Biblische Lehre, Leben als Christ
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Mark Dever: Was ist eine gesunde Gemeinde?

Als gebo­re­ner Men­no­nit (falls es so etwas gibt), der sei­ne theo­lo­gi­schen und ekkle­sio­lo­gi­schen Wur­zeln nicht ver­ach­tet, son­dern stu­diert und viel dar­über nach­denkt und über­prüft, ist es mir immer wich­tig gewe­sen, den Wert und die Bedeu­tung der Gemein­de hoch­zu­hal­ten und in der Gemein­de aktiv mit­zu­ar­bei­ten. Und so freue ich mich immer, wenn ich ande­ren Chris­ten begeg­ne, denen es ähn­lich geht. Ich freu mich auch über jedes Buch, wel­ches auf bibli­sche Wei­se die Bedeu­tung und die Auf­ga­be der Gemein­de betont.

So war es für mich eine Pflicht, das Buch „Was ist eine gesun­de Gemein­de? Gemein­de auf bibli­schem Weg“ von Mark Dever zu lesen. Ich kann­te Mark Dever bereits von eini­gen sei­ner Vor­trä­ge bzw. Pre­dig­ten, die er auf Kon­fe­ren­zen und in sei­ner Gemein­de hielt und war des­halb gespannt, sein Buch zu lesen.

Dever schreibt sein Buch in ers­ter Linie nicht für Theo­lo­gen, Pas­to­ren oder Gemein­de­mit­ar­bei­ter, son­dern zuerst für den „ein­fa­chen“ Christ. Er schreibt für Men­schen, die in der Gemein­de sind, die eine Gemein­de suchen und für Chris­ten, die ihre Gemein­de aus wel­chen Grün­den auch immer wech­seln wol­len. Aus der Wahl der Ziel­grup­pe ergibt sich ein leicht ver­ständ­li­cher Schreib­stil und der Ver­zicht auf tief­ge­hen­de Begrün­dun­gen. Das emp­fand ich jedoch nicht nega­tiv, denn in sei­nem umfang­rei­che­ren Werk „9 Merk­ma­le einer gesun­den Gemein­de“, wel­ches im Sep­tem­ber erscheint, wird er ver­mut­lich gründ­li­cher argu­men­tie­ren.

Mark Dever beginnt sein Buch mit einem Gleich­nis über Herr und Frau Hand, die sich mit Herrn Nase aus dem Lei­tungs­kreis über ihren bal­di­gen Aus­tritt aus der Gemein­de unter­hal­ten. Sie äußern, was sie sonst sel­ten tun, ihre Unzu­frie­den­heit über ver­schie­de­ne Berei­che in der Gemei­ne, ohne genau zu begrün­den, was ihnen fehlt. Das Gespräch wird abrupt been­det, weil das Par­fum von Frau Hand beim Herrn Nase einen Nies­reiz aus­löst. Auf sol­che Mit­glie­der konn­te Herr Nase getrost ver­zich­ten, aber auch die Fami­lie Hand nah­men auf Herrn Nase wenig Rück­sicht und brauch­ten die Funk­tio­nen der Nase anschei­nend nicht.

Mark Dever möch­te mit sei­nem Buch dar­auf auf­merk­sam machen, dass Chris­ten nicht nur Anfor­de­run­gen und Wün­sche an die Gemein­de her­an­tra­gen, son­dern aktiv mit­wir­ken soll­ten, vor allem weil Chris­ten auf­ein­an­der ange­wie­sen sind.

Kapi­tel 1 beginnt mit einem für Dever typi­schen Satz: „Wenn sie sich selbst als Chris­ten bezeich­nen, es aber kei­ne Gemein­de gibt, der Sie sich zuge­hö­rig füh­len und die Sie regel­mä­ßig besu­chen, dann befürch­te ich, dass Sie auf dem bes­ten Weg in die Höl­le sind.“ Scho­ckie­rend aber abso­lut wahr. Das muss wie­der laut gesagt wer­den: Ein Christ ohne Gemein­de ist auf einem gefähr­li­chen Weg und gefähr­det ande­re. Jeder Christ muss sich mit der Fra­ge, was Gemein­de ist, beschäf­ti­gen (Kap. 2). Und jeder Christ muss sich einer Gemein­de anschlie­ßen, weil man sonst das gan­ze Neue Tes­ta­ment umde­fi­nie­ren müss­te. Gegen­sei­ti­ge Lie­be, Für­sor­ge und Ver­ant­wor­tung muss prak­tisch im Rah­men der Gemein­de gelebt wer­den.

In Kapi­tel 3 begrün­det Dever die Wort­wahl beim Titel des Buches: „Was ist eine gesun­de Gemein­de?“. Das Wort „gesund“ erin­nert an die Gesund­heit eines Men­schen, eines Kör­pers und ist gut geeig­net mit der Gemein­de ver­gli­chen zu wer­den. Gesund heißt nicht per­fekt. Dever gibt fol­gen­de Defi­ni­ti­on: „Eine gesun­de Gemein­de ist eine Ver­samm­lung, die zuneh­mend Got­tes Cha­rak­ter wie­der­spie­gelt, wie er in sei­nem Wort offen­bart ist.“

Im 4. Kapi­tel wird der Unter­schied zwi­schen Gläu­bi­gen und Ungläu­bi­gen kon­tras­tiert. Die Gläu­bi­gen cha­rak­te­ri­siert, dass sie auf Got­tes Wort hören und ihm gehor­sam sind, und auf die Ungläu­bi­gen trifft die­ses eben nicht zu. Anschlie­ßend zitiert Dever aus jedem Buch des Neu­en Tes­ta­ments und beweist damit, dass die Gemein­de auf­ge­ru­fen wird auf das Wort Got­tes zu hören und es zu tun. Übri­gens ist Mark Dever geni­al, wenn er eine Über­sicht erstellt oder ein Detail in einen grö­ße­ren Zusam­men­hang dar­stellt.

Ab Kapi­tel 5 beginnt Mark Dever mit den neu­en Merk­ma­len einer gesun­den Gemein­de. Zu den grund­le­gen­den Merk­ma­len gehö­ren sei­ner Mei­nung nach 1.) bibel­ori­en­tier­tes Pre­di­gen, 2.) bibel­treue Theo­lo­gie und 3.) ein bibli­sches Ver­ständ­nis der Guten Nach­richt. Wei­te­re sechs wich­ti­ge Merk­ma­le sind 4.) bibli­sches Ver­ständ­nis von Bekeh­rung, 5.) bibli­sches Ver­ständ­nis von Evan­ge­li­sa­ti­on, 6.) bibli­sches Ver­ständ­nis von Gemein­de­mit­glied­schaft, 7.) bibli­sche Gemein­de­zucht, 8.) bibli­sche Nach­fol­ge und geist­li­ches Wachs­tum und 9.) bibli­sche Gemein­de­lei­tung. Jedes Kapi­tel ist es wert, von jedem Chris­ten gele­sen zu wer­den.

Merk­ma­le 2 und 3 schei­nen sehr ähn­lich zu sein. Den­noch unter­schei­det Dever hier zu Recht. Bibel­treue Theo­lo­gie ist wich­tig für die Ver­kün­di­gung im Rah­men der Gemein­de und zur Erbau­ung der Gläu­bi­gen. Ein bibli­sches Ver­ständ­nis der Guten Nach­richt ist nötig, um außen­ste­hen­den ein kla­res Zeug­nis von der Erlö­sung zu geben, ohne etwas zu ver­schwei­gen. Vier Punk­te soll­ten dabei immer beach­tet wer­den: 1.) Gott, 2.) Mensch, 3.) Chris­tus und 4.) die Reak­ti­on dar­auf. Wer mehr wis­sen möch­te soll­te zu dem Buch „Per­sön­li­che Evan­ge­li­sa­ti­on“ von dem­sel­ben Autor grei­fen.

Wenn man den Inhalt des Buches mit unse­ren Gemein­den ver­glei­chen wür­de, wür­den wohl vie­le fest­stel­len, dass wir noch stär­ker für die Gesund­heit der Gemein­de zu kämp­fen haben. Die­ses Buch ermu­tigt „nor­ma­le“ Gemein­de­mit­glie­der ihre Gemein­de mit­zu­bau­en, sich zu enga­gie­ren, nach der rech­ten Leh­re und dem rech­ten Leben in der Gemein­de zu stre­ben.

Es gibt aber auch zwei Aspek­te, die mich an die­sem Buch stö­ren. War­um tau­chen unter den Merk­ma­len einer gesun­den Gemein­de nicht ein bibli­sches Ver­ständ­nis der Tau­fe und des Abend­mahls auf? Auf Sei­te 63 gibt es eine Ant­wort, die mich aller­dings nicht zufrie­den­stellt. Dever hat die­se Merk­ma­le nicht in sein Buch auf­ge­nom­men, „weil prak­tisch jede Gemein­de zumin­dest die Absicht hat, die­se zu prak­ti­zie­ren.“ Das wird auf die ande­ren Merk­ma­le in der Regel auch zutref­fen. Nach Apg 2,42 gehört das Abend­mahl zu den drei Säu­len des Gemein­de­le­bens. Die Tau­fe gehört eben­falls zu den grund­le­gends­ten Prak­ti­ken der Gemein­de und soll­te nicht aus­ge­las­sen, gera­de weil in bei­den Bereich vie­le Miss­stän­de zu beob­ach­ten sind, die es zu kor­ri­gie­ren gilt. Bei­de The­men wur­den und wer­den kon­tro­vers dis­ku­tiert, und fan­den viel­leicht des­halb nicht Ein­zug in die­ses Buch. Das fand ich sehr scha­de.

Zwei­tens stößt man beim Lesen wie­der­holt auf Bemer­kun­gen, die den Musik­stil oder die Anbe­tungs­form der Gemein­de betref­fen. Der Autor meint, dass der Musik­stil nicht als Kri­te­ri­um her­an­ge­zo­gen wer­den kann, eine Gemein­de zu beur­tei­len. Ich bin der Mei­nung, dass mit der Belie­big­keit in der Musik und im Gesang, es dem Satan gelun­gen ist die Gemein­den zu unter­gra­ben und Welt­lich­keit ein­zu­schleu­sen. Eine gesun­de Gemein­de muss auch an ihrem Gesang, ihrer Musik erkannt wer­den. Für mich wäre es, im Gegen­satz zu Dever (S. 33), durch­aus ein Kri­te­ri­um die Gemein­de zu wech­seln, wenn der Musik­stil nicht den bibli­schen Maß­stä­ben ent­spricht (sie­he dazu: Peter Mas­ters: Wor­ship in the mel­ting pot).

Fazit: Mark Dever trifft mit sei­nem Buch den Nerv der Zeit, indem er neu­en Merk­ma­le nennt, an denen die Gesund­heit einer Gemein­de gemes­sen wer­den kann und soll­te. Er moti­viert die Chris­ten­heit wie­der in die Bibel zu schau­en und zu ent­de­cken, was Gott sich von einer Gemein­de wünscht und wie die Gemein­de wie­der die „Aus­strah­lung sei­ner Herr­lich­keit und Abdruck sei­nes Wesens wird (Hebr 1,3).“ Die Schwach­stel­len habe ich genannt, und hof­fe, dass der Leser das Buch prü­fend liest.

Lese­pro­ben gibt es hier:
Ein­lei­tung
Inhalt
Kapi­tel 1

 

Titel: Was ist eine gesun­de Gemein­de? Gemein­de auf dem bibli­schen Weg
Autor: Mark Dever
Sei­ten: 138
For­mat: 18,5cm x 13,5cm
Ein­band: Hard­co­ver
Jahr: 2008
Ver­lag:
cap-books
Preis: 9,95 Euro
erhält­lich bei: cap-music.de

7 Kommentare

  1. Gast sagt

    Wenn sie sich selbst als Chris­ten bezeich­nen, es aber kei­ne Gemein­de gibt, der Sie sich zuge­hö­rig füh­len und die Sie regel­mä­ßig besu­chen, dann befürch­te ich, dass Sie auf dem bes­ten Weg in die Höl­le sind.“ Scho­ckie­rend aber abso­lut wahr.

    Fin­de sol­che Aus­sa­gen abso­lut scho­ckie­rend und nicht nach­voll­zieh­bar. Es gibt Men­schen die in einer Gemein­de kei­nen Anschluss gefun­den haben, oder die man dort ein­fach nicht haben woll­te. Lan­den die­se jetzt alle in der Höl­le? Ich den­ke hier­über soll­te der Herr urtei­len, denn es heißt auch „Was ihr einem die­ser mei­ner Gerings­ten getan habt, das habt ihr für mich getan.“

  2. Eddi Klassen sagt

    Die­ses Zitat fin­de ich auch scho­ckie­rend, aber ich ver­mu­te, dass da etwas dran ist. Sicher gibt es Gemein­den, die nicht kor­rekt mit ande­ren Geschwis­tern umge­hen. Es men­schelt oft. Den­noch soll­te man im nähe­ren Umfeld eine Gemein­de fin­den, zu der man sich zuge­hö­rig fühlt. Selbst­ver­ständ­lich soll­te man auch demü­tig genug sein, sich der eige­nen Schwä­chen und Feh­ler bewusst zu wer­den und bereit sein, sich in eine Gemein­schaft ein­zu­le­ben und auf eige­ne Pri­vi­le­gi­en und For­de­run­gen zu ver­zich­ten. Ich wün­sche dir, dass der HERR dich ande­re treue Chris­ten fin­den lässt, mit denen du Gemein­schaft haben kannst. Falls du wei­te­re Fra­gen hast, kannst du dich ger­ne über das Kon­takt­for­mu­lar an mich wen­den.

  3. Eugen sagt

    Bin sel­ber „gebo­re­ner Men­no­nit“, heu­te aber beken­nen­der Luthe­ra­ner. Auch wenn die Men­no­ni­ten kei­nes­falls bes­ser sind als ande­re Chris­ten, so habe ich doch nicht aus Ent­täu­schung über die Men­schen, son­dern aus theo­lo­gi­schen Grün­den gewech­selt.

    Denn wie die röm.-kath. Kir­che so glau­ben auch die aller­meis­ten Evan­ge­li­ka­len (Men­no­ni­ten, Bap­tis­ten usw…) an die sicht­ba­re Kir­che Jesu auf Erden. Das ist aber kei­ne bibli­sche Leh­re, Jesus sagt es ein­deu­tig: „Mein Reich ist nicht von die­ser Welt.“

    Die wah­re Gemein­de ist eine unsicht­ba­re, eine geist­li­che Grö­ße, im alten wie auch im neu­en Bund. Schon im alten Isra­el war es immer eine klei­ne Min­der­heit inner­halb der Nati­on, die im leben­di­gen, ret­ten­den Glau­ben stand. Nicht anders ist es in der 2000jährigen Kir­chen­ge­schich­te: die wah­ren Gläu­bi­gen waren immer eine unsicht­ba­re, klei­ne Min­der­heit inner­halb der sicht­ba­ren, orga­ni­sier­ten Kir­che. Wenn ich also auf die sicht­ba­re Kir­che schaue, dann wer­de ich IMMER ent­täuscht wer­den. Wer das nicht weiß, muß ja auch letzt­lich ver­zwei­feln, denn wir blei­ben ja alle Sün­der.

    Das muß auch ein­mal gesagt wer­den: in die Gemein­schaft der Hei­li­gen kom­men Sün­der, die begna­digt sind. Und sie blei­ben jeden Augen­blick auf die Gna­de ange­wie­sen — bis zum Tod. Die Bibel gibt uns doch die Ant­wort auf die Fra­ge nach der „rich­ti­gen Gemein­de“, Gott sel­ber hat die Gemein­de­wachs­tums­mit­tel doch gege­ben: Tau­fe, Pre­digt, Abend­mahl und Gebet. Was wol­len wir denn mehr???

    Zudem beden­ken die Evan­ge­li­ka­len kaum, dass es nur EINE wah­re Gemein­de gibt: „Ein HERR, ein Glau­be, eine Tau­fe.“ Viel wich­ti­ger, ja ent­schei­dend für die Ewig­keit ist des­halb nicht die Zuge­hö­rig­keit zu einer Orts­ge­mein­de, son­dern dass ich zu die­ser ein­zi­gen, wah­ren aber unsicht­ba­ren Gemein­de Jesu gehö­re. Was natür­lich ein­schließt, dass ich mich auch mög­lichst an die sicht­ba­re Kir­che hal­te, wenn dort fol­gen­de Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind:

    „„7. Von der Kir­che

    Es wird auch gelehrt, daß alle­zeit e i n e hei­li­ge, christ­li­che Kir­che sein und blei­ben müs­se, wel­che die Ver­samm­lung aller Gläu­bi­gen ist, bei wel­chen das Evan­ge­li­um rein gepre­digt und die hei­li­gen Sakra­men­te laut des Evan­ge­li­ums gereicht wer­den. Denn dies ist genug zu wah­rer Einig­keit der christ­li­chen Kir­chen, daß da ein­träch­tig nach rei­nem Ver­stand (Ver­ständ­nis) das Evan­ge­li­um gepre­digt und die Sakra­men­te dem gött­li­chen Wort gemäß gereicht wer­den. Und es ist nicht nötig zur wah­ren Einig­keit der christ­li­chen Kir­che, daß allent­hal­ben gleich­för­mi­ge Zere­mo­ni­en, von den Men­schen ein­ge­setzt, gehal­ten wer­den, wie Pau­lus spricht zu den Ephe­sern (4‚5): »Ein Leib, ein Geist, wie ihr beru­fen seid zu einer­lei Hoff­nung eurer Beru­fung; ein Herr, ein Glau­be, eine Tau­fe«.

    8. Was die Kir­che sei

    Fer­ner, wie­wohl die christ­li­che Kir­che eigent­lich nichts ande­res ist als die Ver­samm­lung aller Gläu­bi­gen und Hei­li­gen, jedoch weil in die­sem Leben vie­le fal­sche Chris­ten und Heuch­ler, auch öffent­li­che Sün­der unter den From­men blei­ben, so sind die Sakra­men­te gleich­wohl kräf­tig, obschon die Pries­ter, wodurch sie gereicht wer­den, nicht fromm sind, wie denn Chris­tus selbst anzeigt: »Auf dem Stuhl Moses sit­zen die Pha­ri­sä­er etc.« (Mt 23, 2).““
    (Das Augs­bur­gi­sche Bekennt­nis)

    Ps: freut mich, dass Ihr auf die­ser Sei­te so ernst­haft und ehr­lich den christ­li­chen Glau­ben beleuch­tet.

  4. Sergej Pauli sagt

    Hal­lo Eugen, dan­ke für die­sen umfang­rei­chen Kom­men­tar. Es geht zwar in man­chen Evan­ge­li­ka­len Krei­sen (und wahr­schein­lich auch russ­land­deut­schen BAp­tis­ten, weil sie dann schließ­lich doch Men­no­ni­ten sind)verloren, aber gera­de die BAPTISTEN haben immer die unsicht­ba­re Gemein­de betont. Ver­glei­che hier­für (hof­fent­lich kannst du rus­sisch), den Text hier:
    https://baptist.org.ru/faith/verouchenie
    oder hier:
    https://www.idea.de/frei-kirchen/detail/was-manche-baptisten-von-evangelikalen-unterscheidet-89997.html
    Ich fin­de gera­de einen wei­te­ren ARtikl nicht, in dem ich es in beson­ders prä­gnan­ter Wei­se gele­sen habe, dass gera­de die Bap­tis­ten immer an der unsicht­ba­ren Gemein­de hal­ten und die­se deut­lich betonen…Hier sind Bap­tis­ten also wie die Luthe­ra­ner…

  5. Eugen sagt

    Hal­lo Ser­gej, erst ein­mal dan­ke für Dei­ne freund­li­che Ant­wort. Lei­der kann ich kein Rus­sisch…

    Zunächst: ich las­se mich ger­ne eines bes­se­ren beleh­ren, was das bap­tis­ti­sche Gemein­de­ver­ständ­nis anbe­langt.
    Aller­dings „strotzt“ der vor­lie­gen­de Arti­kel zu Mark Dever nur so von sicht­ba­rer Gemein­de auf Erden. Alles dreht sich um die mensch­li­che Orga­ni­sa­ti­on. Also wenn die Rezen­si­on sei­nes Buches nicht völ­lig falsch liegt, ver­tritt Dever als Bap­tist sicht­ba­re Gemein­de Jesu auf Erden.
    Zudem weist Edu­ard Klas­sen völ­lig zu Recht dar­auf hin, dass er Got­tes „Gemein­de­wachs­tums­mit­tel“ Tau­fe und Abend­mahl links lie­gen läßt und sei­ne eige­nen Mit­tel anpreist.

    Und gera­de in dem Link von Idea spricht Pro­fes­sor Geld­bach davon, dass die Bap­tis­ten schon immer genau die­se Leh­re ver­tre­ten wür­den. Sie unter­schei­den zwi­schen gläu­big und ungläu­big, zwi­schen wie­der­ge­bo­ren und nicht wie­der­ge­bo­ren, wört­lich sagt er: „„Bap­tis­ten haben stets die sicht­ba­re Kir­che gelehrt, so Geld­bach. Für sie bestehe die Kir­che nur aus „sicht­ba­ren Hei­li­gen“.

    Die tiefs­te Ursa­che für die­se Leh­re liegt im Tauf­ver­ständ­nis: Indem man kon­se­quent die „Gläu­bi­gen­tau­fe“ ver­tritt, geht man davon aus, dass man mit fast unfehl­ba­rer Gewiss­heit auch nur wie­der­ge­bo­re­ne, gläu­bi­ge Men­schen tauft und in die Gemein­de auf­nimmt.
    Was aller­dings ein gro­ßer Trug­schluß ist. Nie­mand kann in das Herz eines ande­ren schau­en, nie­mand kann mit letz­ter Gewiss­heit den Glau­ben eines ande­ren beur­tei­len. Und es gibt ja nun genug Bei­spie­le, dass Men­schen, die sich als Erwach­se­ne haben tau­fen las­sen, auch wie­der vom Glau­ben abfal­len. Das war z.B. dann der Fall, wenn jemand hei­ra­ten woll­te, aber eben nicht als Erwach­se­ner getauft war. Um nun die­se Hür­de zu „über­win­den“, hat man brav vor der Gemein­de ein „Zeug­nis“ sei­nes Glau­bens abge­ge­ben und sich tau­fen las­sen. Und ward nach der Hoch­zeit nicht mehr in der Gemein­de gese­hen.….

    Was ich damit sagen will: wäh­rend ein Luther das „Dar­um gehet hin und leh­ret alle Völ­ker und tauf­et sie…“ wört­lich genom­men hat, sprich vom Säug­ling an sind ALLE ein­ge­schlos­sen im Tauf­be­fehl, ver­tritt der Bap­tis­mus die Leh­re der „sicht­ba­ren Gläu­bi­gen“. Also die sicht­ba­re Gemein­de besteht aus ech­ten, geprüf­ten Gläu­bi­gen!???

    Das wirft ja ein wei­te­res Pro­blem auf: der Mensch kommt nicht mehr als Sün­der in den Got­tes­dienst, um Sonn­tag für Sonn­tag Ver­ge­bung und den Zuspruch der Gna­de Got­tes zu erhal­ten, son­dern er ist schon recht gut!?? So habe ich per­sön­lich von einem Bap­tis­ten gehört: „ich will nicht immer der klei­ne Sün­der blei­ben.“ Und ein ande­rer sag­te mir auf mei­nen Vor­schlag, viel­leicht mal über die Beich­te nach­zu­den­ken: „Bei MIR ist alles in Ord­nung!“

    Hier wird das zutiefst refor­ma­to­ri­sche (eben bibli­sche) „Sün­der und Gerech­ter zugleich“ ver­wor­fen. Wo ich aber nicht in der stän­di­gen Abhän­gig­keit von der Ver­ge­bung blei­be, ver­lie­re ich den stän­di­gen Gna­den­strom Got­tes, von dem ich bis ins Grab abhän­gig blei­be. Der Hoch­mut, der Gott ein Greu­el ist, ist die Fol­ge.

    Wäh­rend man nach aller mei­ner eige­nen Erfah­rung und auch nach allem was ich höre beim Bap­tis­mus immer vom Men­schen aus­geht, dach­te Luther immer streng von der Schrift her: wo Got­tes Wort rein gelehrt wird und wo die Sakra­men­te die­sem Wort gemäß aus­ge­teilt wer­den, da war für ihn Gemeinde/Kirche. Natür­lich, ohne Glau­ben kein Christ­sein — das war auch für Luther klar.
    Aber es ist ja gera­de die Pre­digt, das Wort, das den Glau­ben schafft. Des­halb muß das Wort vom Kreuz ver­kün­digt wer­den. Die Leu­te sol­len es hören, ob gläu­big oder nicht. Die­ses Wort schafft den Glau­ben und die­ses Wort ist das Him­mels­man­na, das wir stän­dig brau­chen auf unse­rem Weg in die Ewig­keit.

    Und das ist auch eine unglaub­li­che Ent­las­tung. Das bewahrt vor unzäh­li­gen Ent­täu­schun­gen, das befreit von den stän­di­gen Gedan­ken über neue Metho­den und Lie­der, über Stra­te­gi­en zum Gemein­de­wachs­tum (was auch immer das ist. ich fin­de in der Bibel kei­ne Leh­re über Zah­len, son­dern über ein Wachs­tum in der Leh­re) Sicher muß der Got­tes­dienst auch „orga­ni­siert“ wer­den, der Tag, die Zeit, die Lit­ur­gie, Gesang, Kon­fir­ma­ti­on usw… Aber er braucht nicht stän­dig neu erfun­den zu wer­den, denn Got­tes Mit­tel sind zeit­los.

    Fazit: die Bap­tis­ten (auch Men­no­ni­ten) beto­nen die Gläu­bi­gen­tau­fe. Sie kön­nen aber eben nicht mit letz­ter Gewiss­heit den Glau­ben eines Men­schen beur­tei­len. Das brau­chen sie auch nicht. Denn die Tau­fe ist ja kein Bekennt­nis­akt des Men­schen, son­dern wird auf den Namen des drei­ei­ni­gen Got­tes voll­zo­gen. Damit ist sie gül­tig — egal, ob der Tau­fen­de oder der Täuf­ling sel­ber glaubt. Dass die Tau­fe ohne Glau­ben am Ende nichts nützt, steht auf einem ande­ren Blatt.
    Wo Got­tes Wort ver­kün­digt wird ohne Abstri­che und Zusät­ze, wo Tau­fe und Abend­mahl gemäß Jesu Ein­set­zung prak­ti­ziert wer­den, da ist Gemein­de. Wo das nicht ist, kann es noch so eine har­mo­ni­sche Gemein­schaft geben, noch so vie­le gute WEr­ke getan wer­den, noch so schö­ne und krea­ti­ve Got­tes­diens­te gehal­ten wer­den — es kei­ne Gemein­de Jesu.

    Wie gesagt: las­se mich ger­ne eines bes­se­ren beleh­ren, aber nach aller mei­ner eige­nen Erfah­rung, und nach dem Tauf­ver­ständ­nis der Bap­tis­ten, ja über­haupt wie sich alles um die Ver­wirk­li­chung der Gemein­de dreht (die wir ja gar nicht ver­wirk­li­chen müs­sen und auch gar nicht kön­nen, da es ja allein Chris­tus ist, der Sei­ne Gemein­de baut, Er fügt hin­zu) kann ich zu kei­nem ande­ren Schluß kom­men, als dass die Bap­tis­ten eben­so wie die Men­no­ni­ten sicht­ba­re Kir­che auf Erden leh­ren und prak­ti­zie­ren. Mei­ner Über­zeu­gung nach hat auch genau das zu unzäh­li­gen Spal­tun­gen und Wan­de­rungs­be­we­gun­gen geführt.
    Blei­ben wir doch beim schlich­ten Wort, bei der Ver­kün­di­gung von Gesetz und Evan­ge­li­um, Tau­fe und Abend­mahl — das ande­re wird Gott tun. Wir sind nur Sei­ne Haus­hal­ter, nicht Sei­ne Ver­bes­se­rer, wir sind Sei­ne Boten, nicht die Bot­schaft selbst. Genau das war die wirk­lich welt­be­we­gen­de Wir­kung eines Mar­tin Luther: Das Wort soll­te es aus­rich­ten, nicht sei­ne Klug­heit oder sein Fleiß. Nicht irgend­wel­che Metho­den, son­dern die Schrift allein!!!

  6. Sergej Pauli sagt

    Dan­ke Eugen für die Schil­de­rung dei­nes Weges. Ich schät­ze dei­ne Offen­heit. Ich ken­ne mich lei­der im Luthera­nis­mus zu wenig aus, um irgend­wie ein abschlie­ßen­des Urteil tref­fen zu kön­nen. Mei­ne spo­ra­di­schen Berüh­rungs­punk­te mit den Luthe­ra­nern irri­tier­ten mich eigent­lich immer im sel­ben Punkt. Der Schwer­punkt und die Defi­ni­ti­on des­sen, was „Gewiss­heit“ und was „Geheim­nis Got­tes“ bleibt. ich sehe die­sen im Luthera­nis­mus zu sehr in Rich­tung des „Gehei­men“ ver­scho­ben. Obwohl das Buch aus einem ganz ande­ren Zusam­men­hang kommt, habe ich hier­für ein gutes Bei­spiel bei Car­son gefun­den, in sei­nem Werk: „Ach Herr, wie lan­ge noch“: „Ein Glau­be, der aus lau­ter Gewiß­hei­ten besteht, macht über­heb­lich, starr und unbeug­sam. Schlim­mer noch: Der Glau­ben­de, des­sen WElt­bild wegen der Wech­sel­fäl­le des Lebens ins Wan­ken gerät, wird quä­len­den Zwei­feln aus­ge­lie­fert. Gott ist nicht groß genug, dass wir uns, wenn wir bis zum Hals in SChmer­zen und Nie­der­la­gen ste­cken, nicht auf ihn ver­las­sen kön­nen. Umge­kehrt gilt aber auch: Besteht unser Glau­be nur noch aus Geheim­nis­sen, dann haben wir kei­ne fes­te, ver­bind­li­che Bot­schaft mehr. Ein sol­cher Glau­be unter­schei­det sich nicht von nai­ver Leicht­gläu­big­keit.“ (in: „Ach Herr wie lan­ge noch, S. 25 )
    Ich wür­de ein­ge­ste­hen, dass der fun­da­men­ta­lis­ti­sche Evan­ge­li­ka­lis­mus zu sehr in die Rich­tung der „Gewiss­hei­ten“ aus­schlägt, aber im Luthera­nis­mus ver­un­si­chert mich die ande­re Schlag­sei­te!

  7. Eugen sagt

    Luther hat ja gesagt: „Nimm die  siche­ren Gewiß­hei­ten weg,  und du hast das Chris­ten­tum weg­ge­nom­men
    Gera­de Luther hat die Glau­bens­ge­wiß­heit betont. Fra­ge mich,  was Du da für ein Luther­tum ken­nen­ge­lernt  hast.…

    Von ihm stammt  ja der Satz „Nimm die  siche­ren Gewiß­hei­ten weg,  und du hast das Chris­ten­tum weg­ge­nom­men.“

    Das ist  ein Punkt, der den christ­li­chen Glau­bens fun­da­men­tal von den ande­ren Reli­gio­nen  unter­schei­det. In KEINER Reli­gi­on gibt es Gewiß­heit! 

    Die Fra­ge ist aber, WORAUF sich die Gewiß­heit grün­det! Und genau da unter­schei­det sich das „ech­te“ Luther­tum vom Evang­ei­ka­lis­mus: wäh­rend der evan­ge­li­ka­le Christ zwar auch die Bibel betont, dane­ben aber sei­ne Ent­schei­dung, sein Erle­ben, sei­ne stil­le Zeit, sei­ne Erfah­run­gen mit  Gott, bleibt der „ech­te“ Luthe­ra­ner ALLEIN bei der Schrift. Er ver­weist auf ihre Zusa­gen und  Ver­hei­ßun­gen. Er ist zufrie­den, wenn er die­ses Wort hört, dar­an hängt er sich — „Sola scrip­tu­ra“ eben. 

    Nichts ist so trü­ge­risch wie Gefüh­le, aber genau dar­auf baut der Evan­ge­li­ka­lis­mus. Die Schrift aber, das leben­di­ge Wort Got­tes ist so fest und gewiß, daß  es nie ver­geht.

    Dem­entspre­chend hat Luther gesagt: „der Glau­be (an das Wort  der Schrift) soll kein Stück nach­ge­ben oder wei­chen. Wer hier auch nur etwas zurück­weicht, ver­liert alles.“ (sinn­ge­mäß)

    Also wenn wer nach Pau­lus die Glau­bens­ge­wiß­heit ver­tre­ten hat, dann war es Luther!

    Was Du mit „Geheim“ meinst, so den­ke ich jetzt mal, ist Luthers Ver­ständ­nis über die mensch­li­che Ver­nunft. Es ist lei­der cal­vi­nis­ti­sches, evan­ge­li­ka­les Den­ken, daß die Ver­nunft das Wort Got­tes beur­tei­len kann. Cal­vin Grund­satz war ja, daß  Gott uns nichts zu glau­ben auf­gibt, was wir nicht  ver­ste­hen kön­nen. 

    Das aber wider­spricht im Grun­de so ziem­lich allem, was die  Bibel lehrt.  Oder kön­nen wir die Jung­frau­en­geburt, die Drei­ei­nig­keit, die Auf­er­ste­hung, um nur ein paar Bei­spie­le zu nen­nen,  mit unse­rer Ver­nunft be-grei­fen?

    Für Luther war die Ver­nunft eine Hure, die eben nichts vom Reden Got­tes ver­steht.

    Nein, die Bibel war für ihn ein Buch, daß nicht ver­stan­den wer­den, son­dern Nur GEGLAUBT wer­den konn­te! 

    SOLA SCRIPTURA auch hier — und eben nicht auch noch die  Ver­nunft, die Tra­di­ti­on, die Erfah­rung usw…

    Dabei galt für ihn: die Schrift ist ABSOLUT  klar  — das Pro­blem ist die mensch­li­che  Ver­nunft, die mit dem Sün­den­fall total ver­dor­ben ist und des­halb nichts ver­steht. Es braucht den Hei­li­gen Geist, der uns durch  das Evan­ge­li­um ERLEUCHTET, damit die­ses leben­di­ge Wort zu uns spricht.

    Abschlie­ßend: die Glau­bens­ge­wiß­heit  war für Luther unab­ding­bar. Aller­dings beruh­te die­se Gewiß­heit ALLEIN in den Ver­hei­ßun­gen  des Wor­tes Got­tes und nicht in Erfah­run­gen, Tra­di­tio­nen, Ent­schei­dun­gen. 

    Geheim­nis­se gab es für ihn kei­ne mehr, denn was soll­te noch geheim sein, nach­dem Chris­tus offen­bart ist, in dem ALLE Schät­ze der Weis­heit und Erkennt­nis ver­bor­gen lie­gen.  Die­se ech­te Gewiß­heit ist des­halb eben nicht den Wech­sel­fäl­len des Lebens aus­ge­lie­fert, son­dern hält an den unver­brüch­li­chen Zusa­gen Got­tes in Sei­nem Wort fest.

    Der Fun­da­men­ta­lis­mus im Evan­ge­li­ka­lis­mus ist etwas ganz ande­res und hat nichts mit der bibli­schen Glau­bens­ge­wiß­heit zu tun. Sehr emp­feh­lens­wert  ist hier eine Aus­ar­bei­tung von Jobst Schö­ne:

    Die Irr­leh­re des Fun­da­men­ta­lis­mus im Gegen­satz zum luthe­ri­schen Schrift­ver­ständ­nis. In: Jür­gen Die­stel­mann (Hrsg.): Treue zu Schrift und Bekennt­nis (FS Wolf­gang Büscher). Braun­schweig 1994, S. 171 – 183.

    Fin­det man im Inter­net auch als Pdf- Down­load, ein­fach „Jobst Schö­ne Die Irr­leh­re des Fun­da­men­ta­lis­mus “ ein­ge­ben.

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