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10 + 1 Fragen an Markus Till

Markus Till organisiert das Projekt „Aufatmen in Gottes Gegenwart„, bloggt regelmäßig und scheut sich nicht vor Kontroversen, so z. B. im idea Streitgespräch oder auch mit HossaTalk. Ein beachtenswerter Beitrag ist: „6 Gründe für die Flucht aus Evangelikalien“.

  1. Wie wurden Sie Christ?

Ich habe mich mit 11 Jahren auf einer evangelistischen Kinderfreizeit bekehrt.

  1. Was ist der Schlüssel zum geistlichen Wachstum?

Entscheidend ist für mich: Nah am Herrn bleiben! Möglichst regelmäßig Zeit im Gebet und in Gottes Wort verbringen. Dazu kommt: Mit der Kraft des Heiligen Geistes rechnen. Teil einer lebendigen christlichen Gemeinschaft sein. Und meine Berufung entdecken und darin anderen Menschen dienen.

  1. Worin krankt heute das Christentum am meisten? (Und warum?)

Ich glaube: Der Mangel an im Alltag gelebter, authentischer Liebe zu Jesus war schon immer das zentrale Problem der Kirche. Paulus schrieb: „Das Ziel meiner Unterweisung ist, dass alle Christen von der Liebe erfüllt sind.“ (1. Tim. 1,5) Er wusste: Wer Jesus liebt, orientiert sich auch gerne an Gottes Wort und gibt Gottes Liebe auch leidenschaftlich weiter. So gewinnt die Kirche Orientierung und Ausstrahlung und wächst wie von selbst. Ohne die Liebe zu Jesus hingegen verflüchtigt sich auch die Liebe zur Bibel und zu den Verlorenen. Die Kirche wird dann entweder liberal oder sie zieht ihre Identität aus einer verkopften, rechthaberischen Dogmatik. In jedem Fall verliert sie ihre Dynamik, Opferbereitschaft und Ausstrahlung und schrumpft, statt zu wachsen.

  1. Welche Autoren/Prediger/Gedanken prägen Sie, waren für Sie wegweisend zu einer besseren Erkenntnis der Schrift/Christi?

Ganz ehrlich: Die Bibel hat mich mit Abstand am meisten geprägt. Daneben habe ich viele verschiedene Autoren gelesen, von denen ich aber keinen besonders herausheben könnte.

  1. Was erwies sich eher als Irrweg oder war weniger hilfreich?

Ich war einige Jahre involviert in ein Gemeindegründungsprojekt, das aufgrund menschlicher Schwächen krachend gescheitert ist. Allerdings möchte ich auch diese Phase nicht missen, weil ich viel daraus gelernt habe.

  1. Verständnis kann zu weit gehen, Kritik kann unweise sein und Fronten verhärten. Wann ist eine Stellungnahme nötig?

Ich finde: Eine Stellungnahme ist immer nötig, wenn es um das Evangelium geht. Denn dann geht es letztlich um das Heil von Menschen. Mein Eindruck ist, dass wir eher zu wenig Dispute haben in unseren christlichen Kreisen. Oft schweigen wir, um die Einheit nicht zu gefährden. Aber ich beobachte an mir selbst, dass allzu oft ganz einfach auch Menschenfurcht dahinter steckt oder Geltungssucht, weil wir bei Leuten gut angesehen sein wollen. Ich finde: Kritik ist fast immer hilfreich, wenn sie in der richtigen Geisteshaltung weitergegeben wird. Wenn ich etwas oder jemanden kritisiere muss ich mich deshalb immer selber prüfen: Geht es mir wirklich um das Evangelium und um das Heil der Menschen? Bin ich gesättigt in der Liebe Christi und kann aus einem Frieden heraus argumentieren? Bin ich mir bewusst, dass ich selbst fehlerhaft bin und davon lebe, dass Gott mich gnädigerweise liebt, obwohl er mich kennt? Oder versuche ich mich selber auf einen Sockel zu stellen, indem ich von oben herab auf die Fehler anderer zeige? Oder bin ich gar wütend oder beleidigt? Kämpfe ich vielleicht um meine Position und meinen Status statt für die Sache Christi? Wenn die Motivation nicht stimmt, dann wird auch inhaltlich völlig richtige Kritik zerstörerisch statt heilsam. Und wenn wir nicht satt sind in der Liebe Christi verlieren wir auch die Fähigkeit, konstruktiv mit Kritik umzugehen. Daran müssen wir ständig arbeiten.

  1. Was ist für Sie das Erbe der Reformation?

Dass die Bibel die „Königin“ ist, die in allen theologischen Diskussionen das letzte Wort haben muss und der sich alle anderen Stimmen am Ende unterordnen müssen. Und dass deshalb jeder Laie selbst die Schrift studieren, Gottes Willen erkennen und auf dieser Basis sogar theologischen Profis die Stirn bieten kann. So kann die Kirche von der Basis her wachsen und gedeihen.

  1. Wie kamen Sie zu dem Projekt AiGG? Was waren die Absichten? Was war der Stein, der das Projekt zum Rollen brachte?

In meiner Arbeit in der Landeskirche wurde mir immer deutlicher, wie wichtig es ist, biblische Themen in einer lebendigen Weise lebensnah und praxistauglich zu vermitteln und dadurch eine Liebe zu Jesus und zur Bibel zu wecken. Deshalb habe ich einen Glaubenskurs entwickelt, den wir in unserer Gemeinde inzwischen seit 8 Jahren jedes Jahr durchführen.

  1. Sind weitere Projekte/Werke ähnlich AiGG geplant, bzw. weitere Materialien zum AiGG?

Mein Traum wäre es, Lehrvideos zu den Themen des Kurses zu produzieren, damit jede Gemeinde, jeder Hauskreis und letztlich Jedermann den Kurs mit Hilfe des Begleitbuchs selbstständig durchführen kann. Und ich bin noch auf der Suche nach einem Verlag, der das Begleitbuch herausbringt.

  1. Welche Früchte hat das Projekt? Würden Sie heute etwas anders machen?

In unserer Gemeinde sind jedes Jahr Menschen zum Glauben gekommen oder haben neu im Glauben „Feuer gefangen“. Wir werten den Kurs jedes Jahr aus und versuchen, ihn ständig zu verbessern.

  1. Frage: Passen Sie mit ihren Ansichten noch in die Landeskirche?

Ich finde: Ich stehe voll auf dem Boden der Reformation und der kirchlichen Bekenntnisse. Wenn ich eines Tages nicht mehr in die Landeskirche passen sollte, dann müsste das eigentlich daran liegen, dass sich Andere von den Fundamenten der Kirche entfernt haben. Diejenigen, die das vierfache „Allein“ der Reformation nicht mehr von Herzen mitsprechen können, weil sie z.B. meinen, dass das Heil auch in anderen Religionen zu finden sei, sollten sich m.E. eher diese Frage stellen als ich.

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