Neueste Artikel

Tipp: 1 Die Nacht im Wald/2 Das gestohlene Geld

Reihe: Gott hat alle Kinder lieb

Der beson­ders für Kin­der­bü­cher bekann­te Samen­korn-Ver­lag hat mit den bei­den Hef­ten Die Nacht im Wald (1) und Das gestoh­le­ne Geld (2) eine neue Heft­rei­he begon­nen. In der Rei­he Gott hat alle Kin­der lieb geht es in jedem Heft um ein Kind aus einem ande­ren Land.

Die ers­ten bei­den Hef­te erzäh­len über die Län­der Ukrai­ner und Kenia und bestehen aus einem Sach­teil und einer Geschich­te. Im Sach­teil ler­nen die jun­gen Leser (ab 6) und Vor­le­ser das Land ken­nen. Wo es liegt, wel­che Tie­re und Pflan­zen vor­kom­men, wel­che Spra­chen gespro­chen wer­den und wel­che Volks­grup­pen dort leben. Typi­sches Essen und ein Rezept wer­den vor­ge­stellt und sogar Kin­der­spie­le. Auch Sit­ten, Tra­di­tio­nen und typi­sche Namen der Län­der feh­len nicht. Zuletzt erfah­ren die Kin­der von den größ­ten Pro­ble­men im Land und wor­an die Men­schen dort glau­ben.

Die zwei­te Hälf­te besteht aus einer span­nen­den Geschich­te über ein Mäd­chen oder einen Jun­gen aus dem betrach­te­ten Land und endet mit eini­gen kon­kre­ten Gebets­an­lie­gen zum Land. Die Hef­te sind mit Fotos und lie­be­vol­len Zeich­nun­gen gestal­tet und eig­nen sich sehr gut, um Kin­der aus einer christ­li­chen Per­spek­ti­ve mit den Län­dern der Welt ver­traut zu machen.

1 Die Nacht im Wald/2 Das gestoh­le­ne Geld, Rei­he Gott hat alle Kin­der lieb, 42 — 50 Sei­ten, Samen­korn, Stein­ha­gen

Tipp: Hiobs Botschaft

Ein hochwertiger Geschenk- & Leseband, Kommentar & Exkurs-Sammlung

Es haben sich bis­her nicht vie­le dar­an gewagt, einen Bibel­kom­men­tar in Form eines Bild­ban­des zu schrei­ben. Alex­an­der vom Stein ist vie­len schöp­fungs­in­ter­es­sier­ten Lesern als Autor von „Crea­tio“ und „Schöpfer:Hand:Werk“ bekannt und hat mit dem Buch „Hiobs Bot­schaft“ ein ein­ma­li­ges Werk ver­öf­fent­licht.

Es besteht im Wesent­li­chen aus drei gleich gro­ßen Tei­len und beginnt mit einem Über­blick über die wich­tigs­ten Schwer­punk­te und The­men des Buches Hiob: „Das ältes­te Buch der Bibel“, „Das Leid der Gerech­ten“ und „Was zeigt die Schöp­fung von Gott“ sind nur drei davon.

Im 2. Teil befasst der Autor sich mit den ent­schei­den­den letz­ten Kapi­teln 38 bis 41 und legt die­se aus. Im 3. Exkurs-Teil geht der Autor span­nen­den Fra­gen und The­men nach, die beim auf­merk­sa­men Lesen des Buches Hiob auf­tau­chen: „Wie groß ist Schöp­fung?“, „„Stein­zeit ist jeder­zeit““, „Gibt es eine „Höher­ent­wick­lung“?“. Hier wer­den „Aus­sa­gen des Buches Hiob mit der Ent­wick­lungs­ge­schich­te der Men­schen und dem Erkennt­nis­stand der moder­nen Wis­sen­schaft zusam­men­ge­bracht“.

Das Buch ist bebil­dert und lädt durch die vie­len Gra­fi­ken, Tabel­len und unge­wöhn­li­chen Fra­gen und Ant­wor­ten zum Schmö­kern ein.

„Hiobs Bot­schaft“ befasst sich nicht nur mit einem ganz beson­de­ren Bibel­buch, son­dern ist durch sei­nen Auf­bau ein ganz beson­de­rer Bibel­kom­men­tar, der für jeden Chris­ten eine Berei­che­rung sein kann. Das Buch ist im Dani­el-Ver­lag erschie­nen, hat 224 Sei­ten und kos­tet 16,95 EUR.

„Was in meinem Haus klassisches Latein ist, bestimme ich“

Friedrich Dürrenmatt in Drama und Roman

Dür­ren­matt ist ein Schrift­stel­ler, der es mir in der Schul­zeit beson­ders ange­tan hat. Der Roman „Der Rich­ter und sein Hen­ker“ und die Komö­di­en „Die Phy­si­ker“ und „Der Besuch der alten Dame“ waren Pflicht­lek­tü­re. Im Ver­gleich zu Schil­ler schnitt Dür­ren­matt bei uns Schü­lern deut­lich bes­ser ab. Ich war damals so ange­tan von Dür­ren­matt, dass ich fast sein voll­stän­di­ges Werk durch­ge­ar­bei­tet habe. Die­ses gibt es übri­gens für wenig Geld zu erwer­ben oder in so gut wie jeder Biblio­thek (selbst in der Biblio­thek unse­rer tech­ni­schen Hoch­schu­le fand man die­se). Den­noch schlich sich mir mehr­fach der Ver­dacht auf, dass man gezielt die „kon­ser­va­ti­ve­ren“ Wer­ke Dür­ren­matts nicht in die Schul­lek­tü­re auf­nahm, wie die­ser kur­ze Über­blick zei­gen soll:

Prosa:

  • „Der Rich­ter und sein Hen­ker„ ‘ erzählt die Geschich­te von Kri­mi­nal­kom­mis­sar Bär­lach, der einen bis­her stän­dig davon gekom­me­nen Ver­bre­cher nicht anders zur Stre­cke brin­gen kann, als durch eine kom­pli­ziert Intri­ge. Gerech­tig­keit scheint sich auf lega­lem Wege nicht durch­set­zen zu kön­nen
  • Was vie­le nicht wis­sen ist, dass Komis­sar Bär­lach einen wei­te­ren Fall löst. (Ich hät­te es mir gewünscht, dass die Leh­rer­schaft wenigs­tens mit einem Satz dar­auf auf­merk­sam gemacht hät­te). In „Der Ver­dacht“ geht es um die Ent­lar­vung eines KZ-Arz­tes. Sicher­lich weni­ger tief­sin­nig als der ers­te Teil, dafür näher an der Rea­li­tät (zumin­dest der Nach­kriegs­zeit).
  • The­ma­tisch reiht sich der Roman „Das Ver­spre­chen“ an. Sehr sen­si­bel bespricht Dür­ren­matt das The­ma des Kin­des­miss­brauchs. Auch hier kommt ein Komis­sar nur „falsch ermit­telnd“ zum „rich­ti­gen Ergeb­nis“. An der sehr sehens­wer­ten Ver­fil­mung „Es geschah am hell­lich­ten Tage“ war Dür­ren­matt eben­falls betei­ligt.
  • Ich den­ke, in „Die Pan­ne“ wird Schuld uns Süh­ne, Ver­bre­chen und Stra­fe am tief­grün­digs­ten bespro­chen. Ein all­zu durch­schnitt­li­cher Ver­tre­ter kommt vor ein Gal­gen­ge­richt. Bereits auf den ers­ten Sei­ten erahnt man das tra­gi­sche Ende
  • In den spä­te­ren Jah­ren wird Dür­ren­matts Werk bizar­rer, was „Im Auf­trag oder Vom Beob­ach­ten des Beob­ach­ters der Beob­ach­ter“ beweist. 24 Kapi­tel: Jedes nur einen Spa­get­ti-Satz lang.
  • Schließ­lich muss noch das „Durch­ein­an­der­tal“ erwähnt wer­den. Vie­le Strän­ge füh­ren in ein klei­nes Schwei­zer Dorf. Doch die Idyl­le täuscht. Ein rie­si­ges Hotel benutzt der schmie­ri­ge Pre­di­ger „Moses Mel­ker“ (welch Iro­nie) dazu, den Rei­chen die­ser Welt die Armut zu zei­gen. Im Win­ter jedoch dient das Hotel als Ver­steck für ein Ver­bre­cher­syn­di­kat. Als ein 14jähriges Mäd­chen ver­ge­wal­tigt wird, sucht man nicht das Nahe lie­gen­de, son­dern ver­mu­tet lie­ber eine sowje­ti­sche Inva­si­on. So viel Cha­os kann natür­lich nur in einer schlimmst mög­li­chen Wen­dung enden.

Wei­ter­le­sen

Ein aufrichtiger Zweifler

Eine Predigt von Fritz Binde

Bei der Glau­bens­stim­me fand ich die­se Pre­digt Fritz Bin­des zu Joh 1,43−51, der ers­ten Begeg­nung Jesu mit sei­nen spä­te­ren Jün­gern Phil­ip­pus und Natha­na­el.

Mit der Über­schrift hat Bin­de bereits sein Anlie­gen die­ser Pre­digt umris­sen: Die Wand­lung des Natha­na­el vom Zwei­fel zum Glau­ben. Bin­de arbei­tet gut den inne­ren Kon­flikt Natha­na­els her­aus, der ja durch­aus auf „Argu­men­ten“ baut:

Sei­ne Zwei­fel sind ihm nie wert­vol­ler Besitz, des­sen er sich freut und rühmt. Nim­mer­mehr schei­nen sie ihm Ziel sei­nes Den­kens und Suchens, son­dern immer nur bedau­er­li­ches Hin­der­nis auf dem Wege (Kind­le Posi­ti­on 69)

Nein, nein, der auf­rich­ti­ge Zweif­ler zwei­felt nicht, um zu zwei­feln! Es geht ihm nicht um sei­ne Zwei­fel, son­dern um die zu fin­den­de Wahr­heit! (87)

Und kühl ant­wor­tet der auf­rich­ti­ge Zweif­ler Natha­na­el: „Was kann von Naza­reth Gutes kom­men?“ Mag sein, daß Natha­na­el damit sagen woll­te: „Was kann aus solch einem ver­bor­ge­nen, klei­nen Nest kom­men?“ Siche­rer aber ist, daß er kühl in Schrift­nüch­tern­heit mein­te: „Naza­reth besitzt kei­ne Ver­hei­ßung, uns den Mes­si­as zu brin­gen!“ Die­ser Ein­wand war völ­lig berech­tigt, die­ser Zwei­fel biblisch begrün­det. Naza­reth wird im Alten Tes­ta­ment nicht ein­mal dem Namen nach erwähnt, wie viel weni­ger als Geburts- oder Hei­mats­ort des Mes­si­as genannt. Natha­na­el hat­te also vol­len bibli­schen Grund, einen Jesus, Sohn Josephs von Naza­reth, als angeb­lich gefun­de­nen Mes­si­as abzu­leh­nen. (89)

Frei­mü­tig und doch irrig hat­te Phil­ip­pus von Jesus gezeugt, und frei­mü­tig und doch irrend hat­te Natha­na­el die Kun­de von Jesus bezwei­felt. (104) Wei­ter­le­sen

Der scharlachrote Buchstabe

Der amerikanische Epos zur Schuldfrage

In der Zeit der Grün­der­vä­ter wird die Ehe­bre­che­rin Hes­ter Pryn­ne dazu ver­ur­teilt inmit­ten von Puri­ta­nern sich ein rotes A (wahr­schein­lich für Adul­te­ry o.Ä = Ehe­bruch ) auf die Brust zu nähen. Bei der Ver­ur­tei­lung mur­meln eini­ge älte­re Damen auch was von Todes­stra­fe, wäh­rend der blei­che Pfar­rer Arthur Dim­mes­da­le den Ver­hör lei­tet. Hes­ter ver­wei­gert es, den Namen des betei­lig­ten Parts zu nen­nen, doch dem Leser wird schon bald klar, dass es nie­mand ande­res ist, als der Pfar­rer selbst, der hier eine Schuld ver­schweigt. Auch eine kla­re­re Pre­digt über sei­ne Sün­de als eine Art anony­me Beich­te führt zu kei­ner Gewis­sens­er­leich­te­rung. Bald kehrt der bis dahin als ver­schol­len gegol­te­ne Ehe­mann Hes­ter Pryn­nes, ein Arzt zurück und erkennt schon bald im Pfar­rer den Ehe­bre­cher. Das nützt er genüss­lich aus, um mit vie­len Tricks den Pfar­rer in den nahen Wahn­sinn zu trei­ben. Schließ­lich aber in der größ­ten See­len­not ringt sich Dim­mes­da­le zu einem öffent­li­chen Bekennt­nis durch und bekennt sei­ne Schuld, wor­auf er end­lich in Ruhe ster­ben kann. Roger Chil­ling­worth, der Ehe­mann Hes­ters hat nun kei­nen Lebens­zweck mehr und stirbt nach einem Jahr.

Die­se Erzäh­lung von Natha­ni­el Haw­thor­ne hat mich schon immer fas­zi­niert! Nun bin ich aber zudem auf ein Werk von Leland Ryken gesto­ßen, mit wel­chem er Klas­si­ker nach Pfar­rern und Pas­to­ren durch­sucht und ana­ly­siert, natür­lich ging er nicht an die­sem Meis­ter­werk Haw­thor­nes vor­bei. Er weißt dar­auf hin, dass der Autor zwei Welt­bil­der auf­ein­an­der pral­len lässt, die roman­ti­sche und die christ­li­che! Zunächst pro­fi­tiert Hes­ter Pryn­ne deut­lich in ihrer Gunst, doch das Fina­le zeigt, dass es bes­ser ist, Sün­de auf­zu­de­cken und zu beken­nen. Hät­te ich doch die­se Hin­wei­se Rykens bereits beim Lesen des Buches gehabt.

(Sät­ze in Fett auch auf deutsch)

Sünde aufdecken oder zudecken?

„The initi­al sins of adul­te­ry and cover-up are what set the ent­i­re steam­rol­ler of evil into moti­on. In kee­ping with Hawthorne’s stra­te­gy of set­ting the roman­tic and Chris­ti­an world­views in com­pe­ti­ti­on, throughout the first half of the sto­ry Hes­ter is a sym­pa­the­tic foil (con­trast) to the minister’s weak­ness. As bad as the sins of sexu­al indul­gence, moral cowar­di­ce, and aban­don­ment of a per­se­cu­t­ed woman are, as the sto­ry unfolds, hypo­cri­sy emer­ges as Rev. Dimmesdale’s most inten­se­ly felt sin. As the preacher makes vei­led hints of his sexu­al sin in his ser­mons, his parishio­ners idea­li­ze him even more for what seems to be extre­me pie­ty. In a sum­ma­ry state­ment, we read, “It is incon­ceiva­ble, the ago­ny with which this public venera­ti­on tor­tu­red him” (chap. 6). The con­trast bet­ween Hes­ter and Dim­mes­da­le is pri­ma­ri­ly the con­trast bet­ween con­fes­sed sin and con­cea­led sin, and the main­spring of the book is the fact and effec­ts of hid­den sin in a minis­ter who appears to be an exem­pla­ry Chris­ti­an.“

Der Unter­schied zwi­schen Hes­ter und Dim­mes­da­le ist vor allem der Unter­schied zwi­schen bekann­ter und ver­bor­ge­ner Sün­de, und der Antrieb des Buches ist die Tat­sa­che und die Wir­kung der ver­bor­ge­nen Sün­de in einem Minis­ter, der als vor­bild­li­cher Christ erscheint.

Sünde wirkt süß, ist aber tödlich

„The subt­le evil influ­ence in the minister’s life is Hes­ter. In the midd­le of the book, when Hes­ter and Dim­mes­da­le meet in the forest, Hes­ter pro­po­ses that she and Dim­mes­da­le run away from the vil­la­ge that torments them. This is the ent­hro­ne­ment of roman­tic impul­se, choo­sing escape from socie­ty rather than con­fes­si­on of sin to God. For all her affec­tio­n­a­te loyal­ty to Dim­mes­da­le, Hester’s pro­po­sal rep­res­ents a temptati­on to aban­don moral duty and God. The nar­ra­tor edi­to­ria­li­zes this ang­le when he asserts, “Temp­ted by a dream of hap­pi­ness,” Dim­mes­da­le “had yiel­ded him­s­elf with deli­be­ra­te choice . . . to what he knew was dead­ly sin. And the infec­tious poi­son of that sin had been thus rapidly dif­fu­sed throughout his moral sys­tem” (chap. 20). On the ver­ge of recei­ving God’s for­gi­veness, Dim­mes­da­le asks Hes­ter, “Is not this bet­ter than what we drea­med of in the forest?” (chap. 23). And Hes­ter, roman­tic spo­kes­per­son to the last, replies, “I know not.”“

Der Erzäh­ler edi­tiert die­sen Blick­win­kel, als er deut­lich macht, „Dim­mes­da­le ist von einem Traum des Glücks in Ver­su­chung geführt“ und habe sich mit einer bewuss­ten Ent­schei­dung  für das ent­schie­den… von dem er wuss­te, dass es tod­brin­gen­de Sün­de ist. Und das anste­cken­de Gift die­ser Sün­de hat­te sich so schnell in sei­nem gesam­ten mora­li­schen Sys­tem ver­brei­tet.

Satan verführt um zu verklagen

„Roger Chil­ling­worth, Hester’s hus­band who lives with Dim­mes­da­le and osten­si­b­ly ser­ves as his doc­tor, rather quick­ly comes to the con­clu­si­on that Dim­mes­da­le was the sexu­al part­ner of his wife. The­r­eu­pon Chil­ling­worth sys­te­ma­ti­cal­ly fans the fla­mes of Dimmesdale’s guil­ty con­sci­ence. In the cli­mac­tic con­fes­si­on sce­ne, as Dim­mes­da­le recei­ves God’s for­gi­veness, Chil­ling­worth repeated­ly mut­ters, “Thou hast escaped me.” In the last chap­ter of the book, we learn that once Chillingworth’s oppor­tu­ni­ty for reven­ge was taken from him, he died wit­hin a year, depri­ved of his rea­son for living.“

Chil­ling­worth mur­melt stän­dig: „Du bist mir ent­kom­men.“ Im letz­ten Kapi­tel des Buches erfah­ren wir, dass Chil­ling­worth, nach­dem ihm die Gele­gen­heit zur Rache genom­men wor­den war, sei­nes Lebens­grun­des beraubt, nach einem Jahr ver­starb.

Übri­gens: der von Haw­thor­ne beschrie­be­ne Brauch mit dem schar­lach­ro­ten Buch­sta­ben hat kei­ne his­to­ri­sche Grund­la­ge. Ober­fläch­lich betrach­tet wirkt, das Werk wie eine Abrech­nung mit dem Puri­ta­nis­mus, Ryken deckt die tie­fe­re Bot­schaft auf. Ob das auch den heu­ti­gen moder­nen Lesern gelingt?

Ein kleines Jubiläum…

Etwas ver­spä­tet, aber bes­ser als nie:Ein Arti­kel zu einem mehr­fa­chen Jubi­lä­um mei­ner­seits für NIMM-LIES (7 Jah­re, 30-er Geburts­tag & 200-er Arti­kel). Ich möch­te der Fra­ge nach­ge­hen, wie mei­ne Bezie­hung zur (christ­li­chen) Lite­ra­tur ist.

Ausgangslage

Zunächst die Fra­ge: War­um lese ich? In den letz­ten Jah­ren, bin ich von einem rein prag­ma­ti­schen Lesen — Gott sei Dank- immer mehr, wenn auch nicht voll­stän­dig abge­kom­men. Damit mei­ne ich, dass man ein Buch nur ließt, weil gera­de eine The­men­vor­be­rei­tung für eine Bibel­stun­de ansteht, oder man Illus­tra­tio­nen für eine Pre­digt sucht. Immer mehr wird es zu mei­ner Moti­va­ti­on, den bibli­schen Text, oder sogar viel­mehr das Wesen und das Han­deln Got­tes bes­ser zu ver­ste­hen. Und es gibt hier vie­les, was mich irri­tiert, wo mich die Bibel voll­stän­dig über­for­dert, ja scho­ckiert, vie­les scheint super ver­wir­rend zu sein. Ich habe mich per­sön­lich auch bei zu vie­len ille­gi­ti­men Ver­kür­zun­gen im Zugang zum Wort Got­tes erwischt! Das Mot­to „die kon­ser­va­tivst-mög­lichs­te Aus­le­gung wird schon die ech­te sein“ ist ein­fach nicht aus­rei­chend und wird der Bibel nicht gerecht. Somit ergibt sich für mich auch die Lite­ra­tur­wahl: His­to­ri­sches Mate­ri­al, um das Ver­ständ­nis von 2000 Jah­ren Hei­li­gen­ge­schich­te auf­zu­neh­men, wird ergänzt durch Bibel­kun­de, Kom­men­ta­ren und auch sys­te­ma­ti­scher Theo­lo­gie. Was nicht sagen soll, dass ich nicht immer noch ger­ne mal zu einem Klas­si­ker säku­la­rer Lite­ra­tur grei­fe.

Entwicklung

Nur um ein Bei­spiel des­sen zu geben, was mich aktu­ell beschäf­tigt. Immer wie­der fällt es mir schwer das AT zum NT zusam­men­zu­brin­gen. War­um z.B. ist so wenig über das Ewi­ge Leben (und auch die Ewi­ge Ver­damm­nis) im AT zu fin­den. Hier fin­det ja ein schon kras­ser Umbruch im The­ma statt zwi­schen den bei­den Tei­len der Bibel. Auch in Fra­gen der Drei­ei­nig­keit und ihrer Offen­ba­rung im AT habe ich Ver­ständ­nis­pro­ble­me. Nun gibt es hier kei­ne ein­fa­che Abkür­zung. Man wird die Ant­wort nicht durch eine hal­be Stun­de Kon­kor­danz­blät­tern oder Bibel­soft­ware fin­den. Hier ist oft­mals guter Rat teu­er! Mit der Zeit schätzt man immer mehr die Lite­ra­tur­hin­wei­se in Büchern und refe­ren­ziert immer wei­te­re Krei­se um zu einer wirk­lich soli­den Ant­wort vor­zu­drin­gen. Vor allem aber ist man dank­bar für Men­schen, die mit einem guten Wink zur Sei­te ste­hen. Sol­che sind aber wirk­lich schwer auf­zu­fin­den, ich wür­de aktu­ell nur 4 Brü­der nen­nen kön­nen, auf deren Lite­ra­tur­hin­weis ich wirk­lich hören wür­de.

Folgen

Es ist zwar schwie­rig gewe­sen zu guten Ant­wor­ten vor­zu­drin­gen, aber nicht unmög­lich und oft­mals ging es leich­ter als ich dach­te. Ich weiß noch wel­cher Stein mir vom Her­zen fiel, als mir klar war, dass ich einen viel zu unbi­bli­schen Dua­lis­mus im Bezug auf den Men­schen ver­tre­te. Kaum war die­ses Hin­der­nis besei­tigt, wur­den aus vie­len Ver­sen, die ich bis­her als Ankla­ge sah, eine Ver­hei­ßung. Römer 8,1, ein Vers der mich bis­her zu tiefst anklag­te, — wann wan­del­te ich schließ­lich wirk­lich völ­lig nur geist­lich und nicht see­lisch — wur­de zu einer der kost­bars­ten Per­len im Trost­schatz der Bibel für mich!

Über­haupt ist die Ent­wick­lung vor allem eine eini­gen­de. Ich habe mich zu oft dabei erwischt, dass ich Gren­zen und Tren­nun­gen dort ansetz­te, wo kei­ne nötig waren, z.B. auch im Bezug des AT und NT zuein­an­der. Als die­se näher zusam­men­wuch­sen (in mei­nem Geis­te), wur­den vie­le dunk­le Stel­len viel kla­rer. Auch die Beschäf­ti­gung mit der Drei­ei­nig­keit, oder der völ­li­gen Mensch­heit und Gott­heit Jesu, brach­te an vie­len Stel­len Licht.

Kosten

Neben die­sen köst­li­chen Seg­nun­gen gilt es die Kos­ten zu über­schla­gen, und die­se sind zumin­dest für mich teu­er genug. Schon als Kind wur­de man als Bücher­wurm belä­chelt, heu­te ist es aber viel­mehr völ­li­ge Ver­ach­tung. Selbst die nächs­ten Ver­wand­ten schre­cken bereits vor dem Bücher­re­gal zurück, im Bes­ten Fall wird es als unnö­ti­ge Inves­ti­ti­on gewer­tet, im schlimms­ten Fall steht man immer ein biss­chen unter „Ket­zer­ver­dacht“. Im All­ge­mein gilt, dass eigent­lich in der Bibel alles klar sei, man ja nur die Auf­ga­be hät­te, das was man müss­te in die Tat umzu­set­zen, und unse­re „prak­ti­sche“ Zeit sowie­so kei­ne Theo­re­ti­ker braucht. Kurz: Wie man Bücher lesen kann, ohne als ein voll­stän­di­ger Idi­ot zu gel­ten, ist mir völ­lig unklar. Aber am Trau­rigs­ten ist eigent­lich vor allem, dass man kaum einen fin­det, mit dem man mal über das gele­se­ne reden und nach­den­ken kann. Der Prag­ma­tis­mus vor allem kon­ser­va­ti­ver Evan­ge­li­ka­ler belas­tet mich hier schon oft sehr. Ins­ge­samt ist es aber ein Preis, denn es sich zu zah­len lohnt. Neben die­sen äuße­ren Pro­ble­men liegt noch die inne­re Span­nung der Prio­ri­tä­ten (Fami­lie, Gemein­de, Nächs­ten­lie­be) vor. Hier ist Weis­heit nötig, die mir oft man­gelt. Neben die­sen Kos­ten gilt es natür­lich auch Zeit zu fin­den, was aber durch­aus posi­ti­ve Fol­gen hat, denn ich den­ke es ist es wert auf die ein oder ande­re Fete, auf den ein oder ande­ren Film oder eine ande­re Frei­zeit­be­schäf­ti­gung um eines Buches wil­len zu ver­zich­ten.

Gefahren

Ich erken­ne in mir die Gefahr, mich über die Gleich­gül­tig­keit ande­rer oft­mals in unnö­ti­gen Maße auf­zu­re­gen. Eine Lösung dafür habe ich noch nicht gefun­den.

Viel schlim­mer ist jedoch die Gefahr des Rela­ti­vis­mus. Man könn­te geneigt sein, dass Autor A die Posi­ti­on X ja ganz gut dar­stell­te, wäh­rend B die Posi­ti­on X völ­lig ent­ge­gen­ge­setzt schil­der­te, aber auch mit guten Argu­men­ten. Die Wahr­heit sei ent­spre­chend ent­we­der gar nicht oder irgend­wo in einer mys­ti­schen Mit­te, die aber nie zu tref­fen sei, zu fin­den. Dabei bin ich mir nicht sicher, ob der Scha­den hier vom vie­len Bücher­ma­chen her­rührt, oder von einer all­ge­mein sehr gleich­gül­ti­gen und oppor­tu­nis­ti­schen Hal­tung gegen­über Wahr­heit her­rührt.

Hier sehe ich auch den Anschluss­punkt zu mei­nem Aus­gangs­punkt. Jesus ist die Wahr­heit! Natür­lich wer­de ich Jesus nie ganz erfas­sen, und doch kann ich mehr von ihm ler­nen. Dabei wer­de ich und muss ich mich kor­ri­gie­ren las­sen, den ein wei­ter Blick zeigt mir eine neue Facet­te ein neu­es Detail die­ser Wahr­heit. Die alten Bekennt­nis­se haben die­ses Krei­sen um die Wahr­heit in Chris­tus immer wie­der wun­der­bar auf den Punkt gebracht.

Hier sehe ich auch mei­ne Mis­si­on in der Mit­ar­beit für NIMM-LIES: Auf Chris­tus hin­wei­sen, mei­ne Neu­ent­de­ckun­gen in sei­nem Wesen, sei­nem Han­deln, sei­nen Ämtern und sei­nem Rat­schluss hin­zu­wei­sen.

Einschätzung und Appell

Wenn ich auf mei­ne 200 Arti­kel zurück bli­cke, dann bin ich eher scho­ckiert davon, dass mir wirk­lich gute Rezen­sio­nen eher sel­ten gelan­gen. Ich hal­te mich für kei­nen guten Rezen­sen­ten, aber ich habe die Arbeit gemacht. Das sehe ich als Appell an unse­re Leser! Unter­stützt uns, schickt uns eure Rezen­sio­nen! Schreibt sel­ber wel­che bei Ama­zon! Je mehr gutes Mate­ri­al im Web, des­to bes­ser. Per­sön­lich aber pro­fi­tier­te ich sehr. Schrei­ben ist unglaub­lich för­der­lich. Gedan­ken auf Papier zu brin­gen, her­aus­for­dernd. Es erhöht die Selbst­kri­tik und den Blick auf die Sachen und hat schließ­lich den posi­ti­ven Effekt eines abschlie­ßen­den Buch­re­views.

 

 

 

 

 

 

Rahda-Station

Wertvoller Blog von wertvollen Botschaftern Christi!

Bildergebnis für albanien tirana

„Seit Okto­ber 2013 leben wir mit unsern drei Kin­dern in einer klei­nen Stadt im Nor­den von Alba­ni­en. Wir lei­ten ein Team, das sich zum Ziel gesetzt hat, in die­ser Stadt Gemein­de Jesu zu grün­den.  Was uns antreibt ist das, was Jesus sei­nen Jün­gern als Auf­trag hin­ter­las­sen hat:

 „Mir ist gege­ben alle Macht im Him­mel und auf der Erde. Dar­um geht zu allen Völ­kern und macht die Men­schen zu mei­nen Jün­gern.“ (Mat­thä­us 28,18−19)

Die­ser Auf­for­de­rung sind wir gefolgt, als wir uns auf den Weg gemacht haben. Und jeden Tag wol­len wir die­sen Auf­trag neu ins Auge fas­sen.

Neben die­sem über­ra­gen­den Anlie­gen, Gemein­de zu grün­den und Jün­ger zu machen, wol­len wir als Team den Men­schen natür­lich auch prak­tisch hel­fen.“ — Rahel und Dan­ny von Rah­da-Sta­ti­on

Das ist doch mal eine schö­ne Web­sei­te! Aber das Mate­ri­al hat mir viel mehr gefal­len. Wo fin­det sich sonst noch eine Web­sei­te, wel­che die mis­sio­na­ri­sche Arbeit einer Fami­lie, möch­te sagen Groß­fa­mi­lie, in Alba­ni­en schil­dert.

Da fin­den sich zunächst zahl­rei­che Pre­dig­ten von Dan­ny. Was hier beein­druckt ist der Wunsch am bibli­schen Text ent­lang zu pre­di­gen. Zudem schrei­ben in die­sem Blog bei­de im regel­mä­ßi­gem Abstand. Rahel bezeugt von sich selbst: „Ich bin ger­ne Mama. Den­noch hat mich bis­her auch nichts so sehr her­aus­ge­for­dert, wie die­se Tat­sa­che. Ich bin ger­ne Mama, nicht nur, weil ich mei­ne Kin­der über alles lie­be, son­dern auch, weil mich die­se täg­li­che Her­aus­for­de­rung näher zu Jesus bringt! Auch ist das Leben in einer frem­den Kul­tur nicht immer leicht und manch­mal feh­len mir mei­ne Fami­lie und mei­ne Freun­din­nen.“ Dabei lei­det Dan­ny an MS! Den­noch wagt die Fami­lie muti­ge Glau­bens­schrit­te. Das ist eine gro­ße Ermu­ti­gung auch für uns als Fami­lie, die wir auch das vier­te Kind erwar­ten. Wir leben zwar in einer christ­li­chen Sub­kul­tur, in der man nach außen hin „Ja zu Kin­dern“ sagt, aber die­se Offen­heit für eine Groß­fa­mi­lie vom eis­kal­ten Nomi­na­lis­mus geprägt ist. Lesens­wert ist auch die regel­mä­ßi­ge Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Islam, ein The­ma, das für uns in Deutsch­land nur an Bedeu­tung zuneh­men wird.

Vie­len Dank Dan­ny und Rahel, dass ihr Ein­blick in eure Arbeit und in eure Nach­fol­ge Chris­ti gewährt!

Eini­ge lesens­wer­te Arti­kel:

Calvins Urteile über Luther

Eine Ausarbeitung von Dr. Adolf Zahn

„Luther schreibt irgend­wo selbst über sich so: ob ich woll­te oder nicht woll­te, es zwan­gen mich mei­ne Fein­de, täg­lich wei­ser zu wer­den. Sehr wahr sagt er das. Wie ein Stein so haben sie sei­nen Geist geschärft. Noch ver­sun­ken in jenen tie­fen Fins­ter­nis­sen, von wel­chen fast der gan­ze Erd­kreis ver­schlun­gen war, als er einen Fun­ken aus enger Rit­ze her­vor­glän­zen sah, wag­te er es, ihm zu nahen.“ (Cal­vin an Pig­hi­us, S.5))

Neben all dem sorg­fäl­tig auf­be­rei­te­ten Mate­ri­al, dass Licht und Recht lie­fert, fin­det sich auch eine Aus­ar­bei­tung über Cal­vins Aus­sa­gen und Stel­lung­nah­men über Luther von Dr. A. Zahn. Aus die­sem Werk habe ich auch erfah­ren, dass Cal­vin tat­säch­lich einen Brief an Luther rich­te­te, mit der Bit­te fran­zö­si­cher Pfar­rer, bei einer Gewis­sens­ent­schei­dung zu ver­mit­teln. Immer wie­der über­rascht die hohe Ehr­er­bie­tung die Cal­vin gegen­über Luther bringt. Lei­der hat Luther jedoch die­sen Brief nie erhal­ten, da Cal­vin einen wei­te­ren an Melan­ch­ton mit der Bit­te rich­te­te, er möge ent­schei­den ob Luther gera­de für den Brief emp­fäng­lich sei. Wie zu erwar­ten, han­del­te Melan­ch­ton vor­sich­tig.

Über­schwäng­li­che „Luther­fans“ mein­ten „Luther „wäre der letz­te Eli­as, von dem Maleachi geweis­sagt habe, mit wel­cher Lüge man eben­so den Namen Luthers befleckt, wie die Ägyp­ter den Leich­nam und das Grab des Jere­mi­as durch ihre Anbe­tung. Gott kön­ne noch einen vor­treff­li­che­ren als Luther oder doch einen ihm glei­chen erwe­cken. Got­tes Schät­ze sei­en nicht in einer Per­son erschöpft, daß nicht ein Ähn­li­cher aus sei­nem uner­meß­li­chen und unbe­greif­li­chen Quell her­vor­ge­hen kön­ne.“ (S. 9)

Ins­ge­samt eine sehr aus­ge­wo­ge­ne und wohl­ge­son­ne­ne Sicht auf den Refor­ma­tor, selbst mit­ten im wüs­ten Abend­mahl­streit schreibt Cal­vin an Bul­lin­ger:

Ich wün­sche aber, daß Fol­gen­des Euch recht ein­leuch­te: Erst­lich, was Luther für ein gro­ßer Mann ist; wel­che außer­or­dent­li­che Gaben ihn aus­zeich­nen, und mit wel­cher See­len­kraft und Beharr­lich­keit, mit wel­cher Geschick­lich­keit er bis auf die­sen Tag durch sei­ne Leh­re so glück­lich gekämpft hat, um das Reich des Anti­christs zu stür­zen, und zugleich be-müht gewe­sen ist, die Leh­re des Heils zu ver­brei­ten. Ich habe schon oft gesagt, daß, wenn er mich auch einen Teu­fel schel­ten soll­te, ich ihn doch immer ehren­voll als einen außer­or­dent­li­chen Die­ner Got­tes aner­ken­nen wür­de, der frei­lich, so wie er mit außer­or­dent­li­chen Tugen­den begabt ist, auch gro­ße Feh­ler an sich trägt. (S. 13)

Ein klei­nes Werk, wel­ches ich ger­ne las und ein guter Bau­stein im Bereich Refor­ma­ti­ons­ge­schich­te ist. Kos­ten­frei und her­vor­ra­gend auf­ge­ar­bei­tet bei Licht und Recht. Eine gute Zusam­men­fas­sung der Bezie­hung Cal­vins über Luther lie­fert Han­ni­el Stre­bel.

Ver­glei­che auch die Brie­fe Mar­tin Luthers.

Alle meine Lieben – und mein „Liebstes“

Meine Bibelsoftware-Geschichte

Ein Gast­ar­ti­kel von Peter Eng­ler

Eigent­lich kom­me ich mehr von der ana­lo­gen Schie­ne her. Das gedruck­te Wort und der bestän­di­ge Umgang mit ihm sind mir sehr wich­tig. Den­noch habe ich Bibel­stu­di­um durch die Jah­re hin­durch auch digi­tal betrie­ben. Und ich habe die Logos Bible Soft­ware gekauft, um mei­ne digi­ta­len Bibel­stu­di­en zu ver­ein­heit­li­chen.

Aber ich stel­le fest: Sie sind immer noch da – die ande­ren Bibel­pro­gram­me, die sich im Lauf der Jah­re auf mei­ner Fest­plat­te ange­sam­melt haben. Eini­ge davon woll­te ich end­lich los­wer­den und löschen – konn­te mich  aber – aus Nost­al­gie- und ande­ren Grün­den – doch noch nicht so recht dazu durch­rin­gen.

Doch was unter­schei­det die­se Pro­gram­me von Logos? Und war­um kann ich pro­blem­los zuge­ben, dass Logos mit wei­tem Abstand vor allen die­sen Pro­gram­men liegt? Dazu hier etwas mehr. Doch der Rei­he nach – dabei das Neu­es­te zuerst: Wei­ter­le­sen

„Lerne Christus, und zwar den Gekreuzigten“

Einblicke in Luthers Briefe

Zahl­reich sind die Brie­fe Luthers, die zu einem beacht­li­chen Teil auch noch erhal­ten sind. Hier eini­ge Kost­pro­ben.

  • 8 April 1516 an Georg Spen­lein. Ein Trost­brief an einen Bru­der:

Daher, mein lie­ber Bru­der, ler­ne Chris­tus, und zwar den gekreu­zig­ten, ler­ne ihm zu sin­gen und an Dir selbst ver­zwei­felnd zu ihm zu spre­chen: Du, Herr Jesus, bist mei­ne Gerech­tig­keit, ich aber bin dei­ne­Sün­de; du hast das Mei­ne auf dich genom­men und mir das Dei­ne gege­ben; du hast ange­nom­men, was du nicht warst, und mir gege­ben, was ich nicht war. Hüte Dich, daß Du nie­mals nach einer so gro­ßen Rein­heit trach­test, daß Du Dir nicht als Sün­der erschei­nen oder gar kein Sün­der sein willst. Denn Chris­tus wohnt nur in Sün­dern.

 

  •  31. Okto­ber 1517 an Erz­bi­schof Albrecht von Mainz. Beküm­mert über den Zustand des Evan­ge­li­ums (Am sel­ben Tag wie der The­sen­an­schlag. Inhalt deu­tet Pro­gramm der Refor­ma­ti­on bereits an):

So sind auch die Wer­ke der Fröm­mig­keit und Nächs­ten­lie­be unend­lich viel bes­ser als der Ablaß. Und doch wer­den die­se weder mit gro­ßer Pracht noch mit so gro­ßem Eifer gepre­digt. Ja, sie müs­sen schwei­gen, damit der Ablaß gepre­digt wer­den kann, wäh­rend doch das aller Bischö­fe vor­nehm­lichs­tes und ein­zi­ges Amt sein soll­te, daß das Volk das Evan­ge­li­um und die Lie­be Chris­ti ler­ne. Denn nir­gend­wo hat Chris­tus befoh­len, den Ablaß zu pre­di­gen. Aber das Evan­ge­li­um zu pre­di­gen hat er nach­drück­lich befoh­len. Wie groß ist daher der Greu­el, wie groß die Gefahr für einen Bischof, der – wäh­rend das Evan­ge­li­um ver­stummt – nichts ande­res als das Ablaß­ge­schrei unter sein Volk zu brin­gen gestat­tet und sich um die­ses mehr als um das Evan­ge­li­um küm­mert!

 

  • Anfang Novem­ber 1517 an Kur­fürst Fried­rich den Wei­sen. Als Bett­ler um ein Gewand bit­tend (Luther leb­te vor allem bis zur Ehe­schlie­ßung äußerst arm­se­lig):

Gnä­digs­ter Herr und Fürst! Wie mir E.F.G. im vori­gen Jahr durch den Hirschfeld40 zusag­ten, ein neu Kleid zu geben, so kom­me ich nun und bit­te E.F.G., des­sel­ben ein­ge­denk zu sein …

 

  • 14 Dezem­ber 1518 an Johan­nes Reuch­lin. Dank­bar für das Werk, dass Gott wirkt (Reuch­lin ver­fass­te unter schwers­ten Wider­stän­den ein Lehr­buch für Hebrä­isch):

Das hat der Herr durch Dich gewirkt, daß die­ser Teu­fel unter den Sophis­ten end­lich ein­mal lernt, den rech­ten Stu­di­en der Theo­lo­gie behut­sa­mer und gelin­der zu wider­ste­hen, und Deutsch­land anfängt auf­zu­at­men, nach­dem die Leh­re der Schrift lei­der so vie­le Jahr­hun­der­te nicht bloß unter­drückt, son­dern viel­mehr aus­ge­löscht war. Die­ser Anfang in den so schö­nen Stu­di­en durf­te nicht durch einen Men­schen von gerin­gem Anse­hen gemacht wer­den.

 

  • Am 17. April 1521 an Johan­nes Cuspi­nia­nus. (Zwi­schen den bei­den Pro­zess­ta­gen vor dem Kai­ser und der end­gül­ti­gen Wei­ge­rung sei­ne Wer­ke zu wider­ru­fen):

Aber ich wer­de auch nicht einen Buch­sta­ben wider­ru­fen, wenn Chris­tus mir gnä­dig ist.

 

  • Am 28 April 1521 an Lukas Cra­nach. Ein Kom­men­tar über den Reichs­tag zu Worms:

Man hat sich mei­ner Ankunft zu Worms nicht ver­se­hen, und wie mir das Geleit gehal­ten ist, wis­set Ihr alle wohl aus dem Ver­bot, das mir ent­ge­gen kam. Ich mein­te, Kai­ser­li­che Majes­tät soll­te einen Dok­tor oder fünf­zig ver­sam­melt und den Mönch red­lich über­wun­den haben. So (aber) ist nicht mehr hier ver­han­delt wor­den als so viel: Sind die Bücher dein? Ja. Willst du sie wider­ru­fen oder nicht? Nein. So hebe dich (von dan­nen). O, wir blin­den Deut­schen, wie kin­disch han­deln wir und las­sen uns so jäm­mer­lich von den Roma­nis­ten äffen und nar­ren!

 

Alle Zita­te aus:
Mar­tin Luther: 1516. Mar­tin Luther: Gesam­mel­te Wer­ke, Ab  S. 7071
(vgl. Luther‑W Bd. 10, S. 14) © Van­den­hoeck und Ruprecht
http://www.digitale-bibliothek.de/band63.htm