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Martin Luther: Von dem Papsttum zu Rom, wider den hochberühmten Romanisten zu Leipzig

Eine Empfehlung

Wieder ein kleiner erläuternder Ausschnitt aus einer Werkseinführung von Pierre Bühler: „Die Bezeichnung „Romanist“ meint hier (…) Römling, Romanhänger, Verfechter des römischen Papsttum. Ein solcher war der Franziskanermönch Augustin Alfeld (…).

Er schrieb im April 1520 eine lateinische Schrift gegen Luther, mit der Absicht, aus der Bibel zu beweisen, dass das Papsttum zu Rom auf göttlichem Recht beruhe. Luther hielt sie nicht einer Erwiderung wert und beauftragte Lonicer mit einer Antwort, die ungefähr zeitgleich mit einer weiteren Erwiderung, durch Bernhardi, erschien. Allfelds Schrift hatte denn auch durch ihre Mängel in den eigenen Reihen Entsetzen gestiftet.

Doch er hatte bereits ein deutsches Büchlein zum selben Thema geschrieben, dass Mitte Mai erschien, dem Rat und den Bürgern der Stadt Leipzig gewidmet. Die Gefahr, dass diese deutsche Fassung auf die einfachen Leute verführerisch wirkte, bewegte Luther dazu, eine Antwort an den – ironisch als hochberühmt bezeichneten – „Romanisten zu Leipzig“ in Angriff zu nehmen. Ihr Erscheinen wurde auf den 26. Juni 1520 angekündigt.

Luthers Schrift ist polemisch und ironisch zugleich. Über die bloße Widerlegung hinaus lässt er sich jedoch „die Ursache willkommen sein, von der Christenheit etwas für die Laien zu erklären“. So wird diese Schrift zu einem der ersten Versuche, die reformatorische Auffassung der Kirche, die sich Luther in seinen exegetischen Vorlesungen erarbeitet hatte, in einfacher, volkstümlicher Gestalt zu lehren und zu erklären“.

Wenn ich Luthers Werke lese, staune ich über seine tiefe und umfassende Sicht der Dinge. Er war in der Lage Details zu beschreiben, ohne  grundlegende Konzepte zu vernachlässigen oder durcheinander zu bringen. Sein Frühwerk zudem zeugt von einer tiefen Verwurzelung in der Schrift. Kein Wunder, hat er ja auch die Bibel in die deutsche Sprache übersetzt, was nun mal ohne Schriftkenntnis nicht geht. Doch größer ist sein Glaube und sein blinder Vertrauen auf die Schrift. Auch ist Luthers Theologie nicht mit vier oder fünf Solis erschlagen. Umfassend und detailliert erkennt er die selbstständige Verantwortung eines Christenmenschen, und als Alfeld aufführt, ein Papst als Oberhaupt wäre nichts als vernünftig, greift Luther ein wichtiges Thema auf, dass wir heute oft vergessen: Dass ein Christ sich nicht auf seinen Verstand zu verlassen habe, sondern auf Gott.

Es ist sehr lächerlich, dass wir Gottes Wort mit unserer Vernunft verfechten wollen, während wir uns doch mit dem Wort Gottes gegen alle Feinde wehren sollen, wie St. Paulus lehrt (Eph. 6,17). Wäre der nicht ein großer Narr, der im Streit seinen Harnisch und sein Schwert mit bloßer Hand oder bloßem Kopf schützen wollte? So ist’s auch, wenn wir Gottes Gesetz, das unsere Waffe ist, mit unserer Vernunft schützen wollen.

Luthers Verachtung der menschlichen Vernunft, die ja auch von Erbsünde und Fall betroffen ist, wie der Rest des Menschen, ist ein entscheidender Punkt, den ich in meinem Glaubensleben erst in Luthers Werken formuliert fand. Ein Misstrauen am eigenen Verstand steht jedem Christen gut an.  Im Weiteren Verlauf greift Luther zudem dass fehlerhafte Verständnis der Katholischen Kirche vom Alten Testament auf: Hier wurde Aron als Vorbild für den Papst gesehen, den er wäre ja der oberste aller Priester etc. Doch ich möchte euch nicht die Lust am Lesen nehmen. Man wird übrigens auch an Luthers Polemik seine Freude haben:

Denn wenn diese Vernunft folgert, dass die Christenheit wie eine leibliche Gemeinde einen leiblichen Oberherrn haben muss, um zu bestehen, so folgert sich auch weiter, dass, wie eine leibliche Gemeinde nicht besteht ohne Frauen, man also der Christenheit auch eine leibliche gemeinsame Frau geben müsste, damit sie nicht vergehe. Das wird ja eine weidliche Hure sein müssen!

Das Buch kann unter glaubensstimme.de gelesen werden.

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