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Tipp: Orthodoxie

Eine Apologetik von Gilbert Keith Chesterton

Je kom­ple­xer ein The­ma ist, des­to schwie­ri­ger wird es in Kür­ze einen roten Faden auf­zu­zei­gen, ohne den Inhalt des Bespro­che­nen zu kor­rum­pie­ren. Zu Ches­ter­tons Werk „Ket­zer“ gibt es zahl­rei­che Rezen­sio­nen, ich habe mich aber lie­ber für „Ortho­do­xie“ ent­schie­den. Ches­ter­ton ist immer dann stark, wenn er das Chris­ten­tum ver­tei­digt, und immer dann schwach wenn er den Katho­li­zis­mus ver­tei­digt. So habe ich auch die­ses Werk emp­fun­den. Ches­ter­ton argu­men­tiert offen und emo­tio­nal von sei­ner Erfah­rung und ver­weist von ver­schie­de­nen Argu­men­ten her auf die Voll­stän­dig­keit und Fül­le eines christ­li­chen Den­kens, wel­ches er Dog­ma nennt. Das uralte Dog­ma wuss­te bereits alles, was die Den­ker müh­se­lig ent­de­cken muss­ten. Das Dog­ma ist auch ein Segen und einer Berei­che­rung, denn der Glau­be schenkt den Men­schen Freu­de, Zufrie­den­heit und … Demo­kra­tie! Für Ches­ter­ton auch eine Frucht des Glau­bens.

Die­ser Freu­de (und gleich­zei­ti­ger Lei­dens­be­reit­schaft) des Glau­bens steht ent­we­der ein blin­der Opti­mis­mus von Idea­lis­ten oder ein fata­ler Pes­si­mis­mus von Mate­ria­lis­ten ent­ge­gen. Ches­ter­ton beschreibt letz­te­ren fol­gen­der­ma­ßen:

Men­schen, die die Kir­che zunächst im Namen von Frei­heit und Mensch­lich­keit bekämpf­ten, schleu­dern am Ende Frei­heit und Mensch­lich­keit von sich, nur um die Kir­che zu bekämp­fen. Das ist kei­ne Über­trei­bung; ich könn­te ein gan­zes Buch mit Bei­spie­len fül­len. Als ziel­stre­bi­ger Bibel­kri­ti­ker zog Mr. Blatch­ford aus, um zu bewei­sen, dass Adam sich nicht gegen Gott ver­sün­digt hat; wäh­rend er sich noch trick­reich müh­te, die­se The­se zu unter­mau­ern, bekann­te er ganz neben­bei, kein ein­zi­ger Tyrann, von Nero bis König Leo­pold, habe sich gegen die Mensch­heit ver­sün­digt. Ich ken­ne einen Mann, der fana­tisch zu bewei­sen sucht, dass es für ihn kein per­sön­li­ches Leben nach dem Tod geben wird, und der bei der Ansicht lan­det, für ihn gebe es auch jetzt kein per­sön­li­ches Leben. (…) Sie ver­brann­ten ihr eige­nes Getrei­de, nur um die Kir­che in Brand zu ste­cken, sie zer­schlu­gen ihr eige­nes Werk­zeug , nur um sie damit zu zer­schla­gen.; jeder Stock war gut genug, um auf sie ein­zu­prü­geln, auch wenn er das letz­te Stück ihres eige­nen zer­bro­che­nen Mobi­li­ars war. Den Fana­ti­ker, der das Dies­seits aus Lie­be zum Jen­seits zugrun­de rich­tet, bewun­dern wir ganz und gar nicht und wür­den ihn kaum ent­schul­di­gen. Aber was hal­ten wir von dem Fana­ti­ker, der das Dies­seits aus Hass gegen das Jen­seits zugrun­de rich­tet?

Was mich über­rascht hat war, wie leicht das Buch zu lesen war. Ches­ter­ton arbei­tet die Stär­ken eines Den­kens aus, dass Super­na­tu­ra­lis­mus berück­sich­tigt. Hier sieht er gene­rell das rei­che­re Leben, das freie­re Den­ken, die bes­se­re Kunst. Die­se Ansicht tei­le ich mit dem Autor. Die vor allem zum Schluss des Wer­kes stär­ker wer­den­de Ver­tei­di­gung des Katho­li­zis­mus muss ich aber ver­wer­fen.

Das Buch ist für 9,95EUR zu erwer­ben.

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