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Wenn selbst Beethoven und Shakespeare nicht genug sind

Die Tage bin ich bei Kreeft/Tacelli auf diese Aussage von/über Jean-Paul Sartre gestoßen: „Even the atheist Jean-Paul Sartre admitted that “there comes a time when one asks, even of Shakespeare, even of Beethoven, ‘Is that all there is?’ ” (Peter Kreeft und Ronald K. Tacelli, Handbook of Christian Apologetics: S. 78). – Ich habe das Zitat nicht auf deutsch finden können und übersetze frei: „Selbst der Atheist Jean-Paul Sartre räumte ein, dass es Zeitengibt, in der man sich sogar über Shakespeare und Beethoven fragt: ‚War das alles?'“

Kreeft und Tacelli führen Sartres Aussage im Rahmen ihrer Argumentation auf, dass unser Verlangen „nach Mehr“ davon zeugt, dass wir mit einem Verlangen „nach Mehr programmiert“ sind. Gänzliche Zufriedenheit im Materiellen? – Fehlanzeige!

Ich gebe den Autoren in ihrer These recht, aber beim Lesen der oben genannten Zeilen schweiften meine Gedanken zur Pracht der Musik. Zur Erfüllung, die wir beim Konsum von Musik erfahren. Sollte es da etwas besseres geben als „Beethovens Neunte“? Seine letzte vollende Sinfonie ist wirklich ein Genuss (Auf Youtube finden sich zahlreiche Aufführungen, von denen ich einige angehört habe, aber meine Expertise reicht nicht aus, um sie zu bewerten).

Es ist auch Beethovens Neunte die im Jahre 2072, wenn alle Emotionen mit Medikamenten unterdrückt werden und Kunst verboten ist, da sie Gefühle und Emotionen fördert, den leitenden „Anti-Gefühls-Polizisten“ John Preston zum Umdenken führt. So stellt es die Dystopie „Equilibrium“ dar: Als Preston ein Nest von „Sinnestätern“ aufdeckt, dass gefüllt ist mit den letzten Resten an Kunstartikeln, kann er nicht widerstehen eine Schalplatte aufzulegen und hört auf dieser die Neunte Sinfonie von Beethoven (Diese hervorragende Szene mit Christian Bale findet sich hier).

So gut wie jeder dürfte zumindest einen Auszug dieser Sinfonie kennen, die Europahymne über die Freude (Ich kann an dieser Stelle nicht widerstehen auf die herrliche Parodie dieser Ode an die Freude von Rowan Atkinson hinzuweisen). Geradezu auf unglaubliche Weise beeindruckend ist schließlich die Tatsache, dass diese Komposition von Beethoven verfasst wurde, als er bereits vollständig taub war.

Und wenn wir schon beim Thema Musik sind, zwei Anmerkungen:

  1. Persönlich halte ich Beethovens Neunte nicht für das schönste Stück: Ich habe Klavierkonzerte lieber, aber wenn wir schon von einem ganzen Orchester sprechen, dann steht für mich Joaquin Rodrigos Concierto de Aranjuez an erster Stelle. Nirgendwo so gelassen vorgetragen wie bei Pepe Romero an der Gitarre, wobei die Variante mit John Williams auch sehr schön ist).
  2. Als Schüler habe ich ungemein viel Klassik gehört, entdeckte dann alle möglichen anderen Musikstile, vor allem die Band Dire Straits gefällt mir sehr, hört hier „Going home“ oder „Private Investigations“) . Ich bin nicht der Meinung, dass ein Schlagzeug oder eine Trommel „aus Gottes Gabe der Musik“ „Teufelszeug“ mache. Jemand der anfängt über den Musikgeschmack seines Nächsten zu wachen, hat oft bloß ein weiteres Machtmittel gefunden, das Gewissen seines Nächsten zu binden. Doch 1. Kor. 7,23 verbietet uns, die Freiheit unseres Gewissens durch knechtischen Gehorsam zu binden, dort heißt es: „Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.“. Dennoch finde ich einen Großteil der populären Musik bei weitem nicht so „sättigend“ wie klassische Musik es ist. Kaum wird ein Song zu einem Ohrwurm ist er nach einigen Tagen kaum noch erträglich! Hier schließt sich der Kreis: Letztlich ist jedes musikalische Feuerwerk abgefackelt und selbst wenn sich in einem sehr ausgefallenen Werk ein Höhepunkt an das nächste reiht, muss ich mit Sartre einstimmen: „War`s das? Kommt da noch mehr?, gibt es nichts Besseres ?“. In der Tat…

In der Tat kommt da noch etwas Besseres auf uns zu. Einst werden wir mit einer unzählbaren Schar am Thron Gottes stehen und das Lied Moses singen und das Lied des Lammes und ein Neues Lied (Vgl. Offb. 5.9, 14.3, 15.3) . Alles Lieder, die Beethovens Neunte bei weitem übersteigen werden und unser Verlangen sättigen werden. Interessant, dass uns Musik dann am meisten erfüllen wird, wenn wir nicht sie, sondern Gott anbeten werden! Bis dahin wollen wir fleißig unseren Lobgesang trainieren!

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