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Gedanken zu »Noah«, der Kinofilm

Film und biblischer Bericht im Vergleich

Man­che Leser die­ses Blogs wer­den sich weni­ge Gedan­ken dar­über machen, ob sie den aktu­el­len Kino­film »Noah« anse­hen oder nicht. Für die­se Leser ist der heu­ti­ge Arti­kel nicht gedacht.

Die nach­fol­gen­den Gedan­ken rich­ten sich an die Leser, die sich den Film anschau­en möch­ten oder unent­schlos­sen sind. Wir ver­öf­fent­li­chen mit freund­li­cher Geneh­mi­gung des Beta­ni­en Ver­lags.

Der­zeit läuft im Kino der Film „Noah“, eine Adap­ti­on der bibli­schen Sint­flut­ge­schich­te. Wie viel davon ist biblisch und wie viel nicht – und wie pro­ble­ma­tisch ist das? Hier eini­ge zusam­men­ge­fass­te Infos, die ich ver­schie­de­nen Rezen­sio­nen ent­nom­men habe:

        1. Ver­ant­wort­lich für Dreh­buch, Regie und Pro­duk­ti­on ist Dar­ren Aronof­sky, der bis­her durch so gott­lo­se Fil­me wie Black Swan bekannt wur­de. Aronof­sky, ein „jüdisch-kon­ser­va­ti­ver Athe­ist“ erhebt jedoch den Anspruch, sein Film stel­le den Sint­flut­be­richt biblisch rich­tig dar — abge­se­hen von etwas künst­le­ri­scher Aus­ge­stal­tung — „getreu dem Wesen, den Wer­ten und der Inte­gri­tät die­ser Geschich­te, die ein Eck­stein des Glau­bens für Mil­lio­nen Men­schen welt­weit ist“ (so die offi­zi­el­le Erklä­rung zum Film).
        2. Doch neben vie­len zweit­ran­gi­gen Abwei­chun­gen vom bibli­schen Bericht (z.B. das Lamech in Film bereits in Noahs Kind­heit stirbt, Japhet statt Ham der jüngs­te Sohn Noahs ist etc.) ist das Haupt­pro­blem aus christ­li­cher Sicht, dass der Film ein völ­lig fal­sches Ver­ständ­nis sowohl von Gott als auch von der Sün­de bzw. dem Bösen ver­mit­telt.
        3. Gott wird völ­lig ver­zerrt dar­ge­stellt; er offen­bart sich Noah nicht ver­ständ­lich, son­dern in Rät­seln (im Gegen­satz zur kla­ren Bau­an­lei­tung der Arche in der Bibel), er ist grau­sam, so dass er von Noah ver­langt, sei­ne Enkel als Babys bru­tal zu ermor­den (was „Noah“ nicht übers Herz bringt) u.v.m.
        4. Er wird zwar Schöp­fer genannt, hat aber durch Evo­lu­ti­on, d.h. durch den Tod der schlech­ter Ent­wi­ckel­ten, geschaf­fen und nicht durch sein macht­vol­les Wort
        5. Methu­sa­lah, Noahs Groß­va­ter, wird wie ein spi­ri­tis­ti­scher Drui­de oder Hexer dar­ge­stellt, der „Noah“ mit­tels einer Art Zau­ber­trank zu sei­nen „gött­li­chen Offen­ba­run­gen“ ver­hilft. Auch dar­über hin­aus ist der Film auf­ge­la­den mit Mys­tik und Magie.
        6. Die Haupt­bot­schaft des Films ist die „Sün­de“ des Men­schen – aber nicht die Sün­de gegen Gott, son­dern gegen die Natur und die Tie­re. Es geht also um Natur­ver­göt­te­rung und zum Göt­zen­dienst ver­klär­ten Natur­schutz (ganz ent­spre­chend Römer 1,23). Z.B. gilt das Leben eines Tie­res mehr als das Leben von Men­schen; „Noah“ will drei Men­schen umbrin­gen, um ein Tier zu schüt­zen. Die schlimms­te Sün­de im Film ist, Fleisch von Tie­ren zu essen.
        7. Die tat­säch­li­che Sün­de – Gewalt gegen­ein­an­der und Rebel­li­on gegen Gott – wird in dem Film völ­lig her­un­ter­ge­spielt.
        8. Die Men­schen sind zwar die „Schul­di­gen“, die zum Ster­ben ver­ur­teilt sind, aber die Unschul­di­gen, die allein wei­ter­le­ben sol­len, sind die Tie­re. Die Arche ist nur zur Ret­tung der Tie­re da, Noahs Fami­lie soll anschlie­ßend auch aus­ster­ben.
        9. Der Bibel zufol­ge war Noah ein Gerech­ter und ein got­tes­fürch­ti­ges Vor­bild wie Hiob und Dani­el (Hes 14,14.20) und ein „Pre­di­ger der Gerech­tig­keit“ (2Petr 2,5); im Film wird er als psy­cho­pa­thi­scher Exzen­tri­ker dar­ge­stellt.
        10. Got­tes Auf­trag an den Men­schen, sich die Erde unter­tan zu machen und über die Natur und Tie­re in Ver­wal­ter­schaft zu herr­schen, wird im Film als „Sakri­leg an der Natur“ dar­ge­stellt. Die Schöp­fungs­ord­nung wird auf den Kopf gestellt.
        11. Dass der Mensch die­sen Auf­trag hat und nach dem Bild Got­tes als des­sen Reprä­sen­tant auf Erden erschaf­fen wur­de, auf die­se wich­ti­ge theo­lo­gi­sche Tat­sa­che macht im Film nur der „Böse­wicht“ Tubal-Kain auf­merk­sam; bibli­sche Leh­re wird also als etwas dar­ge­stellt, was von bösen Leu­ten als Argu­ment vor­ge­bracht wird.
        12. Als gute Hel­fer Noahs hin­ge­gen wer­den im Film die gefal­le­nen Engel (die Nephi­lim, die rät­sel­haf­ten Rie­sen aus 1. Mose 6,3) dar­ge­stellt – wie­der wird die Bibel völ­lig auf den Kopf gestellt! Also Noah zu sei­nem Wider­sa­cher Tubal-Kain sagt: „Ich bin nicht allein“, ist es nicht Gott, auf des­sen Bei­stand Noah setzt, son­dern die­se „Rie­sen“ ver­tei­di­gen ihn. Zu Beginn der Flut ster­ben die gefal­le­nen Engel in einem Akt der Selbst­auf­op­fe­rung und wer­den – völ­lig ent­ge­gen der Bibel – in den Him­mel erlöst.
        13. Und noch ein Ham­mer: Ähn­lich wie in der Bibel wird die „Haut“ eines Tie­res als nütz­lich und segens­reich dar­ge­stellt: Dabei han­delt es sich im Film jedoch nicht um das Fell jenes Tie­res, aus dem Gott (in Vor­schat­tung des Opfers Chris­ti) Klei­der mach­te, um Adam und Evas Schuld zu bede­cken, son­dern um die Haut der Schlan­ge, die sich gehäu­tet hat­te und deren Haut den Men­schen fort­hin als Talis­man dient!

Kön­nen wir den Film evan­ge­lis­tisch nut­zen?

Der Film an sich ver­mit­telt wohl kaum eine bibli­sche Bot­schaft, und ein Christ soll­te ihn weder sel­ber anse­hen (und dadurch unter­stüt­zen) noch ihn ande­ren emp­feh­len. Leu­te, die ihn gese­hen haben, kön­nen wir jedoch dar­auf anspre­chen und ins Gespräch kom­men, z.B. ein­fach Fra­gen über den Film stel­len (Wozu ist der Mensch geschaf­fen? War­um kam die Sint­flut?, War­um soll­te Noah über­le­ben?, usw.) und dann die fal­schen Dar­stel­lun­gen des Films mit der (mög­lichst auf­ge­schla­ge­nen) Bibel kor­ri­gie­ren. Per­so­nen wie Noah und sei­ne Söh­ne, Lamech, Methu­sa­lah, Tubal-Kain usw. gab es tat­säch­lich, aber was sagt die Bibel über sie? Zuschau­er des Films haben wahr­schein­lich ein Grund­in­ter­es­se an biblisch-his­to­ri­schen The­men, wor­an man dann mit der wah­ren bibli­schen Bot­schaft anknüp­fen kann. Aller­dings muss man die­se Zuschau­er zunächst aus der emo­tio­nal-wahn­haf­ten Auf­la­dung, die sich nach sol­chen Kino­fil­men ein­stellt, erst­mal her­un­ter­kom­men und nüch­tern wer­den las­sen. Man kann sie ein­la­den, sich zum aus­führ­li­chen Gespräch oder Dis­kus­si­on zusam­men­zu­set­zen. Dabei kön­nen wir ihnen das Evan­ge­li­um erklä­ren: die Ver­dor­ben­heit des Men­schen, die sich damals wie heu­te vor allem dar­in zeigt, dass die Welt „erfüllt ist von Gewaltat“ (1Mo 6,11), und dass Gott damals wie heu­te einen Ret­tungs­plan hat. In sei­ner Lie­be zur Welt hat er Noah bewahrt, um die Mensch­heit zu bewah­ren und durch sei­ne Nach­kom­men­schaft schließ­lich den ver­hei­ße­nen Ret­ter in die Welt zu brin­gen. Gebor­gen unter dem Holz des Kreu­zes kön­nen wir vor dem Gericht Got­tes ver­schont wer­den, weil Got­tes Zorn bereits am Kreuz unse­ren Stell­ver­tre­ter traf.

Gleich­zei­tig kann es ein gutes Zeug­nis sein, wenn wir als Chris­ten ent­schlos­sen sind, die­sen Film nicht anzu­schau­en, weil er Got­tes Wort völ­lig ver­zerrt und dadurch Gott selbst ent­ehrt, wor­an wir nicht teil­ha­ben soll­ten. In man­chen isla­mi­schen Län­dern darf der Film nicht gezeigt wer­den, weil Noah im Islam als Pro­phet gilt und Pro­phe­ten nicht bild­lich dar­ge­stellt wer­den dür­fen. Wir haben zwar kein sol­ches Ver­bot, aber als Chris­ten soll­ten wir eine noch höhe­re Hoch­ach­tung und Ehr­furcht vor dem hei­li­gen und allein wah­ren Wort Got­tes haben.

Hans-Wer­ner Dep­pe

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