Leben als Christ
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Pornographie – Endlich Frei?!

Ein persönliches Zeugnis und Buchvorstellung

Heute möchte ich die Gelegenheit nutzen, ein persönliches Zeugnis zu erzählen, bei dem ein Buch eine besondere Rolle spielt. Das Zeugnis macht deutlich, was für ein besonders kaputtes Wrack ich bin, aber es sollte noch viel mehr deutlich machen, wie groß mein Erlöser ist.

256259Ich komme aus nicht christlichen Kreisen und bin nur unter einer überaus meisterlichen Führung Gottes zum Kontakt mit Christen gekommen (dies will ich bei einem anderen Anlass auch ausführlich in diesem Blog berichten). Eine Begebenheit jedoch zur Illustration: Mit knapp 10 Jahren ging ich zu einem Prediger, der immer wieder mit den Leuten auf der Straße über Christus sprach, nahm meinen ganzen Mut zusammen und fragte Ihn: „Dürfen Kinder auch in die Kirche gehen?“. So fremd war mir das Christentum. Seit diesem Zeitpunkt war ich jedoch regelmäßig Besucher einer lebendigen Baptistengemeinde im Raum Hohenlohe. Besonders angetan war ich von dem Frieden, der im Hause des Predigers herrschte. Dies kannte ich so nicht in meinem Heim. Nun, schnell wurde mir auch meine Verantwortung vor Gott bewusst, so dass ich mich mit 16 Jahren von Gottes Rufen überführt fühlte und errettet wurde. Dennoch, – was mich damals sehr wunderte -, wurde ich nicht von allen Lastern und Bindungen befreit.

So wurde ich zwar frei vom Hass auf meine Mitmenschen (der bis dahin wohl der entscheidende Antrieb meines Lebens war) aber z.B. nicht von meiner Pornographie-Sucht. Damals konnte ich nicht verstehen, wie tief diese Sucht in mir verwurzelt ist: Mit etwa 11 Jahren war es nämlich so, dass ich pornographische Filme meines älteren Bruders entdeckte und auch heimlich anschaute. Seit diesem Moment war ich von dieser Sünde gefesselt. Obwohl ich auch damals wusste, dass so ein Verhalten nicht richtig sein kann, bin ich nicht mehr davon frei gekommen. Auch nach meiner Bekehrung (oder anders: nachdem ich gläubig wurde) konnte ich von dieser Bindung nicht frei werden. Diese Sünde sollte mich noch viele Jahre meines Glaubensleben quälen. Denn ich versuchte Vieles, um von dieser Sünde freizukommen. Ich fastete viel und führte ein überaus asketisches Leben. Und auch wenn ich in der Lage war, immer wieder diese Sünde über Wochen und Monate im Griff zu haben, so blieb mir doch zu jedem Zeitpunkt klar, dass ich davon (noch) nicht frei war. Der Grund war nämlich, dass ich täglich eine überaus große Lust nach Pornographie, unzüchtigen Gedanken und Selbstbefriedigung verspürte. Man denke an einen Alkoholiker: Dieser kann seinen Konsum oftmals für lange Zeit im Zaum halten, und doch ist er zu diesen „trockenen“ Tagen nicht frei von seiner Sucht. So ging es mir: Viele Tage hielt ich „trocken“ aus, aber gebunden blieb ich dennoch. Das Tragische bei dieser Sünde: Sie ist recht leicht zu verbergen. Auch lockt sie einen mit besonders großen Versprechungen. Doch kaum ist man erneut gefallen, fühlt man sich wieder elendig. Ein Bibeltext, der diesen Zustand gut beschreibt findet sich in Sprüche 5,3-4:

Denn die Lippen der Hure sind süß wie Honigseim, und ihre Kehle ist glatter als Öl,

aber hernach bitter wie Wermut und scharf wie ein zweischneidiges Schwert.

So konnte ich in all diesen Jahren nur selten Freude in Christus verspüren. Meine Heilsgewissheit, die ich nach der Bekehrung hatte, habe ich auch schnell verloren, und hielt mich bald für einen, der wider besseres Wissen gesündigt hatte und dadurch nun endgültig verloren gegangen sei (Vgl. Hebr. 10,26).

Nun gingen die Jahre ins Land und ich dachte mir, dass meinem Problem geholfen werden kann, wenn ich heirate. Gott gab mir Gnade und schenkte mir eine wunderbare Gehilfin, und dennoch wurde ich nicht frei. Die Qual der Sünde war umso größer, denn es war mir klar, dass meine Taten, Taten der Untreue gegenüber meiner Partnerin sind. Mit der Zeit schlichen sich auch längst vergessene Ärgernisse wieder in mein Herz zurück (Vgl. Matth. 12,45): Bald wurde mein Glaubensleben äußerst oberflächlich, meine Redeweise eines Christen unwürdig und Filme anzuschauen wurde mir lieber, als in der Schrift zu forschen. Dennoch hielt mich Gottes Gnade, was mir allzu wunderbar ist. Gott mahnte mich täglich und er gab mir Gnade zur Rettung!

Und dies geschah so: Vor etwa einem Jahr beschloss ich, trotz meiner Unwürdigkeit und Verlorenheit, einfach mehr in der Bibel zu lesen und mehr Dinge in der Schrift zu erforschen. Das Thema, dass mich damals bewegte, war „Gott und seine Eigenschaften“. Dies brachte mich sehr zum Staunen, denn was mir damals bewusst wurde: Ich habe den Heilsplan Gottes und überhaupt das ganze Christliche Wesen bisher viel zu sehr am Menschen festgemacht. Bisher hasste ich die Sünde der Pornographie nicht. Ich hasste diese Sucht nämlich nicht, weil sie Sünde ist, sondern weil ich wusste, mit dieser Sünde komme ich in die Hölle und nicht in das Paradies. Ich hasste die Sünde also nur um der Bestrafung willen! Nicht aber, weil ich mich schuldig machte vor meinem Erlöser. Mein Leben drehte sich nur um mich und nicht um Gott. So groß ist also Gott, war mein Erstaunen und so erbärmlich bin ich als Mensch.

Obwohl ich mit dieser Erkenntnis zwar noch nicht von der Pornographie frei wurde, hatte diese Erkenntnis etwas Erleuchtendes: Gott gab mir Kraft, Dinge in meinem Leben zu verändern: Zum Beispiel hörte ich mit Schwarzarbeit auf und auch die Sünde der Notlüge (die ich bis dahin für durchaus zulässig hielt) legte ich ab. Nun aber wurde die Qual der Pornographie-Sucht umso größer in meinem Leben. Ich fand kaum noch Ruhe vom geplagten Gewissen. Nun versuchte ich den Kampf noch intensiver zu führen, aber umso tiefer wurde der Fall. Ich war am Verzweifeln. Ganz unten angekommen, fasste ich einen Entschluss der Verzweiflung: Ich griff zu einem Ratgeber. Gerne hätte ich mir einen menschlichen Ratgeber gewünscht zu diesem Zeitpunkt, aber ich kannte keinen, dem ich mich offenbaren konnte. Auch war mir wohl zu diesem Zeitpunkt wichtiger, dass meine Sünde verborgen bleibt, als das sie vergeben wird. Meine verzweifelte Tat lag also darin, dass ich einen Ratgeber in Schriftform befragte. Hört sich trivial an, war für mich aber etwas sehr Neues! Bis dahin hielt ich es für unter meiner Würde, zu zugeben dass ich Hilfe zur Errettung benötige, und es wohl aus eigener Kraft vermögen werde. Auch waren Ratgeber und Bücher zur Seelsorge für mich etwas, zu dem ich Misstrauen hegte. Ich dachte immer: „Wenn Gottes Wort mir nicht helfen kann, wie kann ein Buch eines Menschen es tun?“. Wie es sich rausstellte, hatte ich hierbei einen Denkfehler.

Nun fand ich das Buch von Heath Lambert, Endlich Frei?!, auf der Homepage des CLV Verlags (Hier tat der Service des Verlags, der alle seine Bücher zum Download anbietet, sein Übriges: Solch ein Buch in Papierform zu kaufen, fehlte mir der Mut.). Ich fing also an zu lesen und konnte nicht aufhören. Es war nachts, denn ich wollte es vor meiner Frau verbergen. Was soll ich nun sagen?  Das Buch überführte mich von meiner Sünde. Dem Autor gelang es, mir meine Augen aufzumachen. Die ganze Größe meiner Schuld wurde mir klar. Bisher sah ich mich leichtfertig nur als Opfer der Gesellschaft: Alles läge nur an meiner Erziehung und an der Verdorbenen Gesellschaft. Nun erkannte ich, es liegt an mir. Meine Bindungen habe ich zu verantworten. Aber auch liegt die Rettung nicht in mir, sondern in Gott.

Ich weiß nicht, wie mir darauf geschah. Das erste was ich tat, war, dass ich Gott nochmals um Vergebung (Zum tausendsten Mal?) und auch um Kraft zum Sieg (Dies zum ersten Mal?) bat. Die erste Tat die daraufhin folgte, war wahrlich eine Gnadentat: Ich offenbarte mich meiner Partnerin. Ich verleugnete nichts, gestand ihr meine Bindungen und bat sie um Verzeihung (Das zweit-schönste Erlebnis an dieser Geschichte ist sicherlich auch, dass meine Frau mir von ganzem Herzen vergeben hat.).

Das nächste wozu ich in der Lage war (noch fühlte ich nicht die Freiheit), war dass ich versuchte nicht mehr von der Finsternis wegzulaufen, sondern zum Licht hinzulaufen. Sicherlich ist jedem diese Zweiteilung in der Schrift bekannt, z. B.: Gott lieben, aber die Welt hassen, Jesus dienen aber nicht dem Mammon. Bisher versuchte ich nur den zweiten Fall zu vermeiden: Das heißt ich bemühte mich, die Welt zu hassen, aber es wollte mir nicht gelingen. Seltsamerweise bin ich nie auf die Idee gekommen, diese Aufgabe von der anderen Seite,  von der Seite Gottes anzufangen: Das heißt mit der Liebe Gottes. Seit ich versuche ein Leben zu führen, dass sich mehr um Gott dreht, hat das Locken der Welt in großem Maße abgenommen. Sehr bald darauf, schneller als ich das erwartet hätte, gab mir Gott Gnade und schenkte mir die Freiheit. Womit ich Sie verdient habe? Mit Nichts! Diese Freiheit gibt es nur aus Gnaden. Preist den Herrn! Ich hielt es nicht für möglich, dass mir noch geholfen werden kann, aber Gott half mir und schenkte mir die Freiheit von diesem schrecklichen Unkraut!

Nun unternahm ich aber noch einen weiteren Schritt: Ich ging zum Pastor der Gemeinde, und offenbarte mich ihm. Nicht dass ich ein Gespräch des Trostes oder der Zurechtweisung noch für nötig hielt. Aber es gab ein Problem, was mich auch all die Jahre gequält habe: In all diesen Jahren der Sucht habe ich dennoch in der Gemeinde als Prediger gedient (Anm.: in einer russlanddeutschen Gemeinde ist es zumeist üblich, dass auch Laien in den Predigtdienst kommen). Nun ist aber eine Bedingung für den Predigtdienst, dass man frei von Sündenbindungen ist. Dies war ich aber nicht! Diese Heuchelei die ich zuließ in meinem Leben, war mir ein schrecklicher Dorn, er behinderte mein ganzes geistliches Wachstum. Nun gab mir Gott Kraft auch diesen Bereich in Ordnung zu bringen. Es ist wichtig, dass mein Leben Gott gehört, bis dahin war oftmals geneigt, ihn mit einigen guten Werken abzuspeisen …

Abschließen konnte ich die Sache, als ich mich vor die Gemeinde stellte und meine Sünden bekannte. Ich hielt es aus dem oben genannten Grunde für notwendig. Man muss solche Bindungen nicht vor allen bekennen, sondern nur vor denen, vor denen man sich verschuldigt hat. Ich jedoch habe das Amt eines Predigers missbraucht, in dem ich die Gemeinde hinterging: Denn ich predigte von der Freiheit in Christus, war aber selbst nicht frei.

Nun freue ich mich meiner Errettung in Christus und jeder Tag ist ein wunderbarer herrlicher Tag, denn ich in seiner Gnade verbringen darf. Ich darf endlich Heilsgewissheit verspüren. Der Kampf mit Sünde ist sicher noch nicht vorbei, aber doch ist mir ein über alle Maßen großer Stein von Herzen gefallen. Auch befallen mich oft Zweifel, vor allem darüber, wie Gott mir,  einem so großen Abschaum, der wider besseres Wissen sündigen konnte, doch vergeben konnte. Aber ich muss lernen, nicht nur zu wissen und zu verstehen, sondern zu glauben und zu vertrauen!

Ich danke an dieser Stelle Br. Lambert für sein Buch. Jeden, der auch Probleme mit dieser Sünde hat, kann ich nur ermutigen den Kampf nicht aufzugeben. Freiheit liegt in Christus. Suche Gott und du findest das ewige Leben.

Anmerkung: Nicht das Buch von Lambert machte mich frei, sondern ausschließlich die Gnade Gottes. Aber Gott gebrauchte das Buch um meine geistliche Not aufzudecken und mir aufzuzeigen, wie weit entfernt ich von einem gottgefälligen Leben bin. Vor allem gelingt es dem Autor besonders eindrücklich den Fall der Pornographie aufzuzeigen. Pornographie-Sucht ist eine Sünde von hochmütigen, arroganten, unzufriedenen und undankbaren Menschen. Diese These stellt Lambert auf! Ich kann bestätigen, er hatte recht, nur wollte ich das nie so recht eingestehen! Übrigens, besonders bewegend an dem Buch: Auch der Autor selbst war früher in dieser Bindung und konnte frei werden!

Titel: Endlich Frei ?!
Untertitel: Pornographie – Der Kampf um Reinheit in der Kraft der Gnade!
Autor: Heath Lambert
Seiten: 192
Format: 20 x 13
Einband: Paperback
Jahr: 1. Auflage 2014
Verlag: CLV
ISBN: 978-3-86699-259-7
Preis: 6,90 EUR
erhältlich bei: CLV
als PDF zum Download: CLV

4 Kommentare

  1. René Malgo sagt

    Vielen Dank für diesen ehrlichen Artikel! Ich hoffe und bete, dass dein Beitrag und die Buchempfehlung dazu beitragen dürfen, auch anderen zu helfen.

  2. Pingback: Gesehen: Buchrezension zu “Pornographie – Endlich frei” | In die Irre wie Schafe

  3. Alexander Kreis sagt

    Schließe mich den Vorkommentatoren voll an! Ein mutiger und ehrlicher Beitrag. Danke für dieses Zeugnis, das sicherlich viele ermutigen kann, die derzeit noch gegen die Pornografie ankämpfen.

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