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Gebet Martin Luthers auf dem Reichstag zu Worms

Am 21ten April 1521 muss­te Mar­tin Luther sich vor dem Reichs­tag und dem Kai­ser in Worms für sei­ne Schrif­ten recht­fer­ti­gen. Gefor­dert war der­Wi­der­ruf sei­ner sämt­li­chen Schrif­ten. Mit­ten im Ver­hör bat Luther noch um einen Tag Bedenk­zeit, der ihm nur wider­wil­lig gewährt wur­de. In die­ser Nacht bete­te er, laut Über­lie­fe­rung, fol­gen­des:

All­mäch­ti­ger, ewi­ger Gott! Wie ist es nur ein Ding um die Welt! Wie sperrt sie den Leu­ten die Mäu­ler auf! Wie klein und gering ist das Ver­trau­en der Men­schen auf Gott! Wie ist das Fleisch so zart und schwach, und der Teu­fel so gewal­tig und geschäf­tig durch sei­ne Apos­tel und Welt­wei­sen! Wie zieht sie so bald die Hand ab und schnurrt dahin, läuft die gemei­ne Bahn und den wei­ten Weg zur Höl­le zu, da die Gott­lo­sen hin­ge­hö­ren; und sie­h­et nur allein bloß an, was präch­tig und gewal­tig, groß und mäch­tig ist und ein Anse­hen hat. Wenn ich auch mei­ne Augen dahin wen­den soll, so ist’s mit mir aus, die Glo­cke ist schon gegos­sen und das Urteil gefällt. Ach Gott! ach Gott! o du mein Gott! Du mein Gott, ste­he du mir bei, wider alle Welt Ver­nunft und Weis­heit. Tue du es; du mußt es tun, du allein. Ist es doch nicht mei­ne, son­dern dei­ne Sache. Hab ich doch für mei­ne Per­son all­hie nichts zu schaf­fen und mit die­sen gro­ßen Herrn der Welt zu tun. Wollt ich doch auch wohl gute geru­hi­ge Tage haben und unver­wor­ren sein. Aber dein ist die Sach, Herr, die gerecht und ewig ist. Ste­he mir bei, du treu­er, ewi­ger Gott! Ich ver­las­se mich auf kei­nen Men­schen. Es ist umsonst und ver­ge­bens, es hin­ket alles, was fleisch­lich ist und nach Fleisch schmeckt. Gott, o Gott! Hörest du nicht, mein Gott? Bist du tot? Nein, du kannst nicht ster­ben, du ver­birgst dich allein. Hast du mich dazu erwäh­let? Ich fra­ge dich, wie ich es denn gewiß weiß; ei, so walt es Gott! denn ich mein Leben­lang nie wider sol­che gro­ße Herrn gedacht zu sein, habe mir es auch nie vor­ge­nom­men. Ei, Gott, so ste­he mir bei in dem Namen dei­nes lie­ben Sohns Jesu Chris­ti, der mein Schutz und Schirm sein soll, ja, mei­ne fes­te Burg, durch Kraft und Stär­kung dei­nes Hei­li­gen Geis­tes. Herr, wo blei­best du? Du, mein Gott, wo bist du? Komm, komm, ich bin bereit, auch mein Leben dar­um zu las­sen, gedul­dig, wie ein Lämm­lein. Denn gerecht ist die Sache und dein; so will ich mich von dir nicht abson­dern ewig­lich. Das sei beschlos­sen in dei­nem Namen. Die Welt muß mich über mein Gewis­sen wohl unge­zwun­gen las­sen, und wenn sie noch vol­ler Teu­fel wäre, und soll­te mein Leib, der doch zuvor dei­ner Hän­de Werk und Geschöpf ist, dar­über zu Grund und Boden, ja zu Trüm­mern gehen; dafür mir aber dein Wort und Geist gut ist. Und ist auch nur um den Leib zu tun; die See­le ist dein und gehört dir zu, und blei­bet auch bei dir ewig, Amen. Gott helf mir, Amen.

Wie wir wis­sen, soll­te er dem Evan­ge­li­um treu blei­ben und konn­te am nächs­ten Tag mutig erklä­ren:

Weil denn Eure all­er­gnä­digs­te Majes­tät und fürst­li­chen Gna­den eine ein­fa­che Ant­wort ver­lan­gen, will ich sie ohne Spitz­fin­dig­kei­ten und unver­fäng­lich ertei­len, näm­lich so: Wenn ich nicht mit Zeug­nis­sen der Schrift oder mit offen­ba­ren Ver­nunft­grün­den besiegt wer­de, so blei­be ich von den Schrift­stel­len besiegt, die ich ange­führt habe, und mein Gewis­sen bleibt gefan­gen in Got­tes Wort. Denn ich glau­be weder dem Papst noch den Kon­zi­li­en allein, weil es offen­kun­dig ist, daß sie öfters geirrt und sich selbst wider­spro­chen haben. Wider­ru­fen kann und will ich nichts, weil es weder sicher noch gera­ten ist, etwas gegen sein Gewis­sen zu tun.

Gott hel­fe mir, Amen.

Da wir ges­tern Refor­ma­ti­ons­tag hat­ten, lag mir die­se Bege­ben­heit beson­ders auf dem Her­zen.

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