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A House for My Name

Überblick über das Alte Testament von Peter Leithart

Peter Leit­hart war mir bis­her vor allem als Autor von First­Things bekannt. Ger­ne möch­te ich an die­ser Stel­le auch auf einen Arti­kel von Leit­hart ver­wei­sen, der vor eini­gen Wochen bei E21 über­setzt erschie­nen ist: Wie man Kin­dern die Bibel nahe bringt. Der Arti­kel und mein Inter­es­se an „Bibli­schen Theo­lo­gien“ führ­te mich zu die­sem Buch.

Für knapp 250 Sei­ten äußerst kurz, ist Leit­hart den­noch ein gut aus­ge­ar­bei­te­tes und lesens­wer­tes Werk gelun­gen. Leit­hart gelingt es, zahl­rei­che the­ma­ti­sche Lini­en, die sich im alten Tes­ta­ment zuneh­mend wei­ter­ent­wi­ckeln auf sehr ver­ständ­li­che Wei­se dar­zu­stel­len, ohne lang­wei­lig oder wie­der­ho­lend zu wer­den. Ob nun die Ent­wick­lung der mes­sia­ni­schen Ver­hei­ßun­gen, die dich­te­ri­sche Wie­der­ho­lung der The­men wie Stadt Got­tes, Tem­pel, Opfer (die Ein­präg­sams­te Erklä­rung der ers­ten Kapi­tel Levi­ti­kus, die ich je gele­sen habe), Pries­ter­tum oder die Chro­no­lo­gie der Bibel, —  sau­ber arbei­tet der Autor an der Heils­ge­schich­te wei­ter. Fast auf jeder Sei­te habe ich eine wert­vol­le Mar­kie­rung hinterlegt.

Immer wie­der nimmt sich Leit­hart sich Zeit, Details aus­führ­lich zu bespre­chen, so z.B. zum Schöp­fungs­be­richt: Hier bin­det der Autor auch die Bezü­ge der Pro­phe­ten, der Psal­men und des Buches Hiob gut ein. An die­ser Stel­le bin ich wirk­lich gestärkt wor­den, die 7‑Tage Schöp­fung als bibli­sches Zeug­nis, gelas­se­ner und siche­rer zu ver­tre­ten. Das geschah auch dadurch, dass Leit­hart wirk­lich das alte Tes­ta­ment spre­chen ließ und weni­ger durch eine „euro­päi­sche West­bril­le“ dar­auf blickte.

Als Leit­hart sei­ne Moti­va­ti­on für das Schrei­ben die­ses Buches erläu­tert, bemerkt er an, dass er einer­seits dank­bar für die Sonn­tags­schu­le ist und den­noch auch mit Schmerz zurück­blickt: Die meis­ten Geschich­ten wur­den als lose Erzäh­lun­gen, mit wenig Zusam­men­hang erzählt. Mit die­sem Buch wol­le er hier hel­fen: Betrach­tet man den Kon­text, ist Abra­hams Flucht nach Ägyp­ten und geseg­ne­ter Aus­zug aus Gen.12 mehr als eine mora­li­sche Geschich­te dar­über, dass man nicht lügen soll, son­dern ein Vor­ge­schmack des­sen, was Isra­el spä­ter in Ägyp­ten erfah­ren darf: Ein uner­war­tet geseg­ne­ter (und beschenk­ter) Aus­zug aus Ägyp­ten und das Errei­chen Israels.

Die­se Details span­nend in den grö­ße­ren Kon­text ein­zu­bin­den, gelingt Leit­hart immer wie­der:  Das Haus Obed-Edoms flo­riert und wird geseg­net, als die Bun­des­la­de dort abge­stellt wird. Dabei ist Obed-Edom ja ein (zumin­dest inte­grier­ter) Hei­de (Er ist Gathi­ter; 2 Sam 6,10). David wird so durch die Seg­nun­gen eines Hei­den zum Eifer gereizt (Vgl. Röm 11,14). Oder wer war nicht schon mal dar­über irri­tiert, das Eli­sa zwei Bären her­bei beschwört, die 42 „Kin­der“ fres­sen. Leit­hart erklärt sowohl den nähe­ren Kon­text, dass es sich wohl eher um Hüter eines Baal-Schreins han­delt (Das glei­che Wort wird für Ziba, den Die­ner Mephi­bo­s­eths in 2 Sam 16,1, der immer­hin sel­ber schon 50 Kin­der hat­te, und für die Knech­te Boas´ in Rut 2,5−6 ver­wen­det). Aber auch der wei­te­re Kon­text der Köni­ge-Bücher, der das Wir­ken Eli­as und Eli­sas chi­as­tisch in jeweils 7 Köni­ge des Nord­reichs davor und danach ein­reiht, unter­streicht das Wir­ken der bei­den Pro­phe­ten als das eines neu­en Mose und Josuas, die das Land für Jah­we wie­der einnehmen.

Über­haupt gehört die Ana­ly­se der Geschichts­bü­cher zu den gründ­lichs­ten des Buches, was wenig ver­wun­dert, da Leit­hart zu den Köni­ge- und Chro­ni­ke-Büchern auch Kom­men­ta­re ver­fasst hat. Die zahl­rei­chen Hin­wei­se auf struk­tu­rel­le Chi­as­men, die Leit­hart in sei­nem gan­zen Werk, wirk­ten zumin­dest in man­chen Fäl­len etwas konstruiert.

Auch gelingt es ihm nicht ganz, die Bot­schaft der Pro­phe­ten­bü­cher als Berei­che­rung für die Ent­wick­lung der Heils­ge­schich­te dar­zu­stel­len. Das dürf­te dem Umstand geschul­det sein, das der Autor wei­test­ge­hend chro­no­lo­gisch vor­geht. Ent­spre­chend fließt die Weis­heits­li­te­ra­tur auch kaum in sei­ne Betrach­tun­gen ein.

Die­se weni­gen Schwä­chen des Wer­kes macht jedoch das letz­te Kapi­tel wie­der wett. Leit­hart fragt sich hier, was das für das Lesen des Neu­en Tes­ta­ments bedeu­tet. Von Neun Kapi­teln sei­nes Buches unter­sucht Leit­hart dann im Letz­ten inter­es­san­ter­wei­se das Johan­nes­evan­ge­li­um und stellt dar, wie in Jesus die zahl­rei­chen gespon­ne­nen Fäden des Alten Tes­ta­ments auf wun­der­sa­me Wei­se zusam­men­fin­den. Der Autor lie­fert dabei eine äußerst gründ­li­che Unter­su­chung des Johan­nes­evan­ge­li­ums ab und ver­ar­bei­tet nahe­zu spie­lend leicht die zahl­rei­chen Allu­sio­nen des Evan­ge­li­ums an das Alte Tes­ta­ment. In den ers­ten 8 Kapi­teln war Leit­hart fast schon unge­wöhn­lich spar­sam mit chris­to­lo­gi­schen Bil­dern, was ich den­noch als hilf­reich emp­fand, da ein Ver­weis à la „XX oder YY erin­nert mich an Jesus“ oft auf ähn­li­che Wei­se vor gründ­li­cher Bibel­ar­beit „bewahrt“ wie vor­ei­li­ge Mora­li­sie­rung. Doch durch das letz­te Kapi­tel sei­nes Buches bringt der Autor das auf eine sehr geschick­te Wei­se zusam­men, die einen Aha-Effekt ver­ur­sacht: Dahin zielt also die gan­ze Erzäh­lung ab! Mei­ne Ehr­furcht vor dem Alten Tes­ta­ment auf jeden Fall ist gestiegen.

Schließ­lich möch­te ich die Fra­gen erwäh­nen, mit denen Leit­hart jedes Unter­ka­pi­tel schließt. Neben reflek­ti­ven Fra­gen sind es auch her­aus­for­dern­de und per­spek­ti­vi­sche. Zwei Bei­spie­le: (1): „Als Jah­we Ägyp­ten mit Mücken schlägt, erken­nen die Magi­er Ägyp­tens, dass der „Fin­ger Got­tes“ am Werk ist (2. Mose 8,19). Ver­glei­chen Sie Lukas 11,20. Was sagt die­ser Zusam­men­hang über Jesus aus? Was sagt er über die Juden aus, die sich Jesus wider­set­zen?“ (2) Lesen Sie Offen­ba­rung 21 – 22. Inwie­fern ist die Stadt dem Gar­ten Eden ähn­lich? Wie unter­schei­det sie sich? Was sagt uns das über die Rich­tung der Geschichte?

Das Buch ist rela­tiv güns­tig erhält­lich, ich habe aber die Logos-Vari­an­te gele­sen. Als Ein­füh­rung in das Werk kann sicher auch die­ser Vor­trag von Leit­hart die­nen, den ich aber erst nach der Lek­tü­re ent­deckt habe. Das Buch ist emp­feh­lens­wert und sicher berei­chernd für jeden, der so wie ich, sei­ner Fami­lie himm­li­sches Man­na wei­ter­ge­ben möch­te. Das Buch hilft das Kon­ti­nu­um zwi­schen AT und NT auf neue und erfri­schen­de Wei­se wie­der zu ent­de­cken. Das Buch lässt sich gut in einem wei­te­ren Kon­text einbinden:

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