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Ich will lieber ein prächtiger Meteor sein, als ein langlebiger verschlafener Planet

Bleibt unnachahmlich: Jack London in seinem Haus in Glen Ellen, Kalifornien.

„Ich will lie­ber Asche sein, als Staub!
Ich will lieber,
dass mein Lebens­fun­ke sich aus­brennt in einer hel­len Flamme,
als dass er in Fäul­nis erstickt.
Ich will lie­ber ein präch­ti­ger Mete­or sein
der in all sei­nen Ato­men zugleich verglüht,
als ein lang­le­bi­ger ver­schla­fe­ner Planet.
Der Mensch ist gemacht, damit er lebt; nicht damit er existiert.
Ich wer­de mei­ne Tage nicht damit ver­geu­den, dass ich sie zu ver­län­gern suche.
Ich wer­de mei­ne Zeit gebrauchen.“

In den nächs­ten Arti­keln möch­te ich ver­mehrt Klas­si­ker der Lite­ra­tur vor­stel­len und mir scheint Jack Lon­don ein guter Anfang zu sein. Ich lie­be das oben genann­te Zitat (hier ori­gi­nal). Aber ich glau­be, dass wir Lon­don unrecht tun, wenn wir in ihm einen Autor von Jugend­li­te­ra­tur sehen. Das hat meist die nega­ti­ve Fol­ge, dass man die Erzäh­lun­gen und Roma­ne Lon­dons nur in stark bear­bei­te­ten „jugend­li­chen“ Vari­an­ten kennt. Dabei ist natür­lich z.b. Alas­ka Kid ein gutes teen­ager­ge­rech­tes Ein­stiegs­werk. Bei Ruf der Wild­nis und Wolf­l­blut mag dies durch das sehr stark posi­ti­ve „para­die­si­sche“ Ende eben­falls zutref­fen. Es wird aber schon deut­lich düs­te­rer, wenn man „den See­wolf“ liest.

Ein Werk, das im deutsch­spra­chi­gen Bereich völ­lig über­se­hen wird, ist „Mar­tin Eden“. Die­ses deut­li­che auto­bio­gra­phi­sche Werk macht zumin­dest deut­lich, dass Lon­don viel weni­ger sozia­lis­tisch dach­te, als man das so üblich annimmt (Bekannt­lich fei­er­ten die Sowjets Lon­dons Werk als sozia­lis­tisch und anti­ame­ri­ka­nisch). Dabei setzt sich der Titel­held des Buches, eben Mar­tin Eden genannt mit den kurz­ge­dach­ten Sei­ten des Sozia­lis­mus aus­ein­an­der. Aber das Buch ist viel­mehr als ein poli­ti­sches Pro­gramm. Sehr geschickt ver­ar­bei­tet Lon­don die Pro­ble­me, dass man in gesell­schaft­li­che Schub­la­den gescho­ben wird. Wer nicht die finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten hat­te, eine Eli­te­uni zu besu­chen, kann ein­fach par­tout kein guter Dich­ter sein. Immer und immer wie­der opti­miert Eden sein Leben um noch effi­zi­en­ter (neben Arbeit und Ver­sor­gung) mehr Zeit für sei­ne neu ent­deck­te Lei­den­schaft, das Schrei­ben zu haben. Dabei nimmt der Druck durch Ver­wand­te und die Ableh­nung durch die Eltern sei­ner gro­ßen Lie­be uner­mess­lich, kaum erträg­lich. Ein an Ver­la­ge ein­ge­sand­tes Manu­skript, das abge­lehnt wird, reiht sich ans nächs­te. Ein äußerst gelun­ge­nes Werk, das The­men wie Ableh­nung, Indi­vi­du­um und Gesell­schaft, Kunst, eli­tä­re Gleich­gül­tig­keit aber auch Anti­in­tel­lek­tua­li­tät auf heraufor­dern­de und gleich­zei­tig berüh­ren­de, sehr per­sön­li­che Wei­se bespricht.

Jack Lon­dons Werk hat zahl­ei­che Audio­auf­nah­men erfah­ren, wie eine Suche auf Audi­ble zeigt. Wer lie­ber ein kur­zes Werk zum Ein­stieg sucht, ich habe mit Freu­de vier kür­ze­re Wer­ke ange­hört, die als „Meis­ter­erzäh­lun­gen“ auf 3 CDs ver­öf­fent­licht wurden.

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Hallo, ich bin Sergej und lese vor allem theologische Bücher reformierter Prägung. Als Familie wohnen wir im Südschwarzwald!

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