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Sag mal — wer ist Jesus?

Sin­c­lair B. Fer­gu­son ist wahr­schein­lich so etwas wie ein Uni­ver­sal-Theo­lo­ge, sein Werk umfasst Kom­men­ta­re (Jako­bus-Brief, Mar­kus-Evan­ge­li­um), dog­ma­ti­sche Wer­ke (The Holy Spi­rit in der CoCT-Rei­he, The Chris­ti­an Life, eine Ein­füh­rung in Dog­ma­tik), his­to­risch-theo­lo­gi­sche Stu­di­en (The Who­le Christ, Ein Werk, dass die Mar­row-Kon­tro­ver­se ana­ly­siert). Der Schot­te ist Mit­her­aus­ge­ber eines theo­lo­gi­schen Lexi­kons, Dozent am West­mins­ter Theo­lo­gi­cal Semi­na­ry und reger Pre­di­ger (auf sermonaudio.com fin­den sich immer­hin über 680 Pre­dig­ten von ihm, wenn man bereit ist, sich auf den hef­ti­gen schot­ti­schen Akzent ein­zu­las­sen). Ent­spre­chend habe ich auch gleich zuge­grif­fen, als ich erfuhr, dass es von Fer­gu­son ein Kin­der­buch gibt.

Die 33 Lek­tio­nen des Buches sind grob in 6 Tei­le unter­teilt, von denen die ers­ten drei wei­test­ge­hend chro­no­lo­gisch das Leben Jesu durch­ge­hen. Hier zeigt sich die Inter­dis­zi­pli­na­ri­tät des Autors gro­ße Vor­tei­le. So geht er zunächst von all­ge­mei­nen Fra­gen aus: „Was bedeu­tet der Name Jesus?“ ‚„Wie konn­te Jesus wis­sen, was Gott von ihm erwar­te­te?“ oder „Wie ver­hielt sich Jesus als Kind und als Jugend­li­cher?“ Anschlie­ßend geht er die Sta­tio­nen der Tau­fe, der Ver­su­chung, der Beru­fung der Jün­ger, der Lehr­tä­tig­keit, der Wun­der und schließ­lich des Lei­dens Jesu durch. Das Buch hat sei­ne größ­te Stär­ke vor allem dar­in, dass der Autor wirk­lich die Dar­stel­lung Jesu in den Evan­ge­li­en spre­chen lässt. Wenn er z.B. über die Ver­su­chung Jesu in der Wüs­te spricht, ver­passt Fer­gu­son es nicht, auf die Par­al­le­le zum Volk Got­tes in der Wüs­te, wie auch der Ver­su­chung von Adam und Eva im Gar­ten hin­zu­wei­sen. Auch wenn er über Jesu Leh­re spricht, geht der Autor z.B. der Fra­ge nach, war­um Jesus „so vie­le außer­ge­wöhn­li­che Geschich­ten erzählt hat“. In den wei­te­ren Abschnit­ten  beschäf­tigt sich Fer­gu­son damit, was es bedeu­tet, das Jesus der Ret­ter war, wie sein Weg ans Kreuz aus­sieht, und wie sein Ruf an die Nach­fol­ge heu­te an uns ergeht.

Jede der 33 Lek­tio­nen besitzt eine zen­tra­le Bibel­stel­le, einen Lek­tü­rehin­weis, eine Fra­ge zum Wei­ter­den­ken und spre­chen und eine krea­ti­ve Auf­ga­be. Dadurch ist das Buch zum Vor­le­sen, wie zum Sel­ber /-lesen und /-bear­bei­ten geeig­net. Wir haben die 33 Lek­tio­nen ent­spre­chend in ca. 2 Mona­ten durchgearbeitet.

Das Gesetz und Evangelium recht zu unterscheiden, ist keines Menschen Kunst

Gefun­den in Luthers Tischreden:

214. Das Gesetz und Evan­ge­li­um recht zu unter­schei­den, ist kei­nes Men­schen Kunst

Kein Mensch lebt auf Erden, der das Evan­ge­li­um und Gesetz recht zu unter­schei­den weiß. Wir las­sen es uns wohl dün­ken, wenn wir pre­di­gen hören, wir ver­ste­hens; aber es fehlt weit, allein der hei­li­ge Geist kann die­se Kunst. Dem Men­schen Chris­tus hats auch gefehlt am Ölber­ge, so daß ihn ein Engel trös­ten muß­te; der war doch ein Dok­tor vom Him­mel, den­noch wur­de er durch den Engel gestärkt. Ich hät­te auch gemeint, ich könn­te es, weil ich so lan­ge und so so viel davon geschrie­ben habe; aber, wenn es ans Tref­fen geht, so sehe ich wohl, daß mirs weit, weit fehlt! So soll und muß allein Gott der hei­ligs­te Meis­ter sein.

212: Was Gesetz und Evan­ge­li­um sei

Das Gesetz ist das, was wir tun sol­len; das Evan­ge­li­um aber han­delt von Gott, von dem, was Gott geben will. Das ers­te kön­nen wir nicht tun; das zwei­te kön­nen wir anneh­men, und zwar mit dem Glau­ben. Aber sie­he, wie die Men­schen sind: das ers­te, was sie nicht tun kön­nen, wol­len sie tun, und das zwei­te, was sie anneh­men soll­ten, wol­len sie nicht glau­ben usw.

215.

Die­se zwei Leh­ren, Gesetz und Evan­ge­li­um, sind hoch von­nö­ten, die muß man bei­ein­an­der haben und wohl trei­ben, doch unter­schied­lich und mit gro­ßer Beschei­den­heit, sonst wer­den die Leu­te ent­we­der ver­mes­sen oder ver­zwei­feln, beson­ders wenn der Teu­fel aus dem Evan­ge­li­um ein Gesetz macht. Dar­um beschreibt Mose die­se bei­den Leh­ren sehr fein und wohl durch einen obe­ren und unte­ren Mühl­stein (5. Mose 24, 6). Der obe­re Stein pol­tert und stößt; die­ser ist das Gesetz, aber er ist von Gott recht gehängt, daß er nur treibt. Der unte­re Stein aber ist still und ruht, das ist das Evan­ge­li­um. Unser Herr­gott hat den Ober­stein fein gehängt, daß er nicht ganz zer­rei­be und zer­mal­me, son­dern hat an bei­de, an den obe­ren und an den unte­ren Stein, Gna­de gehängt.

[Aus: Mar­tin Luther: Der neue Glau­be. Mar­tin Luther: Gesam­mel­te Wer­ke, S. 6292 – 6296
(vgl. Luther‑W Bd. 9, S. 98 – 99) © Van­den­hoeck und Ruprecht
http://www.digitale-bibliothek.de/band63.htm ]

Schlechtes Gesetz versus gutes Gesetz

Robert­son McQuil­kin schreibt in sei­ner „Bibli­schen Ethik“ im Rah­men der Bespre­chung von Bestra­fun­gen von Verbrechen:

„Im All­ge­mei­nen ver­stär­ken gute Geset­ze mora­li­sche Stan­dards, und schlech­te Geset­ze schwä­chen mora­li­sche Stan­dards. Es gibt vie­le Arten, schlech­te Geset­ze oder Jus­tiz­sys­te­me zu entwickeln.

Nicht durch­setz­ba­re Geset­ze, wel­che die Gesell­schaft nicht durch­set­zen will, so wie die ame­ri­ka­ni­sche Pro­hi­bi­ti­on) sind schlecht, weil sie den Respekt für das Gesetz unter­gra­ben, wenn sie nicht durch­ge­setzt wer­den und Kor­rup­ti­on unter den Bür­gern und den ver­ant­wort­li­chen Beam­ten fördern. 

Unge­rech­te Geset­ze gibt es auf unter­schied­li­che Arten. Es ist unge­recht, Bewei­se vom Hören­sa­gen anzu­er­ken­nen oder jeman­den ohne ange­mes­se­ne Bewei­se zu ver­ur­tei­len. Es ist unge­recht, ein Opfer von sexu­el­ler Gewalt oder von Kin­des­miss­brauch wie­der­hol­ten emo­tio­na­len und men­ta­len Angrif­fen, Scham und Ein­schüch­te­rung im Gerichts­saal aus­zu­set­zen. Eine vor­herr­schen­de Art der Unge­rech­tig­keit in unse­rem gegen­wär­ti­gen Sys­tem ist, dass die Armen ohne Bezie­hun­gen und die Unge­bil­de­ten pro­por­tio­nal wesent­lich häu­fi­ger ver­ur­teilt wer­den als jene, die sich die Ver­tre­tung durch einen Rechts­an­walt leis­ten kön­nen, die Freun­de in hohen Posi­tio­nen haben und wis­sen, wie man das Sys­tem „bear­bei­tet“. Es ist unge­recht, jeman­den zu einer Gefäng­nis­stra­fe zu ver­ur­tei­len, der einen Laden­dieb­stahl im Wert von zehn Dol­lar began­gen hat, aber kein Gesetz dage­gen zu haben, dass der Besit­zer der Laden­ket­te die Regie­rung ille­gal um Hun­der­te und Tau­sen­de von Dol­lars sei­ner Ein­kom­mens­steu­er bringt.“

Im wei­te­ren Ver­lauf schil­dert der Autor, wie vier völ­lig unter­schied­li­che Ver­bre­chen (ein Mord, ein Kuss und die Ermor­dung eines „könig­li­chen Schwans“) zu kom­plett glei­chen Stra­fen geführt haben.

Obwohl McQuil­kin vor­nehm­lich die US-Ame­ri­ka­ni­sche Situa­ti­on im Blick hat, ist sein Impuls beden­kens­wert, ich den­ke auch in der Bespre­chung und Bewer­tung der Corona-Maßnahmen.

Das das Infek­ti­ons­schutz­ge­setz bis zu fünf Jah­re Haft bei Ver­stö­ßen dage­gen androht (sie­he hier) ist schon star­ker Tobak, wenn man bedenkt, dass die Kos­ten des Gesund­heits­sys­tems vom pri­va­ten Bür­ger getra­gen wer­den und im Blick hat, dass hier Poli­tik vor­nehm­lich durch Ver­ord­nun­gen, also sowohl am Par­la­ment und am Föde­ra­lis­mus vor­bei, also mehr­fach die prü­fen­den Augen der Gewal­ten­tei­lung aus­he­bend, rea­li­siert wird. Wenn man Kin­der­por­nos besitzt und ver­brei­tet, kommt man übri­gens mit einem hal­ben Jahr auf Bewäh­rung davon, wie uns ein bekann­ter Fuß­ball­spie­ler neu­lich lehrte.

Ich den­ke auch, dass das ein Aspekt ist, der in der Bewer­tung der Coro­na-Maß­nah­men zu kurz kommt, so wie er z.B. in der Erklä­rung „Jesus im Mit­tel­punkt behal­ten — trotz Coro­na“ dar­ge­stellt wird. Ein schlech­tes Gesetz ist näm­lich für mich die Mög­lich­keit als Bür­ger mich bei Regie­rung und mit sons­ti­gen Mit­teln dafür ein­zu­set­zen, dass die­ses Gesetz „bes­ser wird“. Der Pau­scha­le Ver­weis ja/nein genügt da nicht. Noch weni­ger über­zeugt es, wenn man Kri­ti­ker der Maß­nah­men, die z.B. gericht­lich gegen Ver­ord­nun­gen vor­ge­hen, bereits „unbi­bli­schen Ver­hal­tens“ zu tadeln. Im Übri­gen wür­den wir ja kaum jeman­den so auf den Pran­ger stel­len, weil er regel­mä­ßig mit Straf­zet­teln für schnel­les Fah­ren zu rech­nen hat. Und ja, ich wei­ge­re mich die Auf­rich­tig­keit hin­ter den Maß­nah­men zu akzep­tie­ren, wenn ich die Hun­dert­tau­send Abge­trie­be­nen Jähr­lich im Blick habe. Man­che schei­nen zu ver­ges­sen, dass kaum ein Poli­ti­ker so vehe­ment für die Ver­pflich­tung zum Tra­gen medi­zi­ni­scher Mas­ken gekämpft hat, wie Nüß­lein. War sicher nur ein Zufall…

Ich beob­ach­te sehr wohl auch ganz lebens­nah die­se Aus­ge­wo­gen­heit. Für den 09.05.2021 wur­de für unse­re Stadt eine Demons­tra­ti­on gegen die Coro­na-Maß­nah­men abge­sagt. Die Poli­zei mar­schier­te mit 300 Poli­zis­ten durch die Stadt, um die knapp 30 ille­gal doch ange­kom­me­nen Demons­tran­ten die geball­te Macht des Staa­tes ent­ge­gen­zu­set­zen. Aber was konn­te ich dann beob­ach­ten: Sah ich doch wirk­lich zwei Poli­zis­ten in einem Fahr­zeug der Bun­des­po­li­zei ohne den ver­pflich­ten­den Mund­schutz her­um­fah­ren (Etwas was mir übri­gens schon häu­fi­ger auf­ge­fal­len ist). Nor­ma­ler­wei­se emp­fän­de ich es als gewis­se Erleich­te­rung, wenn auch die Poli­zei nicht peni­bel auf dem Buch­sta­ben des Geset­zes baut, aber hier pack­te mich doch ein „hei­li­ger Zorn“. Einer­seits ein Grund­recht auf Demons­tra­tio­nen so rigo­ros ein­schrän­ken und doch gleich­zei­tig so locker mit der Mas­ken­pflicht umzu­ge­hen, kann nicht aus­ge­wo­gen sein.

Ich habe das Fahr­zeug dar­auf­hin bei der Poli­zei gemel­det. Ob wirk­lich irgend­wel­che Maß­nah­men unter­nom­men wer­den, wer­de ich nie erfah­ren kön­nen. Wer soll mir garan­tie­ren kön­nen, dass hier nicht eine Gil­de wie Pech und Schwe­fel medi­en­wirk­sam zusam­men­hält?  Wer­den dem Poli­zis­ten nun auch fünf Jah­re Haft für poten­ti­el­le Ver­brei­tung von Coro­na ange­droht? Oder anders gefragt: Mei­ne Hei­mat­stadt Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen ist nun mal Hoch­burg für Pro­sti­tu­ti­on und Sex­ge­wer­be, ein beacht­li­cher Teil davon ist ille­gal orga­ni­siert. War­um nicht auch mal hier mit bra­chia­ler Staats­ge­walt samt Hub­schrau­ber durchgreifen?

Mich per­sön­lich frus­triert nur eine Sache dabei: Ich bin näm­lich äußerst unpo­li­tisch. Zuneh­mend kommt also die Fra­ge auf, wie gerecht Geset­ze sind, wenn zuneh­mend all­täg­li­che Hand­lun­gen poli­ti­siert werden.

„Gelobt sei der Herr, der dir heute den Erlöser nicht versagt hat“

Das Buch „Five Fes­tal Garments“ von B.G. Webb unter­sucht fünf Bücher des AT, die wir als Chris­ten häu­fi­ger ver­nach­läs­si­gen. Webbs Über­le­gun­gen waren unter ande­rem die Grund­la­gen für nach­fol­gen­de Skizzen:

1. Episodische Struktur:

Webb macht auf die Schön­heit des Auf­baus im Inne­ren des Werks auf­merk­sam. Es liegt eine struk­tu­rel­le Par­al­le­le mit gering­fü­gi­gen Vari­an­ten in Kapi­tel 2 und Kapi­tel 3 vor:

Kapi­tel 2: Kapi­tel 3:
1. Ruth bie­tet Nao­mi, ob sie gehen kann und sagt ihr was sie tun will. Nao­mi bie­tet Ruth zu gehen Nao­mi bie­tet Ruth zu gehen und sagt ihr, was sie zu tun hat.
2. Ruth geht 2. Ruth geht
3. Boas frägt, wer Ruth sei und es wird ihm erklärt 3. Boas frägt, wer Ruth sei und es wird ihm erklärt
4. Boas bit­tet Ruth zu blei­ben und sagt, dass „Sie seg­nens­wert sei“ und gibt ihr Nahrung 4. Boas sagt Ruth, dass „Sie seg­nens­wert sei“ und bit­tet sie zu blei­ben und gibt ihr Nahrung
5. Ruth spricht mit Nao­mi, erzählt ihr was pas­siert sei und bekommt von ihr Rat 5. Ruth spricht mit Nao­mi, erzählt ihr was pas­siert sei und bekommt von ihr Rat

Doch in die­ser Par­al­le­le ent­wi­ckelt sich wei­ter, so wie aus der Ern­te­zeit von Kapi­tel zwei die Dresch­zeit von Kapi­tel drei wird.

Die­ses Zen­trum wie­der­um ist flan­kiert von „Namens­lis­ten“: Zu Beginn fin­den wir min­des­tens drei Namen, die kei­ner­lei Rol­le mehr spie­len sol­len. Die Genea­lo­gie zum Schluß kann jedoch kaum bedeu­ten­der sein, ver­knüpft sie Ruth doch als Bin­de­glied zwi­schen der Mose-Rich­ter Zeit mit der Zeit des gro­ßen Königs Davids. Ent­spre­chend spie­geln auch die­se Namens­lis­ten die Ent­wick­lung von der Lee­re zur Fül­le wider, die Nao­mi und Ruth als Indi­vi­du­en wider­fährt für einen grö­ße­ren Kon­text wieder

2. Thematische Entwicklung und Kanonische Einbindung

Damit wären wir mit­ten im Plot des Buches. Wer Ruth als an Rich­ter anschlie­ßend liest, dem wird auf­fal­len, dass die zwei abschlie­ßen­den Hor­ror­ge­schich­ten des Rich­ter-Buches damit Anfan­gen, dass Jemand Beth­le­hem (= Haus des Bro­tes) ver­lässt ( Ri 17,9 und Ri 19,2 bzw. 19,18). Wer das Haus des Bro­tes ver­lässt, steht in der Gefahr eine Kata­stro­phe aus­zu­lö­sen. Ruth als Abschlie­ßen­der Teil die­ser Tri­lo­gie bie­tet nun die „Kon­tra-Erzäh­lung“ dafür. Dabei war die Iro­nie beson­ders groß, dass im „Haus des Bro­tes“ eine Hun­gers­not herrscht (Rt. 1,1). Im Übri­gen dür­fen wir auch sonst Umstän­de der Rich­ter-Zeit erwar­ten: Ein jeder tut was ihm recht vor Augen scheint. Das gera­de eine frem­de Migran­tin ein belieb­tes Opfer für ein kur­zes Sex­aben­teu­er wer­den kann, schei­nen Rt2,21 und Rt2,15 zumin­dest anzudeuten.

Doch zehn Jah­re nach Ver­las­sen des ver­hei­ße­nen Lan­des aus­ge­rech­net in Rich­tung Moab, muss Ruth Buße übend zurück­keh­ren und bekennt, als die Frau­en rufen: „Ist das die Naomi?“:

„Nennt mich nicht Naomi(Lieblich), son­dern Mara (Bit­ter). Denn der All­mäch­ti­ge hat mich sehr betrübt. Voll zog ich aus, aber leer hat mich der HERR wie­der heim­ge­bracht.“  Wei­ter­le­sen

A Clear and Present Word

Heu­te möch­te ich auf die­ses kur­ze Büch­lein auf­merk­sam machen, das Pro­le­go­me­na für jedes her­me­neu­ti­sche Werk sein dürf­te. Ich den­ke, das man heu­te über Her­me­neu­tik so reden kann, dass der Ein­druck ent­steht, dass es eigent­lich kaum mög­lich ist, die Bibel zu ver­ste­hen, und dass man zunächst unzäh­li­ge her­me­neu­ti­sche Werk­zeu­ge beherr­schen muss, in die Kul­tur­ge­schich­te zu inves­tie­ren hat und eigent­lich so wie­so immer auf Exper­ten ange­wie­sen ist. Ohne die­se Bei­trä­ge zu schmä­lern ver­tei­digt Thomp­son in die­sem Werk, das Lesen der Bibel in der Gegen­wart Gottes.

Für mich ein äußerst zen­tra­les The­ma, das von vie­len Sei­ten ange­grif­fen wur­de und ange­grif­fen wird: Thomp­son arbei­tet z.B. sau­ber her­aus, dass die Debat­te zwi­schen Eras­mus und Luther über die Frei­heit des Wil­lens hin­ter die­ser Fra­ge vor allem ein Streit dar­über ist, ob die Bibel klar und bestimmt ver­stan­den wer­den kann. Eras­mus sieht die Schrift als schwer ver­ständ­lich, die nicht so ohne wei­te­res ein­deu­tig z.B. über den Wil­len in Bezug auf das Heil spricht und er hat auch eine Lösung für das Pro­blem: Die Kir­che bringt Licht dafür, wie sol­che The­men zu ver­ste­hen sind. Die­sem hält Luther die Klar­heit der Schrift ent­ge­gen, ein The­ma, das die Refor­ma­to­ren von nun an häu­fig zu ver­tei­di­gen hatten.

Heu­te jedoch sind die Angrif­fe auf die Klar­heit der Schrift oft gänz­lich ande­rer Natur. Die Aus­le­gung der Schrift ist Gelehr­ten­sa­che gewor­den und die Rol­le des Paps­tes nimmt oft der Theo­lo­gie­pro­fes­sor (oder der End­zeit­ex­per­te) ein, der jeder­zeit mit päpst­li­cher Auto­ri­tät fest­zu­le­gen ver­mag, wel­che Aus­le­gung den gera­de gilt. Wei­ter­le­sen

Kierkegaards Sprung

Heu­te berich­tet Udo Schmitt dar­über, wie er durch das Werk Kier­ke­gaar­ds zur Schrift und zum Glau­ben geführt wurde:

Ein undatiertes Gemälde des dänischen Theologen, Schriftstellers und Philosophen Sören Kierkegaard. (picture alliance / dpa)

Durch die Rezen­si­on einer neu­en Bio­gra­phie über den däni­schen Phi­lo­so­phen Sören Kier­ke­gaard (Buch­hin­weis: Der alte Freund Kier­ke­gaard – Han­ni­el bloggt.) wur­de ich dar­an erin­nert, wel­che bedeu­ten­de Rol­le die­ser Mann in mei­nem Leben gespielt hat. Vie­le klu­ge Köp­fe haben schon wis­sen­schaft­li­che, theo­lo­gi­sche oder phi­lo­so­phi­sche Abhand­lun­gen über ihn geschrie­ben. Mein kur­zer Bei­trag ist dage­gen ledig­lich eine Beschrei­bung mei­nes per­sön­li­chen Erle­bens eines klei­nen Aspekts sei­ner Gedan­ken über den Glauben.

Gleich im ers­ten Semes­ter mei­nes Phi­lo­so­phie-Stu­di­ums begeg­ne­te ich dem Werk Kier­ke­gaar­ds. Da er in sei­nen Ver­öf­fent­li­chun­gen immer wie­der auf die Bibel Bezug nahm, muss­te ich mich wohl oder übel mit die­sem Buch beschäf­ti­gen. Also las ich die Bibel inner­halb weni­ger Tage vom Anfang bis zum Ende.  Als ich nach den letz­ten Zei­len der Offen­ba­rung das Buch zuschlug, war ich sicher, dass dies das Wort Got­tes ist. Nur wenig spä­ter wur­de ich durch das Wun­der der Wie­der­ge­burt gerettet.

Aus­sa­gen Kier­ke­gaar­ds wie „Der Glau­be beginnt gera­de da, wo das Den­ken auf­hört“ erwe­cken den Ein­druck, dass sich Glau­be und Ver­nunft nichts zu sagen haben.  Da es zwi­schen Glau­be und Ver­ste­hen kei­ne Ver­bin­dung gibt, wird das Chris­t­wer­den somit zum Sprung ins Unge­wis­se. Die­ser „Sprung des Glau­bens“ wird vor allem von kon­ser­va­ti­ven Theo­lo­gen teil­wei­se scharf kri­ti­siert wird. Für den von mir sehr geschätz­ten Theo­lo­gen Fran­cis Scha­ef­fer han­delt es sich hier­bei um einen Sprung ohne jede Ratio­na­li­tät. Vie­len gilt Kier­ke­gaard gar als ein Vor­den­ker des säku­la­ren und reli­giö­sen Exis­ten­zia­lis­mus sowie als Weg­be­rei­ter der his­to­risch-kri­ti­schen Denkweise.

Doch die­ser „Sprung des Glau­bens“ war für mich zum Zeit­punkt mei­ner Bekeh­rung ganz sub­jek­tiv tat­säch­lich ein sol­cher. Ein Sprung hin­weg über einen Gra­ben, der mich zu etwas brin­gen soll­te, von dem ich trotz ange­le­se­nem Wis­sen eigent­lich nicht viel wuss­te, aber den­noch alles erhoffte.

Natür­lich han­del­te ich einer­seits ratio­nal, also ver­nunft­ge­lei­tet, indem ich die Bibel sys­te­ma­tisch stu­dier­te, doch schon bald kam ich an einen Punkt, an dem mir klar wur­de, dass das was mich im Moment noch von Gott trennt, nicht durch wei­te­res Nach­den­ken über­wun­den wer­den kann. Erfor­der­lich war ein Sprung. Ein Sprung ins Unge­wis­se, denn was auf der ande­ren Sei­te des Gra­bens auf mich war­te­te, war für mich zuvor undenk­bar. Auf der ande­ren Sei­te ange­kom­men, konn­te ich dann wie Hiob zu Gott sagen: „Bis­her kann­te ich dich nur vom Hören­sa­gen, jetzt aber habe ich dich mit eige­nen Augen gese­hen!“ (Hiob 42:5).

Mei­nes Erach­tens ist Kier­ke­gaard nicht nur Zeit sei­nes Lebens, son­dern auch bis in die heu­ti­ge Zeit hin­ein in vie­ler­lei Hin­sicht miss­ver­stan­den wor­den, was unter ande­rem an der teil­wei­se über­zo­ge­nen Kri­tik am „Sprung des Glau­bens“ zum Aus­druck kommt, den ich per­sön­lich aber genau­so wie von Kier­ke­gaard beschrie­ben, erlebt habe.

Ich bin der fes­ten Über­zeu­gung, dass Chris­ten auch heu­te noch gro­ßen Nut­zen aus dem Stu­di­um von Kier­ke­gaar­ds Schrif­ten zie­hen kön­nen, da sie in ihrer Radi­ka­li­tät ein Weck­ruf für ein ein­ge­schla­fe­nes Chris­ten­tum sind. Eine klei­ne und emp­feh­lens­wer­te Aus­wahl sei­nes Werks fin­det sich hier: Tat­ort Chris­ten­heit (clv.de)

Fragen über das Woher und das Wohin

Woher, wozu und wohin gehö­ren zu den drei gro­ßen Fra­gen des Lebens. Chris­ten geben dar­auf ande­re Ant­wor­ten als Athe­is­ten. Dr. Mar­kus Widen­mey­er, Mit­ar­bei­ter in der Zen­tra­len For­schung eines Tech­no­lo­gie­kon­zerns und ehren­amt­lich für die Stu­di­en­ge­mein­schaft Wort und Wis­sen tätig, ist ein Ver­tre­ter des Krea­tio­nis­mus. Trotz sei­nes vol­len Ter­min­ka­len­ders hat er sich Zeit genom­men, um sich den Fra­gen der christ­li­chen Lite­ra­tur­blogs NIMM-LIES.de und lesendglauben.de (hier wei­te­re Inter­views von lesend­glau­ben) zu stel­len. Aber, lesen Sie selbst, wel­che Ant­wor­ten der Autor meh­re­re Bücher zu die­sem The­men­kom­plex gibt.

  1. Vor weni­gen Wochen haben Dr. Rein­hard Jun­ker und Sie das Buch „Schöp­fung ohne Schöp­fer“ her­aus­ge­ge­ben. Dort schrei­ben Sie bei­de, dass die Arbeit eines christ­li­chen Wis­sen­schaft­lers mit der eines Kri­mi­nal­kom­mis­sars ver­gleich­bar ist. Was genau möch­ten Sie damit zum Aus­druck bringen? 

MW: Ech­te Wis­sen­schaft besteht wie die Arbeit eines Kri­mi­nal­kom­mis­sars dar­in, dass man wirk­lich die Wahr­heit sucht. Das bedeu­tet Ergeb­nis­of­fen­heit und daher Ermit­teln nach allen Rich­tun­gen. In Ursprungs­fra­gen: Man soll­te unvor­ein­ge­nom­men zur Kennt­nis neh­men, was natür­li­che Pro­zes­se nach­weis­lich zustan­de brin­gen. Man soll­te aber genau­so unvor­ein­ge­nom­men akzep­tie­ren, wenn es sys­te­ma­ti­sche Gren­zen gibt und dann Schöp­fung die bes­se­re Erklä­rung für das Leben sein könnte.

  1. Sie spre­chen davon, dass die Welt­an­schau­ung des Natu­ra­lis­mus den welt­an­schau­li­chen Hin­ter­grund der Arbeits­wei­se der insti­tu­tio­na­li­sier­ten Wis­sen­schaf­ten domi­niert. Kön­nen Sie die­se Welt­an­schau­ung kurz darstellen? 

MW: Es ist die Ansicht, dass es nur natür­li­che, letzt­lich wis­sen­schaft­lich beschreib­ba­re Pro­zes­se gibt. Alles Über­na­tür­li­che wird von vorn­her­ein abge­lehnt. Die Ergeb­nis­of­fen­heit z.B. bezüg­lich der Fra­ge nach dem Ursprung des Lebens, des Uni­ver­sums oder auch der Mög­lich­keit von Wun­dern oder Pro­phe­tie ist dann nicht mehr gegeben.

  1. Inwie­weit unter­schei­det sich die Arbeit der Stu­di­en­ge­mein­schaft Wort und Wis­sen von die­sem Forschungsansatz? 

Wei­ter­le­sen

Literaturhinweise auf Lesendglauben

Hen­rik Mohn von lesendglauben.de hat eine Men­ge lesens­wer­ter neu auf­ge­leg­ter Bücher bespro­chen. Eine Auswahl:

Geisler, Zukeran: Wie kann ich meinen Glauben verteidigen?

Das Autoren­duo legt eine Arbeit vor, die sich mit dem apo­lo­ge­ti­schen Metho­den Jesu Chris­ti beschäf­tigt und stellt damit den Ver­such dar, eine Lücke im Bereich der Apo­lo­ge­tik zu schlie­ßen. „Über­all demons­triert Jesus, dass er bereit ist, jedem auf­rich­tig Suchen­den Bewei­se zu lie­fern für das, was er lehr­te“. Die ins­ge­samt zwölf Kapi­tel rich­ten ihren Blick auf das Han­deln Jesus und set­zen dabei die Bril­le eines Apo­lo­ge­ten auf. Bei all den Grün­den und Aus­füh­run­gen ist sich das Autoren­duo aber fol­gen­der Tat­sa­che bewusst: „Apo­lo­ge­ti­sche Bewei­se sind ent­schei­dend für den Glau­ben, dass Chris­tus der Sohn Got­tes ist. Aber der Hei­li­ge Geist ist unver­zicht­bar für einen Glau­ben an Chris­tus als den Sohn Got­tes. Apo­lo­ge­tik kann intel­lek­tu­el­le Zustim­mung her­bei­füh­ren, aber nur der Hei­li­ge Geist kann das Herz ver­än­dern“. Mehr…

Coyle: Sie ist in Pornographie verstrickt

Bil­der mit sexu­el­lem Inhalt haben Hoch­kon­junk­tur. Bil­dungs­plä­ne möch­ten mög­lichst früh Kin­der­her­zen mit Sexua­li­tät kon­fron­tie­ren. Por­no­gra­fie ist der bei­spiel­lo­se Aus­druck unse­rer deka­den­ten Epo­che. Doch längst ist die Unzucht vor dem Bild­schirm kei­ne rei­ne Män­ner­do­mä­ne mehr. In „Sie ist in Por­no­gra­fie ver­strickt“ blickt Autorin Rachel Coyle auf das Tabu­the­ma. Mehr…

Barber et al: Könige — Menschen der Bibel

Der vor­lie­gen­de 12-Wochen-Stu­di­en­kurs ent­stammt dem evan­ge­li­ka­len Ver­lag riga­tio, der sich zum Ziel gesetzt hat, Mate­ri­al zum Selbst- und Grup­pen­stu­di­um her­aus­zu­ge­ben. Das Anlie­gen des Kur­ses ist es dem ähn­lich zu wer­den, dem wir fol­gen. Anhand unter­schied­li­cher Köni­ge im Alten Tes­ta­ment ver­deut­licht das Autoren­trio, wor­auf es bei ech­ter Nach­fol­ge ankommt. „Füh­rer­schaft ist die Kraft von Ein­fluss“. Mehr…

Boston: Die Notwendigkeit der Buße

Der Autor, Tho­mas Bos­ton, ist außer­halb der eng­lisch­spra­chi­gen Welt eher weni­ger bekannt. Doch mitt­ler­wei­le wer­den sei­ne Schrif­ten auch im deutsch­spra­chi­gen Raum publi­ziert. Bos­ton gilt als ein Ver­fech­ter der puri­ta­ni­schen Theo­lo­gie und legt beson­ders Wert auf Fröm­mig­keit. Dabei ringt er in sei­nen Aus­füh­run­gen um die rei­ne bibli­sche Leh­re. J. I. Packer meint, dass sei­ne Wer­ke einer theo­lo­gi­schen Zusam­men­fas­sung des Puri­ta­nis­mus glei­chen. „Wer die puri­ta­ni­sche Theo­lo­gie ver­ste­hen will, muss somit Bos­ton lesen“. Mehr…

Bonhoeffer: Schöpfung und Fall

Das Buch „Schöp­fung und Fall“ stellt den Druck einer Vor­le­sung dar, die Bon­hoef­fer im Win­ter­se­mes­ter 193233 an der Ber­li­ner Uni­ver­si­tät hielt. Bon­hoef­fer sel­ber ist der soge­nann­ten dia­lek­ti­schen Theo­lo­gie zuzu­ord­nen, „die in Anknüp­fung an die refor­ma­to­ri­sche Theo­lo­gie als Theo­lo­gie des Wor­tes die Bibel zur Grund­la­ge ihrer Über­le­gun­gen gemacht hat“. In sei­nen Aus­füh­run­gen wagt es Bon­hoef­fer, die „exege­ti­sche und sys­te­ma­ti­sche Schul­tra­di­ti­on sei­ner Zeit hin­ter sich zu las­sen und die Bibel unmit­tel­bar nach Ant­wor­ten auf die bren­nen­den Pro­ble­me der Gegen­wart zu befra­gen“. Es sei erwähnt, dass Bon­hoef­fer die Ergeb­nis­se der his­to­risch-kri­ti­schen Exege­se nicht pau­schal ablehnt, doch bleibt er nicht bei der phi­lo­lo­gi­schen und his­to­ri­schen Aus­le­gung ste­hen, „son­dern fragt, was die Bibel­tex­te für den heu­te geleb­ten Glau­ben in sei­nen unter­schied­li­chen Bezü­gen zu sagen haben“. Mehr…

 

„Der Gott des Alten Testaments ist der gleiche wie der Gott des Neuen Testaments“

Dr T Desmond Alexander - Union Theological CollegeDr. T. Des­mond Alex­an­der ist wohl der Exper­te für das Alte Tes­ta­ment schlecht­hin. Er ist Aut­hor und Her­aus­ge­ber von Enzy­klo­pä­dien zum Pen­ta­teuch und zur Bibli­schen Theo­lo­gie, schrieb Kom­men­ta­re zum Buch Jona und zum zwei­ten Buch Mose (Wis­sen­schaft­lich und Pas­to­ral). Neben the­ma­ti­schen Stu­di­en zum Neu­en und Alten Tes­ta­ment ist vor allem sei­ne Ein­füh­rung zum Pen­ta­teuch beson­ders  (zur Buch­be­spre­chung) her­vor­zu­he­ben.

S.P.: Dr. Alex­an­der, vie­len Dank dafür, dass Sie sich Zeit für unse­re Fra­gen neh­men.    Woher kommt Ihre Lei­den­schaft für das Alte Testament?

T.D.A.: Mei­ne Lei­den­schaft für das Alte Tes­ta­ment fing an, als ich im Grund­stu­di­um semi­ti­sche Spra­chen an der Queens Uni­ver­si­ty in Bel­fast stu­diert habe. Ich soll­te dabei erwäh­nen, dass ich als Teen­ager zum per­sön­li­chen Glau­ben an Jesus Chris­tus gekom­men bin. Zu die­sem Zeit­punkt fühl­te ich eine Beru­fung zum christ­li­chen Dienst. Durch eine unge­wöhn­li­che Rei­he an Ereig­nis­sen brach­te mich Gott in Kon­takt mit einer Grup­pe von christ­li­chen Uni­ver­si­täts­do­zen­ten: David Pay­ne, Gor­don Wen­ham und David Goo­ding. Alle stamm­ten aus Eng­land, unter­rich­te­ten jedoch in Nord-Irland. Damals waren wir gera­de mal drei Stu­die­ren­de im Kurs und so besaß ich bei­na­he eine per­sön­li­che eins zu eins Aus­bil­dung. Es mag selt­sam klin­gen, doch Gor­don Wen­hams Kom­men­tar zum drit­ten Buch Mose öff­ne­te mei­ne Augen dafür, das Alte Tes­ta­ment auf neue Wei­se zu lesen. Ich bekam dann die Mög­lich­keit mei­ne Dok­tor­ar­beit bei Gor­don Wen­ham und spä­ter bei David Pay­ne zu schrei­ben. Die Vor­se­hung führ­te dahin, dass ich Semi­tis­tik an der Queens Uni­ver­si­ty unter­rich­te­te. Das gab mir wei­te­re Mög­lich­kei­ten mich auf das Alte Tes­ta­ment zu kon­zen­trie­ren, obwohl ich immer wie­der auch die Mög­lich­keit besaß, das Neue Tes­ta­ment zu leh­ren. Rück­bli­ckend kann ich erken­nen, dass Gott den Weg für mich öff­ne­te, Theo­lo­gie zu unter­rich­ten und mir so Mög­lich­kei­ten eröff­ne­te das Alte Tes­ta­ment zu erfor­schen und dar­über zu schreiben.

S.P: War­um ist das Alte Tes­ta­ment in unse­rer Gesell­schaft der­art irrele­vant? Wie könn­te man das ändern?

T.D.A.: Unglück­li­cher­wei­se wird der ers­te Teil der Bibel als das Alte Tes­ta­ment bezeich­net. Unse­re mensch­li­che Ten­denz ist es, sich an dem zu ori­en­tie­ren was neu ist und es in irgend­ei­ner Wei­se als über­le­gen zu betrach­ten. Inner­halb der moder­nen Kir­che betrach­ten die meis­ten Gläu­bi­gen das Neue Tes­ta­ment für wich­ti­ger und rele­van­ter als das Alte Tes­ta­ment. Das führ­te zu einer Ver­nach­läs­si­gung des Alten Tes­ta­ments und zu einem Man­gel des Ver­ständ­nis­ses dafür, wie es zu einem grö­ße­ren Ver­ständ­nis von Got­tes Anlie­gen für die Welt und für unser indi­vi­du­el­les Leben dient. Es lohnt sich dar­über nach­zu­den­ken, dass die Gläu­bi­gen zur Zeit des Neu­en Tes­ta­ments die Schrif­ten der hebräi­schen Bibel als auto­ri­ta­tiv betrach­te­ten. Sie blick­ten in sie hin­ein, um zu ver­ste­hen, wer Jesus Chris­tus ist und wie Gott mit sei­nem Volk han­delt. Weder Jesus noch einer sei­ner Jün­ger ver­warf das Alte Tes­ta­ment als unbe­deu­tend. Im Gegen­teil, sie betrach­te­ten es als unaus­ge­spro­chen wich­tig. Es ist unmög­lich das Neue Tes­ta­ment mit all sei­nen Zita­ten, Anspie­lun­gen und Echos an das Alte Tes­ta­ment zu ver­ste­hen, ohne ein Ver­ständ­nis der Hebräi­schen Bibel zu besit­zen. Lei­der sind wir durch die Ver­nach­läs­si­gung des Alten Tes­ta­ments in einem Teu­fels­kreis gera­ten. Chris­ten ori­en­tie­ren sich zum Neu­en Tes­ta­ment hin und ver­pas­sen so die Reich­tü­mer, die sich im Alten Tes­ta­ment fin­den las­sen. Die ein­zi­ge Lösung besteht im soli­den Leh­ren, dass das Alte Tes­ta­ment beleuch­tet und sei­ne Rele­vanz für das Leben der Chris­ten heu­te erör­tert. Wir müs­sen die Bibel als Gan­zes anneh­men, und erken­nen, wie die Sto­ry des Alten Tes­ta­ments in die Sto­ry des Neu­en Tes­ta­ments hin­ein­fließt und so ein vol­le­res Bild Got­tes und sei­ner Hand­lun­gen in unse­rer Welt gibt. Wei­ter­le­sen

Sehnsucht nach Pastor Latzel

Mal wie­der war es Vik­tor von Chris­tus­al­lein der hier der aus­lö­sen­de Trig­ger war. Er hat mich auf eine Pre­digt von Lat­zel auf­merk­sam gemacht (und was für eine, höre hier). Bis dahin habe ich wei­test­ge­hend nur ame­ri­ka­ni­sche Pre­dig­ten ange­hört (vor­nehm­lich Tim Kel­ler, sie­he hier für mei­ne Lieb­lings­aus­wahl an Kel­lers Pre­dig­ten), und woll­te vor allem des­we­gen etwas dar­an ändern, damit wir als Fami­lie auch gemein­sam Pre­dig­ten hören können.

Mir ist es wich­tig, bei so etwas Kon­ti­nui­tät zu besit­zen und ich habe nur weni­ge Pre­di­ger auf mei­ner Lis­te, dafür die­se dann mög­lichst umfas­send. Olaf Lat­zel  haben wir gleich ger­ne ange­hört und es war das gege­ben, was mir wich­tig ist: Refor­mier­te Leh­re, ein­fa­che und ver­ständ­li­che Ver­kün­di­gung, sowohl Gemein­de wie Welt­men­schen im Blick.

Schon bald wur­de Lat­zel zum Haus und Hof-Pre­di­ger, als im ers­ten Coro­na-Lock­down kei­ne Got­tes­diens­te mög­lich waren. Ein Höhe­punkt dabei war auch das digi­ta­le Abend­mahl irgend­wann im April 2020. Auf jeden Fall haben wir sehr pro­fi­tiert, nicht nur von den Pre­dig­ten Lat­zels, son­dern auch von denen von Koch, Bier­baum und den ande­ren Pre­di­gern der Mar­ti­ni-Gemein­de. Wei­ter­le­sen