Allgemein, Gedichte/Lyrik
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Mein Volk, das in vergang’nen Tagen

Vor eini­gen Jah­ren bin ich auf die­ses Lied gesto­ßen, dass ich ger­ne mit euch tei­len wür­de, da der Inhalt doch unge­wöhn­lich ist im Ver­gleich zu vie­len der ande­ren alten Glaubenslieder:

1. Mein Volk, das in ver­gang­nen Tagen
des Her­ren Ban­ner fröh­lich schwang,
dazu, von hohem Geist getragen,
so himm­lisch schö­ne Lie­der sang,
wo ist denn dei­ner Väter Glauben,
ihr‘ fes­te Burg, ihr‘ Waff und Wehr?
Du ließt dein höchs­tes Gut dir rauben
von einem gan­zen Höllenheer!

2. Mein Volk, das in verfloss’nen Zeiten
mit einer hei­li­gen Geduld,
ver­folgt, erträgt die schwers­ten Leiden,
gestützt auf Got­tes Vaterhuld,
kaum sah’n wir dich dem Leid entrinnen,
so warfst du dich zum Herr­scher auf,
um schnell am Faden fortzuspinnen,
wo Rom ver­lor den blu­t’­gen Lauf!

3. Mein Volk, das eins­tens protestierte
voll Kühn­heit wider Trug und Wahn,
dass schnell dein Geist, der lang‘ verirrte,
betrat der Wahr­heit lich­te Bahn.
Ist jener Kampf denn schon beendet,
im Geist besiegt der Lüg­ner Rott‘?
Weh‘ dir, du hast dein Herz gewendet,
bekämpfst das Licht nun selbst mit Spott!

4. Mein Volk, erwach aus dei­nem Schlummer
und kehr zu dei­nem Herrn zurück,
sonst trifft dich end­lich schwe­rer Kummer,
ver­scherz doch nicht dein eig­nes Glück!
Folg dei­ner Väter treu­em Mahnen,
noch hast du hier­zu Gnadenfrist.
O schar dich eilends zu den Fahnen
des Sie­ges­fürs­ten Jesus Christ.

3 Kommentare

  1. Andreas sagt

    Ich hat­te frü­her immer gedacht, dass die­ses Lied von der evan­ge­li­schen Lan­des­kir­che han­deln wür­de, die im 19./20. Jahr­hun­dert unter den bibel­kri­ti­schen Ein­flüs­sen von Schlei­er­ma­cher und Kon­sor­ten litt, aber Ernst Geb­hardt war Metho­dis­ten­pre­di­ger und dich­te­te wohl über sei­ne Kirche.

    Oder hast du ande­re Infos?

    Vom Text her kön­nen — den­ke ich — so man­che Konfessionen/Gemeinden die­ses Lied auf sich anwenden!
    Ein schö­nes Lied!

  2. Enrico sagt

    Mich wür­de sehr inter­es­sie­ren, was die ein­zel­nen Aus­sa­gen bedeu­ten und auf wen die sich beziehen.Bspw.: Was ist mit Rom’s blu­ti­gem Lauf gemeint?, Wer hat sich wann zum Herr­scher auf­ge­wor­fen?, usw.
    Im Inter­net fin­det man lei­der kei­ne Infor­ma­tio­nen zu so alten Liedern…

  3. Sergej Pauli sagt

    Hal­lo Enri­co, freut mich, dass auch alte Arti­kel noch gele­sen werden.
    Ich wür­de das Lied so deu­ten: In der ers­ten Stro­phe fin­det sich natür­lich eine Anspie­lung auf das Gott­ver­trau­en der Refor­ma­ti­on. Geb­hard als Metho­dist, dürf­te aber die evan­ge­li­schen Strö­mun­gen im all­ge­mei­nen sehen, nicht bloß die luthe­ri­sche Kir­che in D.
    Mit Roms blu­ti­gem Lauf, bzw. in Stro­phe 2 geht es dar­um, dass zwar das Chris­ten­tum die blu­ti­gen Angrif­fe unter dem römi­schen Rei­che bestan­den hat, sich aber irgend­wann selbst auf den Thron auf­schwang. Das ist natür­lich eine kri­ti­sche Deu­tung der kon­stan­ti­ni­schen Wen­de, im all­ge­mei­nen sieht Geb­hard hier aber sicher auch den Miss­brauch kirch­li­cher Macht und Gewalt, die ja im 19ten Jahr­hun­dert noch viel stär­ker war.
    in der drit­ten Stro­phe, da gebe ich Andre­as recht, sehe ich eine Kri­tik an der Bibelkritik.
    zuletzt schließt das Lied mit einem Auf­ruf, wie­der zu Jesus zurückzukehren.

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