Leserunde: Lit!
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Leserunde: Lit! A Christian Guide To Reading Books (XI)

„Ein guter Leser schreibt, während er liest“, schreibt der französische Schriftsteller Charles Dantzig. Davon ist auch Tony Reinke in seinem Buch Lit! A Chris­tian Guide To Rea­ding Books überzeugt und widmet den Marginalien – den Randbemerkungen – ein ganzes Kapitel: Randbemerkungen – Die feine Art Bücher mit Bleistiften, Kulis und Textmarkern zu verunstalten. Während des Studiums habe ich manchmal Bücher in der Bibliothek ausgeliehen, in denen fleißige Leser Passagen unterstrichen und Randbemerkungen hinterlassen haben. Ich empfand das nie als störend, auch wenn man ausgeliehene Bücher so nicht „verunstalten“ sollte. Aus diesen Büchern habe ich für mich mit der Zeit ein einfaches Anstreichsystem entwickelt. Selten lese ich jetzt ein Buch ohne einen Bleistift in der Hand. Auch Tony Reinkes Buch sieht durch die vielen Anstreichungen nicht mehr neu aus. Und das soll es nicht.

Im 12. Kapitel nennt der Autor zehn Gründe, warum er in Büchern anstreicht und reinschreibt. Davon habe ich sechs ausgewählt, die ich ebenfalls als Begründung nennen würde.

  1. Ich schreibe in meine Bücher, um sie für mich in Anspruch zu nehmen.
  2. Ich schreibe in meine Bücher, um hervorzuheben, was ich besonders gut finde.
  3. Ich schreibe in meine Bücher, um den Aufbau des Buches nachzuvollziehen.
  4. Ich schreibe in meine Bücher, um zu markieren, womit ich vorerst nicht einverstanden bin.
  5. Ich schreibe in meine Bücher, um Gedanken zu erfassen [zu behalten].
  6. Ich schreibe in meine Bücher, um meine persönlichen Notizen zu archivieren.

Es gibt verschieden Methoden, Dinge anzustreichen oder zu notieren. Jeder sollte für sich herausfinden, was gut funktioniert. Ich bevorzuge Bücher mit einem Bleistift zu erobern. Kugelschreiber und Textmarker finde ich zu auffällig und zu bunt. Markierungen mit einem Bleistift sind dezent, aber deutlich genug und lassen sich bei Bedarf leicht entfernen. Tony Reinke stellt keine Regeln auf, möchte aber Tipps geben. Ich finde sie gut.

  • Kurze Zitate unterstreichen.
  • Längere sehr wichtige Passagen am Rand mit einer vertikalen Linie und wenn ein Gedanke überaus entscheidend ist, mit zwei Linien kennzeichnen.
  • Den roten Faden auf leeren Flächen am Anfang oder Ende des Kapitels kurz notieren.
  • Bücher ohne Zwischenüberschriften mit eigenen Überschriften versehen.
  • Einen thematischen Index am Ende des Buches erstellen.

Zwei weitere Tipps von mir:

  • Unverständliches mit einem Fragezeichen am Rand markieren.
  • Ungereimtheiten oder Gedanken, mit denen man nicht einverstanden ist, mit einem Blitz kennzeichnen.

Wenn wir schon bei Marginalien sind, müssen wir auch auf den margo – den Rand – zu sprechen kommen. Dieser ist bei vielen Büchern zu klein. Um Bücher günstig herzustellen wird der Platz einer Seite möglichst effizient ausgenutzt. Ränder werden daher oft als überflüssig angesehen und aus ökonomischen Gründen reduziert. Das ist nicht nur für die eigenhändigen Marginalien hinderlich, sondern dazu noch sehr unschön und stilwidrig. Buchgestalter sollten sich wieder an den goldenen Schnitt oder an die Satzspiegelkonstruktion nach Tschichold erinnern und sich danach richten. Eine harmonische Seitengestaltung, eine gut leserliche Schrift und ein Rand, der den Text in einen würdigen Rahmen setzt, kommt dem Leser und den Marginalien zugute.

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NIMM UND LIES - dieser Aufforderung möchte ich selbst nachkommen und andere dazu motivieren und anleiten. NIMM UND LIES zuerst die Bibel und dann gute christliche Literatur. Denn beim Lesen lässt sich vortrefflich denken (nach Leo Tolstoi). Ich lebe mit meiner Frau und unseren drei Söhnen in Baden-Württemberg.

4 Kommentare

  1. Wenn ICH ein Buch für mich „in Anspruch nehmen will“, dann kaufe ich es mir und schreib meinen Namen hinein! 😀
    … und unterstreiche großzügig darin natürlich.

    Danke für diesen Artikel Eddi.

  2. Mein Umgang mit Büchern hat sich im Laufe der letzten paar Jahre stark geändert. Früher war es mir sehr wichtig, dass ein neu gekauftes Buch auch nach dem Lesen unversehrt aussieht. Bücher waren für mich unter anderem zu „heilig“ um sie zu beschriften etc.
    Jetzt sehe ich gerade christliche Bücher vor allem als Arbeitsbücher. Kein Buch, welches ich jetzt lese, bleibt von Markierungen, Kommentaren usw. verschont :).

  3. Dovep sagt

    Der Nachteil eines Bleistifts ist, dass er verwischt. Deshalb mache ich mir mit einem speziellen Stift Notizen. Dieser schreibt wie ein Kugelschreiber, lässt sich aber noch wegradieren.

    Beim ersten Mal lesen unterstreiche ich wichtige Textstellen mit einem Textmarker. Nehme ich das Buch danach wieder zur Hand unterstreiche ich hinzukommende Gedanken mit einer anderen Farbe. Damit sieht man, was bei erstmaligen Lesen einem wichtig war, und mit der anderen Textfarbe, welche Gedanken später hinzugekommen sind.

    Was mir noch fällt, ist ein geeignetes „Speicherverfahren“, um Gedanken wiederzufinden, ohne immer die Bücher in die Hand zu nehmen. Habt ihr damit Erfahrungen?

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