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Wilhelm Busch berichtet über seinen Dienst als Prediger in Bielefeld
Aus "Plaudereien in meinem Studierzimmer"

Plaudereien in meinem Studierzimmer“ (Wilhelm Busch) – Buch antiquarisch  kaufen – A01uvQex01ZZSÜber seine ersten Jahre als Prediger, damals noch in einem Arbeiterviertel von Bielefeld berichtet Wilhelm Busch in „Plaudereien in meinem Studierzimmer“, (2. Auflage, S. 44f, hier neu Aufgelegt und auch frei als .pdf erhältlich), und gewährt so einen Blick in seine Arbeitsweise, seinen Eifer (Beachte die regelmäßigen Hausbesuche und wie er auf Kritik weise reagiert), aber auch seine Analysefähigkeiten. Ich glaube, das was Busch in den Zwanzigern des 20ten Jahrhunderts beobachten hat, wird durch Twitter, Hashtag & Co in den Zwanzigern des 21ten Jahrhunderts multipliziert.

„In diesem Bezirk nun schenkte es mir Gott, dass ich die Kraft des Evangeliums herrlich erfahren durfte.

Zuerst fing ich an damit, jeden Vormittag und Nachmittag von Haus zu Haus Besuche zu machen. Bald aber hörte ich, dass die Männer spotteten: „Der Pfaffe kommt nur zu unseren Frauen, wenn die Männer nicht da sind!“ Von da an verlegte ich meine Besuche auf den Abend. Da traf ich die Männer und kam mit ihnen ins Gespräch. 

Ich habe damals zum ersten Mal erlebt, wie die Menschen weithin das eigene Denken aufgegeben haben zugunsten von Denkschemata und Schlagworten. es war ermüdend immer und immer dieselben Phrasen zu hören von „Verelendung der Massen“, von der „Schuld der Kirchen“, die „die Waffen gesegnet haben“ und „geschweigen haben zu der Ausbeutung“ oder „wie die Kirchgänger schlechter sind als alle anderen.“ Mein Herz schrie danach, endlich einmal ein eigenes, aus dem eigenen Denken oder aus dem Herzen entsprungenes Wort zu hören.

#Der Ehrlichkeit halber mumm ich hier einfügen, dass ich dasselbe später ebenso bei den sogenannten Gebildeten gefunden habe. Wenn die Schlagworte, mit denen sie den Ruf Gottes ablehnten, auch andere waren, sie waren doch genauso wenig selbst erdacht, wie bei den Bielefelder Arbeitern. 

Ja mit Schrecken entdeckte ich im Laufe der Zeit: Sogar die Theologen haben ihre festen und geprägten Sprachformeln. Die Menschen kommen mir oft vor, als wenn man ihnen das Gehirn weggenommen und dafür Schallplatten in den Kopf gesetzt hätte, die nun auf bestimmte Stichworte hin ablaufen.

Am traurigsten empfinde ich diesen Tatbestand, wenn ich ihn bei gläubigen Christen treffe. Ich meine: Wer zum Glauben an Jesus kommt und nun mit seinem Herrn lebt, hat auch seinen eigenen, vom Erleben geprägten Wortschatz…“

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