Biblische Lehre
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Tipp: Der Große Katechismus

Eine Lehrschrift von Martin Luther

Das sind die nötigs­ten Stü­cke, die man zuerst Wort für Wort her­zu­sa­gen ler­nen muß. Und zwar soll man die Kin­der dar­an gewöh­nen, dass sie täg­lich, wenn sie mor­gens auf­ste­hen, wenn sie zu Tisch gehen und wenn sie sich abends schla­fen legen, es auf­sa­gen müs­sen, und man soll ihnen nicht zu essen und zu trin­ken geben, bis sie es her­ge­sagt haben. Auch ist jeder Haus­va­ter ver­pflich­tet, es in glei­cher Wei­se mit dem Gesin­de, Knech­ten und Mäg­den zu hal­ten: er soll sie nicht bei sich behal­ten, wenn sie es nicht kön­nen oder nicht ler­nen wol­len.

In typi­scher luthe­ri­scher Manier fängt der gro­ße Kate­chis­mus an. Die nötigs­ten Stü­cke sind dabei die zehn Gebo­te, das (apos­to­li­sche Glau­bens­be­kennt­nis) und das Vater Unser.  So ist auch der Gro­ße Kate­chis­mus nicht mehr und nicht weni­ger als die Erklä­rung die­ser „nötigs­ten Stü­cke“. Ich den­ke auch unse­re Zeit hät­te mehr Besin­nung auf „Kin­der­un­ter­richt“ oder Wahr­hei­ten, die jedes Kind wis­sen soll­te nötig. Wie oft sind wir uns in Fra­gen des Heils unsi­cher. Wie oft wer­den ethi­sche Fra­gen mit Glau­bens­ar­ti­keln ver­wech­selt. Wie oft fehlt uns auch die Kraft eine rech­te Bewer­tung zwi­schen Recht und Unrecht zu fäl­len. So schließt auch Luther sei­ne Bespre­chung der Zehn Gebo­te mit die­ser Anmer­kung ab:

So haben wir nun die Zehn Gebo­te, einen Aus­zug gött­li­cher Leh­re, was wir tun sol­len, daß unser gan­zes Leben Gott gefal­le, und den rech­ten Born und Kanal, aus und in wel­chem alles quel­len und gehen muß, was gute Wer­ke sein sol­len; so daß außer den Zehn Gebo­ten kein Werk noch Wesen gut und Gott gefäl­lig kann sein, es sei so groß und köst­lich vor der Welt, wie es wol­le. Laß nun sehen, was unse­re gro­ßen Hei­li­gen von ihren geist­li­chen Orden und gro­ßen, schwe­ren Wer­ken rüh­men kön­nen, die sie erdacht und auf­ge­wor­fen haben und die­se hier haben fah­ren las­sen, gera­de als wären die­se viel zu gering oder schon längst aus­ge­rich­tet. Ich mei­ne wenigs­tens, man soll­te hier alle Hän­de voll zu schaf­fen haben, daß man die­se­hiel­te: Sanft­mut, Geduld und Lie­be gegen Fein­de, Keusch­heit, Wohl­tat usw. und was sol­che Stü­cke mit sich brin­gen. Aber sol­che Wer­ke gel­ten und leuch­ten nicht vor der Welt Augen, denn sie sind nicht sel­ten und auf­ge­bla­sen, an beson­de­re eige­ne Zeit, Stät­te, Wei­se und Gebär­de gehef­tet, son­dern all­ge­mei­ne, täg­li­che Haus­wer­ke, die ein Nach­bar gegen den andern trei­ben kann, dar­um haben sie kein Anse­hen. Jene aber sper­ren (den Men­schen) Augen und Ohren auf, dazu hel­fen sie selbst mit gro­ßem Geprän­ge, Unkos­ten und herr­li­chem Bau­werk und schmü­cken sie her­vor, daß alles glei­ßen und leuch­ten muß. Da räu­chert man, da sin­get und klin­get man, da zün­det man Ker­zen und Lich­te an, daß man vor die­sen kei­ne ande­re hören noch sehen kön­ne. Denn daß da ein Pfaff in einem gol­de­nen Meß­ge­wand steht oder ein Laie den gan­zen Tag in der Kir­che auf den Kni­en liegt, das hei­ßet ein köst­lich Werk, das nie­mand genug loben kann. Aber daß ein armes Maid­lein eines jun­gen Kin­des war­tet und treu­lich tut, was ihr befoh­len ist, das muß nichts hei­ßen Was sol­len sonst Mön­che und Non­nen in ihren Klös­tern suchen?
[Mar­tin Luther: Der gro­ße Kate­chis­mus (1529). Mar­tin Luther: Gesam­mel­te Wer­ke, S. 1819
(vgl. Luther-W Bd. 3, S. 75 – 76) © Van­den­hoeck und Ruprecht
http://www.digitale-bibliothek.de/band63.htm ]

Prä­di­kat: Beson­ders Wert­voll!

3 Kommentare

  1. Hal­lo Ser­gej,

    kannst du ein Buch (oder meh­re­re emp­feh­len) in denen das Ver­ständ­nis Luthers über die Schrift deut­lich wird oder ana­ly­siert wird?

  2. Sergej Pauli sagt

    Hal­lo Kd,
    zu emp­feh­len wären dann die ein­zel­nen Vor­wor­te Luthers zu den Bibel­aus­ga­ben, z.b.
    das Vor­wort zum Alten TEs­ta­ment, oder die Vor­re­de zu den alten Psal­men. Fand ich bei­des hilf­reich. Im Unter­schied zu Cal­vin sah Luther z.B. in jedem Psalm einen mes­sia­ni­schen Psalm. In mei­nen Augen denkt Luther chris­to­zen­tri­scher. Viel­leicht ist auch das hilf­reich: https://jochenteuffel.files.wordpress.com/2015/05/luther-eine-unterrichtung-wie-sich-die-christen-in-mose-sollen-schicken-insel.pdf
    Es gibt eigtl. zu sehr vie­len Bibel­bü­chern Vor­re­den von Luther, ein­fach mal googeln.

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