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„Gottes Wort wird ohne Anfechtung nicht gelernt“

Martin Luther über die Anfechtungen

Luther im Kreise seiner Familie musizierend. Gemälde von Gustav Spangenberg (1828-1891)

Luther im Krei­se sei­ner Fami­lie musi­zie­rend. Gemäl­de von Gus­tav Span­gen­berg (1828−1891) (gemein­frei)

In den letz­ten Wochen befie­len mich Anfech­tun­gen, die ich in die­ser Inten­si­tät schon vie­le Jah­re nicht erlebt habe. In C.S. Lewis‘ Dienst­an­wei­sung an den Unter­teu­fel wird der Unter­teu­fel letz­ten Endes für sein Ver­sa­gen vom Ober­teu­fel auf­ge­fres­sen. Das Bild eines Teu­fels, der einen samt Haut und Haar fres­sen will, schwebt mir häu­fig in mei­nen Anfech­tun­gen. Man ist mit einem Geg­ner kon­fron­tiert, der einem zu stark ist. Zum Glück dür­fen wir als Chris­ten zu dem EINEN ren­nen, der den Satan in die Flucht jagt.

Ein Lehr­meis­ter der Anfech­tung, dürf­te Mar­tin Luther sein. Die Aus­wahl Kurt Alands, die ich als digi­ta­le Biblio­thek besit­ze, lie­fert mehr als 315 Such­ergeb­nis­se für die Begrif­fe Anfech­tung. In sei­ner Vor­re­de zum 1 Band der deut­schen Schrif­ten (1939), redet Luther über die „rech­te Wei­se, Theo­lo­gie zu stu­die­ren“. Man sol­le sich an Psalm 19 ori­en­tie­ren:

Da wirst du drei Regeln drin fin­den, die den gan­zen Psalm hin­durch reich­lich vor­ge­tra­gen wer­den. Sie hei­ßen: Gebet, Medi­ta­ti­on, Anfech­tung.

Dass man Got­tes Wort nicht ohne Anfech­tung ler­nen kann,  bezeug­te Luther regel­mä­ßig in sei­nen Tisch­re­den, so z.B. TR 15:

Mei­ne Theo­lo­gie hab ich nicht auf ein­mal gelernt, son­dern ich hab immer tie­fer und tie­fer danach for­schen müs­sen. Da haben mich mei­ne Anfech­tun­gen zu gebracht; denn die hei­li­ge Schrift kann man nim­mer­mehr ver­ste­hen, außer durch Pra­xis und Anfech­tun­gen. (…) So hat Pau­lus auch einen Teu­fel gehabt, der ihn mit Fäus­ten geschla­gen und ihn so mit sei­nen Anfech­tun­gen getrie­ben hat, flei­ßig in der hei­li­gen Schrift zu stu­die­ren. So habe ich den Papst, die Uni­ver­si­tä­ten und alle Gelehr­ten und durch sie den Teu­fel mir am Hal­se kle­ben gehabt; die haben mich in die Bibel gejagt, daß ich sie flei­ßig gele­sen und damit ihr rech­tes Ver­ständ­nis end­lich erlangt habe. Wenn wir sonst einen sol­chen Teu­fel nicht haben, so sind wir nur spe­ku­la­ti­ve Theo­lo­gen, die ledig­lich mit ihren Gedan­ken umge­hen und mit ihrer Ver­nunft allein spe­ku­lie­ren, daß es so und also sein sol­le;

Luther spricht auch dar­über, wel­che Anfech­tung die größ­te ist (TR 175):

Die Anfech­tung des Glau­bens ist die aller­schwers­te, denn der Glau­be soll alle ande­ren Anfech­tun­gen und Übel über­win­den. Wenn die­ser nun in Anfech­tun­gen unter­liegt, so über­fal­len die ande­ren alle, auch die aller­kleins­ten, den Men­schen. Wenn aber der Glau­be bleibt, so kann man die aller­größ­ten Anfech­tun­gen ver­ach­ten. Denn wenn der Glau­be recht und gesund ist, neh­men die ande­ren Anfech­tun­gen ab.

Danach ist wie­der davor (und fühlt sich aufs Neue völ­lig neu an, in TR 186):

Wenn eine Anfech­tung vor­bei ist, dann ist bestimmt auch schon die nächs­te da, der wir uns ent­ge­gen­stel­len müs­sen. Und wenn die­se ande­re kommt, betra­gen wir uns, als wäre sie die ers­te oder als ob wir über­haupt kei­ne vor­her gespürt hät­ten.

Der Angriffs­punkt der Heils­ge­wiss­heit (TR 674):

Das ist die größ­te Anfech­tung des Teu­fels, wenn er sagt: Gott haßt die Sün­der. Du aber bist ein Sün­der, also haßt Gott auch dich. Die­se Anfech­tung bekommt der eine so, der ande­re so zu spü­ren.  (…) Sol­che Anfech­tun­gen sind uns sehr dien­lich und nicht, wie es scheint, zum Ver­der­ben. Sie sind eine Unter­wei­sung und jeder Christ soll beden­ken, daß er ohne Anfech­tun­gen Chris­tus nicht recht erfah­ren kann.

Luther rede­te recht offen über sei­ne Anfech­tun­gen und sah in die­sen ein Gna­den­mit­tel (TR 676):

In die­ser Zeit habe ich des öfte­ren mit Gott geha­dert: in mei­ner Unge­duld warf ich ihm sei­ne Ver­spre­chun­gen vor. Da lehr­te mich Gott die hei­li­ge Schrift recht ver­ste­hen. Denn es ist sonst unmög­lich, daß ein Mensch die hei­li­ge Schrift ver­ste­he, wenn es ihm immer nach sei­nem Wil­len geht. Denn Gott will, daß wir nicht an unse­rer Unge­duld zer­bre­chen. Er sagt näm­lich in sei­ner gan­zen Schrift (Ps. 130, 6): War­te, war­te »von einer Mor­gen­wa­che bis in die Nacht!« Und er ist wahr­lich ein fei­ner Gott. Wenn er schon nicht sofort hilft, so gibt er doch ein Maß, das man tra­gen kann. So sagt auch Hiob (13, 15 ff.): Wenn mich Gott schon erwürg­te, so will ich doch auf ihn hof­fen. Mag es immer­hin sein, daß du dein Ant­litz vor mir ver­birgst, so kann ich den­noch nicht glau­ben, daß du mein Feind bist.

Aus der Ves­te Coburg 1530 schreibt er an Hie­ro­ny­mus Wel­ler:

In die­ser Art der Anfech­tung und des Kamp­fes ist die Ver­ach­tung die bes­te und leich­tes­te Wei­se den Teu­fel zu besie­gen. Ver­la­che den Wider­sa­cher und suche jemand auf, mit dem Du ver­trau­lich plau­dern kannst. Die Ein­sam­keit mußt Du auf jede Wei­se flie­hen, denn so fängt er Dich am sichers­ten und stellt Dir nach, wenn Du allein bist. Durch Spott und Ver­ach­tung wird die­ser Teu­fel über­wun­den, nicht durch Wider­stand und Dis­pu­tie­ren. Daher sollst Du mit mei­ner Frau und den ande­ren scher­zen und spie­len, damit Du die­se teuf­li­schen Gedan­ken zu Fall bringst, und sei dar­auf bedacht, daß Du guten Mutes bist, lie­ber Hie­ro­ny­mus. Die­se Anfech­tung ist Dir not­wen­di­ger als Spei­se und Trank. Ich will Dir erzäh­len, was mir einst wider­fah­ren ist, als ich unge­fähr in Dei­nem Alter war: Als ich frisch ins Klos­ter gekom­men war, geschah es, daß ich immer trau­rig und betrübt ein­her­ging, auch die­se Trau­rig­keit nicht able­gen konn­te. Des­halb such­te ich Rat und beich­te­te Dok­tor Stau­pitz (die­ses Man­nes tue ich gern Erwäh­nung) und eröff­ne­te ihm, was für greu­li­che und schreck­li­che Gedan­ken ich hät­te. Dar­auf sag­te er: Du weißt nicht, Mar­tin, wie nütz­lich und not­wen­dig dir die­se Anfech­tung ist, denn Gott plagt dich nicht umsonst so; du wirst sehen, daß er dich als einen Die­ner gebrau­chen wird, um gro­ße Din­ge aus­zu­rich­ten. Und so geschah es.

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