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Wanderausstellung zur Reformation macht Station in Weingarten (Baden)

Anläss­lich des 500-jäh­ri­gen Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­ums gas­tiert in mei­ner Gemein­de (Men­no­ni­ten-Brü­der­ge­mein­de Wein­gar­ten) die Wan­der­aus­stel­lung „500 Jah­re Refor­ma­ti­on: Ein Rin­gen um die Wahr­heit und den Weg“. Sie war zuvor schon an sie­ben ande­ren Orten. Die Aus­stel­lung wur­de am 8. Janu­ar eröff­net und dau­ert bis zum 31. Janu­ar 2018.

Die hoch­wer­ti­ge Aus­stel­lung ver­setzt den Besu­cher in die Zeit des Umbruchs vom Mit­tel­al­ter zur Neu­zeit. Mit dem Ein­tritt durch die Tür der Schloss­kir­che in Wit­ten­berg, an der Luthers The­sen ange­schla­gen wur­den, erzählt die Aus­stel­lung von Luther und ande­ren Refor­ma­to­ren. Es wird fort­ge­setzt mit den gro­ßen Ver­än­de­run­gen in der christ­li­chen Kir­che und der Gesell­schaft. Des Wei­te­ren zeigt sie die Ent­ste­hung der Täu­fer­ge­mein­den und endet mit der Geschich­te der Men­no­ni­ten-Brü­der­ge­mein­de in Wein­gar­ten.

Die über ein­hun­dert lau­fen­de Meter umfas­sen­de Aus­stel­lung ist in acht Aus­stel­lungs­räu­me auf­ge­teilt. Aus­drucks­vol­le Gemäl­de, Bibel­ex­po­na­te, aus­sa­ge­kräf­ti­ge Model­le und Com­pu­ter-Prä­sen­ta­tio­nen geben einen guten Ein­blick in die span­nen­de Geschich­te der Refor­ma­ti­on. Außer­dem wird an einem Nach­bau einer Guten­berg­pres­se die Ent­ste­hung des Buch­drucks erklärt. Dabei kön­nen dann Groß und Klein einen Bibel­vers sel­ber dru­cken und so die Druck­kunst aus dem 14. Jahr­hun­dert ken­nen­ler­nen. Wei­ter­le­sen

Tipp: William Carey, der Vater der modernen Mission

Ein Brief von William Carey an seinen Sohn Jabez

Wil­liam Careys Werk ist kaum zu über­schau­en. Sein Ein­fluss in Indi­en ist nicht hoch genug zu schät­zen. So ist auch die Abschaf­fung des Miss­brauchs der Wit­wen­ver­bren­nun­gen auf sei­nen Ein­satz zurück­zu­füh­ren. Meh­re­re Pflan­zen wur­den von ihm ent­deckt und beschrie­ben. Jedoch ist er vor allem Mis­sio­nar und Bibel­über­set­zer gewe­sen. Als Sprach­ge­nie war es ihm mög­lich das Neue Tes­ta­ment in 22 Spra­chen zu über­set­zen. Die gan­ze Bibel hat er zudem in wei­te­re 6 Spra­chen über­setzt, dar­un­ter Sans­krit, Hin­di, Mara­thi und Ben­ga­lisch. Vor allem die ben­ga­li­sche Bibel­über­set­zung war sein Lebens­wert, vie­le wei­te­re Über­set­zun­gen ver­ste­hen sich natür­lich als Pio­nier­ar­beit.

Wenn mir etwas bei der Bio­gra­phie nicht gefal­len hat, dann das sie zu kurz ist. Ein der­art umfang­rei­ches Werk, wie die Mis­si­on in Seram­po­re kann man kaum hin­rei­chend auf etwas mehr als 250 Sei­ten beschrei­ben. Den­noch ist das Buch ein gutes Ein­stiegs­werk und gibt eine gute Über­sicht über einen der größ­ten Mis­sio­na­re seit der Zeit der Apos­tel. Man könn­te zum Leben Careys an die­ser Stel­le zahl­rei­che Aus­füh­run­gen machen, z. B. sei­ne Kampf gegen das Kas­ten­sys­tem. Mit­glied ihrer Gemein­schaft konn­te nur jemand wer­den, der auch mit Chris­ten ande­rer Kas­ten und Her­künf­te Gemein­schaft pflegt. Man­che „kul­tu­rel­len“ Gepflo­gen­hei­ten muss­ten der Leh­re der Schrift wei­chen.

Sei­ne Refor­men im Bil­dungs­sys­tem, sein Kampf gegen die Skla­ve­rei, sein Bei­spiel für die welt­wei­te Mis­si­ons­be­we­gung über­haupt, sein Ein­fluss auf wei­te­re bekann­te Mis­sio­na­re wie Ado­ni­ram Jud­son oder Hen­ry Mar­tin, Sei­ne pro­ble­ma­ti­sche Bezie­hung zu sei­ner ers­ten Frau, die ihren Auf­ent­halt in Indi­en nicht ver­kraf­te­te und wahn­sin­nig wur­de, sind nur eini­ge The­men die einer inten­si­ven Bespre­chung wert sind. An die­ser Stel­le jedoch möch­te ich ein Schrei­ben anhän­gen, dass er an sei­nen Sohn Jabez schrieb, als die­ser sich eben­falls der Mis­si­on weih­te und an eine Mis­si­ons­sta­ti­on aus­ge­sandt wur­de. Die fol­gen­den Zei­len habe ich in der Bio­gra­phie über Wil­liam Carey von S. Pear­ce Carey, erschie­nen im CLV-Ver­lag (9,90 EUR), gefun­den (S. 201 f.). Wei­ter­le­sen

Westminster Bekenntnis (1647)

Ankündigung einer Leserunde

Lan­ge ist es her, als nimm-lies.de sei­ne letz­te Leserun­de hat­te. Das soll 2018 bes­ser wer­den. Ich sehe es als Füh­rung, dass ich in letz­ter Zeit regel­mä­ßig auf das West­mins­ter Bekennt­nis hin­ge­wie­sen wur­de, so möch­te ich die­ses auch mit den Lesern die­ses Blogs bespre­chen. Das West­mins­ter Bekennt­nis ist in 33 Kapi­tel auf­ge­teilt, die gut ein­zeln betrach­tet wer­den kön­nen.

Wir wer­den ent­de­cken, welch hohe Infor­ma­ti­ons­dich­te sich in Bekennt­nis­sen im All­ge­mei­nen, und in die­sem im Beson­de­ren ver­steckt. Man sieht gera­de­zu den Schweiß und den Hirn­schmalz der Brü­der, die im Gebet und inten­si­ven Gesprä­chen um die rech­te For­mu­lie­rung ran­gen. Dies respek­tie­re ich sehr. Davon pro­fi­tie­re ich auch in mei­nem geist­li­chen Wachs­tum. Hier­für kann es hilf­reich sein, eini­ge Absät­ze visu­ell auf­zu­ar­bei­ten und das wol­len wir gemein­sam tun.

Vie­le Punk­te spre­chen mich per­sön­lich an, ande­re spre­chen tiefs­te Geheim­nis­se der christ­li­chen See­le aus. Auch die­ses wol­len wir betrach­ten. Schließ­lich wer­de ich auch so ehr­lich sein, mir unkla­re Posi­tio­nen anzu­ge­ben und auch Fra­gen an die­ses Bekennt­nis zu stel­len. Ich wer­de wagen, dort zu wider­spre­chen, wo ich ande­rer Mei­nung bin. Hier freue ich mich bereits auf eine leb­haf­te und kon­struk­ti­ve Dis­kus­si­on.

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Sind Grußkarten christlicher Verlage zu teuer?

Serie: Christliche Verlage und das Geld (1)

Bei mei­nem Enga­ge­ment in einer klei­nen christ­li­chen Buch­hand­lung stel­le ich immer wie­der fest, dass man­che Kun­den Medi­en und Geschenk­ar­ti­kel aus christ­li­chen Ver­la­gen als zu teu­er ein­schät­zen. Eine Falt­kar­te mit Umschlag, Ein­le­ge­blatt und Foli­en­ver­pa­ckung für 2 EUR – für eini­ge Kun­den ist so ein Preis nicht nach­voll­zieh­bar.

Als Ver­gleich wer­den hier die all­jähr­li­chen Weih­nachts­kar­ten­an­ge­bo­te des Dis­coun­ters Aldi Süd her­an­ge­zo­gen, bei dem 6 Falt­kar­ten im Paket für gera­de ein­mal 99 Cent ange­bo­ten wer­den. Tat­säch­lich ist der Preis­un­ter­schied hier enorm und die Fra­ge daher berech­tigt, war­um christ­li­che Ver­la­ge nicht zu ähn­li­chen Prei­sen anbie­ten. Was sind nun die Unter­schie­de bei den bei­den Pro­duk­ten und was recht­fer­tigt den gro­ßen Preis­un­ter­schied?

Die Falt­kar­ten des Dis­coun­ters wir­ken im Ver­gleich bil­lig und sind im Design sehr ein­fach und ohne Anspruch gestal­tet. Das güns­ti­ge Ange­bot beinhal­tet kein Ein­le­ge­blatt und kei­ne sepa­ra­te Foli­en­ver­pa­ckung. Der Unter­schied in Umfang und Qua­li­tät der Pro­duk­te dürf­te daher einen Teil der Preis­dif­fe­renz begrün­den.

Der ande­re wesent­li­che Grund ist der Unter­schied in der Auf­la­ge. Ein Händ­ler wie Aldi Süd ist auf­grund sei­ner Grö­ße und Markt­macht mit meh­re­ren Tau­send Filia­len in der Lage, eine sehr gro­ße Men­ge an Falt­kar­ten abzu­ver­kau­fen. Das ermög­licht einen sehr nied­ri­gen Ein­kaufs- und Ver­kaufs­preis.

Zusam­men­ge­fasst lässt sich fest­stel­len, dass der Unter­schied in Umfang, Qua­li­tät und Auf­la­ge den Preis­un­ter­schied recht­fer­tigt. Falt­kar­ten von Aldi und Bolanz Ver­lag sind ein­fach nicht mit ein­an­der ver­gleich­bar. Qua­li­ta­tiv ver­gleich­ba­re Kar­ten kos­ten im Schreib­wa­ren­la­den und beim Buch­händ­ler in der Regel eben­falls zwi­schen 2 und 3 EUR, wobei die Auf­la­ge bei den säku­la­ren Anbie­tern weit höher lie­gen dürf­te.

Tipp: Schreib’s auf!

Deine Geschichte - in deinen Worten

Im Jahr 1955 starb mein Urgroß­va­ter müt­ter­li­cher­seits. Er hat uns ein dün­nes Buch hin­ter­las­sen, in dem er aus sei­nem Leben und über unse­re Vor­fah­ren berich­tet. Es ist span­nend zu lesen, was er und mei­ne Vor­fah­ren erlebt haben, was sie dach­ten und was sie taten. Es ist ein Ein­tau­chen in eine ande­re Zeit, mit der man ver­bun­den ist. Und es weckt in mir das Vor­ha­ben, mein eige­nes Leben — mög­lichst sys­te­ma­tisch und geglie­dert — in Buch­form fest­zu­hal­ten.

Wie pas­send, dass im Ver­lag Riga­tio der Autor und Gemein­de­äl­tes­ter Peter Güth­ler ein für die­sen Zweck gera­de­zu per­fek­tes Buch ver­öf­fent­licht hat:

Schreib’s  auf! ist ein Erin­ne­rungs­al­bum, in das du dei­ne eige­ne Geschich­te schrei­ben kannst. Fra­gen zu dei­ner Her­kunft, Kind­heit, Jugend und dei­nem Leben als Erwach­se­ner hel­fen dir dabei.

Schreib‘s auf für dich oder die Per­son, die dir die­ses Buch über­reicht hat – dein Kind oder dei­nen Enkel, dei­nen Nef­fen oder dei­ne Nich­te … Sie wol­len wis­sen, wie du auf­ge­wach­sen bist und was du erlebt hast. (Ver­lags­text)

Das sehr hoch­wer­tig wir­ken­de Buch mit Lese­bänd­chen und 120 Sei­ten ist vol­ler Fra­gen und aus­rei­chend Platz, um die Geschich­te eines Lebens auf­zu­schrei­ben. Die Fra­gen sind so gestellt, dass sie von Chris­ten und dem christ­li­chen Glau­ben nahe­ste­hen­den Per­so­nen sehr gut beant­wor­tet wer­den kön­nen. Es ist eine aus­ge­zeich­ne­te Alter­na­ti­ve für säku­la­re Erin­ne­rungs­al­ben. Ich wer­de es selbst nut­zen — und ein Exem­plar mei­ner Mut­ter geben.

Das Buch ist bei Riga­tio erhält­lich und kos­tet 14,90 EURBei issuu.com gibt es eine Vor­schau der ers­ten 21 Sei­ten.

Tipp: Im Bilde Gottes schuf ER ihn

Ein ungewöhnliches Andachtsbuch von Holger Klaewer

Das Jahr ist zwar schon ein paar Tage alt, aber ich möch­te es mir nicht neh­men las­sen auf ein unge­wöhn­li­ches Andachts­buch von Hol­ger Klae­wer hin­zu­wei­sen. Klae­wer ist unter ande­rem Autor der Kin­der­buch-Rei­he Nord­licht und der Gro­ßen Rät­sel­samm­lung zum AT und NT.

Das Cover mit dem Titel Im Bil­de Got­tes schuf ER ihn hat mich zuerst etwas irre­ge­führt. Es han­delt sich nicht um eine Art Ehe­buch son­dern um ein Andachts­buch wel­ches 350 Kurz­bio­gra­fi­en über bibli­sche Per­so­nen ent­hält. Es beginnt mit Adam und streift die Leben so bekann­ter Per­so­nen wie Saul, Lukas oder Judas um auf den nächs­ten Sei­ten aus dem Leben nahe­zu unbe­kann­ter Per­sön­lich­kei­ten wie Addi, Bena­ja und Ketu­ra zu erzäh­len.

Nicht so wie üblich steht am Anfang der Tages­le­se kein Bibel­vers. Es beginnt unmit­tel­bar mit der Kurz­bio­gra­fie, wobei der Autor nah an den bibli­schen Berich­ten bleibt und es doch gelingt ein­drück­li­che Bil­der der so unter­schied­li­chen Men­schen der Bibel zu zeich­nen.

Der auf­merk­sa­me Leser wird bemerkt haben, dass 350 Bio­gra­fi­en für ein Jahr von 365 nicht aus­reicht. An den feh­len­den Tagen behan­delt Hol­ger Klae­wer kurz und kom­pakt aus­ge­wähl­te The­men der christ­li­chen Nach­fol­ge. Am Ende des Buches sind ein hilf­rei­ches Namens- und The­men­ver­zeich­nis nebst bild­haf­ter Chro­no­lo­gie der im Buch erwähn­ten Per­so­nen.

Die­ses Buch emp­feh­le ich Chris­ten jeden Alters um sich von bibli­schen Vor­bil­dern prä­gen zu las­sen.

Das Andachts­buch ist bei Edi­ti­on Nehemia als gebun­de­ne Aus­ga­be erschie­nen und kos­tet 14,90 EUR.

Was ist Gnade?

Ein Gleichnis von Jerry Bridges

Hier habe ich einen inter­es­san­ten Auf­satz von Jer­ry Brid­ges gefun­den, denn ich ger­ne mit euch tei­len möch­te. Brid­ges ringt um die rech­te Defi­ni­ti­on von „Gna­de“. Als Ana­lo­gie beschreibt er das güti­ge Ver­hal­ten sei­ner Mut­ter gegen­über hei­mat­lo­sen ame­ri­ka­ni­schen Wan­der­ar­bei­tern, soge­nann­ten Hobos.

Wäh­rend die­se kei­nen Anspruch zur Gna­de (in Ihrem Fall ein war­mes Essen) hat­ten, hat ein Sün­der nicht nur kei­nen Anspruch auf Hil­fe, nein viel­mehr hat er nur Anspruch auf eine Bestra­fung (Abwei­sung).

Got­tes Gna­de rich­tet sich nicht nur an Per­so­nen, die kei­nen Ver­dienst vor­wei­sen kön­nen, son­dern sogar an sol­che, die Unrecht began­gen haben. Gött­li­che Gna­de ist mehr als ein unver­dien­tes Geschenk. Ein wich­ti­ges Ele­ment im bibli­schen Ver­ständ­nis von Gna­de ist das Vor­han­den­sein von began­ge­nem Unrecht, [das geahn­det wer­den müss­te].

Außer­dem fin­det beim Sün­der eine per­sön­li­che Ver­ach­tung gegen Gott statt. Die Sün­de eines Men­schen ver­stößt nicht nur gegen das Gesetz Got­tes son­dern auch gegen die Per­son Got­tes. Wenn Gott hier Gna­de wal­ten lässt, ohne Ver­gel­tung jedoch wür­de er die Gerech­tig­keit unter­gra­ben. Vor allem die­sen wich­ti­gen Punkt zu illus­trie­ren gelingt Brid­ges gut:

Nun wol­len wir einen wei­te­ren Fak­tor in die fik­ti­ve Geschich­te ein­füh­ren. Ange­nom­men mei­ne Mut­ter hät­te den Mann nicht nur als den­je­ni­gen erkannt, der unser Haus aus­ge­raubt hat, son­dern als den­je­ni­gen, der im Ver­dacht steht, auch noch ande­re Nach­bar­häu­ser aus­ge­raubt zu haben. Jetzt hät­te sie die staats­bür­ger­li­che Pflicht gehabt, die Poli­zei zu rufen.
Ange­nom­men, sie hät­te zu sich selbst gesagt: „Ich weiss, dass die­ser Mann wahr­schein­lich ande­re Häu­ser in der Gegend aus­ge­raubt hat, aber ich habe Erbar­men mit ihm. Er hat wahr­schein­lich Frau und Kin­der zu Hau­se. Ich gebe ihm still­schwei­gend etwas zu Essen und schi­cke ihn dann weg.“ Damit hät­te Mut­ter die Gerech­tig­keit im Inter­es­se der Barm­her­zig­keit unter­gra­ben.

Brid­ges kommt zu die­ser Defi­ni­ti­on von Gna­de:

Gna­de ist Got­tes Gunst[oder: Hin­wen­dung] durch Chris­tus für [zu] Men­schen, die sei­nen Zorn ver­die­nen

Die vier Sei­ten habe ich mit Freu­de und Trä­nen in den Augen gele­sen. Hal­le­lu­ja, wir haben einen güti­gen Gott, wel­cher ein star­ker Ret­ter ist!

Jer­ry Brid­ges ist Autor des Buches „Gott ver­trau­en“.

Sola Scriptura

die Bedeutung von systematischer Theologie

Sze­na­rio: Katho­li­sche Kir­che. Vie­le der beson­ders bekann­ten Prak­ti­ken in katho­li­schen Kir­chen sind ganz klar auf eine eher selt­sa­me Aus­le­gungs­art der Schrift zurück­zu­füh­ren, z.B.: das Zöli­bat, als Schluss­fol­ge­rung einer bild­li­chen Über­la­dung von  1. Tim 3,2  „Es soll aber ein Bischof unsträf­lich sein, eines Wei­bes Mann, nüch­tern, mäßig, sit­tig, gast­frei, lehr­haft“. Weib wird als Sym­bol für Gemein­de gese­hen. Natür­lich an die­ser Stel­le, an ande­ren Stel­len heißt Weib immer noch Weib. Wann wel­ches Bild gilt, wer weiß das schon?

Ein zwei­tes Bei­spiel fin­det sich in dem Amt des Paps­tes, so dass man ger­ne die Apos­to­li­schen Voll­mach­ten „ver­erb­bar“ macht, und sich nur auf Ver­se wie z.B Mat­thä­us 16,18 stützt, wo es heißt:  Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf die­sen Fel­sen will ich bau­en mei­ne Gemein­de, und die Pfor­ten der Höl­le sol­len sie nicht über­wäl­ti­gen. Hier baut man Grund­le­gen auf einer eher schwie­rig zu ver­ste­hen­den Stel­le auf. Gan­ze Abschnit­te der Schrift die ande­res bezeu­gen, müs­sen sich die­sem unter­ord­nen. Dass man die Schrift mit der Schrift aus­legt, muss auch bedeu­ten, dass dunk­le Stel­len durch lich­te erleuch­tet wer­den soll­ten, nicht umge­kehrt.

Das Spiel haben die Libe­ra­len (vor allem evan­ge­li­schen) Kir­chen froh wei­ter getrie­ben. Man bekann­te die treu­es­ten Bekennt­nis­se, und mit die­sen die Jung­frau­en­geburt und die Gott­heit, das Ster­ben und die Auf­er­ste­hung Jesu und schließ­lich auch die Höl­le und die Ewig­keit  und bestritt die­se sobald man auf die Kan­zel stieg. Natür­lich mit den bes­ten Absich­ten, wie: „Wich­tig ist, dass Jesus in unse­rem Her­zen auf­er­steht. Wich­tig ist, dass wir in Jesus ein Motiv eines lie­ben­den Got­tes erken­nen“, etc. Der­glei­chen Aus­sa­gen in Mas­sen fin­det man z.B. auf chris­mon.

Auch hier ver­zich­te­te man auf Aus­le­gungs­prin­zi­pi­en. Die Fol­ge: Nun kann jeder alles x-Belie­bi­ge in die Schrift rein- und auch wie­der raus­le­sen. Die Fol­ge ist jedoch vor allem, dass die The­men­brei­te an christ­li­chen The­men abnimmt. Pie­tis­ti­sche Ver­la­ge haben uns dies zuge­nü­ge vor­ge­macht. Die Ent­wick­lung poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen Isra­els zu inter­pre­tie­ren, haut in die sel­be Ker­be.  Mar­tin Luther schrieb ein­mal:

„Dar­um rate ich die­sem Roma­nis­ten, dass er noch ein Jahr in die Schu­le gehe und ler­ne, was doch heißt eine Chris­ten­heit oder ein Haupt der Chris­ten­heit, ehe er die argen Ket­zer mit sol­chen hohen, tie­fen, brei­ten und lan­gen Schrif­ten ver­treibt. Es tut mir aber in mei­nem Her­zen wehe, dass wir lei­den müs­sen von sol­chen tol­len Hei­li­gen, dass sie die hei­li­ge Schrift also frech, frei und unver­schämt zer­rei­ßen und läs­tern, sich unter­ste­hen die Schrift zu hän­deln, so sie nicht genug­sam sind, dass sie die Säue hüten soll­ten. Ich habe bis­her gehal­ten, wo man etwas mit der Schrift soll bewäh­ren, müß­te die­sel­be Schrift eigent­lich zur Sache die­nen. Aber nun ler­ne ich, das es genug­sam sei, viel Schrift rips raps zusam­men­zu­wer­fen, es rei­me sich oder nicht. Wenn die Wei­se gilt, so will ich aus der Schrift wohl bewäh­ren, dass Rastrum bes­ser sei, den Mame­si­er1.“ (Von dem Papst­hum zu Rom, wider den hoch­be­rühm­ten Roma­nis­ten zu Leip­zig)


Wäh­rend Rastrum bil­li­ges Bier ist, wel­ches sich nur Stu­den­ten gönn­ten, bezeich­net Mame­si­er (bes­ser: Mal­ve­si­er) edlen Wein.

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CD: Drei Tage aus Gellerts Leben

Hörspiel über den Liederdichter Christian Fürchtegott Gellert

Mit Sym­pa­thie und Wohl­wol­len beob­ach­te ich die Hör­spiel­ver­öf­fent­li­chun­gen klei­ner christ­li­cher Ver­la­ge. Dabei ist mir ein kur­zes Hör­spiel (37 Min.) über den Lie­der­dich­ter und Schrift­stel­ler Chris­ti­an Fürch­te­gott Gel­lert auf­ge­fal­len.

In einer klei­nen, unge­heiz­ten Stu­be zu Leip­zig saß Chris­ti­an Fürch­te­gott Gel­lert vor sei­nem Schreib­tisch und stütz­te den Kopf in die Hän­de. Auf dem Tisch lag eine Bibel, die bei Hiob 2,10 auf­ge­schla­gen war. „Haben wir Gutes emp­fan­gen von Gott und soll­ten das Böse nicht auch anneh­men?“ Die­ser Bibel­vers hat­te ihn dazu bewegt, ein Lied zu schrei­ben. Nie hät­te er ahnen kön­nen, was die­ses Lied in den nächs­ten drei Tagen alles bewir­ken wür­de …

Das Hör­spiel basiert auf einem Buch aus dem 19. Jahr­hun­dert und ist sprach­lich eher gering­fü­gig an die heu­ti­ge Spra­che ange­passt. Ich schät­ze es sehr, wenn bis­her wenig bekann­te span­nen­de Per­sön­lich­kei­ten in Hör­spiel­form bekannt gemacht wer­den. Lei­der hat das Hör­spiel eini­ge Schwä­chen, die den Hör­ge­nuss etwas trü­ben.

Die Erzäh­le­rin nimmt einen gro­ßen Teil ein und unter­bricht den Fluss des Hör­spiels. Man­che Sät­ze sind über­flüs­sig, da sie hör­ba­res beschrei­ben. Ande­re beschrie­be­ne Hand­lun­gen hät­ten ohne viel Mühe „hör­bar“ gemacht wer­den kön­nen.

Eini­ge Per­so­nen sind nur schwer aus­ein­an­der zu hal­ten. Beson­ders in der ers­ten Sze­ne im Gespräch zwi­schen Pro­fes­sor Gel­lert und dem für­sorg­li­chen Arzt sind die Stim­men kaum unter­scheid­bar. Für mich klin­gen vie­le Per­so­nen wie Jugend­li­che, obwohl sie Erwach­se­ne und älte­re Per­so­nen dar­stel­len sol­len. Bei der Aus­wahl der Spre­cher wären hier älte­re oder „rei­fe­re“ Stim­men vor­zu­zie­hen. Über­zeu­gen kann die Frau des Schuh­ma­chers, eine Stim­me, die bei zukünf­ti­gen Hör­spie­len unbe­dingt wie­der ein­ge­setzt wer­den soll­te.

Ich emp­feh­le das Hör­spiel für Kin­der ab 13 Jah­ren.

Das Hör­spiel ist im Ver­lag Frie­dens­stim­me erschie­nen und kos­tet 8 EUR.

Reformiertes Liedgut

Ein bisschen sowas wie eine Humoresque

Liederbuch ohne Noten (1311 Lieder)Heu­te habe ich eine refor­mier­te Gemein­de besucht und ich muss­te doch sehr schmun­zeln, als ich fest­stell­te, dass die­se Gemein­de ein Lie­der­buch besitzt, wel­ches ins­ge­samt 38 Lie­der beinhal­tet. Doch etwas wenig. Gibt es denn in der Tat nur so weni­ge Lie­der mit guter Leh­re? Da lobe ich mir das Lie­der­buch mei­ner Gemein­de, wel­ches hier bestellt wer­den kann. Übri­gens,  fin­den sich hier 1311 Lie­der.

Nur mal eini­ge Bei­spie­le:

Heilsgewissheit

Über hun­dert Lie­der the­ma­ti­sie­ren die Heils­ge­wiss­heit, so der bekann­te Klas­si­ker: „Kei­ner wird zuschan­den“. Wie jubelt mei­ne See­le, wenn wir die­ses Lied als Gemein­de sin­gen und es heißt:

Kei­ner wird zuschan­den, wel­cher Got­tes harrt
sollt ich sein der ers­te, der zuschan­den ward?
Nein, das ist unmög­lich, du getreu­er Hort
Eher fällt der Him­mel, eh mich täuscht dein Wort

Du hast zuge­sa­get: Wer da bit­tet, nimmt
wer da sucht, soll fin­den, was ihm Gott bestimmt
wer im fes­ten Glau­ben mutig klop­fet an
dem wird ohne Zwei­fel end­lich auf­ge­tan

Hier fin­det sich auch eini­ges von Gus­tav Knak, so das Lied „Wer sich dem Hei­land mit bren­nen­dem Her­zen erge­ben“, dort heißt es

3. Woll­te der Teu­fel mit trüg­li­chen Ehren ihm win­ken,
lässt der Herr Jesus die Kro­ne des Lebens ihm blin­ken;
beut ihm die Welt
irdi­sche Freu­den und Geld,
bringt sie ihn doch nicht zum Sin­ke

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