Eine Theologie der Seelsorge

Beat A. Tanners Dissertation war das erste Buch zum Thema Seelsorge, an dass ich mich getraut habe. Das ich gleich so einen Wälzer wählte, lag daran, dass ich den Autor persönlich kennen lernen durfte. Das erste Kapitel erschlug mich auch zunächst mit vielen Fachwörtern, aber von Seite zu Seite stieg meine Begeisterung. Der Autor versucht die Seelsorge aus der bettelnden Erniedrigung vor der Psychologie aufzuzeigen, und zeigt auch den Weg dahin: Die Flucht nach vorne zu Christus! Mit den Reichtümern Ägyptens verlieren wir nur unsere Schätze bei Christus. Dafür liefert der Autor zahlreiche Hinweise dafür, wie man Seelsorge auf Grundlage der Rechtfertigung in Christus aufbauen kann:

Unterscheiden, aber nicht trennen!

Das ist eine These auf die der Autor regelmäßig hinweist:

  • Unterscheiden kann man gut zwischen Hirn und Herz, Körper und Seele, und doch trennt die Psychoanalyse diese zu sehr, manchmal soweit, dass die Existenz des inneren Menschen völlig geleugnet wird.
  • Schuld und Scham: „Scham und Sünde sind zwei verschiedene Aspekte der Folgen des Sündenfalles, die sich voneinander nicht trennen lassen. Es lohnt sich jedoch, Sünde und Scham deutlich voneinander zu unterscheiden und gleichzeitig ihre Relation zueinander zu verstehen“ (S. 325)

In vielen weiteren Beispielen wird ein unbiblischer Dualismus entlarvt!

Was tun mit Schuld?

Beim Sündenfall fand der Verlust der Selbstkontrolle statt. Was tun mit dem Versagen gegenüber den Geboten Gottes? Adam und Eva greifen schnell zu den Feigenblättern der Selbstbedeckung zu. Doch Gott erbarmt sich der Menschen und kleidet sie mit Tierfellen:

„Durch die Bedeckung mit Feigenblättern hat sich der Mensch die erste Bekleidung gemacht, um sich vor den Blicken und damit dem Erkennen des andren zu schützen. Die Geschichte der Bekleidung, oder auch der Selbstgerechtigkeit des Menschen, hat begonnen. Durch das Bedecken mit Feigenblättern und das Verstecken vor Gott haben sich Adam und Eva ihre eigene Gerechtigkeit geschaffen. Der Mensch ist ohne Christus gezwungen, sich selber zu bedecken, wie Adam und Eva es nach dem Sündenfall machten. (…) Gott in seiner Gnade aber bedeckte unsere ersten Eltern mit Tierfellen, als Vorschattung und Zeichen einer besseren Erlösung, welche Jesus Christus selbst ist. (…) Seither rechtfertigt der Mensch sich entweder selbst oder lebt im Glauben aus der Rechtfertigung in Christus.“ (S.247)

Das Thema der Bedeckung des Sünders mit sauberen Kleidern wird in der Bibel oft aufgerufen, so auch beim Verlorenen Sohn: „Die Wiederherstellung der Gerechtigkeit des jüngeren Bruders durch das Überstreifen des Ringes und das Anziehen des besten Kleides durch den Vater schützt den verlorenen Sohn vor Anklagen von Schuld und auch Scham.“ (S.248)

Christus als König, Priester und Prophet

Der Mensch ohne Christus ist sich selbst Prophet, Priester und König. dadurch lebt er unter dem Gesetz der Sünde im Angesichtes des Verlustes Der Selbstkontrolle und rechtfertigt sich in Selbstgerechtigkeit (S. 272). Die Rechtfertigung bringt uns im Glauben zur Rechtfertigung in Christus, der uns zur echten Erkenntnis, der Gerechtigkeit aus Glauben hilft und schließlich Christus zum König macht, dadurch werden wir von Verzweiflung und falscher Hoffnung (des Gesetzes, S. 295) befreit und gibt echte Hoffnung zum Leben.

Ziel und Frucht

Tanner macht immer wieder deutlich, das es immer darum geht zwischen Ziel und Frucht zu unterscheiden. Der Mensch in Adam wird aus eigener Kraft niemals gute Früchte bringen können, somit sollte das Streben des Herzens immer nach dem erneuerten Christus (Der Rechtfertigung im Glauben sein). Erkennen wir Christus, wird Christus diese gute Frucht wirken.

Vom Schaden der Selbstrechtfertigung

Wer sich selbst rechtfertigt beschmutzt nicht nur sich selbst, sondern „entkleidet“ und identifiziert und infiziert auch andere! (S. 299f.). Eine Stärke des Buches sind zahlreiche praktische Beispiele:, hier zitiert er aus einem Zeitungsartikel: „(…) Ein junger Mann hat it 27 Jahren die Frau seines Lebens gefunden. Die 19jährige Frau hatte den jungen Mann im Internet kennengelernt. Sie hatten über Chat und E-Mail monatelang Kontakt, bis sie sich getroffen haben. Zweimal kam es zum Geschlechtsverkehr. (…) Die junge Frau beendete die Beziehung bereits nach 2 Monaten, anscheinend nicht aus freien Stücken, sondern auf Druck ihrer Familie. Nach Beendigung der Beziehung beschuldigte die junge Frau den Freund, sie vergewaltigt zu haben. was ist hier geschehen? (…) Vielmehr sei es ein Akt der Reinwaschung gewesen. Besonders in christlichen Familien würden bezüglich Sexualität restriktive Vorstellungen gelten. Sie habe sich dem Druck, wahrscheinlich demjenigen der Mutter, mit den Worten „eigentlich wollte ich gar nicht und eigentlich hat er mich vergewaltigt“, angepasst. Die Anzeige und Anklage dieses Mannes wegen Vergewaltigung ist also als eine Reinwaschung seitens der jungen Frau zu verstehen“.

Nicht Methode, sondern Gnade

Wie aber gelangt man von Selbstgerechtigkeit zur Glaubensgerechtigkeit? Es ist klar, dass wir hierbei als hilflose Sünder, der souveränen Gnade Gottes vertrauen müssen. Uns bleibt nichts mehr übrige als nach der Hilfe Gottes zu rufen! Es bleibt kein Raum für Methode, sondern nur Raum für Christus!

Was macht der Seelsorger?

Damit wird sehr schnell deutlich, dass der Seelsorger in der Gefahr steht als König, Priester und Prophet vom Ratsuchenden verstanden zu werden oder sich gar selber als solcher zu stehen. Dabei bedarf aber der Seelsorger ja selbst der Rechtfertigung in Christus. Hier wird die Mitbruderschaft deutlich, die der Autor sehr deutlich ausarbeitet. Der Seelsorger kann nur mit Christus zu Christus führen. Ja er kann nur mit dem Wort Gottes auf Jesus Christus, als den Hirten der Seelen hinweisen. (S. 410f.)

Neben dieser Linie von der Selbstrechtfertigung zur Rechtfertigung durchziehen noch weitere Themen das Buch: Wie stehen die zwei Reiche zueinander? Können wir von den Mitteln der Eisen der Welt profitieren? Wer hilft und wer ist er? Die Verwurzelung des Autors in der heiligen Schrift  wird an vielen Stellen des Buches deutlich, wo teilweise über Seiten entlang ausführliche Besprechungen biblischer Texte angeboten wird. Insgesamt dürfte empfehlenswert sein vor diesem Werk noch ein einfacheres einführendes Werk zum großen Thema Seelsorge zu lesen.

Zum Weiterlesen:

1 Kommentar zu „Eine Theologie der Seelsorge“

  1. Pingback: Über Menschenfurcht, Vergangenheitsbewältigung und mehr… – Glauben und Denken

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