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Bei Stromausfall ein Buch lesen

Zeit-Sozio­lo­ge Hart­mut Rosa erzählt in einem Inter­view, wie schwer es uns fällt ein Buch zu lesen, weil wir dann mei­nen, so viel zu ver­pas­sen. Er hat auch das inter­es­san­te Buch „Beschleu­ni­gung — Die Ver­än­de­rung der Zeit­struk­tu­ren in der Moder­ne“ geschrie­ben. Hier der Aus­zug aus dem Gespräch:

Zeit: Sind wir also unfä­hig gewor­den, die Muße zu genie­ßen?

Rosa: Das Pro­blem ist, dass wir stän­dig das Gefühl haben, Zeit sei kost­bar und dass ich des­halb jede Akti­vi­tät recht­fer­ti­gen müs­se. Wenn ich mir vor­neh­me, heu­te mal in Ruhe ein Buch zu lesen, dann gäbe es auch hun­dert ande­re Optio­nen: fern­se­hen, im Inter­net sur­fen, E-Mails che­cken… Das heißt, wenn ich lese, muss ich zugleich das Gefühl haben, dies sei die nütz­lichs­te, die sinn­volls­te Ver­wen­dung mei­ner Zeit.

Zeit: Sie mei­nen, ich muss es qua­si vor mir selbst recht­fer­ti­gen, dass ich nun ein Buch lese?

Rosa: Natür­lich läuft die­ses Abwä­gen nicht bewusst. Es beschäf­tigt uns per­ma­nent unbe­wusst und bin­det Denk-Ener­gie.

Zeit: Wie ent­kommt man dem? Wel­che Stra­te­gi­en haben zum Bei­spiel Sie selbst?

Rosa: Es gibt nichts schö­ne­res, als wenn bei mir im Hoch­schwarz­wald, wo ich woh­ne, der Strom aus­fällt. Das pas­siert im Win­ter immer mal durch Sturm oder Schnee­bruch. Dann kann ich nicht an den Com­pu­ter, der Fern­se­her funk­tio­niert nicht — und in die­ser Situa­ti­on ein Buch zu lesen ist etwas ganz ande­res, als wenn die Welt da drau­ßen wei­ter rauscht.

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NIMM UND LIES - dieser Aufforderung möchte ich selbst nachkommen und andere dazu motivieren und anleiten. NIMM UND LIES zuerst die Bibel und dann gute christliche Literatur. Denn beim Lesen lässt sich vortrefflich denken (nach Leo Tolstoi). Ich lebe mit meiner Frau und unseren vier Kindern in Baden-Württemberg.

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