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Als der Apostel Johannes zweimal eine Dummheit beging…

Die vier apokalyptischen Reiter

Offen­ba­rung 22,8 – 9:Und ich, Johan­nes, bin es, der dies gehört und gese­hen hat. Und als ich’s gehört und gese­hen hat­te, fiel ich nie­der, um anzu­be­ten zu den Füßen des Engels, der mir dies zeig­te. Und er spricht zu mir: Tu es nicht! Ich bin dein Mit­knecht und der Mit­knecht dei­ner Brü­der, der Pro­phe­ten, und derer, die bewah­ren die Wor­te die­ses Buches. Bete Gott an!“

Die­se Stel­le fas­zi­niert mich in der Offen­ba­rung in beson­de­rer Weise.

  • Zunächst ein­mal ist hier die Trans­pa­renz des Johan­nes nicht hoch genug zu schät­zen. Bei sei­nen Offen­ba­run­gen, die alle ande­ren Apos­tel über­bie­ten, stei­gen ihm die­se nicht zu Kopf: Nein er berich­tet nach den größ­ten Visio­nen der Neu­schöp­fung Got­tes auch über sein Ver­sa­gen. Er hat Gott auf den Thron erblickt, dem Lamm Got­tes, dem Löwen aus Zion zuge­schaut, die Gerich­te Got­tes gese­hen und ist doch noch anfäl­lig für Göt­zen­dienst. In einer ande­ren Wei­se zeigt es auch, wie anfäl­lig wir für Göt­zen­dienst sind.
  • Dann fällt auf, dass ihm das gan­ze zwei Mal pas­siert. In Offb. 19,10 ist ihm das schon ein­mal pas­siert, dass ein Engel ihn zurecht­wies, nicht in Göt­zen­dienst zu ver­fal­len. In einer gewis­sen Wei­se ist es den beson­ders erhe­ben­den Visio­nen geschul­det. In Offb. 19 ist es der Jubel über den End­gül­ti­gen Unter­gang Baby­lons, die völ­li­ge Ein­nah­me der Herr­schaft durch Gott. In Offb. 22 ist sein Ver­hal­ten die Fol­ge des Erbli­ckens des Neu­en Jerusalems
  • In beson­de­rer Wei­se fas­zi­niert aber, „wer sich nicht von Engeln beein­dru­cken las­sen hat“. Vie­le erschra­ken zutiefst vor Engeln und erwar­te­ten ihr Ende. Eine Aus­nah­me berich­tet uns aus­ge­rech­net auch Johan­nes, aber in sei­nem Evan­ge­li­um: Maria Mag­da­le­na. Ach­tet dar­auf in Joh 20,11−14: Ihr begeg­nen Engel, haben ein­drucks­vol­le Gewän­der, spre­chen in Herr­lich­keit. Aber Maria hat dafür nichts übrig. Ja wir lesen das so expli­zit als Reak­ti­on (V.14): „sie wand­te sich um“. Sie sucht aus­schließ­lich Jesus.
  • Schließ­lich aber beein­druckt die obi­ge Stel­le über die Herr­lich­keit, die wir wie unse­re Mit­brü­der im Neu­en Jeru­sa­lem haben wer­den. Die mög­li­che zukünf­ti­ge Ver­herr­lich­kung kann man nicht genug wür­di­gen.  Die lang­wei­ligs­te Per­son kann eines Tages zu einer Per­son wer­den, von der man sehr ver­sucht wäre, die­se anzu­be­ten. Ich glau­be, nie­mand hat die­se The­se bes­ser auf den Punkt gebracht als C.S.Lewis, in die­ser häu­fig zitier­ten Fest­stel­lung (Eige­ne Über­set­zung aus sei­ner Pre­digt The Weight of Glo­ry):

„Es ist eine  recht erns­te Sache, in einer Gesell­schaft poten­ti­el­ler Göt­ter und Göt­tin­nen zu leben, sich dar­an zu erin­nern, dass die lang­wei­ligs­te und unin­ter­es­san­tes­te Per­son, mit der man spricht, eines Tages ein Geschöpf sein könn­te, das man, wenn man es jetzt sähe, stark ver­sucht wäre anzu­be­ten. oder aber ein Schre­cken und eine Ver­derb­nis, wie man sie heu­te, wenn über­haupt, nur in einem Alp­traum antrifft. Den gan­zen Tag über hel­fen wir ein­an­der in gewis­sem Maße, das eine oder ande­re Ziel zu errei­chen. Im Lich­te die­ser über­wäl­ti­gen­den Mög­lich­kei­ten soll­ten wir alle unse­re Bezie­hun­gen zuein­an­der, alle Freund­schaf­ten, alle Lieb­schaf­ten, alle Spie­le, alle Poli­tik mit der ihnen eige­nen Ehr­furcht und Umsicht betrei­ben. Es gibt kei­ne gewöhn­li­chen Men­schen. Sie haben noch nie mit einem ein­fa­chen Sterb­li­chen gespro­chen. Natio­nen, Kul­tu­ren, Küns­te, Zivi­li­sa­tio­nen — sie sind sterb­lich, und ihr Leben ist für uns wie das Leben einer Mücke. Aber es sind die Unsterb­li­chen, mit denen wir scher­zen, mit denen wir arbei­ten, die wir hei­ra­ten, die wir brüs­kie­ren und aus­nut­zen — unsterb­li­che Schreck­nis­se oder ewi­ge Pracht. (…) Und unse­re Nächs­ten­lie­be muss eine ech­te und teu­re Lie­be sein, mit tie­fem Gefühl für die Sün­den, trotz derer wir den Sün­der lie­ben — kei­ne blo­ße Tole­ranz oder Nach­sicht die die Lie­be par­odiert wie der Leicht­sinn die Fröh­lich­keit. Neben dem Aller­hei­ligs­ten Sakra­ment selbst ist der Nächs­te das hei­ligs­te Objekt, das sich unse­ren Sin­nen darbietet.“

 

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