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Zitate aus De Dono Perseverantiae
Augustinus über die Gabe des Ausharrens bis zum Schluss

Lese­zeit: 31 Minuten

Ein Tag im Zeichen des Augustinus - einBLICK - Online-Magazin der Universität Würzburg

Das Werk Augus­tins De Dono Per­ser­van­tiae“ ist eigent­lich ein Brief Augus­tins an Hil­la­ri­us, und kann als zwei­tes Buch über die Vor­her­be­stim­mung ver­stan­den wer­den, denn es baut in wei­ten Tei­len dar­auf an. Inhalt­lich las­sen sich bei­de Wer­ke den­noch gut unab­hän­gig von ein­an­der lesen. Tat­säch­lich war die­ses Werk, eines der ers­ten von mir, dass ich von Augus­ti­nus gele­sen habe. Die prak­ti­schen Impli­ka­tio­nen aus der Über­le­gung, dass die Erret­tung eine Gna­den­ga­be Got­tes sind, sind bei Augus­ti­nus an der Fra­ge nach dem Aus­har­ren bis zum Schluss aus­ge­rich­tet. Eine Anwen­dung, wie man sie in der Refor­ma­ti­on vor allem für die Glau­bens­ge­wiss­heit gezo­gen hat, wird man aber nur ange­deu­tet fin­den. Auch die Fra­ge nach der Iden­ti­tät ist hier weni­ger vor­han­den, wenn auch Augus­ti­nus dar­auf in ande­ren Wer­ken eingeht.

Das Werk ist im Mit­tel­al­ter auch unter dem Titel “Die Vor­zü­ge  des Geschen­kes der Beharr­lich­keit” bekannt gewe­sen. Mir war es nicht mög­lich eine deut­sche Ver­si­on des Buches zu fin­den, so dass ich es auf Eng­lisch gele­sen habe. Eine dop­pel­te Über­set­zung will ich mei­den, und habe des­we­gen dies­mal die Zita­te auf Eng­lisch belas­sen. Ich ver­wei­se ger­ne auf deepl.

Im Grun­de genom­men habe ich beim Lesen immer wie­der ein Deja-Vu erlebt: „Ach Augus­ti­nus hat ja die­ses Bei­spiel auch schon erwähnt“, des­we­gen bespre­che ich die­ses Werk sehr aus­führ­lich mit sehr vie­len Zita­ten direkt und unge­kürzt aus dem Werk. Ent­spre­chend ver­su­che ich im Fol­gen­den über alle 69 Kapi­tel des Wer­kes einen Über­blick zu geben. Die eng­li­sche Über­set­zung des Wer­kes fin­det sich übri­gens auch kos­ten­frei im Web.

Zu Anfang sei­nes Wer­kes defi­niert Augus­ti­nus, dass er “nicht über Wor­te strei­ten möch­te”, aber er Aus­har­ren  als die Gabe defi­niert, im Glau­ben bis zum Schluß aus­zu­har­ren: “And the belie­ver of one year, or of a peri­od as much shor­ter as may be con­cei­ved of, if he has lived faith­ful­ly until he died, has rather had this per­se­ver­an­ce than the belie­ver of many years’ stan­ding, if a litt­le time befo­re his death he has fal­len away from the sted­fast­ness of his faith.”

 

Im zwei­ten Kapi­tel betrach­tet Augus­ti­nus die Her­aus­for­de­run­gen eines Glau­bens­le­ben, dass immer von Ver­su­chun­gen und Anfech­tun­gen umge­ben ist, aber selbst im Ange­sicht des Todes und des Mär­ty­ri­ums doch das Aus­har­ren von dem erhofft, “dem nichts zu schwer ist, der gibt sie ger­ne”. Augus­ti­nus ver­weist auf Jere­mia 32,40 “Und ich will einen ewi­gen Bund mit ihnen schlie­ßen, dass ich nicht ablas­sen will, ihnen Gutes zu tun, und will ihnen Furcht vor mir ins Herz geben, dass sie nicht von mir wei­chen.”

 

Ab dem drit­ten Kapi­tel führt Augus­ti­nus sei­ne zen­tra­le The­se ein: “But why is that per­se­ver­an­ce asked for from God if it is not given by God?”  Wir bit­ten Gott so oft dar­um, dass wir bewahrt wer­den,  und dass wir bis zum Schluss aus­har­ren, sol­len aber den­ken, dass es doch unse­re eige­ne Gabe ist? Augus­ti­nus bewer­tet eine sol­che Bit­te, die nur um der “Demut wil­len geführt wird” als Heu­che­lei: “Abs­tain from hono­u­ring Him with your lips and extol­ling yourself over Him in your heart, by belie­ving that you have from yourself what you are pre­ten­ding to beseech from Him.” Die The­se, dass man Gott nur um das bit­ten kann, was er auch schen­ken kann, führt Augus­ti­nus in die­sem anti­pe­la­gia­ni­schen Werk in den fol­gen­den Kapi­teln (Kap. 4- 12)weiter aus. Er ver­weist z.B. auf das Vater Unser, dass alle Gemein­den beten: Bit­ten wir in die­sen Gebe­ten nicht auch um Bewah­rung? Dabei behan­delt Augus­ti­nus alle Bit­ten die­ses Gebe­tes  und ver­weist  dar­auf, wie weit die­se Bit­ten gehen. Wenn wir “Gehei­ligt sei dein Name”, beten, fle­hen wir dann nicht dar­um, Gott nicht zu ver­un­eh­ren? “What, when we say, “Thy king­dom come,” do we ask else, but that that should also come to us which we do not doubt will come to all saints? And the­re­fo­re here also, what do they who are alrea­dy holy pray for, save that they may per­se­ve­re in that holi­ness which has been given them? For no other­wi­se will the king­dom of God come to them; which it is cer­tain will come not to others, but to tho­se who per­se­ve­re to the end.”

 

So auch im neun­ten Kapi­tel, als Augus­ti­nus die fünf­te Bit­te bespricht: “Füh­re uns nicht in Ver­su­chung, son­dern bewah­re uns vor dem Bösen”. “If, the­re­fo­re, it be gran­ted to him accord­ing to his pray­er that he may not be led, cer­tain­ly by the gift of God he per­sists in that sanc­ti­fi­ca­ti­on which by the gift of God he has received.”

 

Wer besitzt nun die Gabe des Aus­har­rens (Kap. 10)? Nur die, die bis zum Schluss aus­har­ren!  “But sin­ce no one has per­se­ver­an­ce to the end except he who does per­se­ve­re to the end, many peop­le may have it, but none can lose it”

Im elf­ten Kapi­tel wie­der­holt Augus­ti­nus die Zen­tra­li­tät des­sen, dass Gott das geben will, wofür er uns zu Bit­ten auf­for­dert. “Let any one who dares, tell me whe­ther God can­not give what He has com­man­ded to be asked from Him. Cer­tain­ly he who affirms this, I say not is a fool, but he is mad”

Damit leug­net Augus­ti­nus kei­nes­wegs, dass der Wil­le des Men­schen in der Lage ist, von Gott abzu­wei­chen. Eben weil unser Fleisch der Ursprung unse­rer Anfech­tun­gen sind, kann Augus­ti­nus (Kap.13) davon spre­chen, dass die “Ver­su­chung der Zustand des Men­schen ist”. Die Frei­heit ohne Gott in Ver­su­chun­gen zu bestehen ist seit dem Sün­den­fall nicht mehr gege­ben, “But, after the fall of man, God wil­led it to per­tain only to His grace that man should approach to Him; nor did He will it to per­tain to aught but His grace that man should not depart from Him.” — Somit ist es sowohl Got­tes Gna­de, dass der Mensch zu Ihm kommt und nicht von Ihm weicht, wofür Augus­ti­nus Eph. 1,11, Ps. 80,17−18 und Jer. 32,40 als Beweis­tex­te auf­führt. Vor allem die letz­te Stel­le zeigt, das Augus­ti­nus die gnä­di­ge Wie­der­ge­burt als Gabe des Neu­en Bun­des sah.

Wer Augus­ti­nus liest, ist immer wie­der über sei­ne viel­schich­ti­gen Fra­ge­stel­lun­gen über­rascht. So geht er in Kap. 15 der Fra­ge nach, war­um Gott möch­te, dass wir ihn um etwas bit­ten, dass er uns auch ohne Gebet geben könn­te. Im sechs­zehn­ten Kapi­tel gibt Augus­ti­nus eine exzel­len­te Fra­ge dar­auf, war­um die Gna­de, wenn sie nicht auf­grund von  Ver­diens­ten gege­ben wird, nicht ein­fach allen Men­schen zuteil­wird.  Ich fand die­ses kur­ze Kapi­tel so stark, dass ich es hier voll­stän­dig ein­fü­gen möch­te: ““But “why,” says one, “is not the grace of God given accord­ing to men’s merits?” I ans­wer, Becau­se God is mer­ci­ful. “Why, then,” it is asked, “is it not given to all?” And here I reply, Becau­se God is a Judge. And thus grace is given by Him free­ly; and by His righ­te­ous judgment it is shown in some what grace con­fers on tho­se to whom it is given. Let us not then be ung­ra­te­ful, that accord­ing to the good plea­su­re of His will a mer­ci­ful God deli­vers so many to the prai­se of the glo­ry of His grace from such deser­ved per­di­ti­on; as, if He should deli­ver no one the­re­from, He would not be unrigh­te­ous. Let him, the­re­fo­re, who is deli­ve­r­ed love His grace. Let him who is not deli­ve­r­ed ack­now­ledge his due. If, in remit­ting a debt, good­ness is per­cei­ved, in requi­ring it, jus­ti­ce — unrigh­te­ous­ness is never found to be with God.”

Kann Gna­de dann noch gerecht blei­ben, fragt das 17 Kapi­tel, wenn zum Bei­spiel den bei­den Zwil­lin­gen ein voll­stän­dig unter­schied­li­ches Urteil wider­fährt? Augus­ti­nus weist dar­auf hin, dass auch die Arbei­ter im Wein­berg den gnä­di­gen Lohn des Arbeit­ge­bers als unfair emp­fan­den.  Im 18 Kapi­tel betrach­tet Augus­ti­nus die glei­che Fra­ge umge­kehrt. Ist es dann von Gott fair, wenn er den einen här­ter bestraft, als einen ande­ren? Augus­ti­nus ant­wor­tet: ““But if,” it is said, “it was necessa­ry that, alt­hough all were not con­dem­ned, He should still show what was due to all, and so He should com­mend His grace more free­ly to the ves­sels of mer­cy; why in the same case will He punish me more than ano­t­her, or deli­ver him more than me?” I say not this. If you ask whe­re­fo­re; becau­se I con­fess that I can find no ans­wer to make. And if you fur­ther ask why is this, it is becau­se in this mat­ter, even as His anger is righ­te­ous and as His mer­cy is gre­at, so His judgments are unsearchable”

Im 19. Kapi­tel geht Augus­ti­nus dann der Fra­ge nach, war­um in der Gemein­de Aus­er­wähl­te mit Ver­wor­fe­nen ver­mischt sind. Augus­ti­nus sieht dar­in eine Ermah­nung von Gott, nicht zu selbst­si­cher zu wer­den: “But God has jud­ged it to be bet­ter to ming­le some who would not per­se­ve­re with a cer­tain num­ber of His saints, so that tho­se for whom secu­ri­ty from tempt­ati­on in this life is not desi­ra­ble may not be secu­re. For that which the apost­le says, checks many from mischie­vous ela­ti­on: “Whe­re­fo­re let him who seems to stand take heed lest he fall.” But he who falls, falls by his own will, and he who stands, stands by God’s will. “For God is able to make him stand;” the­re­fo­re he is not able to make hims­elf stand, but God. Nevertheless, it is good not to be high-min­ded, but to fear”

 

Ab dem zwan­zigs­ten Kapi­tel ver­weist Augus­ti­nus immer wie­der auf ande­re Kir­chen­vä­ter, z.B. auf Ambro­si­us, Die Flucht vor der Welt. Hier schreibt Ambro­si­us dar­über, das nie­mand ohne Got­tes Hil­fe vor der Welt flieht. Augus­ti­nus kom­men­tiert: “The­re­fo­re it is not in the power of men, but in that of God, that men have power to beco­me sons of God.”, womit er sich auf Joh. 1,12 beruft. Spä­ter, In Kapi­tel  48 – 49 ver­weist Augus­ti­nus dann noch auf Cypri­an. Mit bei­den meint er, sei­ne Gna­den­leh­re zu teilen.

Im 21. Kapi­tel betrach­tet Augus­ti­nus 1. Joh. 2,19:  Nur, die von uns waren, wer­den auch bei uns blei­ben. Uns sie waren nicht von uns, weil sie nicht beru­fen waren und nicht in Chris­tus vor Grund­le­gung der Welt erwählt waren.

Kapi­tel 22 – 24 ist ein Ein­schub, in dem Augus­ti­nus die inter­es­san­te Fra­ge unter­sucht, ob Gott Men­schen nicht danach rich­tet, wie sie han­deln wür­den, wenn sie in einer bestimm­ten Situa­ti­on wären. Wer­den Tyros und Sidon nun nach ihrem tat­säch­li­chen Ver­hal­ten gerich­tet, oder berück­sich­tigt Gott auch die Tat­sa­che, dass sie das Evan­ge­li­um emp­fan­gen hät­ten, wenn Jesus es ihnen gebracht hät­te? Die­se Fra­ge hat zahl­rei­che Fol­ge­run­gen: So kann man auch fra­gen, ob Gott ver­stor­be­ne Kin­der nach sei­nem Wis­sen dar­über rich­tet, wie sie han­deln wür­den, wenn sie gelebt hät­ten. Augus­ti­nus ver­neint bei­des: “It is the­re­fo­re fal­se that the dead are jud­ged in respect also of tho­se things which they would have done if the gos­pel had reached them when they were ali­ve. And if this is fal­se, the­re is no ground for say­ing, con­cer­ning infants who perish becau­se they die without bap­tism, that this hap­pens in their case deser­ve­d­ly, becau­se God fore­knew that if they should live and the gos­pel should be preached to them, they would hear it with unbelief.”(Kap.23) Auf die Fra­ge, wie Gott ver­stor­be­ne Kin­der rich­tet, kehrt Augus­ti­nus noch­ein­mal in Kap. 31 zurück. Ins­ge­samt macht er hier als das wesent­li­che Unter­schei­dungs­zei­chen die Tau­fe aus, was die­ses Kapi­tel viel­leicht zu den weni­gen eher schwa­chen Kapi­teln des Buches macht.

Im wei­te­ren Ver­lauf des Buches geht Augus­ti­nus auf Lehr­po­si­tio­nen der Manichä­er (Kap. 26) oder der Pela­gia­ner (Kap. 29, auf die er in Kap. 52 zurück­kehrt) ein, blickt aber auch auf sei­ne Retrak­ta­tio­nen (Kap. 27), also auf sei­ne von ihm ver­öf­fent­lich­ten Kor­rek­tu­ren sei­ner Wer­ke. Hier ana­ly­siert Augus­ti­nus die Fra­ge, ob sei­ne Leh­re der Vor­her­be­stim­mung sich seit den Bekennt­nis­sen wei­ter­ent­wi­ckelt hat. Obwohl Augus­ti­nus eine Wei­ter­ent­wick­lung und Aus­for­mu­lie­rung sei­ner The­sen ein­ge­steht, beharrt er dar­auf, dass sein Fest­hal­ten an der Gna­den­leh­re unver­än­dert bestand. Über­haupt ist ihm Wachs­tum in der Erkennt­nis wich­tig, ein The­ma, zu dem er in Kapi­tel 30 wie­der­kehrt: “For if, when I began my books con­cer­ning Free Will as a lay­man, and finis­hed them as a pres­by­ter, I still doub­ted of the con­dem­na­ti­on of infants not born again, and of the deli­ver­an­ce of infants that were born again, no one, as I think, would be so unfair and envious as to hin­der my pro­gress, and judge that I must con­ti­nue in that uncer­tain­ty.” Im 53. Kapi­tel kehrt Augus­ti­nus zu sei­nen Bekennt­nis­sen zurück und erin­nert dar­an, dass er schon in die­sem Werk fest­hält: “Gib was du befiehlst” .  Ich fand es bezeich­nend, dass Augus­ti­nus selbst die­se moner­gis­ti­sche Deu­tung die­ses augus­ti­ni­schen Mot­tos vor­schlägt. Wie­der­holt hält Augus­ti­nus fest, das Gna­de nicht auf­grund von Ver­dienst zuteil wird (Ins­be­son­de­re Kap. 55).

Zen­tral für Augus­ti­nus ist aber, dass wir dabei den gnä­di­gen Gott der Lie­be nicht aus dem Blick ver­lie­ren dür­fen (Kap. 28): “It is the­re­fo­re sett­led that God’s grace is not given accord­ing to the deserts of the reci­pi­ents, but accord­ing to the good plea­su­re of His will, to the prai­se and glo­ry of His own grace; so that he who glo­rieth may by no means glo­ry in hims­elf, but in the Lord, who gives to tho­se men to whom He will, becau­se He is mer­ci­ful, what if, howe­ver, He does not give, He is righ­te­ous: and He does not give to whom He will not, that He may make known the riches of His glo­ry to the ves­sels of mer­cy. For by giving to some what they do not deser­ve, He has cer­tain­ly wil­led that His grace should be gra­tui­tous, and thus genui­ne grace; by not giving to all, He has shown what all deser­ve. Good in His good­ness to some, righ­te­ous in the punish­ment of others; both good in respect of all, becau­se it is good when that which is due is ren­de­red, and righ­te­ous in respect of all, sin­ce that which is not due is given without wrong to any one.”

In Kapi­tel 32 und 33 betrach­tet Augus­ti­nus die Per­spek­ti­ve, dass es not­wen­dig ist, an der frei­en Gna­de fest­zu­hal­ten, um Got­tes Frei­en Wil­len auf­recht zu erhalten.

Ab Kapi­tel 34 beschäf­tigt sich Augus­ti­nus mit der Fra­ge, wie man über die Prä­de­sti­na­ti­on pre­di­gen kann: “But they say that the “defi­ni­ti­on of pre­desti­na­ti­on is oppo­sed to the advan­ta­ge of preaching,” — as if, inde­ed, it were oppo­sed to the preaching of the apost­le! Did not that tea­cher of the hea­then so often, in faith and truth, both com­mend pre­desti­na­ti­on, and not cea­se to pre­ach the word of God? Becau­se he said, “It is God that wor­keth in you both to will and to do for His good plea­su­re,” did he not also exhort that we should both will and do what is plea­sing to God? or becau­se he said, “He who hath begun a good work in you shall car­ry it on even unto the day of Christ Jesus,” did he on that account cea­se to per­sua­de men to begin and to per­se­ve­re unto the end?” (Kap. 34)

Kön­nen Men­schen nicht die Prä­de­sti­na­ti­ons­leh­re miss­brau­chen, als Aus­re­de für Ihre Sün­den? Sicher­lich, meint Augus­ti­nus und erinn­nert sich an sei­ne Zeit im Klos­ter: “The­re was a man in our monas­te­ry, who, when the brethren rebu­ked him for doing some things that ought not to be done, and for not doing some things that ought to be done, replied, “Wha­te­ver I may now be, I shall be such as God has fore­known that I shall be.” And this man cer­tain­ly both said what was true, and was not pro­fil­ted by this truth for good, but so far made way in evil as to desert the socie­ty of the monas­te­ry, and beco­me a dog retur­ned to his vomit; and, nevertheless, it is uncer­tain what he is yet to beco­me. For the sake of souls of this kind, then, is the truth which is spo­ken about God’s fore­know­ledge eit­her to be denied or to be kept back, — at such times, for instance, when, if it is not spo­ken, other errors are incur­red?” (Kap. 38)

Das glei­che kann auch den Betern erfah­ren, dass sie nur noch kalt und lau beten, weil sie aus Got­tes Wort erfah­ren haben, dass Gott schon weiß, was sie nötig haben, bevor sie beten (Kap. 39). “Must the truth of this decla­ra­ti­on be given up, or shall we think that it should be era­sed from the gos­pel becau­se of such peop­le? Nay, sin­ce it is mani­fest that God has pre­pa­red some things to be given even to tho­se who do not pray for them, such as the begin­ning of faith, and other things not to be given except to tho­se who pray for them, such as per­se­ver­an­ce even unto the end, cer­tain­ly he who thinks that he has this lat­ter from hims­elf does not pray to have it.”

Augus­ti­nus gesteht ein, dass es Gele­gen­hei­ten gibt, wo man die Wahr­heit zurück­hal­ten muss, aber er ist nicht der Mei­nung, dass die Leh­re von der Gna­de eine Leh­re ist, die z.B. Kin­der nicht ver­ste­hen kön­nen. “Es ist eine Sache, eine Wahr­heit zurück­zu­hal­ten, die Not­wen­dig­keit dar­über zuspre­chen jedoch ist eine ande­re Sache.” (Kap. 40) — “For eit­her pre­desti­na­ti­on must be preached, in the way and degree in which the Holy Scrip­tu­re plain­ly decla­res it, so that in the pre­desti­na­ted the gifts and cal­ling of God may be without repen­tance; or it must be avo­wed that God’s grace is given accord­ing to our merits, — which is the opi­ni­on of the Pela­gi­ans” (Kap. 41) Spä­ter im Werk kehrt Augus­ti­nus noch ein­mal auf die­se Fra­gen zurück (Kap. 57 – 62). Er spricht sich aber dafür aus, Ärger­nis und Anstoß in der Ver­kün­di­gung zu mei­den, dabei ist er der Mei­nung, dass sich vie­les durch geeig­ne­te For­mu­lie­run­gen errei­chen lässt. So emp­fiehlt er die Ver­wen­dung der drit­ten (“so jemand gehorcht”) statt der zwei­ten Per­son (“So ihr gehorcht”) vor (Kap. 61). Pre­digt man über das Aus­har­ren, steht für ihn das Gebet im Zen­trum (Kap. 62): “You, the­re­fo­re, ought also to hope for that per­se­ver­an­ce in obedience from the Father of Lights, from whom come­th down every excel­lent gift and every per­fect gift, and to ask for it in your dai­ly pray­ers; and in doing this ought to trust that you are not ali­ens from the pre­desti­na­ti­on of His peop­le, becau­se it is He Hims­elf who bes­tows even the power of doing this. And far be it from you to des­pair of your­sel­ves, becau­se you are bid­den to have your hope in Him, not in your­sel­ves. For cur­sed is every one who has hope in man; and it is good rather to trust in the Lord than to trust in man, becau­se bles­sed are all they that put their trust in Him.”

Ab dem 42ten Kapi­tel wer­den sei­ne Aus­füh­run­gen apo­lo­ge­ti­scher. Wel­che Gabe ist nicht Got­tes Gabe, fragt Augus­ti­nus wie­der­holt. Wir bit­ten bei Gott ja nicht nur um Aus­har­ren, son­dern auch um Glau­be, Fröm­mig­keit, Lie­be und alle ande­ren Tugen­den, von denen Augus­ti­nus in beson­de­rer Wei­se die Weis­heit her­vor­hebt (Kap. 43 und 44). Kom­men nicht alle guten Gaben vom Vater des Lichts (Jak. 3,17)? War­um zieht Gott  dann aber in der Pre­digt die Sün­der zur Ver­ant­wor­tung und for­dert, dass sie gute Gaben wir­ken? “As, the­re­fo­re, the rest­less are to be rebu­ked, both by the tes­ti­mo­ny of the divi­ne decla­ra­ti­ons, and by tho­se very impul­ses of ours which they have in com­mon with our­sel­ves; and is it no argu­ment against this rebu­ke that we decla­re the peace­ful wis­dom, wher­eby the con­ten­ti­ons are cor­rec­ted and hea­led, to be the gift of God; unbe­lie­vers are in such wise to be rebu­ked, as tho­se who do not abi­de in the faith, without any hin­dran­ce to that rebu­ke from the preaching of God’s grace, alt­hough that preaching com­mends that very grace and the con­ti­nu­an­ce in it as the gifts of God.” — 

Ver­sagt aber nicht einer auf­grund eige­ner Schuld, wenn er nicht bis zum Schluss aus­harrt (Kap. 46)?  Eines der schöns­ten Kapi­tel des Buches, wo Augus­ti­nus die­se Fra­ge so beant­wor­tet: “Who denies it? But becau­se of this, per­se­ver­an­ce in the faith is not to be said not to be a gift of God. For it is this that a man dai­ly asks for when he says, “Lead us not into tempt­ati­on;” and if he is heard, it is this that he recei­ves. And thus as he dai­ly asks for per­se­ver­an­ce, he assu­red­ly pla­ces the hope of his per­se­ver­an­ce not in hims­elf, but in God. I, howe­ver, am loth to exa­g­ge­ra­te the case with my words, but I rather lea­ve it to them to con­si­der, and see what it is of which they have per­sua­ded them­sel­ves — to wit, “that by the preaching of pre­desti­na­ti­on, more of des­pair than of exhor­ta­ti­on is impres­sed upon the hea­rers.” For this is to say that a man then des­pairs of his sal­va­ti­on when he has lear­ned to place his hope not in hims­elf, but in God, alt­hough the pro­phet cries, “Cur­sed is he who has his hope in man.”

Im 47. Kapi­tel ist eine Ana­ly­se zu fin­den, in der Augus­ti­nus die Begrif­fe Vor­her­be­stim­mung und Vor­her­wis­sen als Syn­ony­me iden­ti­fi­ziert. Bezug­neh­mend auf den geret­te­ten Über­rest Isra­els, hält Augus­ti­nus fest: “The­re­fo­re, in the elec­tion, and in this rem­nant which were made so by the elec­tion of grace, he wis­hed to be unders­tood the peop­le which God did not reject, becau­se He fore­knew them. This is that elec­tion by which He elec­ted tho­se, whom He wil­led, in Christ befo­re the foun­da­ti­on of the world, that they should be holy and without spot in His sight, in love, pre­desti­na­ting them unto the adop­ti­on of sons”.

Weil die Vor­her­be­stim­mung den Gehor­sam nicht min­dert (Kap. 50), gibt es kei­ne Grün­de, nicht über Vor­her­be­stim­mung zu pre­di­gen (Kap. 51).

Ab dem 54. Kapi­tel führt Augus­ti­nus sei­ne The­sen zusam­men: Somit ist für Augus­ti­nus sowohl der Anfang wie das Ende des Glau­bens eine Gabe Got­tes. Vie­le, manch­mal selbst Pela­gia­ner, sind bereit ein­zu­ge­ste­hen, dass der Glau­be eine Gabe Got­tes ist. Ist aber nicht die Voll­endung einer Sache grö­ßer als ihr Anfang? “But if both are God’s gifts, and God fore­knew that He would give the­se His gifts (and who can deny this?), pre­desti­na­ti­on must be preached, — that God’s true grace, that is, the grace which is not given accord­ing to our merits, may be main­tai­ned with insu­pera­ble defence.” Dar­um ist es Gott, der sowohl Mit­tel wie Zie­le schenkt (Kap. 56).

Das vor allem das Gebet der Gemein­de offen­bart, dass sie ihre Hoff­nung nur auf Gott wirft, ist offen­sicht­lich, ob es nun um die Ret­tung der Ver­lo­re­nen, oder um das Aus­har­ren geht: “For, cer­tain­ly, the Church would not pray that faith should be given to unbe­lie­vers, unless it belie­ved that God con­verts to Hims­elf both the aver­se and adver­se wills of men. Nor would the Church pray that it might per­se­ve­re in the faith of Christ, not decei­ved nor over­co­me by the tempt­ati­ons of the world, unless it belie­ved that the Lord has our heart in His power” (Kap. 63). Die­ses Zeug­nis sieht Augus­ti­nus auch im Gebet der Gemein­de (Kap. 65). “The­se things, the­re­fo­re, which the Church asks from the Lord, and always has asked from the time she began to exist, God so fore­knew that He would give to His cal­led, that He has alrea­dy given them in pre­desti­na­ti­on its­elf; as the apost­le decla­res without any ambiguity”

Die­ser Aus­blick ist ein wür­di­ger Abschluss für ein gelun­ge­nes Buch. So schließt auch Augus­ti­nus mit einem Blick auf Got­tes Ehre (Kap. 66): “As, the­re­fo­re, other things must be preached so that he who preaches them may be heard with obedience, so pre­desti­na­ti­on must be preached so that he who hears the­se things with obedience may glo­ry not in man, and the­re­fo­re not in hims­elf, but in the Lord; for this also is God’s pre­cept, and to hear this pre­cept with obedience — to wit, that he who glo­ries should glo­ry in the Lord — in like man­ner as the rest, is God’s gift. And he who has not this gift, — I shrink not from say­ing it, — wha­te­ver others he has, has them in vain”

Halt! — Da wäre noch Kap. 67. In die­sem vor­letz­ten Kapi­tel sei­nes Wer­kes ver­weist er dar­auf, dass das herr­lichs­te Bei­spiel der Vor­her­be­stim­mung, Jesus Chris­tus selbst ist. Kein Wun­der sprach Cal­vin dar­über, dass Augus­ti­nus totus nos­ter (kom­plett unser) sei: “The­re­fo­re He pre­desti­na­ted both Him and us, becau­se both in Him that He might be our head, and in us that we should be His body, He fore­knew that our merits would not pre­ce­de, but that His doings should.”

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