Kirchengeschichte, Literatur, Magazine/Zeitschriften, Medien, Puritaner, Rezensionen, Sachbücher
Kommentare 2

Zwölf Perlenketten meiner Lektüre

Der Arti­kel „Mei­ne per­sön­li­che „Top-Ten“ Aus­wahl christ­li­cher Wer­ke“ benö­tigt drin­gend eine Aktua­li­sie­rung. Heu­te kann ich sie end­lich liefern:

Zunächst möch­te ich auf­zei­gen, wo die Gren­zen mei­nes bis­he­ri­gen Arti­kels lie­gen.  Anschlie­ßend erläu­te­re ich das Kon­zept, dass ich als „Per­len­ket­ten“ bezeich­ne: Das Kon­zept ermög­licht mir, sich mit zen­tra­len The­men aus­führ­lich zu befas­sen und doch unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven ein­zu­bin­den. Die Fra­ge, die ich dabei bespre­che, ist, wie man eine hilf­rei­che Ket­te mit einem pas­sen­den „Anfangs­kno­ten“ knüpft. Schließ­lich gewäh­re ich einen Blick in eine grö­ße­re Aus­wahl an Perlenketten.

Was an meiner bisherigen Liste problematisch ist

Im Wesent­li­chen drei Dinge:

1) Es fehl­te Struk­tur: Vor allem „hei­li­ge from­me“ Titel präg­ten mich, häu­fig ohne Fol­gen für das all­täg­li­che Leben.

2) Fehlt Sub­stanz: Vor 9 Jah­ren war ich ein­fach kein erfah­re­ner Leser: So kann­te ich außer Cal­vins Bibel­kom­men­ta­ren kaum einen ande­ren Kom­men­tar. Und obwohl ich die­se wei­ter­hin für exzel­lent hal­te, den­ke ich, dass man wei­ser mit Kom­men­ta­ren umge­hen kann.

3) Ich kon­zen­trie­re mich aus­schließ­lich auf christ­li­che Wer­ke. Ein Schwer­punkt, der mein Leben auch wei­ter­hin prägt, aber ich habe immer auch ger­ne Klas­si­ker gele­sen, die ich nun mit aufnehme.

Wie Perlenketten entstehen

Am Anfang eini­ger mei­ner Per­len­ket­ten steht der Pre­digt­dienst von Tim Kel­ler:  Immer wie­der fin­den sich dann Bei­trä­ge, in denen er davon spricht, wel­che Autoren ihn geprägt haben. Er sagt, dass er sich in jun­gen Jah­ren mit der Fra­ge kon­fron­tiert sah, wie er Nicht-Chris­ten errei­chen kann. In Ame­ri­ka kön­ne man in vie­len Berei­chen immer noch die Kir­chen voll mit Besu­chern bekom­men, weil vie­le noch über das christ­li­che Voka­bu­lar ver­fü­gen. Er sah sich mit der Fra­ge kon­fron­tiert, wie er das Evan­ge­li­um auch denen erzäh­len kann, die mit dem christ­li­chen Kon­zept von Gott, Schöp­fung und Erlö­sung nicht viel anfan­gen kön­nen und fand dabei viel Hil­fe in den angli­ka­ni­schen Evan­ge­li­ka­len Stott, Packer, Moty­er, Lucas und wei­te­re. Schon war mein ers­ter Kno­ten geknüpft: Ich sehe in mei­nem Umfeld die glei­che Her­aus­for­de­rung, und ein Abglei­chen mei­nes Den­kens an einer doch ande­ren Kul­tur der Bri­ten der 50er bis 90er klingt verlockend.

Eine ande­re Ket­te habe ich durch John Frames „Histo­ry of Wes­tern Phi­lo­so­phy and Theo­lo­gy“ ent­deckt. Dadurch, dass er sehr inten­siv mit dem Quel­len­ma­te­ri­al arbei­tet, Zita­te anfügt auf frei zugäng­li­che Wer­ke ver­weist, las­sen sich aus­ge­hend von die­sem Werk sicher­lich vie­le Ket­ten knüp­fen und schla­gen. In mei­nem Fall war es vor allem das Werk von Poy­th­ress, auf dass mich der Autor auf­merk­sam gemacht hat. Poy­th­ress liest sich sehr ein­fach, wagt sich aber an unge­wöhn­li­che The­men, z.B. schrieb er ein Buch dar­über, wie wir als Chris­ten über Mathe­ma­tik nach­den­ken sol­len. Ver­gleicht hier unser Inter­view mit V.S. Poy­th­ress.

An die­ser Stel­le zeigt sich, dass sich Per­len­ket­ten auch kreu­zen kön­nen. In sei­nem Werk „Rea­ding the Word of God in the Pre­sence of God“, einem Her­me­neu­tik-Pri­mer, ver­weist Poy­th­ress immer wie­der auf Edmund Clow­ney, einen Theo­lo­gen von dem ich vor­her nie etwas gehört habe, außer eben in den Pre­dig­ten von Tim Kel­ler. Auf die­se Wei­se habe ich eine der bes­ten frei zugäng­li­chen Vor­le­sun­gen gefun­den: „Preaching Christ in a Post­mo­dern World“. Gehal­ten gleich­zei­tig von Kel­ler und Clow­ney. Eine Goog­le-Suche för­der­te dann sogar zwei Skrip­te zur Vor­le­sung zu Tage.

Das funk­tio­niert auch mit säku­la­rer Lite­ra­tur. Frü­her habe ich mei­ne Bücher klas­si­scher Lite­ra­tur in zwei Rubri­ken sor­tiert: Zunächst ein­mal nach Ent­ste­hungs­land, dann nach Ent­ste­hungs­jahr. So kann ich heu­te schnell die Unter­schie­de von rus­si­schen zum z.B. eng­li­schen Rea­lis­mus beschrei­ben und die Wei­ter­ent­wick­lung von The­men erken­nen, was „ganz natür­lich“ aus dem Lese­fluss folgte.

In einer gewis­sen Wei­se sind Per­len­ket­ten irgend­wann auch abge­schlos­sen. Als ich mich mit den Büchern Rich­ter und Ruth befass­te, fand ich sol­che Ket­ten, knüpf­te sie mit Freu­de und Erfül­lung und wer­de sicher irgend­wann nach Jah­ren wie­der zu die­sen zurückgreifen.

Schließ­lich muss uns auch klar sein, dass wir nicht alle Ket­ten der Welt knüp­fen kön­nen. Astro­no­mie oder Krea­tio­nis­mus, aber auch die Leh­re von der Kir­che und vie­le zeit­ak­tu­el­le The­men sind Bei­spie­le für The­men, die einen gro­ßen Reiz ent­wi­ckeln kön­nen (zumin­dest für mich), für die ich aber ein­fach kei­ne Zeit mehr übrighabe.

Es gibt einen prak­ti­schen Grund sei­ne Lek­tü­re ein­zu­schrän­ken, und der liegt schlicht in der begrenz­ten Lebens­zeit. In der fol­gen­den Auf­stel­lung ent­blö­ße ich mich selbst, auch dadurch, dass ich vie­le Ket­ten nicht gefloch­ten habe, dar­un­ter zäh­le ich Bio­gra­fien, sozi­al­ana­ly­ti­sche Schrif­ten, moder­ne Lite­ra­tur, wis­sen­schaft­li­che Wer­ke und vie­le mehr! Es gibt viel zu tun, packen wir es an!

Zwölf Perlenketten

Die Per­len­ket­ten sind nicht unbe­dingt in der Wei­se dar­ge­stellt, wie ich sie gelesen/gehört habe, son­dern vor allem nach Zugäng­lich­keit und Schwie­rig­keits­grad sor­tiert. Auch habe ich die zu den Angli­ka­nern, wie bereits oben dar­ge­stellt hier nicht noch ein­mal geson­dert aufgeführt:

Drei theologische Ketten

Hermeneutik

Hät­te ich bloß Bey­n­ons und Sachs Buch Tie­fer gra­ben frü­her gekannt. Ich glau­be, mit die­sem Buch hat man einen guten Ein­stieg in die Werk­zeu­ge für das Bibel­ver­ständ­nis. Vor allem die zahl­rei­chen durch­ge­ar­bei­te­ten Bei­spie­le machen das Buch sehr über­zeu­gend. Dar­auf auf­bau­end wür­de ich zur Intro­duc­tion to Bibli­cal Inter­pre­ta­ti­on (Klein, Blom­berg, Hub­bard) grei­fen und natür­lich zu Car­sons Stol­per­stei­ne der Schrift­aus­le­gung. Als nicht der bibli­schen Spra­chen mäch­tig habe ich eine natür­li­che Gren­ze für Wer­ke in die­sem Bereich, so dass die High-Level Bücher für mich hier aus­schei­den. Ich wür­de aber jedem einen Grund­stock an her­me­neu­ti­schen Büchern emp­feh­len. Berk­hofs Princi­ples of Bibli­cal Inter­pre­ta­ti­on ist so z.B. auch frei im Web erhält­lich. Sprach­li­che Her­aus­for­de­run­gen kön­nen mit einem geeig­ne­ten Wör­ter­buch (ich grei­fe hier für das NT auf das EWNT von Balz/Schneider zurück) gut abge­fan­gen wer­den. Im Wesent­li­chen ver­su­che ich pro Jahr ein Buch in die­sem The­men­feld zu lesen und habe aktu­ell die Her­me­neu­ti­cal Spi­ral von Grant Osbor­ne aus­ge­packt. Durch Carl Tru­e­m­ans His­to­ries and Fall­a­ci­es ist mir klar gewor­den, dass vie­le Metho­den auch auf die Deu­tung der Geschichts­schrei­bung über­tra­gen wer­den können.

Bibli­sche Theologie

Ich wür­de erst mit einem umfas­sen­de­ren Werk anfan­gen, z.B. The King in His Beau­ty von Tho­mas Schrei­ner (Hier geht es zur 31-Tei­li­gen Vor­le­sung vom Autor selbst), aber man könn­te zu Jef­frey Nie­haus‘ Bibli­cal Theo­lo­gy grei­fen, auch hier fin­det sich eine Vor­le­sung im Web.  Etwas ein­fa­cher ist z.B. A House for My name von Peter Leit­hart. Damit dürf­te man gerüs­tet sein auf das eher anspruchs­vol­le­re (aber grund­le­gen­de­re) Werk vo Geer­har­dus Vos: Bibli­cal Theo­lo­gy. Man könn­te aber auch eher eine Theo­lo­gie eines der Tes­ta­men­te betrach­ten, ich fand Egel­krauts Theo­lo­gie des Alten Tes­ta­ments dabei sehr hilf­reich. In beson­de­rer Wei­se erschüt­tert hat mich A Theo­lo­gy of the New Tes­ta­ment von G.E. Ladd. Mein Lieb­lings­werk eines armi­nia­ni­schen Dis­pen­sa­tio­na­lis­ten über­haupt (Lest hier den Arti­kel von Piper über Ladd). Das Buch hat mir gehol­fen das Neue Tes­ta­ment in sei­ner Ganz­heit zu lesen, ein ech­ter Augen­öff­ner für vie­le Fragen!

Von die­ser Basis aus­ge­hend kann man sich wei­ter spe­zi­fi­zie­ren, z.B. From Para­di­se to the pro­mi­sed Land von T.Desmond Alex­an­der, eine Theo­lo­gie der Fünf Bücher Mose oder aber man greift zu den gegen­wär­tig 56 Bän­den der Rei­he New Stu­dies in Bibli­cal Theo­lo­gy. Ich ver­su­che pro Jahr drei bis vier Bän­de die­ser Rei­he zu lesen und sie haben mich in mei­nem Ver­ständ­nis der Bibel sehr bereichert.

Das The­ma wird durch die Nut­zung geeig­ne­ter Nach­schla­ge­wer­ke erwei­tert, z.B. das New Dic­tion­a­ry of Bibli­cal Theology.

An die­ser Stel­le muss ich mich wohl ent­schul­di­gen, nur eng­li­sche Bücher auf­zu­lis­ten. Aber viel­leicht wäre Jesus. Eine Welt­ge­schichte von M. Spie­ker ein pas­sen­des deutsch­spra­chi­ges Werk für die­se Rubrik.

Glau­bens­leh­re

Ich fin­de es schwie­ri­ger in die­sen Bereich einen Zugang zu bekom­men als in die Bibli­sche Theo­lo­gie. Mei­ne ers­te Dog­ma­tik, die ich je gele­sen habe, war die Bibli­sche Dog­ma­tik von Gru­dem, ich wür­de aber lie­ber Berk­hofs Sys­te­ma­tic Theo­lo­gy bevor­zu­gen, nicht aber sei­ne gekürz­te Vari­an­te davon. Ich habe sehr von Edu­ard Böhls Dog­ma­tik pro­fi­tiert. Sowohl Böhl wie Berk­hof fin­den sich kos­ten­frei im Web. Mit bei­den ist man dann für das eher anspruchs­vol­le­re Werk von Bavinck Refor­med Dog­ma­tics gewapp­net, die wohl dem­nächst auch auf Deutsch erschei­nen soll.  Ins­ge­samt fehlt mir hier wirk­lich etwas Aktu­el­le­res und doch zugäng­li­ches, das sich nicht in end­lo­sen aka­de­mi­schen Fra­gen ver­liert oder all­zu sehr im ame­ri­ka­ni­schen Evan­ge­li­ka­lis­mus ver­läuft. Mir scheint aber Basics of the Faith von Henry/Vanhoozer ein guter Start­punkt zu sein. Eine ande­re Stra­te­gie besteht im Stu­die­ren klas­si­scher Bekennt­nis­se, häu­fig tra­gen­de Säu­le vie­ler Dogmatiken.

Hat man sich dann durch ein zusam­men­fas­sen­des Gesamt­werk durch­ge­kämpft steht die Tür offen für Bücher über dog­ma­ti­sche The­men, z.B. die Wer­ke, die in der Rei­he Con­tours of Chris­ti­an Theo­lo­gy erschei­nen. Es lässt sich nicht leug­nen, das sys­te­ma­ti­sche The­men ver­nach­läs­sigt wer­den, oder wann habt ihr es erlebt, dass die Drei­ei­nig­keit aktiv in der Pre­digt ein­ge­bun­den war, mit Aus­nah­me von The­men­aben­den zur Drei­ei­nig­keit? Des­we­gen sind weni­ger stei­fe Bücher mit sys­te­ma­ti­schem Schwer­punkt oft­mals sehr berei­chernd, ich den­ke da an Essen­ti­al Tri­ni­ty von Trueman/Crowe oder an The Who­le Christ von Ferguson.

Sechs Ketten des christlichen Erbes

Kir­chen­vä­ter

Die Biblio­thek der Kir­chen­vä­ter ist ein Schatz. Eine Mas­se an Kir­chen­vä­tern frei zugäng­lich für jeder­mann. In den meis­ten Fäl­len sind die Kir­chen­vä­ter viel leich­ter zugäng­lich als man erwar­ten wür­de, in beson­de­rer Wei­se schät­ze ich die rhe­to­ri­schen Qua­li­tä­ten von Ter­tul­li­an. Möch­te man etwas von der ganz frü­hen kirch­li­chen Zeit lesen, dann sind sicher die Korin­ther­brie­fe von Kle­menz span­nend. Ich habe nicht viel von Atha­na­si­us gele­sen, fand ihn aber sehr leicht zugäng­lich. Über­haupt hat man immer das Gefühl, als hät­te man es mit russ­land­deut­schen Chris­ten zu tun, wenn man Kir­chen­vä­ter liest: Eine kla­re Aus­rich­tung auf Andacht, dabei aber eher Abstri­che bei der Gründ­lich­keit der Bibel­aus­le­gung. Aus die­sem Grund fand ich die Pre­dig­ten der Kir­chen­vä­ter meist lang­wei­lig, das gilt aber nicht für ihre apo­lo­ge­ti­schen Schrif­ten und das auch nicht für die Pre­dig­ten von Augus­ti­nus, wobei ich auch bei Ihm eher zu den „bekann­te­ren Wer­ken“ grei­fen wür­de, wie den Bekennt­nis­sen oder Die Gabe des Ausharrens.

Luther und die Reformatoren

Wenn man nur einen Refor­ma­tor lesen möch­te, dann soll­te man zu Luther grei­fen. Ich wür­de hier eini­ge Ein­lei­tun­gen zu den Bibel­bü­chern lesen, eini­ge Aus­le­gun­gen sei­ner Psal­men, vie­le Brie­fe und schließ­lich „Von der Frei­heit eines Chris­ten­men­schen“, „Von den guten Wer­ken“ aber auch die The­sen der Hei­del­ber­ger Dis­pu­ta­ti­on. Ich glau­be damit wäre Luthers Schwer­punkt auf Wort, Glau­be, Heils­ge­wiss­heit und dem Kon­zept der Recht­fer­ti­gung gelegt. Aus­ge­hend davon kann man zu den eher kon­tro­ver­se­ren Schrif­ten wie „Von der baby­lo­ni­schen Gefan­gen­schaft der Kir­che“, „Ob man welt­li­cher Obrig­keit Gehor­sam schul­dig sei“ oder „De ser­vo arbi­trio“ grei­fen, aber auch zu sei­nen eher pro­ble­ma­ti­sche­ren Wer­ken, wie z.B. denen über die Juden oder die Wie­der­täu­fer. Das hilft die­se Genera­ti­on nicht in über­trie­be­ner Wei­se zu ver­herr­li­chen! Über­haupt ist es mei­ne Über­zeu­gung, dass wir mehr von den Refor­ma­to­ren lesen wür­den, wenn wir sie nicht der­art über­hö­hen wür­den (zum Guten oder Schlechten).

Ich per­sön­lich habe mich in den letz­ten Jah­ren zuneh­mend von Luther dem Cal­vin zuge­wandt. Ich wür­de bei Cal­vin mit Vom Leben eines Chris­ten anfan­gen, aber es führt irgend­wann kein Weg an der Insti­tu­tio vor­bei. Sie ist leich­ter zugäng­lich als man denkt. Es ist über­haupt span­nend Luthers Wer­ke mit Cal­vins zu ver­glei­chen. Bei Luther hat man eigent­lich immer noch ganz klar den emo­tio­na­len Mann des Mit­tel­al­ters, bei Cal­vin einen nüch­ter­nen Den­ker der Moder­ne. Mir gefal­len bei­de Sti­le ganz gut, die Logik von Cal­vin ist aber doch weit­rei­chen­der. Liest man dann noch Men­no Simons hat man gleich drei pro­tes­tan­ti­sche Lini­en nebeneinander.

Vie­le der Wer­ke fin­den sich auf der glaubensstimme.de.

Die bunte Welt der Puritaner

Dem 3L Ver­lag ist es in beson­de­rer Wei­se zu ver­dan­ken, das Wer­ke der Puri­ta­ner bereits seit Jah­ren neu auf­ge­legt wer­den. Ich fin­de sie eigent­lich alle hilf­reich, nur sehr häu­fig leicht umfang­reich und umständ­lich. Es kommt häu­fig vor, dass man beim Lesen den Drang ver­spürt, zu schla­fen. Das dürf­te aber nicht nur etwas über die puri­ta­ni­schen Schrift­um­fän­ge aus­sa­gen, son­dern auch über mei­nen geist­li­chen Zustand. Die Puri­ta­ner zie­len immer auf das Herz. Es gibt aber Puri­ta­ner, die wirk­lich über­ra­schend erfri­schend sind, ich den­ke da vor allem an Tho­mas Wat­son. Ich wür­de bei den Puri­ta­nern immer mit Wat­sons Wer­ken anfan­gen. Anschlie­ßend grei­fe man zu Mat­thew Hen­ry und darf den Abste­cher zur Bun­yans Pil­ger­rei­se nicht aus­las­sen, aber auch zu sei­nem „Hei­li­gen Krieg“ (oder sei­ner Auto­bio­gra­phie). Nicht alles von Bun­y­an erreicht ein hohes Niveau, aber es wäre z.B. auch sein von ihm selbst ver­fass­tes (und lei­der nur wenig bekann­tes) Glau­bens­be­kennt­nis zu nen­nen, dass ich als sehr gelun­gen emp­fin­de. Irgend­wann, und an die­ser Pha­se befin­de ich mich aktu­ell, wagt man sich dann auch an Char­nock, Owen, Bos­ten und die vie­len anderen.

In beson­de­rer Wei­se soll­ten hier die Puri­tan Papers von Packer/L­loyd-Jones et Al erwähnt wer­den. Die Aus­wahl der The­men scheint mir bei die­sem Werk viel bes­ser gelun­gen zu sein als bei der Sys­te­ma­ti­sche Theo­lo­gie der Puri­ta­ner von J.Beeke. Bee­kes Buch arbei­te­te sich zu sehr mit „Ach, wären wir alle groß­ar­tig, wenn wir so wären wie die Puri­ta­ner“ und auch auf­grund sei­ner Über­zeu­gung, dass er in beson­de­rer Wei­se in den Fuß­spu­ren der Puri­ta­ner wan­delt, ab und ver­liert so ein eigent­lich gut vor­han­de­nes Poten­ti­al. Packers Essay Why we need the Puri­tans dürf­te ein guter Start­punkt für die bun­te Welt der Puri­ta­ner sein. Zumin­dest auf Eng­lisch fin­det man sehr vie­le Wer­ke kos­ten­frei auf monergism.com

Busch und die Per­len­ket­te für schlech­te Tage

Aus­ge­hend von Wil­helm Buschs Plau­de­rei­en in mei­nem Stu­dier­zim­mer, einem Werk in dem Busch über Autoren und Chris­ten schreibt, die ihn präg­ten, hat man einen wei­ten Blick in die Schrif­ten der Pie­tis­ten. Ent­spre­chend kann ich die pie­tis­ti­sche Prä­gung mei­nes Glau­bens nicht genug wür­di­gen. Nach Buschs Plau­de­rei­en kann man eigent­lich zu jedem Pie­tis­ten grei­fen. Ich grei­fe sehr ger­ne zu den Pre­dig­ten von Hof­acker, der „Seel­sor­ge“ von Blum­hardt oder den Wer­ken von Humburg.

Mei­ne per­sön­li­che Beob­ach­tung an mir selbst ist, dass wenn mir mal „wie­der alles zu viel wird“ und des Bücher­ma­chens kein Ende ist und alles nur furcht­bar ver­wir­rend wirkt, ich wie auto­ma­tisch zu den Wer­ken der Pie­tis­ten grei­fe und sehr schnell wie­der still werde.

Bibel­le­sen mit der Kirchengeschichte

Ein beacht­li­cher Teil mei­ner Emp­feh­lun­gen des ursprüng­li­chen Arti­kels fällt in die­se Kate­go­rie und ich hal­te wei­ter­hin die­se Bücher in allen Ehren: Ob Tozer, Nee, Hal­les­by, Lewis oder auch Gitt und Spur­ge­on: Ich mag die Bücher die­ser Autoren wei­ter­hin sehr ger­ne, weil es einem Freu­de berei­tet zu sehen, wie jemand mit einer ganz ande­ren Prä­gung und aus einem ganz ande­ren Kul­tur­kreis die Bibel ver­stand. Neu­er­dings habe ich erneut die Grün­dungs­vä­ter der rus­si­chen Evan­ge­li­ums-Chris­ten ent­deckt und muss jedem z.B. Mar­zin­kow­skij  und Prokha­nov (in the Cauld­ron of Rus­sia, Auto­bio­gra­phie)  wei­ter­emp­feh­len. Ich schät­ze die­se Lite­ra­tur wei­ter­hin. So erfah­re ich wie ein Skan­di­na­vi­er oder ein Ame­ri­ka­ner oder ein Chi­ne­se ihre Bibel gele­sen haben und was sie dabei auf sich nah­men. Nicht alles ist so ohne wei­te­res über­trag­bar und ich wür­de auch beacht­li­che Tei­le nicht auf die­se Wei­se aus­drü­cken, aber doch bleibt die mys­ti­sche Gemein­schaft unter Brü­dern, die hier aus jeder Zei­le strömt.

Seel­sor­ger­li­che Literatur

Die­se Ket­te ist leich­ter zu knüp­fen als man den­ken könn­te: Man nimmt ein Werk aus dem bereits gro­ßen Pool an „Seel­sor­ge-Büchern“ des 3L-Ver­lags und arbei­tet sich so Stück für Stück durch. Ich lese etwa ein Buch pro Jahr aus die­sem Bereich. Anfan­gen wür­de ich tat­säch­lich aber ent­we­der mit Jay Adams Hand­buch der Seel­sor­ge oder mit Heath Lam­berts A Theo­lo­gy of Bibl­cal Counseling.

 Drei Ket­ten klas­si­scher Literatur

Mit der zeit­ge­nös­si­schen Lite­ra­tur tue ich mich schwer, Klas­si­ker habe ich meist im Unter­richt der Ober­stu­fe oder in lang­wei­li­gen Vor­le­sun­gen gele­sen, das ist mir sitzengeblieben:

  • Dass ich als Teen­ager irgend­wann zur rus­si­schen Klas­sik griff, lag vor allem ein­fach dar­an, dass ich ein Rus­se (zumin­dest zur Hälf­te) bin. Aber sie fes­sel­te mich schnell. Sie (ich mei­ne vor allem Lite­ra­tur der Roman­tik und des Rea­lis­mus) ist dra­ma­ti­scher als die bri­ti­sche, düs­te­rer als die ame­ri­ka­ni­sche und lebens­na­her als die Deut­sche. Zu Beginn wür­de ich zu Erzäh­lun­gen von Tur­ge­new (z.B. Asja, Mumu), Tsche­chow (pro­du­zier­te mas­sen­wei­se kür­ze­re Wer­ke, weil er für län­ge­re nie die Zeit fand, nebst gro­ßer Fami­lie und sei­ner Arbeit als Arzt) oder zu Novel­len von Les­kow (z.B. Die Lady Mac­beth von Mzensk, Der Gauk­ler Pam­pha­lon) grei­fen.  Anschlie­ßend dürf­te man sich an die län­ge­ren Wer­ke wagen. Natür­lich führt kein Weg an Dos­to­jew­ski und Tol­stoi vor­bei, aber ein Werk gab mir beson­ders zu den­ken: Fürst Ser­bre­ny von A.K.Tolstoi (nicht Lev Tol­stoi). Das Buch beschreibt zwei Reak­tio­nen auf einen Tyran­nen: Einer­seits den Ansatz der Rebel­li­on der schließ­lich ver­san­det und ins Exil führt, and­rer­seits den Ansatz, sich soweit es geht anzu­pas­sen, mit der Fol­ge, dass man selbst mehr vom Tyran­nen über­nimmt, als einem recht wäre. Ein sehr ergrei­fen­des und his­to­risch genau­es Werk über die Zeit von Zar Iwan dem Schreck­li­chen. — Hat man sich mit den Ver­tre­tern des rus­si­schen Rea­lis­mus ver­traut gemacht, muss man unbe­dingt noch wei­ter zurück, vor allem zu Gogol und Push­kin aber auch nach vor­ne in die Sowjet­zeit. Ziem­lich ver­rückt und extrem anti­so­wje­tisch ist dann Der Meis­ter und Mar­ga­ri­ta. Ziem­lich lus­tig und extrem pro­so­wje­tisch wären die Dop­pel­au­toren Ilf und Petrow zu nen­nen (Die zwölf Stüh­le, Das gol­de­ne Kalb).
  • Bege­ben wir uns auf hei­mi­schen Boden zurück. Irgend­wie grif­fen bei mir vor allem die Autoren, die zwar deutsch­spra­chig schrie­ben, aber aus ande­ren Län­dern stamm­ten, z.B. Gott­fried Kel­ler (Die Leu­te von Sel­dwy­la, Samm­lung von Erzäh­lun­gen, ziem­lich inter­es­sant ist „Der Schmied sei­nes Glü­ckes“), Fried­rich Dür­ren­matt (Kli­cken um zum geson­der­ten Arti­kel zu gelan­gen) aber auch Stefan Zweig. Über­haupt fing bei mir die Lite­ra­tur der „neue­ren Klas­sik“ aus Deutsch­land bes­ser zu gefal­len, z.B. Tho­mas Mann (Mario und der Zau­be­rer könn­te ein guter Anfang sein für das gigan­ti­sche Werk von Mann, mein Favo­rit ist aber Der Zau­ber­berg). Kurt Tuchol­sky sack­te bei mir gut, nicht aber sein ein­zi­ger Roman. Von den klas­si­schen Wer­ken habe ich Der Schim­mel­rei­ter (Theo­dor Storm) bereits drei Mal gele­sen: Ein bril­lan­ter Ein­zel­gän­ger, der sich um eine ein­sa­me Frau und sein behin­der­tes Kind küm­mert, schei­tert an der blan­ken Ableh­nung der Gesell­schaft. Also eine rich­ti­ge Ket­te, an der ich mich ent­lang­han­geln könn­te, ent­stand hier aber bis­her nicht. Aktu­ell bin ich übri­gens mal wie­der an einem Schwei­zer hän­gen­ge­blie­ben und lese der­zeit Wer­ke von Jere­mi­as Gotthelf.
  • Wenn wir Amerikanisch/Britisch wer­den soll­ten: Ich lie­be „Den Fla­schen­teu­fel“ (auch als Fla­schen­ko­bold bekannt) von Robert Lou­is Ste­ven­son. Vie­le schwär­men von ande­ren Wer­ken des Autors, die mir aber dann weni­ger zuge­sagt haben. Wenn wir schon im bri­ti­schen Natu­ra­lis­mus blei­ben, dann bin ich abso­lu­ter Fan von Oscar Wil­de. Ich glau­be, ich habe von ihm nahe­zu alles gele­sen, aber in beson­de­rer Wei­se ist natür­lich „Das Bild­nis des Dori­an Gray“, „The Impor­t­ance of Being Ear­nest“ und sei­ne lei­der viel zu wenig beach­te­ten Mär­chen zu erwäh­nen. Immer wie­der grei­fe ich auch zu den bizar­ren Erzäh­lun­gen von Poe zurück, wobei man natür­lich sei­nen mys­ti­schen Stil mögen muss.

Es gibt dabei einen Bruch, die Sexua­li­sie­rung der Lite­ra­tur, der seit etwa den 60ern vie­le Wer­ke unle­ser­lich macht. Ich den­ke hier an die schu­li­sche Zwangs­lek­tü­re von Homo Faber oder Der Vor­le­ser. Dabei darf man aber nicht in die ande­re Fal­le ver­fal­len und z.B. durch Pau­schal­ur­tei­le Lek­tü­re der Klas­sik kom­plett mei­den. Obwohl Her­mann Hes­se sicher­lich kein Christ ist, fin­de ich sein Unterm Rad in mehr­fa­cher Hin­sicht als sehr gelun­ge­nes Werk, gera­de auch auf­grund der fei­nen Kri­tik, die er hier am Evan­ge­li­ka­lis­mus übt.

Per­len­ket­ten, die kei­nes Ein­sat­zes wert sind

Es gibt Wer­ke oder gan­ze Werk­rei­hen, die ich per­sön­lich voll­stän­dig mei­de. Dar­un­ter gehören:

  • Pole­misch apo­lo­ge­ti­sche Wer­ke. Was ich damit mei­ne, sind Bücher wie (fik­ti­ve und doch rea­le Titel) „War­um Rock­mu­sik aus der Höl­le kommt“, „Der ulti­ma­ti­ve Beweis, dass alle Cal­vi­nis­ten hoch­mü­tig sind“, „War­um Armi­nia­ner an einen ande­ren Gott glau­ben“ oder „10 Grün­de, war­um Johan­nes Hartl der schlimms­te Irr­leh­rer seit Grund­le­gung der Welt ist“. Ich habe nie den Mehr­wert sol­cher Bücher ver­stan­den, obwohl ich mir selbst ein­ge­ste­hen muss, mich in der Kri­tik russ­land­deut­scher Fröm­mig­keit der Metho­den bedient zu haben, die ich hier so ent­schie­den ableh­ne!  Falls ich jemals Zwei­fel am Wert sol­cher Wer­te besaß, wur­de die­ser durch das Erbe einer Biblio­thek mit einem beacht­li­chen Bestand­teil sol­cher Wer­ke aus den 70ern und 80ern Jah­ren genährt. Ich kann euch sagen, kein ein­zi­ges Buch davon hat heu­te noch irgend­ei­nen blei­ben­den Wert! — Hier darf man inne­hal­ten: Vie­les davon wird auch wirk­lich wenig gele­sen, aber mas­si­ger Wei­se auf You­Tube gehört! Kau­fe die Zeit aus, mein Bruder!
  • Bücher, Vor­trä­ge die Rand­the­men zum Zen­trum des christ­li­chen Glau­bens erklä­ren. Ich begnü­ge mich hier auch mit fik­ti­ven Titeln, aber z.B. sowas wie „War­um nur Frau­en mit Kopf­be­de­ckung den gan­zen Rat­schluss Got­tes erfül­len“, „Die sekünd­li­che Uhr der End­zeit schlägt gera­de heu­te im In der Sowjet­uni­on, im Irak­krieg, in der Flücht­lings­kri­se, in der Coro­na-Kri­se..“, „Wie das Schna­bel­tier vom Ara­rat nach Tas­ma­ni­en kam… — 10 Wis­sen­schaft­ler ent­de­cken die gan­ze Wahr­heit“, „War­um du nie­mals eine ande­re Über­set­zung lesen darfst!“, „Wenn du die­ses Lied eines mög­li­chen Cha­ris­ma­ti­kers singst, bist du bei der Ent­rü­ckung viel­leicht nicht dabei“. Ich glau­be wir ken­nen sol­che Wer­ke zu genü­ge und es ist gegen die Leh­re Chris­ti, das Wich­ti­ge auf­grund von Rand­the­men zu vernachlässigen.
  • Schließ­lich bin ich auch immer noch skep­tisch bei Rat­ge­bern, die Weis­heit durch Regeln aus­he­ben. Ich glau­be, dass es in einer Men­ge von Fra­gen auf die Weis­heit ankommt. Ich wür­de in die­sen Fäl­len das Lesen des Buches Sprü­che immer detail­lier­ten Rat­ge­bern wie „Dei­ne Kin­der müs­sen immer vor 7 Uhr im Bett sein, wenn du willst, dass sie erfolg­reich, gesund, klug, christ­lich und geseg­net sind…“., vorziehen.

Zum Schluss: Bleib offen für Emp­feh­lun­gen dei­ner Brü­der und Schwes­tern und auch für die Füh­rung Gottes.

2 Kommentare

  1. nl-comment@roth-team.de sagt

    Kann es sein, dass der Autor Edu­ard *Böhl* heißt?

Hinterlasse einen Kommentar!

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.