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„Aber wer sich lange dumm stellt, wird vielleicht eines Tages wirklich dumm“

Aus Erich Kästner, die Schildbürger

Die Schild­bür­ger sind ursprüng­lich für ihre Klug­heit weit­hin bekannt und wer­den über­all in der Welt gefragt um mit ihrer Klug­heit die Din­ge zu regeln. Doch Schil­da, ihr Hei­mat­ort geht dadurch den Bach run­ter. Also muss etwas unter­nom­men wer­den. Die Schild­bür­ger neh­men sich nun vor, sich beson­ders dumm zu stel­len. Allen sagt der Plan zu, außer dem Leh­rer, der einwendet:

„Wer klug tut, wir davon noch lan­ge nicht klug.Aber wer sich lan­ge dumm stellt, wird viel­leicht eines Tages wirk­lich dumm“. Die ande­ren lach­ten ihn aus. „Seht, es fängt schon an.“ „Was?“, mein­te der Schmied neu­gie­rig. „Eure Dumm­heit“, rief der Leh­rer. Da lach­ten sie ihn alle aus.

Als ers­te Dumm­heit beschließt man den Bau eines drei­ecki­gen Rat­hau­ses ohne Fens­ter. Die­ser wird bald eine welt­be­kann­te Kurio­si­tät und spült Geld in die Stadtkasse:

>„So wur­den die Schild­bür­ger zwar nicht wegen ihres drei­ecki­gen Rat­hau­ses, son­dern viel­mehr wegen ihrer ver­ges­se­nen Fens­ter berühmt. Es dau­er­te nicht lan­ge, so kamen auch schon die ers­ten Rei­sen­den nach Schil­da, bestaun­ten die Ein­woh­ner, über­nach­te­ten und lie­ßen über­haupt ein gutes Stück Geld in der Stadt. „Seht ihr“, sag­te der Och­sen­wirt zu sei­nen Freun­den, „als wir gescheit waren, muss­ten wir das Geld in der Frem­de ver­die­nen. Jetzt, da wir dumm gewor­den sind, bringt man es uns ins Haus!“ 

Doch wie viel Dumm­heit ist eigent­lich ide­al? Als man Min­na, die Kuh des Bür­ger­meis­ters dazu brin­gen möch­te, das Gras auf einer Mau­er abzu­gra­sen und sie beim Hin­auf­hie­ven erstickt, bemerkt der Bür­ger­meis­ter voll Kummer:

„Lie­be Freun­de«, sag­te er zer­knirscht, »an Minnas vor­zei­ti­gem Able­ben ist ein­zig und allein unser Scharf­sinn und Ver­stand schuld. Hät­te ich das Gras auf der Mau­er nicht bemerkt und dar­aus gefol­gert, daß es nutz­brin­gend ver­wen­det wer­den müs­se, wäre das bra­ve Tier noch mun­ter und guter Din­ge. Ich fürch­te, wir sind noch immer nicht dumm genug.« Die ande­ren nick­ten nachdenklich.“

Weil die Schild­bür­ger irgend­wann mit dem Umgang mit einem „Maus­hund“ über­for­dert sind, zün­den sie ihre gan­ze Stadt an und sind so gezwun­gen in die gan­ze Welt auszuwandern:

„Und so kommt es, daß es heut­zu­ta­ge die Stadt Schil­da nicht mehr gibt und die Schild­bür­ger auch nicht. Das heißt: Es gibt sie natür­lich noch. Nur ihre Enkel und Uren­kel und deren Enkel und Uren­kel leben über die gan­ze Erde ver­streut. Sie wis­sen gar nicht mehr, daß sie von den Schild­bür­gern abstam­men. Von Leu­ten also, die sich, um glück­lich zu wer­den, dumm stell­ten und dadurch ins Unglück gerie­ten, daß sie dumm wur­den. Und sie kön­nen es auch gar nicht wissen.

Denn heut­zu­ta­ge gelan­gen die Dum­men zu Ruhm und Rang, zu Geld und Glück genau­so wie die Geschei­ten. Wor­an soll­ten also die Dum­men auf unse­rer Erde mer­ken, daß sie dumm sind? Ein ein­zi­ges Merk­mal gibt es, wor­an man die Dum­men erkennt: Mit dem, was sie erreicht haben, sind sie sel­ten, aber mit sich sel­ber sind sie stets zufrie­den. Gebt also gut Obacht! Bei den ande­ren, und bei wem noch? Ganz recht,bei euch!“

Alle Zita­te aus Erich Käs­t­ner: Die Schildbürger.

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