Biblische Lehre, Gemeindebau
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Sola Scriptura

die Bedeutung von systematischer Theologie

Sze­na­rio: Katho­li­sche Kir­che. Vie­le der beson­ders bekann­ten Prak­ti­ken in katho­li­schen Kir­chen sind ganz klar auf eine eher selt­sa­me Aus­le­gungs­art der Schrift zurück­zu­füh­ren, z.B.: das Zöli­bat, als Schluss­fol­ge­rung einer bild­li­chen Über­la­dung von  1. Tim 3,2  „Es soll aber ein Bischof unsträf­lich sein, eines Wei­bes Mann, nüch­tern, mäßig, sit­tig, gast­frei, lehr­haft“. Weib wird als Sym­bol für Gemein­de gese­hen. Natür­lich an die­ser Stel­le, an ande­ren Stel­len heißt Weib immer noch Weib. Wann wel­ches Bild gilt, wer weiß das schon?

Ein zwei­tes Bei­spiel fin­det sich in dem Amt des Paps­tes, so dass man ger­ne die Apos­to­li­schen Voll­mach­ten „ver­erb­bar“ macht, und sich nur auf Ver­se wie z.B Mat­thä­us 16,18 stützt, wo es heißt:  Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf die­sen Fel­sen will ich bau­en mei­ne Gemein­de, und die Pfor­ten der Höl­le sol­len sie nicht über­wäl­ti­gen. Hier baut man Grund­le­gen auf einer eher schwie­rig zu ver­ste­hen­den Stel­le auf. Gan­ze Abschnit­te der Schrift die ande­res bezeu­gen, müs­sen sich die­sem unter­ord­nen. Dass man die Schrift mit der Schrift aus­legt, muss auch bedeu­ten, dass dunk­le Stel­len durch lich­te erleuch­tet wer­den soll­ten, nicht umge­kehrt.

Das Spiel haben die Libe­ra­len (vor allem evan­ge­li­schen) Kir­chen froh wei­ter getrie­ben. Man bekann­te die treu­es­ten Bekennt­nis­se, und mit die­sen die Jung­frau­en­geburt und die Gott­heit, das Ster­ben und die Auf­er­ste­hung Jesu und schließ­lich auch die Höl­le und die Ewig­keit  und bestritt die­se sobald man auf die Kan­zel stieg. Natür­lich mit den bes­ten Absich­ten, wie: „Wich­tig ist, dass Jesus in unse­rem Her­zen auf­er­steht. Wich­tig ist, dass wir in Jesus ein Motiv eines lie­ben­den Got­tes erken­nen“, etc. Der­glei­chen Aus­sa­gen in Mas­sen fin­det man z.B. auf chris­mon.

Auch hier ver­zich­te­te man auf Aus­le­gungs­prin­zi­pi­en. Die Fol­ge: Nun kann jeder alles x-Belie­bi­ge in die Schrift rein- und auch wie­der raus­le­sen. Die Fol­ge ist jedoch vor allem, dass die The­men­brei­te an christ­li­chen The­men abnimmt. Pie­tis­ti­sche Ver­la­ge haben uns dies zuge­nü­ge vor­ge­macht. Die Ent­wick­lung poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen Isra­els zu inter­pre­tie­ren, haut in die sel­be Ker­be.  Mar­tin Luther schrieb ein­mal:

„Dar­um rate ich die­sem Roma­nis­ten, dass er noch ein Jahr in die Schu­le gehe und ler­ne, was doch heißt eine Chris­ten­heit oder ein Haupt der Chris­ten­heit, ehe er die argen Ket­zer mit sol­chen hohen, tie­fen, brei­ten und lan­gen Schrif­ten ver­treibt. Es tut mir aber in mei­nem Her­zen wehe, dass wir lei­den müs­sen von sol­chen tol­len Hei­li­gen, dass sie die hei­li­ge Schrift also frech, frei und unver­schämt zer­rei­ßen und läs­tern, sich unter­ste­hen die Schrift zu hän­deln, so sie nicht genug­sam sind, dass sie die Säue hüten soll­ten. Ich habe bis­her gehal­ten, wo man etwas mit der Schrift soll bewäh­ren, müß­te die­sel­be Schrift eigent­lich zur Sache die­nen. Aber nun ler­ne ich, das es genug­sam sei, viel Schrift rips raps zusam­men­zu­wer­fen, es rei­me sich oder nicht. Wenn die Wei­se gilt, so will ich aus der Schrift wohl bewäh­ren, dass Rastrum bes­ser sei, den Mame­si­er1.“ (Von dem Papst­hum zu Rom, wider den hoch­be­rühm­ten Roma­nis­ten zu Leip­zig)


Wäh­rend Rastrum bil­li­ges Bier ist, wel­ches sich nur Stu­den­ten gönn­ten, bezeich­net Mame­si­er (bes­ser: Mal­ve­si­er) edlen Wein.

Luther macht meh­re­re Punk­te deut­lich:

  1. Wer  unsys­te­ma­tisch mit der Schrift arbei­tet, zer­reißt die­se. Dies ist durch­aus eine Läs­te­rung. Stellt man doch sei­ne Emo­tio­na­li­tät über die Auto­ri­tät der Schrift.
  2. Die­ser Umgang ist auch auf eine fal­sche Selbst­zu­frie­den­heit zurück­zu­füh­ren, da man sich per­sön­lich zum Herrn über die Schrift­aus­le­gung macht.
  3. Schließ­lich liegt schrift­ge­mä­ßes Argu­men­tie­ren nicht dar­in, eine Mas­se an Bibel­ver­sen anein­an­der­zu­ket­ten.
  4. Luther erkennt, dass unsys­te­ma­ti­sches Ver­hal­ten gegen­über der Schrift eine Respekt­lo­sig­keit die­ser gegen­über ist. Für jeden der lehrt, ein NoGo!
  5. Dadurch fin­det eine Ver­wäs­se­rung und Ver­dün­nung christ­li­cher Wahr­hei­ten statt,
  6. denn wenn man alles bewei­sen kann, kann man auch nichts bewei­sen.

Vor die­sen Sym­pto­men sind wir nicht sicher. In unse­rem Den­ken erken­ne ich die­se Mus­ter:

  1. Die­se Stel­le muss das bedeu­ten. (ich kann es weder bele­gen oder erklä­ren, aber die nahe­lie­gends­te Lösung ist mir zu unan­ge­nehm.)
  2. Die (Ir-)Rationalität der Post­mo­der­ne ist ein aus­rei­chen­der Schlüs­sel zur Inter­pre­ta­ti­on bibli­scher Tex­te.
  3. Raus­pi­cken und beharr­li­ches Wie­der­ho­len bekann­ter Pas­sa­gen, voll­stän­di­ges Aus­blen­den ande­rer Pas­sa­gen.

Die­se drei Feh­ler gilt es zu über­win­den. Ich den­ke, es fällt uns oft­mals des­we­gen schwer, weil eine inten­si­ve Arbeit mit der Schrift eine Her­aus­for­de­rung ist und uns immer dazu auf­for­dern wird uns wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Lieb gewor­de­ne Gewohn­hei­ten abzu­le­gen und unge­wöhn­lich klin­gen­de Maß­nah­men zu ergrei­fen. Doch der Kampf lohnt sich: Der Gewinn ist eine grö­ße­re Nähe zu Chris­tus.

Wer kennt das nicht? Wie lan­ge habe ich schon kei­ne Pre­digt mehr über das ers­te Kapi­tel des Ephe­ser­brie­fes gehört. Denn ein Satz der über 10 Ver­se lang ist, ist nun mal nicht so leicht zu hand­ha­ben. Oder mal eine wirk­lich tie­fer gehen­de Aus­le­gung über Jako­bus 2, die über das all­ge­mei­ne „Pau­lus und Jako­bus haben sich nicht wider­spro­chen  bla bla“ hin­aus­geht. Wie tri­vi­al! Dabei hat der Jako­bus­brief doch gar kei­ne lan­gen Ver­se… Und das Pre­di­ger nicht eine unchrist­li­che Schrift habe ich auch schon oft gehört, aber was will Pre­di­ger dann sagen? Von der Bedeu­tung und Anwen­dung der Klei­ne­ren Pro­phe­ten will ich gar nicht reden. Dass  das The­ma von Joel der Tag des Herrn ist, ist klar. Doch was ist bloß der Tag des Herrn?  Hier ist inten­si­ve Bibel­ar­beit nötig, da ist es vie­len doch leich­ter über poli­ti­sches nach­zu­den­ken, z.B. dass Ame­ri­ka jetzt Jeru­sa­lem als Haupt­stadt Isra­els aner­kannt hat. Geht es der Schrift etwa um Poli­tik? Soll nicht Chris­tus die Herr­scher die­ser Welt wie Töp­fe zer­schla­gen, war­um soll sein Wort dann sich dem täg­li­chen Gesche­hen der Poli­tik unter­ord­nen. Dass die Chris­ten­heit heu­te vor Huma­nis­mus nur so erstickt, ist unbe­streit­bar eine Fol­ge davon, dass man Bibli­sche Leh­re unter phi­lo­so­phi­sche Denk­mo­del­le setz­te. Welch eine Ver­höh­nung des­sen, dass ein Schwert, ein Licht, ein Weg, ein guter Same, ein Ham­mer, leben­di­ges Was­ser und ein fes­ter Fel­sen ist. Ich erken­ne die­se Pro­ble­me: Vie­le Frau­en set­zen ihre Emo­tio­na­li­tät und Emp­fin­dun­gen über die Schrift, wäh­rend Män­ner eher ihren Ver­stand über die Schrift set­zen. Bei­des ein Fehl­griff mit der Fol­ge dass man nicht mehr auf einem fes­ten Fel­sen baut.

Ich will damit nicht sagen, dass ich sel­ber nicht davon betrof­fen bin. Die Gefahr ist groß genug. Aber es gibt Maß­nah­men:

  1. Erar­bei­te dir von jedem Buch der Bibel eine klei­ne Über­sicht und eine klei­ne Inhalts­be­schrei­bung. Bereits weni­ge Sät­ze sind eine Erleuch­tung. Das der Phil­ip­per­brief „Freu­de auch in schwie­ri­gen Zei­ten“ the­ma­ti­siert ist klar. Was ist aber das The­ma des ers­ten Petrus­brie­fes?
  2. Gehe mit Pau­lus auf die Miss­si­ons­rei­se und du wirst sehen, du brauchst kei­ne Stu­di­en­bi­bel oder Wiki­pe­dia, um zu ermit­teln, wann er wel­chen Brief geschrie­ben hat. Es gibt Dis­kus­si­ons­punk­te, aber eine rote Linie ist klar zu erken­nen.
  3. Das wich­tigs­te Bild der Bibel ist Jesus und sein Volk!
  4. Die Bibel redet zu dir. Wenn es leben­des Was­ser ist, ist 3. Mose auch leben­di­ges Was­ser. Suche nach Anwen­dun­gen auch unan­ge­neh­mer Bibel­stel­len
  5. Wenn von Geduld, Lang­mut und Güte die Rede ist, sind das nicht bloß Syn­ony­me. Ein Bibel­pro­gramm hilft, Begrif­fen und Bil­dern nach­zu­ge­hen. (Eben­so ist es nicht sinn­voll über­all unkla­re Begrif­fe, wie „Erwähl­te“, „Beru­fe­ne“ inhalt­lich mit „Gläu­bi­ge“ gleich­zu­set­zen)
  6. Beden­ke: Die Ephe­ser waren auch eine Gemein­de, die eher aus Skla­ven und ein­fa­chen Chris­ten bestand. War­um  schrieb Pau­lus dann so kom­pli­ziert?
  7. Suche Stel­len zu The­men her­aus, die dich beschäf­ti­gen. (Fra­ge: sind das auch die Haupt­an­lie­gen der Schrift?)
  8. Arbei­te dich durch Glau­bens­be­kennt­nis­se und Dog­ma­ti­ken durch. Hier ein moti­vie­ren­der Arti­kel.
  9. (Geheim­tip): Lass das Wort Got­tes dei­ne gan­ze Lei­den­schaft sein. Ver­zich­te mal auf einen Aus­flug (oder sogar einen Urlaub?) um mehr das Wort Got­tes lesen zu kön­nen. Es muss nicht immer nur Grill­par­ty, Fuß­ball­spie­len, Gesel­lig­kei­ten bis tief in die Nacht sein. Mal ein biss­chen inten­si­ve­res See­len­fut­ter an einem ruhi­gen Abend wird uns allen gut tun. (Das Smart­pho­ne muss  dann aber soweit weg sein, dass du noch nicht ein­mal an die­ses denkst)

Zum Abschluss ein Wort des kürz­lich ver­stor­be­nen R.C. Sproul, der im Vor­wort zu „Glau­ben von A bis Z“ schrieb:

Kein Christ kann der Theo­lo­gie aus dem Weg gehen. Jeder Christ hat eine Theo­lo­gie. Das The­ma ist dar­um nicht, ob wir eine Theo­lo­gie haben — die haben wir. Die ent­schei­den­de Fra­ge ist. Haben wir eine gesun­de Theo­lo­gie? Hal­ten wir uns an ech­te oder an unech­te Leh­re?

Es ist höchs­te Zeit. Schlimm genug, dass es kaum kon­ser­va­ti­ve  deutsch­spra­chi­ge Dog­ma­ti­ken gibt. Die Dog­ma­tik Gru­dems ist ja eigent­lich an eini­gen Stel­len ein Kom­pro­miss.  Wer Sys­te­ma­ti­sche Theo­lo­gie ver­pönt, nimmt hin, dass der Glau­be zu kei­nem The­ma etwas sagen darf! Ist das etwa Chris­ti Sinn? Ist das die Lebens­hal­tung der Apos­tel gewe­sen?

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