Erbauliches, Medien
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Fritz Binde über das Wissen der Welt und das Wissen über Gott

„Ich hat­te einen Plan gemacht. Stre­ben woll­te ich, stre­ben jede Stun­de und mit allen Kräf­ten. Aber nach was? Maler woll­te ich wer­den. Aber malen konn­te ich nur am Sonn­tag. Soll­ten die Aben­de der Woche ver­lo­ren gehen mit dem Geschwätz der soge­nann­ten Freun­de? Das muss­te auf­hö­ren. Da sah ich im Schau­fens­ter einer Buch­hand­lung eine Rei­he blau­grau­er Bücher ste­hen. „Wis­sen der Gegen­wart“ stand dar­über und jeder Band kos­te­te eine Mark.

Bild­quel­le: www.verlag-linea.de

Auf ein­mal wuss­te ich, wonach ich stre­ben woll­te,  näm­lich nach mehr Wis­sen als mir die Schu­le und Vaters Biblio­thek gege­ben haben, näm­lich nach dem gesam­ten Wis­sen der Gegen­wart — über alles in der Welt. Auch über Gott. Ja, auch über Gott. Und da wuss­te ich auch, wo von jetzt an die Mark blei­ben soll­te, die mir Vater jede Woche als Taschen­geld gab. Einen solch blau­grau­en Band wür­de ich mir dafür kau­fen, jede Woche einen, und an den Aben­den jeder Woche wür­de ich ihn durch­le­sen. So fing ich an und führ­te es aus, Woche um Woche. Ich las vom Licht, vom Schall, von der Wär­me und Elek­tri­zi­tät, von Fix­ster­nen und Kome­ten, von der Son­ne und den Pla­ne­ten, von der Erde und ihrem Gestein, vom Bau und Wachs­tum der Pflan­zen, von den Werk­zeu­gen und der Geschich­te der Tie­re, vom Bau und Wer­den des Men­schen, von den Kul­tu­ren und Küns­ten der Ras­sen und Völ­ker und von der Geschich­te der Staa­ten. 

Dar­aus wur­de das neue Bild der Welt, das ich anstaun­te mit uner­sätt­lich schau­en­den, gro­ßen, star­ren Augen. Und es wur­de dar­aus, dass ich nicht  einen son­dern zwei und drei Bän­de in der Woche durch­las. Auch wur­de dar­aus, dass das Licht mei­ner Lam­pe ver­blass­te, weil sei­ne Flam­me vor dem auf­stei­gen­den Tag erblass­te. Des Wei­te­ren wur­de dar­aus, dass ich zwan­zig Mark Schul­den beim Buch­händ­ler und eben­so viel Schul­den beim Schrei­ner für einen Bücher­schrank hat­te. Schließ­lich wur­de dar­aus noch, dass ich beses­sen vom Lese­teu­fel bleich und kurz­sich­tig wur­de.

Das Schlimms­te war aber, dass ich durch das „Wis­sen der Gegen­wart“ so viel Wis­sen von der wei­ten Welt erlang­te, dass mir von Gott nichts mehr zu wis­sen übrig zu blei­ben schien. Die Welt wur­de mir erstaun­lich bekann­ter und Gott erstaun­lich unbe­kann­ter. Ja, so unbe­kannt, dass ich von jener Zeit an gar nicht mehr zu sagen wag­te: „Ich suche Gott“, son­dern nur noch sag­te: „Ich suche die Wahr­heit.“ Nie zuvor hat­te ich den Herrn Zwei­fel so sach­ver­stän­dig und gesprä­chig gefun­den, als damals, als er mir das „Wis­sen der Gegen­wart“ erläu­ter­te.“

Fritz Bin­de in sei­ner Bio­gra­phie von Ernst Schult­ze-Bin­de, Sei­te 49 – 51

1 Kommentare

  1. Sergej Pauli sagt

    “ Ja, so unbe­kannt, dass ich von jener Zeit an gar nicht mehr zu sagen wag­te: „Ich suche Gott“, son­dern nur noch sag­te: „Ich suche die Wahr­heit.“ “
    In der Tat kommt mir oben beschrie­be­nes Erleb­nis von F.Binde sehr bekannt vor. Als Tee­nie habe ich auch stän­dig mein sämt­li­ches Geld für Bücher aus­ge­ge­ben, ohne dadurch Gott ken­nen­zu­ler­nen, son­dern nur die Welt.

    Ein schö­ner Bei­trag!

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