Magazine/Zeitschriften, Zeitgeschehen/Apologetik
Schreibe einen Kommentar

Mein lieber Markus! (Ein Brief von Paul Geyser)

Ausschnitt aus der Zeitschrift "fest und treu" (Heft 2/2017)

Mit schwe­rem Her­zen habe ich gele­sen, dass du dich für die Theo­lo­gie ent­schie­den hast, und auch dei­ne wür­di­ge Mut­ter hat erklärt, es sei das eine bedenk­li­che­re Wahl, als wenn du den Rock aus zwei­er­lei Tuch anzie­hen oder dein Glück auf dem Welt­meer suchen woll­test. Indes­sen, wie ich dir nie zure­de­te und dir ganz freie Wahl ließ, so will ich nun auch nicht wider­re­den, son­dern dir nur zuru­fen: Der Gott, vor dem mei­ne Väter Abra­ham und Isaak wan­del­ten, der Gott, der mich mein Leben lang ernähr­te bis auf die­sen Tag, der Engel, der mich erlöst hat von allem Bösen, der sei mit dir! (1Mo 48,15)

Oh, mein Sohn Mar­kus, mei­nes Her­zens Hoff­nung und Freu­de, ich woll­te lie­ber, du wärst auf mei­nen Kni­en gestor­ben, als dass du her­an­ge­wach­sen wärst, um des Teu­fels Nar­ren­kap­pe zu tra­gen, ein Die­ner der Kir­che zu hei­ßen und ein Baals­pfaf­fe zu sein. Weißt du, dass nach Got­tes Gesetz der Mann, der das Hei­li­ge Salb­öl nach­mach­te, ver­flucht und ver­ma­le­deit war in Ewig­keit? (2Mo 30,31 – 33) Wird denn eine gerin­ge­re Stra­fe den­je­ni­gen tref­fen, der das Hei­li­ge des Neu­en Bun­des nach­macht, um Men­schen und Gott zu belü­gen?!

Hüte dich, Mar­kus, es gibt eine Theo­lo­gie, die hat es mit lau­ter Imi­ta­ti­on zu tun – lau­ter Falsch­mün­ze­rei!

Hüte dich, es gibt eine Theo­lo­gie, die gleicht einer Lyo­ner Musik­do­se, wel­che ein paar Stück­chen ganz fer­tig abspielt und dann schwei­gen oder wie­der von vorn anfan­gen muss, bis die Leu­te darü- ber ein­schla­fen.

Hüte dich, es gibt eine Theo­lo­gie, die gleicht einem Anti­qui­tä­ten-Kabi­nett, wo alles bei­sam­men ist: ein häre­ner Rock von einem Kir­chen­va­ter, ein Rosen­kranz von einem Scho­las­ti­ker, ein Bril­len­fut­te­ral von Dr. Luther, ein Hosen­knopf von Cal­vin, eine Schnupf­do­se von Zin­zen­dorf und der­glei­chen Din­ge.

Mar­kus, lass dich nicht dar­auf ein! Von den Alten sage ich: Mögen sie in Frie­den ruhen! Die Refor­mier­ten aber hal­ten sich an die Leben­di­gen, an Isra­els hei­li­ge Pro­phe­ten und Apos­tel, an Got­tes hei­li­ges Wort, wel­ches bleibt in Ewig­keit! Dar­an den­ke du! … Ich weiß, dass auf der Uni­ver­si­tät „man­cher­lei Getränk“ ein­ge­schenkt wird. Und ich hof­fe zu Gott, wenn du auch Gift sau­fen musst, so wer­de es dir nicht scha­den (Mk 16,18). Aber weil die Welt so von frei­er For­schung brüllt, so hebe du nur getrost den Hand­schuh auf und for­sche, dass es dir kei­ner an Fleiß und Treue zuvor­tun kann.

For­sche, bis du erkennst, dass all die Groß­han­se, wel­che in der Welt wie Leucht­tür­me ange­staunt wer­den, nur Wind­beu­tel sind – dass alle, die sich nicht beu­gen vor Got­tes Wort, in der Schrift Nar­ren hei­ßen. Got­tes Wort, mein Sohn, ist „geläu­tert im Schmelz­tie­gel sie­ben­mal“ (Ps 12,6). Lass dir kei­ne Bären auf­bin­den, Mar­kus. Bücke dich nicht vor den Göt­zen der Wis­sen­schäf­te­lei … Pass auf und lass dich nicht ver­ach­ten. Schrei­be uns bald und ver­giss unse­re Lie­be nicht.

Dein Vater Phil­ale­thes

Paul Gey­ser war von 1861 bis 1882 ein ori­gi­nel­ler, furcht­lo­ser Pfar­rer der refor­mier­ten Gemein­de in Wup­per­tal-Elber­feld. Unbeug­sam, wenn es um die Fra­ge nach der Auto­ri­tät der Bibel ging, aber auch ein Mann mit Wär­me und Herz­lich­keit, wenn es dar­um ging, Chris­ten seel­sor­ger­lich zu hel­fen. Die­ser Brief an sei­nen Sohn Mar­kus ist ein gekürz­ter Aus­zug aus dem ers­ten der sechs köst­li­chen Brie­fe, die unter dem Titel „Aus dem Nach­lass eines Groß­va­ters“ stam­men, dem ers­ten Band der sechs Bän­de sei­ner „Gesam­mel­ten Schrif­ten“. Nach sei­nem Tod wur­den sie im Neu­kirch­ner Ver­lag auf­ge­legt.

Die voll­stän­di­ge Zeit­schrift fin­det sich hier!

Hinterlasse einen Kommentar!

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.