Biblische Lehre, Leserunde: Gott erkennen
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Kapitel 1: Theologie — Die Lehre von Gott

Leserunde: Gott erkennen

5029_0Wie vor eini­gen Tagen ange­kün­digt, fan­gen wir heu­te mit einer Leserun­de an: Wir ver­su­chen jede Woche zusam­men ein Kapi­tel im Buch Gott erken­nen von James I. Packer zu lesen und zu bespre­chen.

Im ers­ten Kapi­tel führt der Autor zahl­rei­che Moti­ve an, sich mit der „Leh­re von Gott“ (= Theo­lo­gie)  zu beschäf­ti­gen.

Ein umfang­rei­ches Zitat von Charles H. Spur­ge­on gibt den ers­ten Vor­schmack auf die Seg­nun­gen, die die tref­fen, die Gott von gan­zem Her­zen suchen. Wer Gott erkennt, wird gede­mü­tigt: „Die Gott­heit ist so tief­grün­dig, dass unser Hoch­mut in ihrer Unend­lich­keit ver­sinkt. Ande­re The­men kön­nen wir erfas­sen und bewäl­ti­gen: bei ihnen emp­fin­den wir eine Art Selbst­zu­frie­den­heit …“

Doch so demü­ti­gend die­ser Gegen­stand für das Herz ist, ist er auch erhe­bend. Denn tröst­lich ist es zu wis­sen, wel­cher Gott mein Schick­sal in der Hand hält. Doch braucht man Theo­lo­gie heu­te im 21. Jahr­hun­dert noch? Soll­te man sich wirk­lich mit einem der­art „ver­staub­ten“ The­ma beschäf­ti­gen? Heu­te sieht ein prag­ma­ti­sches Chris­ten­tum kei­ne Anwen­dung in der Theo­lo­gie (man fürch­tet gar unnö­ti­ge Pfaf­fen­ge­zän­ke um Para­gra­phen und Defi­ni­tio­nen). Dabei ist Theo­lo­gie, so führt Packer aus, das prak­tischs­te The­ma auf die­ser Welt über­haupt:

In Wirk­lich­keit ist es jedoch das prak­tischs­te Pro­jekt, mit dem man sich befas­sen kann. Gott zu erken­nen ist von ent­schei­den­der Bedeu­tung, wenn es dar­um geht, ein gelun­ge­nes Leben füh­ren zu kön­nen.

Dabei sind eini­ge Hin­der­nis­se zu über­win­den, die dem Suchen­den von vie­len Sei­ten tref­fen: „In unse­rer heu­ti­gen Zeit gera­ten wir bei der Leh­re von Gott unwei­ger­lich in eine Gewit­ter­front“. Der Autor gibt hier­bei den Rat­schlag:

Ver­schlie­ße dei­ne Ohren vor denen, die dir weis­ma­chen wol­len, dass es kei­nen Weg zur Erkennt­nis Got­tes gebe, und fol­ge mir auf mei­nem Weg, denn „Pro­bie­ren geht über Stu­die­ren“.

Wel­che The­men wer­den im Buch bespro­chen? Wir wer­den uns mit der Gott­heit, der Macht und den Vor­treff­lich­kei­ten Got­tes befas­sen (mehr dazu in den nächs­ten Kapi­teln).

Der Autor schließt das Kapi­tel mit einer wich­ti­gen War­nung: Es kann auch schäd­lich sein, sich mit Theo­lo­gie zu beschäf­ti­gen. Wir soll­ten also unse­re Moti­ve prü­fen. Will ich blo­ßes theo­lo­gi­sches Wis­sen sam­meln, oder möch­te ich tat­säch­lich geist­lich wach­sen?

Es kann kein geist­li­ches Wachs­tum ohne dog­ma­ti­sche Erkennt­nis geben. Aber es trifft eben­so zu, dass die Leh­re allein uns kein geist­li­ches Wachs­tum ver­schaf­fen kann, wenn wir die ver­kehr­ten Zie­le ver­fol­gen (…).

Der Autor emp­fiehlt Zeit im Nach­sin­nen über Gott, sein Wort, sein Wesen, sei­ne Ver­hei­ßun­gen zu ver­brin­gen. Dies führt dazu, dass aus blo­ßem Wis­sen wah­re Got­tes­er­kennt­nis wird.

Ich den­ke eini­ge Ver­se aus Psalm 119 sind als Leit­ver­se zu die­sem Kapi­tel gut geeig­net:

Ps.119,2 – 5: Wohl denen, die sei­ne Vor­schrif­ten befol­gen, die ihn von gan­zem Her­zen suchen, die auch kein Unrecht tun, auf sei­nen Wegen gehen. Du selbst hast dei­ne Befeh­le erlas­sen, dass man sie genau beach­te. Wären doch mei­ne Wege dar­auf gerich­tet, dei­ne Sat­zun­gen zu hal­ten.

Das Ziel des ers­ten Kapi­tels ist es, zu erken­nen, war­um das Stu­di­um über Gott so wich­tig für uns ist.

Zu jedem Kapi­tel beinhal­tet das Buch Fra­gen. Wir wol­len gemein­sam die Fra­ge 3 beant­wor­ten.

Wel­chen Ein­fluss hat das Nach­sin­nen über die Gott­heit auf uns?

Neben den zwei Effek­ten, dass man gede­mü­tigt und getrös­tet wird (wie Spur­ge­on es ja bereits aus­führt) habe ich in mei­nem Leben fest­ge­stellt, dass das Nach­sin­nen über Gott eine rei­ni­gen­de Wir­kung auf mein Leben hat. Vie­le „Lieb­lings­sün­den“ und klei­ne Ver­ge­hen, die ich mir als Christ erlaubt habe, habe ich gelas­sen, als mir bewusst wur­de, wer mein Herr ist, dem ich die­ne. Ich den­ke da z.B. an zu schnel­les Fah­ren: Ein Knöll­chen ärgert mei­ne Natur viel mehr dadurch, dass ich mich erwi­schen las­sen habe, nicht dadurch, dass ich gesün­digt habe. Seit mir bewusst ist, dass auch Auto­fah­ren ein Werk zur Ehre Got­tes ist, sehe ich einen Straff­zet­tel ganz anders (wobei es immer noch vor­kommt, vor allem aus leicht­sin­ni­gen Grün­den, dass ich geblitzt wer­de).

Fra­ge an unse­re Mit­le­ser: Wel­chen Ein­fluss hat das Nach­sin­nen über die Gott­heit auf dich? Hast du sonst Fra­gen, Anmer­kun­gen, Kri­tik. Bit­te ver­wen­de die Kom­men­tar­funk­ti­on.

2 Kommentare

  1. Super Rei­he! Dan­ke dafür. Auch wenn ich das Buch nicht lese gibt es mir doch eine gute Zusam­men­fas­sung.

    Für mich wird Gott rea­ler und greif­ba­rer durch das nach­sin­nen.

    Auch erlaubt es mir zu über­le­gen was wohl Gott will das ich in mei­nem Umfeld kon­kret tue

  2. Da mei­ne Lese­part­ne­rin noch 2 Wochen im Urlaub ist, fan­ge ich das Buch ohne sie an. Danach — soweit der Plan — ant­wor­ten wir hier zu zweit.

    Schon die ers­ten Sei­ten von Packers „Gott erken­nen“ haben mich tief beein­druckt. Sie lie­ßen mich Din­ge rea­li­sie­ren, die mir zuvor so nicht klar waren. Ins­be­son­de­re drei Text­stel­len moti­vie­ren mich zum Umden­ken. Ich wer­de ver­su­chen, anhand die­ser Pas­sa­gen auf die Fra­ge des Nach­sin­nens zu ant­wor­ten.

    Vor­ab: Nach­sin­nen über Gott stellt mich in ein Abhän­gig­keits­ver­hält­nis zu Ihm.

    S. 19: „Neh­men wir das Bei­spiel eines Ein­ge­bo­re­nen, der aus dem Regen­wald des Ama­zo­nas stammt. Wie lieb­los wäre es, mit ihm nach Lon­don zu flie­gen, ihn ohne eine Erklä­rung am Tra­fal­gar-Squa­re abzu­set­zen und dann zu ver­schwin­den. Er müss­te sich dann, ohne ein Wort Eng­lisch zu spre­chen oder etwas über Eng­land zu wis­sen, allein durch­schla­gen. Eben­so lieb­los sind wir uns selbst gegen­über, wenn wir ver­su­chen, in die­ser Welt zu leben, ohne den Gott zu ken­nen, der die­se Welt erschaf­fen hat, und der sie lenkt.“

    Wenn Gott die­se Welt erschaf­fen hat, dann ist alles, was auf Erden geschieht, ohne in Got­tes Wort nach Weg­wei­sung zu suchen, ein Leben nach Ver­such und Irr­tum —  mit dem ein­zi­gen Unter­schied, dass in Thorn­di­kes Modell ein Lern­pro­zess statt­fin­det, wäh­rend die heu­ti­ge Mensch­heit die ein­zig rich­ti­ge Lösung a prio­ri aus­schließt und es sich im Irr­tum schön gemüt­lich macht.
    Außer­dem sind wir (ob Christ oder Nicht-Christ) ver­flucht, einen sol­chen Stolz zu haben, dass wir unab­läs­sig eige­ne Wege aus­pro­bie­ren, mei­nen, klug genug zu sein, um unser Leben nach eige­nem Ermes­sen zu füh­ren, statt Got­tes Rat­schluss als Geschenk anzu­se­hen und dem zu ver­trau­en, der die­se Welt und uns in- und aus­wen­dig kennt… und das schon seit Anbe­ginn der Zeit.
    Aber wie­so die­ser Stolz? Wie­so die­se Selbst­be­ses­sen­heit, wenn wir doch wis­sen, dass Gott Schöp­fer ist und heu­te noch sou­ve­rän herrscht?
    Ja, wir wis­sen es, doch es ist erst das Nach­sin­nen über Gott, das uns immer mehr zeigt, wie lächer­lich unse­re Selbst­be­zo­gen­heit ist. Und ich spre­che nicht nur Demut, son­dern von Abhän­gig­keit. Denn im Grun­de genom­men ist Stolz das Pro­dukt eines Glau­bens an sich selbst, eines Abkop­pelns aus Abhän­gig­keits­ver­hält­nis­sen. Ein Kind ist stolz, wenn es etwas allei­ne hin­kriegt. Ein Erwach­se­ner ist stolz, wenn er etwas meis­tert, was ande­re nicht kön­nen. Doch vor Gott sind wir alle gleich. Ja, gleich ABHÄNGIG.
    Dabei mei­ne ich nicht ein Gefühl der Abhän­gig­keit, wie es etwa Schlei­er­ma­cher zu defi­nie­ren such­te, son­dern eine tat­säch­li­che Abhän­gig­keit, die uns ein­leuch­tet, wenn wir am Tra­fal­gar-Squa­re wie­der­mal die fal­sche Abzwei­gung genom­men haben – also rea­li­sie­ren, dass auf unse­re eige­nen Fähig­kei­ten kein Ver­lass ist.

    S. 21: „Wir müs­sen unser Leben im Licht des Wor­tes Got­tes beur­tei­len und füh­ren. Dies, und nichts ande­res, ist wah­re Reli­gi­on.“

    Der Begriff der Reli­gi­on ist ja zuneh­mend umstrit­ten. Even­tu­ell lässt sich Reli­gi­on als ein Leben in bewuss­ter Abhän­gig­keit von Gott defi­nie­ren. Dies heißt, dass kein Lebens­be­reich nach einem ande­ren Maß­stab funk­tio­nie­ren kann, als nach dem Wort, das uns Gott in sei­ner Gna­de offen­bart hat.

    S. 24: „Wir müs­sen jede Wahr­heit, die wir über Gott ler­nen, in eine Medi­ta­ti­on vor Gott ver­wan­deln, um uns dann in Gebet und Lob­preis an Gott zu wen­den.

    Es gibt doch die­sen berühm­ten Spruch: „Man­che ver­pas­sen den Him­mel nur um 45 cm — die Ent­fer­nung zwi­schen ihrem Kopf und ihrem Her­zen.“
    Als ich gera­de die­se Wor­te zur Abhän­gig­keit for­mu­lier­te, hat­te ich plötz­lich die Befürch­tung, man könn­te den Begriff als rein ratio­na­les Bewusst­sein ver­ste­hen (ins­be­son­de­re, nach­dem ich Abhän­gig­keit nicht als dif­fu­ses Gefühl abstem­peln woll­te). Doch bringt es dem Men­schen nichts, wenn er sich über Got­tes Auto­ri­tät bewusst wird, ohne das Ver­lan­gen zu haben, sich die­ser unter­zu­ord­nen. Es reicht nicht, Gott im Ver­stand zu erken­nen, wenn unser Herz nicht für sei­ne Wahr­heit brennt und sich sowohl unse­re Hal­tung wie auch unser gan­zes Leben auf Ihn aus­rich­tet.

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