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Wanderausstellung zur Reformation macht Station in Weingarten (Baden)

Anläss­lich des 500-jäh­ri­gen Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­ums gas­tiert in mei­ner Gemein­de (Men­no­ni­ten-Brü­der­ge­mein­de Wein­gar­ten) die Wan­der­aus­stel­lung „500 Jah­re Refor­ma­ti­on: Ein Rin­gen um die Wahr­heit und den Weg“. Sie war zuvor schon an sie­ben ande­ren Orten. Die Aus­stel­lung wur­de am 8. Janu­ar eröff­net und dau­ert bis zum 31. Janu­ar 2018.

Die hoch­wer­ti­ge Aus­stel­lung ver­setzt den Besu­cher in die Zeit des Umbruchs vom Mit­tel­al­ter zur Neu­zeit. Mit dem Ein­tritt durch die Tür der Schloss­kir­che in Wit­ten­berg, an der Luthers The­sen ange­schla­gen wur­den, erzählt die Aus­stel­lung von Luther und ande­ren Refor­ma­to­ren. Es wird fort­ge­setzt mit den gro­ßen Ver­än­de­run­gen in der christ­li­chen Kir­che und der Gesell­schaft. Des Wei­te­ren zeigt sie die Ent­ste­hung der Täu­fer­ge­mein­den und endet mit der Geschich­te der Men­no­ni­ten-Brü­der­ge­mein­de in Wein­gar­ten.

Die über ein­hun­dert lau­fen­de Meter umfas­sen­de Aus­stel­lung ist in acht Aus­stel­lungs­räu­me auf­ge­teilt. Aus­drucks­vol­le Gemäl­de, Bibel­ex­po­na­te, aus­sa­ge­kräf­ti­ge Model­le und Com­pu­ter-Prä­sen­ta­tio­nen geben einen guten Ein­blick in die span­nen­de Geschich­te der Refor­ma­ti­on. Außer­dem wird an einem Nach­bau einer Guten­berg­pres­se die Ent­ste­hung des Buch­drucks erklärt. Dabei kön­nen dann Groß und Klein einen Bibel­vers sel­ber dru­cken und so die Druck­kunst aus dem 14. Jahr­hun­dert ken­nen­ler­nen.Die Aus­stel­lung kann in den Gemein­de­räu­men der Men­no­ni­ten-Brü­der­ge­mein­de Wein­gar­ten besucht wer­den. Sie ist an jedem Tag von 15 — 20 Uhr geöff­net und am Sams­tag schon ab 10 Uhr. Ein­tritt ist frei. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen erhält man auf:
https://www.mbg-weingarten.de/reformation

Beglei­tend zur Aus­stel­lung wer­den Fach­vor­trä­ge gehal­ten. So refe­rier­te heu­te Hel­muth Egel­kraut zu dem The­ma: „Die Bedeu­tung des Wor­tes Got­tes in Lied und Pre­digt für den Got­tes­dienst bei den Refor­ma­to­ren.“ Fol­gen­de Aus­zü­ge wer­den mich noch län­ger beschäf­ti­gen:

1. Auch Luther sah, dass der neue Glau­be an das Evan­ge­li­um eine neue Gestalt im Got­tes­dienst brauch­te. Dabei lei­te­ten Luther fol­gen­de Grund­sät­ze:

  1. Aber nie­mand darf zum neu­en Glau­ben oder der neu­en Pra­xis mit Gewalt gezwun­gen wer­den.
  2. Man muss­te erst eine neue Ord­nung für den Got­tes­dienst haben, bevor man die alte abschaf­fen konn­te.
  3. Die­se konn­te von Gegend zu Gegend vari­ie­ren, aber in einem geschlos­se­nen Umfeld soll­te sie gleich sein, da es ja um den einen Glau­ben ging. Für den Inhalt galt
  4. Das Wort des Evan­ge­li­ums muss an ers­ter Stel­le ste­hen, ob in Gebet, Pre­digt oder Gesang. Den Glanz der Kir­chen und Prunk der Mess­ge­wän­der braucht man nicht. Der Glau­be ent­steht nicht aus dem Sehen, son­dern aus dem Hören des Evan­ge­li­ums, denn der Hei­li­ge Geist ver­mit­telt zwi­schen Spra­che, Hirn und Herz und Wil­le und schafft so den Glau­ben.
  5. Der Got­tes­dienst muss in ver­ständ­li­cher Spra­che sein, d.h. in dem Deutsch, das das Volk sprach und ver­stand. Doch es gab bis­her weder die Bibel noch Lie­der in Deutsch.
  6. Die Gemein­de muss am Got­tes­dienst aktiv teil­neh­men.

2. Das ein­fachs­te und natür­lichs­te Mit­tel, das Volk stär­ker am Got­tes­dienst zu betei­li­gen, … war das von der Gemein­de gesun­ge­ne deut­sche Lied.

  1. Die Gemein­de soll Gott loben.
  2. Die Gemein­de soll das Evan­ge­li­um zum Klin­gen brin­gen.
  3. Die Gemein­de soll das Evan­ge­li­um in das Herz auf­neh­men.
  4. Für Luther war der Gemein­de­ge­sang das voll­kom­mens­te Fun­da­ment des Got­tes­diens­tes. Aber die­se Lie­der gab es nicht.

3. Aus­zug aus „Drei Wei­sen des Got­tes­diens­tes“ (Die Deut­sche Mes­se, 1523):

„Die drit­te Wei­se, wel­che die recht Art der evan­ge­li­schen Ord­nung haben soll­te – nicht öffent­lich unter allem Volk. … Die­je­ni­gen, die mit Ernst Chris­ten sein wol­len und das Evan­ge­li­um mit der Tat und dem Mun­de beken­nen, müß­ten sich mit Namen in eine Lis­te ein­tra­gen und sich in einem klei­nen Kreis ver­sam­meln zum Gebet, um die Schrift mit­ein­an­der zu lesen, zu tau­fen und das Sakra­ment zu emp­fan­gen. … Hier könn­te man die, die sich nicht christ­lich ver­hiel­ten, ken­nen, stra­fen, bes­sern, stra­fen o-der in den Bann tun nach Matth. 18,15ff. Hier brauch­te man nicht gro­ße Gesän­ge, könn­te Tau­fe und Sakra­ment auf eine kur­ze fei­ne Wei­se hal­ten und alles aufs Wort und Gebet und die Lie­be rich­ten. „In Kür­ze: wenn man die Men­schen und Per­so­nen hät­te, die mit Ernst Chris­ten sein woll­ten, die Ord­nun­gen und Regeln dafür wären bald gemacht. … Aber ich kann und mag eine sol­che Gemein­de oder Ver­samm­lung noch nicht ord­nen oder anrich­ten. Denn ich habe noch nicht die Leu­te dazu, eben­so sehe ich auch nicht vie­le, die sich dazu drän­gen.“ (Quel­le: K. Aland, , Bd. 6, „Kir­che und Gemein­de“, Stutt­gart 166, 89f.)

4. Was wir kön­nen und was wir nicht kön­nen:

Luther erkannt, dass er zwar ein Werk ange­fan­gen hat­te, dass er aber die­ses Werk nicht zu Ende brin­gen konn­te, weil er nie­mand zum Glau­ben zwin­gen und die Her­zen, die die Fins­ter­nis mehr lieb­ten als das Licht, nicht ändern konn­te.

Und so wird es blei­ben, bis Jesus wie­der­kommt.

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NIMM UND LIES - dieser Aufforderung möchte ich selbst nachkommen und andere dazu motivieren und anleiten. NIMM UND LIES zuerst die Bibel und dann gute christliche Literatur. Denn beim Lesen lässt sich vortrefflich denken (nach Leo Tolstoi). Ich lebe mit meiner Frau und unseren vier Kindern in Baden-Württemberg.

6 Kommentare

  1. So etwas ähn­li­ches fand in mei­ner Hei­mat­ge­mein­de auch schon statt eher. It Mens hen der Refor­ma­ti­on.

  2. Johannes (Hans) Fischer sagt

    Sehr inter­es­sant, nütz­lich und auf­bau­end. Wir haben die Aus­stel­lung in Berg (TG) gese­hen.

  3. Eduard Klassen sagt

    In Berg (TG) war wahr­schein­lich eine ande­re Aus­stel­lung. Unse­re Aus­stel­lung war bis­her nur in Deutsch­land unter­wegs.

  4. Sergej Pauli sagt

    Ich durf­te die Aus­stel­lung besu­chen, und war sehr posi­tiv über­rascht. Es ist für jung und alt infor­ma­tiv und auch für bereits mit dem The­ma „Refor­ma­ti­on“ betrau­te erbau­end. Also: Nützt die Gele­gehn­heit!

  5. Waldemar Lust sagt

    Ich habe die­se Aus­stel­lung bereits zwei­mal besucht. Ein­mal mit der gan­zen Jung­schar. Sie ist sehr zu emp­feh­len da sie uns die Refor­mai­on und deren Zie­le näher bringt. Aber auch Bezug nimmt auf die heu­ti­ge Zeit. Mich hat auch die Viel­falt der Expo­na­te über­rascht und auch der Bezug zu Kunst. Sehr gut. Wirk­lich zu emp­feh­len.

  6. Soll­te die Aus­stel­lung in mei­ner Regi­on Halt machen, muss ich sie unbe­dingt anse­hen. Allei­ne schon wegen des men­no­ni­ti­schen Schwer­punkts :-), lie­ber Eddi.

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