Literatur
Schreibe einen Kommentar

„Ich finde, du solltest nicht so viel Theologie lesen“

Mit Lord Peter Wimsey in England

Was liest man, wenn man in West­eng­land unter­wegs ist? Nun ich emp­fand Lord Peter Death Bre­don Wim­sey als die rich­ti­ge Wahl. Doro­thy L. Say­ers  (vgl. auch zahl­rei­che Bei­trä­ge von hanniel.ch zu Say­ers Werk) aller ers­ter Roman „Der Tote in der Bade­wan­ne“ (auch „Ein Toter zu wenig“) hat mir beson­ders gut gefal­len. Say­ers lässt Detek­tiv Par­ker zur Ent­span­nung einen Kom­men­tar zum Gala­ter­brief lesen. Fan­tas­tisch! Tat­säch­lich hat Say­ers ihr christ­li­ches Bekennt­nis nie ver­schwie­gen, was man in ihrem Werk regel­mä­ßig sieht. Ihr Werk lebt von einer ehr­li­chen aber auch selbst iro­ni­schen Ana­ly­se Britta­ni­ens zwi­schen den  zwei Welt­krie­gen. Eini­ge Zita­te:

Wim­sey hat offen­sicht­lich Geld­res­sour­cen ohne Ende für sein Hob­by, und einen Die­ner, der aber eher wie ein väter­li­cher Freund agiert: „„Hier bin ich, Mylord“, ant­wor­te­te Mr. Bun­ter mit respekt­vol­lem Tadel, „aber wenn Sie mir die Bemer­kung gestat­ten…““

Dass der bri­ti­sche Adel oft mehr Schein als Sein bot, ver­schweigt Say­ers nicht: „Die Unter­hal­tung schlepp­te sich müh­sam dahin, bis der Ehren­wer­te Fred­dy eine Grä­te im See­zun­gen­fi­let ent­deck­te und den Ober­kell­ner kom­men ließ, um sich ihr Vor­han­den­sein erklä­ren zu las­sen.“

So argu­men­tiert übri­gens ein Unter­su­chungs­rich­ter, der einen vol­len Raum „lüf­ten lässt“: „Das lös­te eini­ge Bewe­gung und den einen oder ande­ren Miss­fal­lens­ruf aus, was der Unter­su­chungs­rich­ter jedoch mit dem gestren­gen Hin­weis unter­band, dass ein unge­lüf­te­ter Saal bei der zur Zeit wie­der umge­hen­den Grip­pe eine Todes­fal­le sei“

Der sel­be Rich­ter redet zwi­schen den Zei­len „Er ent­ließ sie dann mit der unaus­ge­spro­che­nen Ermah­nung, sich ein biss­chen zu beei­len.“

Das Lesen des Gala­ter­briefs wirk­te wohl auch unbe­wusst bei Inspek­tor Par­ker: „Mr. Par­ker gab einen ermu­ti­gen­den Laut von sich, der unter Lai­en die Funk­ti­on des pries­ter­li­chen „Ja, mein Sohn?“ hat“ 

Neben die­ser Ästhe­tik des Schreib­stils über­zeugt auch der Plot. Man erkennt schon bald, wer der Mör­der ist, doch wie soll man ihn bloß über­füh­ren? Zudem ist zumin­dest hier im Früh­werk Lord Peter alles ande­re als ein tadel­lo­ser und voll­kom­men ent­wi­ckel­ter Detek­tiv im Sin­ne eines Sher­lock Hol­mes und ver­folgt auch mal eine fal­sche Spur.

Hinterlasse einen Kommentar!

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.