eBooks, Erzählungen
Schreibe einen Kommentar

Nur noch ein Kapitel …

Roman: Auf getrennten Wegen

Auf-getrennten-Wegen… war mein meist­ge­dach­ter Gedan­ke beim Lesen die­ses Buches. Denn eigent­lich hat­te ich gar kei­ne Zeit, und eigent­lich hat­te ich eine Men­ge Ande­res zu tun. Aber das Buch hat mich gepackt und ein­fach nicht mehr los­ge­las­sen. Und so wur­den es dann doch jedes­mal ein paar Kapi­tel mehr.

Dabei woll­te ich das Buch eigent­lich gar nicht lesen. Die Beschrei­bung klang so nach Kriegs­ge­schich­te, und Kriegs­ge­schich­ten mag ich gar nicht. Aber dann kam alles ganz anders.

Die Hand­lung beginnt wohl wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs, aber vom Krieg selbst kommt nur ganz am Anfang ein wenig vor; das war gut zu ver­kraf­ten. Der Rest fügt sich so flüs­sig und selbst­ver­ständ­lich in den Hand­lungs­ab­lauf ein, daß man nur noch die han­deln­den Per­so­nen sieht, ihr per­sön­li­ches Erge­hen, ihre Ängs­te und Nöte, daß man meint, mit ihnen auf­ge­wach­sen zu sein. Ande­rer­seits erlebt man die Umstän­de haut­nah mit: den Druck auf die Zivi­lis­ten und auf die jun­gen Rekru­ten, die Will­kür der Macht­ha­ben­den in Deutsch­land, Ängs­te und Belas­tun­gen der jun­gen Sol­da­ten und die all­ge­gen­wär­ti­ge ängst­li­che Stim­mung.
Erich und Hans sind Pfle­ge­brü­der. Sie leben in einem klei­nen Dorf im Wald und ver­ste­hen sich pri­ma. Bei­de sind lei­den­schaft­li­che Natur­wis­sen­schaft­ler, der eine im Bereich der Phy­sik, der ande­re mehr in der Che­mie. Doch dann wird Erich zum Kriegs­dienst ein­ge­zo­gen. Er soll nach Nor­we­gen gehen — aber er kommt nie dort an. Der Zug wird ange­grif­fen, und in den fol­gen­den Wir­ren kann er ent­kom­men. Aber nicht ganz. Auf etli­chen Umwe­gen lan­det er in den USA. Auf eben­so ver­schlun­ge­nen Wegen kommt Hans nach Frank­reich. Bei­de kön­nen nicht zurück — und sie wis­sen nichts von­ein­an­der, jahr­zehn­te­lang. Bis sich alles ändert…

Was mich am meis­ten beein­druckt hat, war die Grad­li­nig­keit der Hand­lung: Kei­ne künst­li­chen „Zufäl­le“ und kei­ne unty­pi­schen Ent­schei­dun­gen, jeder bleibt er selbst und sei­nem Cha­rak­ter treu, auch in den schwe­ren Zei­ten. Am Ende wird deut­lich, daß es kei­ne „Zufäl­le“ gibt und daß unser Vater im Him­mel auf jedes sei­ner Kin­der ach­tet, auch wenn man das selbst gar nicht bemerkt und oft miß­ver­steht.

Die­ses Buch hat mir Ruhe und Frie­den gege­ben, obwohl die Umstän­de oft alles ande­re als fried­lich sind. Außer­dem fand ich die Ein­bli­cke in eine Zeit, die selbst mei­ne Eltern nur als Kin­der erlebt haben, sehr ein­drück­lich geschil­dert. Von den Alten erzählt nie­mand gern aus die­ser Zeit, und des­halb ist es für unser­eins oft unver­ständ­lich — aber hier wird die­se Zeit leben­dig und for­mu­liert eine Bot­schaft für jeden aus unse­rer Gene­ra­ti­on, die mich sehr ange­spro­chen und beein­druckt hat. Jeder­zeit wie­der so ein Buch!

U. K.

Titel: Auf getrenn­ten Wegen
Autor: Richard Kili­an
Sei­ten: 499
For­mat: 14 x 21 cm
Ein­band: Paper­back
Jahr: 2. Auf­lage 2011
Ver­lag: BOAS-Ver­­lag
Preis: 12,95 EUR (eBook: 6,99 EUR)
erhält­lich bei: BOAS-Ver­lag
auch als eBook erhält­lich: ceBooks.de

Hinterlasse einen Kommentar!