Alle Artikel mit dem Schlagwort: Evangelium

Er hätte sagen sollen: ‹Siehst du jenes Kreuz? Dahin eile so schnell wie möglich!›
Aus „Bilder aus der Pilgerreise“

„Ich füh­le mich stets geneigt, Evan­ge­list für das Miss­be­ha­gen, das der arme Christ im Sump­fe­der Ver­zagt­heit lei­den muss­te, zu tadeln. So sehr ich John Bun­y­an auch schät­ze, hal­te ich ihn­doch nicht für unfehl­bar, und jüngst hör­te ich eine Geschich­te über ihn, die ich für eine sehr gute hal­te:Da war in Edin­burg ein jun­ger Mann, der ger­ne Mis­sio­nar wer­den woll­te. Er war ein ver­stän­di­ger jun­ger Mann, daher über­leg­te er: «Wenn ich Mis­sio­nar wer­den will, ist es gar nicht nötig, dass man mich weit von hier fort­sen­de; ich kann ja in Edin­burg eben­so gut Mis­sio­nar sein.» Hier ist ein Wink für sol­che Schwes­tern, die in ihren Bezir­ken Trak­ta­te ver­brei­ten, aber ihrem eige­nen Dienst­mäd­chen kei­nen geben. Nun, die­ser jun­ge Mann woll­te sogleich mit dem Mis­sio­nie­ren begin­nen und mit der ers­ten Per­son spre­chen, die ihm begeg­ne­te. Die­se war eine alte Fisch-hän­d­­le­­rin. Wer die­se Art ein­mal ken­nen gelernt hat, ver­gisst sie sobald nicht wie­der; es sind ganz außer­or­dent­li­che Frau­en. Er trat auf sie zu und sag­te: «Lie­be Frau, Sie haben da eine gro­ße Last auf Ihrem Rücken zu tra­gen; ich …

The Whole Christ von Sinclair Ferguson
Persönliche Neuentdeckung 2021

Sin­c­lair Fer­gu­son ist mit „The Who­le Christ“ in mehr­fa­cher Hin­sicht ein Spa­gat gelun­gen. Einer­seits gelingt es ihm, eine tro­cken wir­ken­de Debat­te der schot­ti­schen Pres­by­te­ria­ner im 18ten Jahr­hun­dert in unse­re Zeit zu holen. Dabei erweist er sich als Exper­te in den Lebens­läu­fen vie­ler Puri­ta­ner und der Gläu­bi­gen Schott­lands. Sei­ne Detail­an­ga­ben erleich­tern dabei den Lese­fluss und öff­nen mit die­sen Dar­stel­lun­gen eine wei­te Tür in das bun­te und leben­di­ge Werk der Puri­ta­ner (Ich den­ke per­sön­lich, dass ihm das sogar viel bes­ser gelingt als z.B. Bee­ke in der „Puri­tan Theo­lo­gy“). Doch wor­um ging es bei die­ser Debat­te, die als „the Mar­row Con­tro­ver­sy“ bis heu­te fast jeden Theo­lo­gie­stu­den­ten Schott­lands beschäf­tigt? Fer­gu­son arbei­tet die Rele­vanz der dahin­ter­ste­hen­den Fra­ge her­aus: Gibt es eine Bedin­gung, um zu Jesus zu kom­men bzw. von sei­nen Seg­nun­gen zu pro­fi­tie­ren. Wir ken­nen die­se Fra­ge oft im Rah­men der Fra­ge: „Kann ich jedem sagen, dass Chris­tus für ihn gestor­ben ist?“ Wer bis dahin dach­te, dass es bloß ein cal­vi­nis­ti­sches Pro­blem ist, wird von den Aus­füh­run­gen Fer­gu­sons über­rascht:  „Lei­der sind Cal­vi­nis­ten und Armi­nia­ner (his­to­risch gese­hen, defor­mier­te Cal­vi­nis­ten in ihrer …

Das Gesetz und Evangelium recht zu unterscheiden, ist keines Menschen Kunst

Gefun­den in Luthers Tisch­re­den: 214. Das Gesetz und Evan­ge­li­um recht zu unter­schei­den, ist kei­nes Men­schen Kunst Kein Mensch lebt auf Erden, der das Evan­ge­li­um und Gesetz recht zu unter­schei­den weiß. Wir las­sen es uns wohl dün­ken, wenn wir pre­di­gen hören, wir ver­ste­hens; aber es fehlt weit, allein der hei­li­ge Geist kann die­se Kunst. Dem Men­schen Chris­tus hats auch gefehlt am Ölber­ge, so daß ihn ein Engel trös­ten muß­te; der war doch ein Dok­tor vom Him­mel, den­noch wur­de er durch den Engel gestärkt. Ich hät­te auch gemeint, ich könn­te es, weil ich so lan­ge und so so viel davon geschrie­ben habe; aber, wenn es ans Tref­fen geht, so sehe ich wohl, daß mirs weit, weit fehlt! So soll und muß allein Gott der hei­ligs­te Meis­ter sein. 212: Was Gesetz und Evan­ge­li­um sei Das Gesetz ist das, was wir tun sol­len; das Evan­ge­li­um aber han­delt von Gott, von dem, was Gott geben will. Das ers­te kön­nen wir nicht tun; das zwei­te kön­nen wir anneh­men, und zwar mit dem Glau­ben. Aber sie­he, wie die Men­schen sind: das ers­te, was sie nicht …

„Alle hoffen, dass der Teufel jenseits des Meeres ist und wir Gott in der Tasche haben“

Eigent­lich ist es eine logi­sche Schluss­fol­ge­rung von Luthers rigo­ro­ser Ver­tei­di­gung von sola fide und sola gra­tia, dass man den Sinn des Geset­zes völ­lig in Fra­ge stellt. So tat es auf jeden Fall auch Johan­nes Agri­co­la, ein luthe­ri­scher Theo­lo­ge, auf den Luther so vie­le Hoff­nun­gen setz­te, dass er ihn in sei­nem Heim in Wit­ten­berg ließ, und sich von ihm selbst für Pre­dig­ten und Vor­le­sun­gen ver­tre­ten ließ. Agri­co­la war nun der Ansicht, dass die Pre­digt des Geset­zes für Chris­ten unnö­tig ist, da man nun im neu­en Bund, näm­lich im Bund der Gna­de lebt. Ent­spre­chend gehö­ren „das Gesetz Got­tes bzw. die Zehn Gebo­te aus der Kir­che (…) ver­sto­ßen und in das Rat­haus (…)ver­wie­sen;“ Wie aber soll­te die Pre­digt des Evan­ge­li­ums ohne Gesetz mög­lich sein? „Lie­ber Gott, kann man es denn nicht ertra­gen, dass die hei­li­ge Kir­che sich als Sün­de­rin erkennt, die an die Ver­ge­bung der Sün­den glaubt und dazu im Vater­un­ser um die Ver­ge­bung der Sün­den bit­tet? Woher weiß man aber, was Sün­de ist, wenn es das Gesetz und das Gewis­sen nicht gibt? Und woher will man ler­nen, was Chris­tus ist, …

Hinweis: Gnade für dich

Ganz frisch auf deutsch ist ein kur­zes evan­ge­lis­ti­sches Büch­lein von John MacAr­thur auf­ge­legt wor­den: Gna­de für dich erklärt anhand der Geschich­te vom ver­lo­re­nen Sohn (Lk. 15,11−32) das Evan­ge­li­um. MacAr­thur gelingt es in Kür­ze auf­zu­zei­gen, wie unver­schämt Sün­de ist, ohne den Kon­text des Gesche­hens und der Situa­ti­on von Chris­tus zu ver­lie­ren: „Um das Gleich­nis jedoch rich­tig zu ver­ste­hen, müs­sen wir es mit den Augen eines Men­schen in der Kul­tur des Juden­tums des ers­ten Jahr­hun­derts sehen. In einem sol­chen Umfeld war die Idee, dass Gott reui­gen Sün­dern (ein­schließ­lich der schlimms­ten von ihnen) unein­ge­schränkt ent­ge­gen­kommt und ihnen ver­gibt, ein scho­ckie­ren­des und revo­lu­tio­nä­res Konzept.Kaum einer in die­ser Gesell­schaft konn­te sich Gott als einen sol­chen vor­stel­len, der Sei­ne Hand Sün­dern aus­streckt.“ „Ein sol­cher Aus­fall an Dreis­tig­keit hät­te in jener Kul­tur zumin­dest einen kräf­ti­gen Schlag über das Gesicht als nor­ma­le Reak­ti­on des Vaters bedeu­tet. Das wäre übli­cher­wei­se in aller Öffent­lich­keit gemacht wor­den, um den Sohn zu beschä­men, der sei­nem Vater eine sol­che Ver­ach­tung erwie­sen hat­te. Somit konn­te ein Sohn, der sich der Ent­eh­rung sei­nes Vaters in die­sem Schwe­re­grad schul­dig gemacht hatte, …