Verlagswelt
Kommentare 1

Wie viel verdient ein (christlicher) Verlag an Büchern?

Serie: Christliche Verlage und das Geld (2)

Man­che Kun­den neh­men an, dass Ver­le­ger auf­grund der ver­meint­lich hohen Prei­se reich sein müss­ten. Die­se Annah­me rührt sicher aus der Unkennt­nis, wie sich ein Buch­preis zusam­men­setzt. Wie sich ein Preis zusam­men­setzt, wird aus der Buch­preis­kal­ku­la­ti­on deut­lich.

Der Beta­ni­en Ver­lag hat in sei­nem Blog ein Kal­ku­la­ti­ons­bei­spiel für eine Buch­pro­duk­ti­on ver­öf­fent­licht. Hier erhält der Ver­brau­cher einen infor­ma­ti­ven Ein­blick, wie sich der Preis für ein Buch zusam­men­set­zen kann, wel­ches aus dem Eng­li­schen über­setzt wird.

Buch aus dem Eng­li­schen über­setzt, 300 Sei­ten Auf­la­ge
Anspruchs­vol­ler geist­li­cher Inhalt 2000
End­ver­kaufs­preis           15,90 €
7% Steu­er -          1,04 €
Buch­han­dels­ra­batt und Ver­triebs­kos­ten ca. 45 % -          6,69 €
Auto­ren­ho­no­rar 5 % -          0,74 €
Über­set­zung -          2,50 €
Druck -          2,25 €
Lek­to­rat, Kor­rek­tur -          0,75 €
Satz -          0,50 €
Cover­ge­stal­tung -          0,25 €
Saldo/Erlös je Stück             1,18 €
Roher­lös, Auf­la­ge 2000     2.359,81 €

Bei die­ser Kal­ku­la­ti­on blei­ben je Buch 1,18 EUR als Erlös. Wobei auch hier ein­schrän­kend gesagt wer­den muss, dass Kos­ten wie Vor­pla­nung, Koor­di­na­ti­on, Ver­wal­tung, Lage­rung, Wer­bung, Logis­tik, Frei­ex­em­pla­re, Beschä­di­gun­gen, Zin­sen, Vor­ab­ho­no­ra­re etc. dar­in nicht ent­hal­ten sind. Wenn die­se Kos­ten abge­zo­gen sind, bleibt ein küm­mer­li­cher Gewinn übrig.

Erst ab einer 2. oder 3. Auf­la­ge kann bei einem Buch aus die­sem Bereich ein nen­nens­wer­ter Gewinn erlöst wer­den, da Kos­ten für Über­set­zung, Bear­bei­tung des Tex­tes und Cover­ge­stal­tung nicht erneut anfal­len.

Der Spa­lier und der Wein­stock, Beta­ni­en, 13,90 EUR

Rea­lis­tisch betrach­tet kommt es jedoch regel­mä­ßig vor, dass ein Buch mit anspruchs­vol­lem geist­li­chem Gehalt auch nach 4 Jah­ren nicht voll­stän­dig ver­kauft wer­den kann und der Preis um die Hälf­te redu­ziert wird.

Das hat zur Fol­ge, dass der Erlös nach Abver­kauf aller 2000 Exem­pla­re gerin­ger ist, als die ange­fal­le­nen Kos­ten. Der Ver­lag erwirt­schaf­tet also einen Ver­lust mit die­sem Arti­kel. Und die­ser Ver­lust muss durch die Erlö­se aus ande­ren Arti­keln aus­ge­gli­chen wer­den. Wenn der Ver­lag zu vie­le schwie­rig ver­käuf­li­che Bücher und CDs ver­öf­fent­licht, ist daher schnell sei­ne Exis­tenz bedroht.

Wenn ein Kun­de über den Online-Shop des Ver­lags bestellt, ist der Erlös höher, da der Buch­han­dels­ra­batt weg­fällt. Aber gera­de bei klei­nen Ver­la­gen ist der Anteil, der über den Groß­han­del (SCM, Ama­zon etc.) ver­kauft wird, mit zir­ka 90 % enorm hoch. Daher appel­lie­re ich auch an die­ser Stel­le, mög­lichst beim Ver­lag direkt zu bestel­len, um die christ­li­che Ver­lags­ar­beit zu unter­stüt­zen.

Zusam­men­fas­send ist also fest­zu­stel­len, dass (christ­li­che) Ver­la­ge mit den Ver­öf­fent­li­chun­gen nicht reich wer­den und die Prei­se in aller Regel nicht mehr als einen ange­mes­se­nen Gewinn ermög­li­chen. Um einen gro­ßen Gewinn zu erwirt­schaf­ten muss ein Titel meh­re­re 100 000 Mal ver­kauft wer­den. Und das geschieht nur alle Jubel­jah­re.

1 Kommentare

  1. DANKE für die­se Auf­stel­lung und Klar­stel­lung, was mei­ne bis­he­ri­ge Ver­mu­tung bestä­tigt. Aus wirt­sch­ahft­li­chen Grün­den neh­men des­halb christ­li­sche Ver­la­ge lei­der auch zwei­fel­haf­te Buch­ti­tel mit in das Pro­gramm, die durch die Auf­ma­chung einen gro­ßen Ver­kaufs­er­folg ver­spre­chen, jedoch unter dem Deck­man­tel „christ­lich“ die Chris­ten Ver­füh­ren. Das ist trau­rig aber Rea­li­tät.
    Des­halb: Über­prü­fe jeder selbst, anhand der Bibel und mit Hil­fe des Hei­li­gen Geis­tes, was biblisch fun­diert ist. Nicht über­all wo christ­lich drauf steht ist auch christ­lich (bli­blisch) drin.

    HERZLICH(S)T
    Klaus

Hinterlasse einen Kommentar!

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.