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Im Gespräch mit Wilhelm Pahls 23

Der Evan­ge­list Wil­helm Pahls gab in einem Inter­view einen Ein­blick in sei­ne Gedan­ken über wie­der­holte Bekeh­run­gen von Teens, radi­kale Nach­folge und das enor­me Poten­tial der jun­gen Gene­ra­tion. Ein per­sön­li­ches Gespräch in drei Tei­len.

Nach dem ers­ten Teil folgt nun Teil zwei

Wie gelingt es uns trotz des mate­ri­el­len Wohl­stan­des inten­si­ver in der Abhän­gig­keit von Gott zu leben?

Also ich den­ke, in unse­ren Gemein­den wird viel zu wenig über den Him­mel gepre­digt und nach­ge­dacht. Vie­le haben auch ein ganz fal­sches Ver­ständ­nis: „Wenn ich hier ster­be, dann holt Jesus mich Heim und dann bin ich bei ihm im Him­mel. Und dort wird es mir unglaub­lich gut gehen.“

Aber was das eigent­lich bedeu­tet, geret­tet zu sein, bei Jesus zu sein, das haben die aller­meis­ten gar nicht rich­tig ver­stan­den! Mein gan­zes Erden­le­ben ist ja nur eine Vor­be­rei­tung auf das ewi­ge Leben. Und das ewi­ge Leben wird ja so unglaub­lich viel­fäl­tig und inter­es­sant sein. Unser Zustand dort hat sehr viel mit dem zu tun, was wir als Bekehr­te hier unten gemacht haben. Man­che Leu­te wer­den so mit Ach und Krach geret­tet. Wie ein Brand­scheit aus dem Feu­er. Sie sind soeben geret­tet und ste­hen dann mit lee­ren Hän­den vor Jesus. Und die ande­ren wer­den mit Tri­umph emp­fan­gen. Ein Müt­ter­chen, eine treue Bete­rin, wird geehrt vor allen ande­ren, weil sie treu gewe­sen ist.

Wir kön­nen uns dar­un­ter ja nicht viel vor­stel­len, aber ich den­ke, es wird unheim­lich inter­es­sant sein. Wenn dann die Ein­zel­nen kom­men und ihre Aner­ken­nung, ihren Lohn und ihre zukünf­ti­gen Auf­ga­ben zuge­teilt bekom­men.

Unser Dienst dort hat auch etwas mit unse­rem Leben hier zu tun. Pau­lus sagt im 2. Korin­ther­brief: „Was sucht man bei einem Mit­ar­bei­ter? Nicht mehr, als dass er als treu erfun­den wird!“ Mein Leben hier hat einen ent­schei­den­den Ein­fluss auf mei­ne Stel­lung und Mit­ar­beit und auf mein Erbe im Him­mel. Und das wis­sen die meis­ten Gemein­de­glie­der nicht! Sie wol­len nur in den Him­mel kom­men. Aber dass alles in mei­nen Glau­bens­le­ben einen Nie­der­schlag im Him­mel hat, das wis­sen nur die Wenigs­ten.

Pas­tor Kem­ner hat ein­mal gesagt: „Benei­de nie einen Rei­chen!“ Es gibt Men­schen, die ver­die­nen drei­mal so viel wie sie brau­chen. Und die haben Häu­ser von denen die Hälf­te genü­gen wür­de. Manch haben rich­ti­ge Paläs­te. Und sie haben fünf Kin­der und jedes Kind hat ein Ein­zel­zim­mer und bald hat auch jedes Kind einen eige­nen Com­pu­ter. Also was wir alles an Gütern haben. Manch­mal den­ke ich: „Ich möch­te gar nicht in sei­ner Haut ste­cken!“ Der kommt – wenn er bekehrt ist – natür­lich in den Him­mel. Er besucht auch die Gemein­de und arbei­tet hier oder da etwas mit. Aber irgend­wie hat er sei­ne irdi­schen Güter doch nicht rich­tig ver­wal­tet. Wenn Gott einem mehr gibt als dem ande­ren, dann hat er doch auch mehr Ver­ant­wor­tung! Und Jesus wird ein­mal fra­gen, was wir mit all dem Anver­trau­ten gemacht haben. John Wes­ley hat mal in Lon­don vor Stu­den­ten eine gewal­ti­ge Pre­digt gehal­ten. Sei­ne Pre­digt hat­te drei Punk­te:

  1. Ler­ne so viel du kannst! – Alle waren ein­ver­stan­den.
  2. Ver­die­ne so viel du kannst! Mach was aus dei­nem Leben! Hol alles raus! – Alle waren begeis­tert.
  3. Gib so viel du kannst! – Dar­auf gin­gen eini­ge Köp­fe run­ter.

Wenn einer lernt, so viel er kann und dann ver­dient, so viel er kann, nur um es für sich selbst zu ver­pul­vern, dann ist er ein ganz bedau­erns­wer­ter Mensch. Er hat sein Leben ver­geu­det. Und ich den­ke, das ist das Pro­blem vie­ler jun­ger Leu­te. Sobald einer mehr ver­dient, muss das Haus grö­ßer wer­den und das Auto muss grö­ßer wer­den, eben­so auch die Feri­en. Man kann mit der Fami­lie so güns­tig Feri­en auf dem Bau­ern­hof machen. Und das wäre für die Kin­der das Schöns­te. Aber man muss nach Indo­ne­si­en flie­gen oder an einen ande­ren weit ent­fern­ten Ort.

Wenn ich dann an unse­re Mis­sio­na­re den­ke, wie spar­sam sie leben und wie sorg­fäl­tig sie haus­hal­ten müs­sen. Wäh­rend eini­ge Gleich­alt­ri­ge inzwi­schen schon ein eige­nes Haus gebaut haben und ein gro­ßes Auto besit­zen, leben man­che Mis­sio­na­re in ein­fachs­ten Ver­hält­nis­sen frei­wil­lig im Koso­vo oder in Alba­ni­en oder in einem ande­ren armen Land. Wir wer­den ein­mal stau­nen, wenn der Herr im Him­mel die Treue belohnt. Doch dafür haben die meis­ten Chris­ten, und beson­ders vie­le jun­ge Chris­ten, über­haupt kei­nen Blick. Mar­tin Luther hat ein­mal gesagt – den Satz soll­te man sich mer­ken: „Nichts ist gefähr­li­cher für einen Chris­ten als eine Rei­he guter Tage!“ War­um? Weil die meis­ten nicht damit umge­hen kön­nen.

Ein Christ soll­te wenigs­tens den Zehn­ten von allem geben. Wer macht das von den jun­gen Leu­ten? Und wer von den Kin­dern? Als ich das begrif­fen hat­te, hat­ten wir noch kei­ne Kin­der. Damals habe ich es mit mei­ner Frau abge­macht: Auch von jedem Geschenk woll­ten wir immer den Zehn­ten dem Herrn geben. Und dann kamen die Kin­der. Unse­re Kin­der haben sobald sie mit Geld ein biss­chen umge­hen konn­ten, Taschen­geld bekom­men. Das Geld war nach Alter abge­stuft. Und jedes Jahr gab es eine Taschen­geld­erhö­hung. Alle hat­ten eine Spar­do­se und alle hat­ten ein Spar­buch und ein Port­mo­nee.

Und dann haben wir ihnen ans Herz gelegt: „Gebt dem Hei­land den Zehn­ten, dann wird er immer für euch sor­gen!“ In jeder Kin­der­stun­de wur­de für ein Wai­sen­kind gesam­melt. Und sie waren treu und haben den Zehn­ten gege­ben, beson­ders dann, wenn wie­der ein­mal ein Mis­sio­nar im Hei­mat­dienst war und sei­ne Dias zeig­te und dann für sei­ne Arbeit gesam­melt wur­de.

Über Geld muss gelehrt wer­den. Wir haben tag­täg­lich damit zu tun. Und über den rich­ti­gen Umgang muss auch in der Jugend­sun­de und in der Gemein­de gelehrt wer­den. Aber weit­hin tut man das nicht und dar­um wis­sen die Leu­te vie­les nicht. Ihr könnt das mal in der Bibel nach­prü­fen und dann könnt ihr sehen, dass Jesus mehr über Geld gespro­chen hat als zum Bei­spiel über Gebet. Das war ihm ein wich­ti­ges The­ma. Jesus möch­te dass wir ihm mit unse­ren Gaben die­nen.

Schwarz­ar­beit ist auch ein trau­ri­ges The­ma. Wie vie­le Gläu­bi­ge machen Schwarz­ar­beit, die sie sich z.T. auch bezah­len las­sen. Am Staat vor­bei. Und das ist ein­fach falsch. Wir kön­nen das als Chris­ten nicht tun, ob uns das gefällt oder nicht, weil wir sonst an die­ser Stel­le betrü­gen. Oder wie vie­le älte­re Leu­te bezie­hen eine Ren­te, die sie in die­ser Höhe eigent­lich nicht bekom­men dürf­te. Weil sie Anga­ben gemacht haben, die nicht stim­men. Das kann ja kei­ner genau nach­prü­fen, wo sie wie lan­ge gear­bei­tet haben. Die­se Leu­te kom­men auch in den Him­mel, aber statt Lohn für treue Haus­hal­ter­schaft wird es Beschä­mung geben.

Ich kann mir auch vor­stel­len, dass man­che, die immer hier im Ram­pen­licht gestan­den haben, dann ganz dumm daste­hen wer­den. Jesus wird sagen: „Dafür bist du doch schon belohnt! Aber sieh das Müt­ter­chen da an. Es war so treu im Ver­bor­ge­nen, z.B. im Gebet, doch es wur­de kaum von jeman­dem bemerkt. Jetzt wird es von mei­nem Vater geehrt.

Zu uns kom­men immer öfters Jugend­li­che in die Jugend­stun­den, bei denen wir mer­ken, dass sie schon mit Dro­gen, Alko­hol und Ziga­ret­ten Erfah­rung haben. Wie kön­nen wir ihnen zei­gen, dass sie kei­ne Ziga­ret­ten, Dro­gen und gott­lo­se Musik brau­chen, son­dern dass sie aus Freu­de Jesus die­nen kön­nen? Wie kön­nen wir sie in die Mit­ar­beit in der Jugend ein­be­zie­hen?

Ich habe bei einer Stu­di­en­rei­se durch Ame­ri­ka eine Men­ge Gemein­den besucht. Auch da konn­te ich mir einen guten Über­blick ver­schaf­fen. Wir kamen an einem Abend in eine Gemein­de. Wir woll­ten auch die Jugend­ar­beit ken­nen­ler­nen. Vor der Jugend­stun­de gab es in einer gro­ßen Hal­le aller­lei Ball­spie­le. Da wur­de hart gekämpft. Zuerst frag­ten wir und, was denn hier los wäre. Wir hat­ten und doch auf eine Jugend­stun­de ein­ge­stellt. Ich war rich­tig erschro­cken. Wie die sich da aus­ge­tobt haben!

Doch dann ging es in die Jugend­stun­de. Sie san­gen vie­le Lie­der zu einer pas­sen­den Musik, doch dann kam eine Bot­schaft über Hin­ga­be, eine Bot­schaft, die wirk­lich jeden erreich­te. Das war so eine gute Bot­schaft über das Leben mit Jesus. Dann wur­de gebe­tet und danach konn­te man sehen, wie zwei Gläu­bi­ge mit einem Ungläu­bi­gen, den sie mit­ge­bracht hat­ten, zusam­men stan­den, ihm den Heils­weg erklär­ten und dann mit mit bete­ten.

Aber die haben den jun­gen Leu­ten etwas gebo­ten, das ihnen Spaß mach­te. Die haben sich aus­ge­tobt und hin­ter­her kam dann die­se Andacht. Die Jugend­grup­pe ist gewach­sen. Jeder hat­te den Wunsch, Freun­de zu Jesus zu brin­gen.

Bei uns­ren jun­gen Leu­ten haben wir oft das Pro­blem, dass sie vor Lan­ge­wei­le nicht wis­sen, was sie tun sol­len. Sie haben nichts, was sie wirk­lich begeis­tert. Sie haben kei­ne Auf­ga­ben. In der Schu­le ler­nen sie und haben etwas zu tun. In der Gemein­de ler­nen sie, aber haben nichts zu tun. Und das ist das Pro­blem. Es gibt über­schüs­si­ge Kräf­te und Lan­ge­wei­le – und dann kommt einer an und bie­tet eine Ziga­ret­te an, ja und dann kommt die ver­kehr­te Wei­chen­stel­lung.

Die Pro­gram­me müs­sen so sein, dass die jun­gen Leu­te gefor­dert sind. Die müs­sen mer­ken, dass sich ihr Tun lohnt. Und dass das, was sie tun, aner­kannt wird. Wenn jun­ge Leu­te bei einem Stra­ßen­ein­satz ein­la­den und 5 Leu­te kom­men dann mit und einer davon kommt viel­leicht zum Glau­ben, dann kann man das mes­sen. Man sieht: Das hat sich gelohnt! Aber wenn man nichts macht, was sich nicht mes­sen lässt – was bringt das?

Also wenn ich hier etwas Kri­ti­sches sage, dann ein­fach, weil mich vie­les, was ich beob­ach­te, wirk­lich trau­rig macht. Und wenn ich an die hie­si­gen Gemein­den den­ke – was da manch­mal alles schief läuft. Man kann aber auch so viel und so ver­kehr­te Pro­gram­me machen, dass das Geist­li­che gar nicht mehr vor­kommt.

Wenn man nach Kana­da kommt, dann stellt man fest dass fast, dass fast jede Men­no­ni­ten­ge­mein­de hin­ter der Kir­che eine Sport­hal­le hat. Und da toben die jun­gen Leu­te sich aus. Da spielt eine Gemein­de gegen die ande­re. Und was machen unse­re Jugend­li­chen? Unse­re Jugend­li­che hän­gen irgend­wo her­um und kom­men oft gar nicht oder zu spät und nach der Jugend­stun­de gehen sie zu McDo­nalds. Aber sie sind zum gro­ßen Teil nicht wirk­lich ergrif­fen von einem Leben mit Jesus.

Hier in Düren gibt es inzwi­schen vier ähn­li­che Gemein­den. das ist eigent­lich gut so. Die Gemein­den soll­ten so vor­ge­hen. Man soll­te ruhig sagen: Unse­re Gemein­de hat jetzt eine Grö­ße, dass wir uns fast nicht mehr alle ken­nen, wir soll­ten eine neue Sta­ti­on bau­en. Die­se Stadt muss durch­drun­gen wer­den. Inzwi­schen gibt es hier schon eini­ge Mosche­en. War­um denn? Die wol­len am liebs­ten in jeder Stra­ße eine haben. Und so ähn­lich soll­ten auch wir vie­le Gemein­den grün­den.

Hier geht es zu Teil 13.
Und hier zu Teil 3/3.

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