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Das Gesetz und Evangelium recht zu unterscheiden, ist keines Menschen Kunst

Gefunden in Luthers Tischreden:

214. Das Gesetz und Evangelium recht zu unterscheiden, ist keines Menschen Kunst

Kein Mensch lebt auf Erden, der das Evangelium und Gesetz recht zu unterscheiden weiß. Wir lassen es uns wohl dünken, wenn wir predigen hören, wir verstehens; aber es fehlt weit, allein der heilige Geist kann diese Kunst. Dem Menschen Christus hats auch gefehlt am Ölberge, so daß ihn ein Engel trösten mußte; der war doch ein Doktor vom Himmel, dennoch wurde er durch den Engel gestärkt. Ich hätte auch gemeint, ich könnte es, weil ich so lange und so so viel davon geschrieben habe; aber, wenn es ans Treffen geht, so sehe ich wohl, daß mirs weit, weit fehlt! So soll und muß allein Gott der heiligste Meister sein.

212: Was Gesetz und Evangelium sei

Das Gesetz ist das, was wir tun sollen; das Evangelium aber handelt von Gott, von dem, was Gott geben will. Das erste können wir nicht tun; das zweite können wir annehmen, und zwar mit dem Glauben. Aber siehe, wie die Menschen sind: das erste, was sie nicht tun können, wollen sie tun, und das zweite, was sie annehmen sollten, wollen sie nicht glauben usw.

215.

Diese zwei Lehren, Gesetz und Evangelium, sind hoch vonnöten, die muß man beieinander haben und wohl treiben, doch unterschiedlich und mit großer Bescheidenheit, sonst werden die Leute entweder vermessen oder verzweifeln, besonders wenn der Teufel aus dem Evangelium ein Gesetz macht. Darum beschreibt Mose diese beiden Lehren sehr fein und wohl durch einen oberen und unteren Mühlstein (5. Mose 24, 6). Der obere Stein poltert und stößt; dieser ist das Gesetz, aber er ist von Gott recht gehängt, daß er nur treibt. Der untere Stein aber ist still und ruht, das ist das Evangelium. Unser Herrgott hat den Oberstein fein gehängt, daß er nicht ganz zerreibe und zermalme, sondern hat an beide, an den oberen und an den unteren Stein, Gnade gehängt.

[Aus: Martin Luther: Der neue Glaube. Martin Luther: Gesammelte Werke, S. 6292-6296
(vgl. Luther-W Bd. 9, S. 98-99) (c) Vandenhoeck und Ruprecht
http://www.digitale-bibliothek.de/band63.htm ]

2 Kommentare

  1. Timotheus sagt

    Hallo Sergej,
    inwieweit kann Luther hier sagen, dass es Jesus (dem Mensch) hier auch gefehlt hat? Was meint er genau?
    Liebe Grüße
    Timotheus

  2. Sergej Pauli sagt

    Hallo Timotheus, entschuldige dass ich so lange gebraucht habe, deinen Kommentar freizugeben, wir waren im Urlaub.
    Insgesamt ist in Luthers Werk so wie ich das beobachte immer eine starke Betonung der Menschlichkeit Jesu zu finden. (und etwas was uns heute fehlt) Ich glaube trotzdem, dass er an dieser Stelle zu weit geht, so wie er das formuliert, da das nach einem Fehler Jesu klingt, womöglich meint er einfach, dass es im Sinne der menschlichen Beschränktheit nicht möglich ist, dies ohne göttliche Gabe exakt zu unterscheiden, und eben selbst der perfekte Mensch hier auf göttliche Eingebung angewiesen sei?

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