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Er hätte sagen sollen: ‹Siehst du jenes Kreuz? Dahin eile so schnell wie möglich!›
Aus „Bilder aus der Pilgerreise“

„Ich füh­le mich stets geneigt, Evan­ge­list für das Miss­be­ha­gen, das der arme Christ im Sump­fe­der Ver­zagt­heit lei­den muss­te, zu tadeln. So sehr ich John Bun­y­an auch schät­ze, hal­te ich ihn­doch nicht für unfehl­bar, und jüngst hör­te ich eine Geschich­te über ihn, die ich für eine sehr gute hal­te:
Da war in Edin­burg ein jun­ger Mann, der ger­ne Mis­sio­nar wer­den woll­te. Er war ein ver­stän­di­ger jun­ger Mann, daher über­leg­te er: «Wenn ich Mis­sio­nar wer­den will, ist es gar nicht nötig, dass man mich weit von hier fort­sen­de; ich kann ja in Edin­burg eben­so gut Mis­sio­nar sein.» Hier ist ein Wink für sol­che Schwes­tern, die in ihren Bezir­ken Trak­ta­te ver­brei­ten, aber ihrem eige­nen Dienst­mäd­chen kei­nen geben. Nun, die­ser jun­ge Mann woll­te sogleich mit dem Mis­sio­nie­ren begin­nen und mit der ers­ten Per­son spre­chen, die ihm begeg­ne­te. Die­se war eine alte Fisch-händ­le­rin. Wer die­se Art ein­mal ken­nen gelernt hat, ver­gisst sie sobald nicht wie­der; es sind ganz außer­or­dent­li­che Frau­en. Er trat auf sie zu und sag­te: «Lie­be Frau, Sie haben da eine gro­ße Last auf Ihrem Rücken zu tra­gen; ich möch­te Sie fra­gen, ob Sie auch eine ande­re, eine geist­li­che Last ken­nen gelernt haben.» – «Wie», ant­wor­te­te sie; «mei­nen Sie die Last, von der in Bun­yans ‹Pil­ger­rei­se› die Rede ist? Wenn Sie die mei­nen, so will ich Ihnen nur sagen, dass ich sie schon seit lan­ger Zeit los bin, wahr­schein­lich ehe Sie gebo­ren wur­den. Aber ich habe einen bes­se­ren Weg ein­ge­schla­gen als Bun­yans Pil­ger. Der Evan­ge­list, von dem Bun­y­an erzählt, war einer von euren Pas­to­ren, die nicht das Evan­ge­li­um ver­kün­di­gen, denn er sag­te: ‹Behal­te jenes Licht im Auge und lau­fe auf die enge Pfor­te zu!› Nun, jun­ger Mann, das war nicht der rech­te Ort, wohin er lau­fen muss­te. Er hät­te sagen sol­len: ‹Siehst du jenes Kreuz? Dahin eile so schnell wie mög­lich!› Aber statt des­sen schick­te er den armen Pil­ger erst nach der Pfor­te hin, und das hat ihm nicht son­der­lich genützt.» – «Aber sind Sie denn nicht durch einen Sumpf der Ver­zagt­heit gekom­men?» frag­te der jun­ge Mann. «Ja, aller­dings; aber es war viel leich­ter, ohne Last hin­durch­zu­kom­men, als mit einer schwe­ren Last auf dem Rücken.»

Die alte Frau hat­te ganz recht. John Bun­y­an schiebt die Befrei­ung von der Last am Anfang der Pil­ger­rei­se viel zu weit hin­aus. Wenn er den gewöhn­li­chen Lauf der Din­ge beschrei­ben woll­te, so war er ganz im Recht; wenn er aber zei­gen woll­te, wie es sein soll­te, war er im Unrecht. Wir dür­fen zu der suchen­den See­le nicht sagen: «Wenn du geret­tet sein willst, so eile hin zum Tauf­bas­sin, gehe zur Pfor­te, gehe zur Kir­che, oder tue dies und tue jenes.» Nein, dicht vor der Pfor­te soll­te das Kreuz ste­hen, und wir soll­ten zu den Sün­dern sagen: «Dort wirf dich nie­der und bli­cke hin­auf, so bist du geret­tet. Du kannst nicht erret­tet wer­den, bis du dei­ne Last am Fuße des Kreu­zes nie­der­legst und in Jesu Frie­den findest.»

Aus „Bil­der aus der PIl­ger­rei­se von C.H. Spur­ge­on“ (der Kom­plet­te Text fin­det sich hier)

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