott ist ein Gott der Ord­nung“ kennt. Rela­tiv kon­text­un­ge­bun­de­nes Durch­drü­cken von Regeln und Struk­tur! (Ich geste­he man­che erfah­re­ne Ver­let­zung durch die­se Ver­wen­dung ein)

Es ehrt Gott, wenn wir ausschließlich auf seine Verherrlichung ausgerichtet sind

Auf die Fra­ge „auf wie vie­le Wei­sen man Gott ver­herr­li­chen kann“, hat Tho­mas Wat­son vie­le Ant­wor­ten. Eine ist, dass wir Gott dann ver­herr­li­chen wenn wir uns auf sei­ne Ehre hin aus­rich­ten. Klingt fast tri­vi­al, nicht? Doch hören wir auf Wat­son: Wir sind auf Got­tes Ver­herr­li­chung aus­ge­rich­tet… „(1.) Wenn wir Got­tes Ehre über alle ande­ren Din­ge stel­len; über Anse­hen, Besitz oder Bezie­hun­gen; wenn die Ehre Got­tes mit die­sen kon­kur­riert — dann müs­sen wir sei­ne Ehre die­sen vor­zie­hen. Wenn Bezie­hun­gen auf unse­rem Weg zum Him­mel lie­gen, müs­sen wir ent­we­der über sie hin­weg­ge­hen oder sie zer­stö­ren. „Jeder, der sei­nen Vater oder sei­ne Mut­ter mehr liebt als mich, ist mei­ner nicht wert ; wer sei­nen Sohn oder sei­ne Toch­ter mehr liebt als mich, der ist mei­ner nicht wert!“ Mt.10,37. Ein Kind muss ver­ges­sen, dass es ein Kind ist; es muss weder Vater noch Mut­ter ken­nen um der Sache Got­tes wil­len. „Der von sei­nem Vater und von sei­ner Mut­ter spricht: »Ich sehe ihn nicht«, und von sei­nem Bru­der: »Ich ken­ne ihn nicht«“ (5. Mo 33,9). Das bedeu­tet also, auf Got­tes Ehre aus­ge­rich­tet zu sein. …

„Die Liebe Gottes findet nicht vor, sondern schafft sich, was sie liebt.“
Die Heidelberger Disputation 1518

Durch Carl Tru­e­man (z.B. in sei­ner Vor­le­sung zur Refor­ma­ti­ons­ge­schich­te, in der Essay-Sam­m­­lung des Autors  „Refor­ma­ti­on — heu­te noch aktu­ell“ im kürz­lich erschie­nen Buch „Luther on the chris­ti­an life“ geht er jeweils sehr aus­führ­lich auf Luthers Unter­schei­dung zwi­schen Theo­lo­gen der Herr­lich­keit und Theo­lo­gen des Kreu­zes ein). wur­de ich auf ein Ereig­nis in Luthers Lauf­bahn auf­merk­sam, dass in vie­len Dar­stel­lun­gen des Refor­ma­tors schnell unter­geht.  Im April 1518 (und noch deut­lich vor der Eröff­nung des Ver­fah­rens durch die römi­sche Kurie  im Juli 1518) fand unter Lei­tung Luthers eine Dis­pu­ta­ti­on in der Ver­samm­lung der Augus­ti­ner statt, die sei­ne The­sen zum Ablass dis­ku­tie­ren soll­te. Luther berei­te­te The­sen vor, die wohl eini­ge über­rascht haben dürf­ten. Sehr ent­schie­den ent­schei­det sich Luther für eine augus­ti­ni­sche Dar­stel­lung des Heils. Eini­ge der 28 The­sen (hier samt Begrün­dung voll­stän­dig zu fin­den) im Wort­laut: Die Wer­ke der Men­schen, wenn sie auch noch so sehr in die Augen fal­len und gut zu sein schei­nen, müs­sen doch als Tod­sün­den gel­ten. Der Mensch, der da meint, er wol­le dadurch zur Gna­de gelan­gen, dass er tut, soviel ihm mög­lich ist, häuft Sün­de auf …

Was ist denn, bitteschön, reformatorische Theologie? — eine Artikelreihe von Hanniel Strebel

Han­ni­el Stre­bel hat eine prä­gnan­te Arti­kel­rei­he für E21 erstellt, in der er der Fra­ge nach­geht, was refor­ma­to­ri­sche Theo­lo­gie sei! Ich bin sehr dank­bar für den Arti­kel, da ich die letz­ten Mona­te vor­nehm­lich mit der Fra­ge ver­bracht habe, wie ich selbst mei­nen Glau­ben defi­nie­ren soll­te. Beson­ders posi­tiv möch­te ich sei­nen Ansatz her­vor­he­ben, weder eine kon­fes­si­ons­ge­bun­de­ne noch eine all­zu all­ge­mei­ne Stel­lung zu wäh­len (Han­ni­el schreibt selbst dar­über). Ich kann inner­halb mei­ner theo­lo­gi­schen Bub­ble nicht mit dem West­mins­ter Bekennt­nis in der Hand argu­men­tie­ren, und sehe nur die Mög­lich­keit zurück zur Schrift zu gehen und Got­tes Wort spre­chen las­sen. Im wesent­li­chen Stau­ne ich dar­über, dass ich sowohl unab­hän­gig und ziem­lich anders geprägt, ja gar aus einem völ­lig ande­ren Kul­tur­kreis, genau die­se Ent­de­ckun­gen im Erbe der Refor­ma­ti­on gemacht habe, von denen Han­ni­el schwärmt (auch wenn ich wei­ter­hin den Begriff „refor­miert“ ver­wen­den wür­de) Ich möch­te fünf Filet-Stü­­cke sei­ner Rei­he hervorheben:

Wann bin ich gesetzlich? — Ein Einblick von John Colquhoun

Wenn ein Mensch zu Taten des Gehor­sams gedrängt ist, weil er den Zorn Got­tes fürch­tet, der sich im Gesetz offen­bart und nicht weil er an Sei­ne Lie­be glaubt, die sich im Evan­ge­li­um offen­bart… Wenn er Gott wegen Sei­ner Macht und Gerech­tig­keit fürch­tet und nicht auf­grund Sei­ner Güte, wenn er in Gott viel eher einen rächen­den Rich­ter, als einen lei­den­schaft­li­chen Freund und Vater sieht, und und wenn er Gott als fürch­ter­li­che Majes­tät vor sich sieht, statt unend­lich gnä­dig und barm­her­zig wird dadurch sicht­bar, dass er unter der Herr­schaft eines gesetz­li­chen Geis­tes ist, oder zumin­dest dar­an lei­det… Er zeigt, dass er unter dem Ein­fluss die­ses hass­erfüll­ten Ver­su­chers steht … wenn sein Ver­trau­en auf gött­li­ches Erbar­men durch die Leben­dig­keit sei­ner Pflich­ten und nicht durch die Ent­de­ckun­gen der Frei­heit und der Reich­tü­mer erlö­sen­der Gna­de geprägt sind, die ihm im Evan­ge­li­um ange­bo­ten wer­den, oder wenn er das ewi­ge Leben nicht als Gabe Got­tes durch Jesus Chris­tus erwar­tet, son­dern als Got­tes Rekom­pen­sa­ti­on für sei­nen Gehor­sam und sein Lei­den, wird schmerz­haft deut­lich, dass er sich unter der Macht eines gesetz­li­chen Geis­tes befindet. …

Sag mal — wer ist Jesus?

Sin­c­lair B. Fer­gu­son ist wahr­schein­lich so etwas wie ein Uni­­ver­­­sal-Theo­­lo­­ge, sein Werk umfasst Kom­men­ta­re (Jako­­bus-Brief, Mar­­kus-Evan­­ge­­li­um), dog­ma­ti­sche Wer­ke (The Holy Spi­rit in der CoCT-Rei­he, The Chris­ti­an Life, eine Ein­füh­rung in Dog­ma­tik), his­­to­­risch-theo­­lo­­gi­­sche Stu­di­en (The Who­le Christ, Ein Werk, dass die Mar­row-Kon­­tro­­ver­­­se ana­ly­siert). Der Schot­te ist Mit­her­aus­ge­ber eines theo­lo­gi­schen Lexi­kons, Dozent am West­mins­ter Theo­lo­gi­cal Semi­na­ry und reger Pre­di­ger (auf sermonaudio.com fin­den sich immer­hin über 680 Pre­dig­ten von ihm, wenn man bereit ist, sich auf den hef­ti­gen schot­ti­schen Akzent ein­zu­las­sen). Ent­spre­chend habe ich auch gleich zuge­grif­fen, als ich erfuhr, dass es von Fer­gu­son ein Kin­der­buch gibt. Die 33 Lek­tio­nen des Buches sind grob in 6 Tei­le unter­teilt, von denen die ers­ten drei wei­test­ge­hend chro­no­lo­gisch das Leben Jesu durch­ge­hen. Hier zeigt sich die Inter­dis­zi­pli­na­ri­tät des Autors gro­ße Vor­tei­le. So geht er zunächst von all­ge­mei­nen Fra­gen aus: „Was bedeu­tet der Name Jesus?“ ‚„Wie konn­te Jesus wis­sen, was Gott von ihm erwar­te­te?“ oder „Wie ver­hielt sich Jesus als Kind und als Jugend­li­cher?“ Anschlie­ßend geht er die Sta­tio­nen der Tau­fe, der Ver­su­chung, der Beru­fung der Jün­ger, der Lehr­tä­tig­keit, der Wun­der und schließ­lich des …