Alle Artikel mit dem Schlagwort: Vergebung

„O felix culpa“
Aus der römisch-katholischen Osternachtsliturgie

Manch­mal stößt man über ein Zitat in unter­schied­li­chem Kon­text mehr­fach. So ging es mir mit einem Aus­schnitt aus der Oster­nachts­lit­ur­gie, der min­des­tens pro­vo­zie­rend for­mu­liert ist. Da heißt es (latei­ni­sche und deut­sche Fas­sung von hier): O cer­te necessa­ri­um Adae pec­ca­tum, quod Chris­ti mor­te dele­tum est! O felix cul­pa, quae talem ac tan­tum meruit habe­re Redemp­to­rem! Oh wahr­haft heil­brin­gen­de Sün­de des Adam, du wur­dest uns zum Segen, da Chris­ti Tod dich ver­nich­tet hat. O glück­li­che Schuld, welch gro­ßen Erlö­ser hast du gefun­den! Der Aus­ruf „O glück­li­che Schuld“ hat es sogar zu einem Wiki­­pe­­dia-Arti­­kel geschafft. Kost­bar ist der dahin­ter­lie­gen­de Gedan­ke, dass die Wie­der­her­stel­lung des Sün­ders in der Erlö­sung in in einen höhe­ren Stand bringt, als den er vor dem Fall besaß. Vor allem Augus­ti­nus inves­tier­te in die­se Über­le­gun­gen eini­ge Zeit und Hirn­schmalz. Dar­un­ter im Enchi­ri­dion (Dem Buch vom Glau­ben, der Hoff­nung und der Lie­be). Da heißt es unter ande­rem: Meli­us enim iudi­ca­vit de malis bene­fa­ce­re, quam mala nul­la esse per­mit­te­re — Gott hielt es für bes­ser aus dem Bösen das Gute zu wir­ken, als gar kein Böses zuzu­las­sen). Ent­spre­chend ist der Zustand des Men­schen in …

Neuauflage: Dorie — Ein verwandeltes Leben

Ich bin in einer christ­li­chen Fami­lie auf­ge­wach­sen. Mei­ne Eltern lieb­ten mich und tuen es heu­te noch. Sie haben nicht immer alles rich­tig gemacht. Aber sie waren immer dar­um bemüht. Und dafür bin ich wirk­lich dank­bar. Lei­der hat nicht jedes Kind die­ses Pri­vi­leg. Es scheint, dass immer mehr Kin­der unge­wollt und unge­liebt gebo­ren wer­den. Über so ein Kind han­delt die­ser wah­re Bericht eines schwe­ren Frau­en­schick­sals, das Gott selbst in die Hand nahm. Doris ist ein unge­woll­tes Kind. Sie lebt mit ihrer Mut­ter und ihrer Schwes­ter in einer klei­nen, häß­li­chen Woh­nung. Doris Schwes­ter Maria ist jün­ger als sie und so trägt sie die Ver­ant­wor­tung wenn die Mut­ter tags­über arbei­tet. Meist kommt sie spät nach hau­se. „Hof­fent­lich freut sie sich, mich zu sehen!“ Doch wie gewöhn­lich schob sie mich bei­sei­te und nahm mei­ne Schwes­ter Maria in die Arme. „Lieb­ling, wie geht es dir?“, sag­te sie zärt­lich. Ich stand da, die Hän­de in den Taschen mei­nes ver­schlis­se­nen Rockes ver­gra­ben und war­te­te dar­auf, dass sie mich auch lieb­hat­te. Doch sie stieß mich bei­sei­te. „Was willst du?“, fuhr sie mich an. „Wür­dest du …