Puritaner
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Thomas Watson: Die Lehre der Buße

Was bewegt mich 341 Jahre nach Erscheinen des Buches „Die Lehre der Buße“, dieses Buch zu lesen, hier vorzustellen und wärmstens zu empfehlen? Was motiviert den Verlag dieses Buch von Thomas Watson nach 338 Jahren in deutscher Sprache herauszubringen? Es muss etwas in dem Inhalt verborgen liegen, was sich lohnt, wieder aufgedeckt zu werden.

Der Autor Thomas Watson (1620-1686) ist mir beim Lesen verschiedener englischsprachiger Blogs begegnet. Und ich war sehr gespannt endlich ein Buch von ihm in deutscher Sprache zu lesen. Um sich ein Bild vom Autor zu machen, beinhaltet das Buch eine achtseitige „kurze Erinnerung an Thomas Watson“, zusammengestellt von C.H. Spurgeon. Spurgeon schreibt: „Watson war einer der bündigsten, tiefsten, beispielhaftesten und gehaltvollsten jener vortrefflichen Theologen, welche die Zeit der Puritaner zum Augusteischen Zeitalter der evangelischen Literatur machen“ (S. 11). Diese Superlative sind berechtigt und beschreiben treffend dieses kompakte Buch.

Watson beginnt sein Buch mit einleitenden Bemerkungen über die Buße und wirft die Frage auf, ob zuerst die Buße oder ob der Glaube zuerst kommt. Diese Frage beantwortet er nicht, weist jedoch darauf hin, dass Buße unentbehrlich für die Errettung eines Menschen ist, und dass Buße einerseits durch das Wort Gottes und andererseits durch den Geist Gottes gewirkt wird.

Ab dem zweiten Kapitel arbeitet Watson sich systematisch durch alle Bereiche und Fragen, die die Lehre der Buße betreffen oder sie am Rande berühren. Dieses geordnete Vorgehen wirkte auf mich nie steril oder trocken. Vielmehr schreibt Watson in einer lebendigen und seelsorgerlichen Art. Nachdem er im zweiten Kapitel drei Kennzeichen falscher Buße nennt, kommt er aus meiner Sicht zu den zwei wichtigsten Kapiteln des gesamten Buches: „Das Wesen der Buße“. Er vergleicht die Buße mit einem „geistlichen Medikament“, das sich aus sechs Bestandteilen zusammensetzt:

  1. Einsicht der Sünde
  2. Bekümmernis um der Sünde willen
  3. Bekenntnis der Sünde
  4. Scham für die Sünde
  5. Hass gegen die Sünde
  6. Abkehr von der Sünde

Beim Lesen von Kapitel 3 und 4 – was auch die längsten Kapitel sind (S. 31-69) – wurde mir wie noch nie zuvor bewusst, welchen hohen Stellenwert die Buße in der Bibel hat und auch in meinem Leben einnehmen sollte. Diese Kapitel sind das Herz in diesem Buch. Niederlagen, Gleichgültigkeit und Schwachheit im Glaubensleben werden ihre Ursachen in der fehlenden oder fehlerhaften Buße haben. Weder psychologische Behandlungen noch diverse neuzeitliche „geistliche Aufputschmittel“ können helfen, wenn nicht das geistliche Medikament, die Buße, mit ihren sechs Bestandteilen eingenommen wird. Ich wünschte, dass jedes Kind Gottes diese Kapitel liest und Prediger wieder in rechter Weise über die Buße predigen.

In Kapitel 5 und 6 nennt Watson einige Gründe, die zur Buße drängen und gibt ernstliche Ermahnungen zur Buße. Dabei nennt er verschiedene Personengruppen: Politiker, das Volk, betrügerische Menschen, anständige Menschen, Heuchler und nicht zuletzt Kinder Gottes. Für Kinder Gottes nennt er ausdrücklich einige Bereiche, über die wir Buße tun sollen: über zu schnelles Urteilen, eitle Gedanken, eitle Kleidung, Rückschritte in der Gnade, uvm. Außerdem müssen wir über jede Sünde Buße tun, denn „die Sünde kommt nicht als ein Gast für eine Nacht, sondern als ein Bewohner.“

In Kapitel 7 werden 16 Beweggründe zur Buße dargelegt, damit die Ermahnung noch lebendiger wird. Watson schreibt in einer sehr bildhaften und eindringlichen Art und Weise, um den Leser zur Buße zu führen. Auch wenn 16 Punkte für den heutigen Leser in der Regel langatmig erscheinen, habe ich es bei Watson nicht so empfunden. Diese Zeilen dringen immer tiefer ins Gewissen und ins Herz. Durchtränkt mit Gottes Wort wirken Watsons Erklärungen „zur Belehrung, Überführung, Zurechtweisung und Erziehung in der Gerechtigkeit“ (2Tim 3,16).

Da der Mensch oft dazu neigt, Buße aufzuschieben, widmet Watson das 8. Kapitel dazu, uns zur baldigen Buße zu ermahnen. Zuerst nennt er vier Argumente, Buße so zeitnah wie möglich zu tun, und zeigt anschließend, dass „drei ganz bestimmte Tage bald ablaufen könnten“: (1) der Tag des Evangeliums, (2) der persönliche Gnadentag und (3) der Tag unseres Lebens. Thomas von Aquin sagte: „Gott, der dem Menschen, der Buße tut, vergibt, hat nicht verheißen, ihm den Morgen zu geben, an dem er Buße tun könnte.“

Kapitel 9 enthält eine kurze Auslegung von 2Kor 7,11: „Denn siehe, wie viel ernstes Bemühen hat dies bei euch bewirkt, dass ihr in gottgewollter Weise betrübt worden seid, dazu Verantwortung, Entrüstung, Furcht, Verlangen, Eifer, Bestrafung! Ihr habt in jeder Hinsicht bewiesen, dass ihr in der Sache rein seid.“

Kapitel 10-12 helfen den Gläubigen Hindernisse aus dem Weg zu räumen und zeigen Mittel und Wege auf, die zur Buße dienen. Besonders hilfreich und kostbar finde ich Watsons 20 Punkte, die erklären, was Sünde ist. Auch in dieser Auflistung wird man als Leser nicht gelangweilt mit den vielen Punkten, sondern wird in die Tiefe des Wortes Gottes hineingeführt, die die Verdorbenheit des Menschen klar aufweist. Watson führt den Leser zunächst in die Tiefe der Boshaftigkeit, um ihn anschließend in die Höhe der Herrlichkeit zu führen. Effektiver und großartiger kann man uns sündige und träge Menschen nicht zur Buße führen. Die Lektüre dieser Seiten weckt heilige Emotionen und führt den aufmerksamen Leser an die Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes heran und lässt ihn ausrufen: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“

Das Buch schließt mit den Worten aus Psalm 126,5-6: „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Wer weinend hingeht und den Samen zur Aussaat trägt, der kommt gewiss mit Freuden zurück und bringt seine Garben.“

Den größten Gewinn wird der Leser aus diesem Buch ziehen, wenn er viel Zeit zum Nachdenken und zur Selbstprüfung mitbringt. Watson schreibt sehr klar, nimmt kein Blatt vor den Mund, benutzt viele Bilder und packt alle Werkzeuge aus seinem rhetorischen Werkzeugkoffer aus, damit Gott mit seinem Geist Buße in den Herzen der Leser bewirkt. Dieses Buch ist sehr empfehlenswert und ich wünsche ihm eine weite Verbreitung in der deutschen Christenheit, damit die Herzen der einzelnen Menschen und unser Volk erweckt werden und diese Erweckung weite Kreise zieht.

 

Titel: Die Lehre der Buße
Autor:
Thomas Watson
Seiten:
132
Format: 
21,0 x 14,0 cm
Einband:
Hardcover
Jahr:
2006
Verlag:
3L Verlag
Preis:
10,20 EUR
erhältlich bei:
3L Verlag, cbuch.de
Leseprobe:
PDF

Kategorie: Puritaner

von

NIMM UND LIES - dieser Aufforderung möchte ich selbst nachkommen und andere dazu motivieren und anleiten. NIMM UND LIES zuerst die Bibel und dann gute christliche Literatur. Denn beim Lesen lässt sich vortrefflich denken (nach Leo Tolstoi). Ich lebe mit meiner Frau und unseren drei Söhnen in Baden-Württemberg.

2 Kommentare

  1. Rene Ahrens sagt

    Da der Mensch oft dazu neigt, Buße aufzuschieben, widmet Watson das 8. Kapitel dazu, uns zur baldigen Buße zu ermahnen. Zuerst nennt er vier Argumente, Buße so zeitnah wie möglich zu tun, und zeigt anschließend, dass „drei ganz bestimmte Tage bald ablaufen könnten“: (1) der Tag des Evangeliums, (2) der persönliche Gnadentag und (3) der Tag unseres Lebens. Thomas von Aquin sagte: „Gott, der dem Menschen, der Buße tut, vergibt, hat nicht verheißen, ihm den Morgen zu geben, an dem er Buße tun könnte.“

    heißt dass das ich evtl heute schon keine möglichkeit mehr habe (n könnte durch überhören trotz o.ä.)?

    Ich ringe dich ich sinke

  2. Eduard Klassen sagt

    Solange du das heute hörst, ist es nicht zu spät. Außerdem könnte man als Ergänzung zu dem Buch von Watson diese hier lesen: http://www.nimm-lies.de/geborgen-in-ihm-richard-sibbes: Auf S. 87 heißt es: Da Christus uns nun so trostreich zugetan ist, lasst uns nicht Satan glauben, wie er Christus darstellt. Wenn wir in unserem Gewissen wegen unserer Sünden geplagt werden, dann ist es Satans Art, Christus der betrübten Seele als einen sehr strengen Richter hinzustellen, der die Macht hat, Gericht über uns zu üben.

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