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Wie ich reformiert wurde!

Eine Abschiedsvorstellung

Aus unter­schied­li­chen Grün­den wer­de ich bei NIMM UND LIES in abseh­ba­rer Zeit weni­ger schrei­ben. Es müss­ten bereits fast 6 Jah­re her sein, als ich begann, Alex und Edu­ard bei ihrer groß­ar­ti­gen Arbeit unter­stüt­zen zu kön­nen.

Vor allem muss ich aber Gott dan­ken, der die­ses Blog vor allem nutz­te, um mich zu schlei­fen. Hal­le­lu­ja, preist den Herrn. Als (Zwi­schen) Abschied möch­te ich nun ein Bekennt­nis ver­öf­fent­li­chen. Ich möch­te davon erzäh­len, wie ich Gott-zen­trier­te Theo­lo­gie ent­deck­te. Bes­ser: Wie Gott mich zu einer Theo­lo­gie brach­te, die sich um ihn dreht!

Ein zerbrochener Krug

Zunächst ein­mal, muss ich beken­nen, dass die Über­schrift so zu ver­ste­hen ist, wie sie geschrie­ben ist: Nicht ich ent­schied mich zur Reform, son­dern Gott pack­te mich, schritt ein und ver­än­der­te mich. Wie­der ein­mal: Hal­le­lu­ja. Ich habe manch­mal immer noch schlaf­lo­se Näch­te, wenn ich an mei­ne Kind­heit zurück­den­ke. Bereits mit weni­ger als zehn Jah­ren war ich see­lisch am Ende. Ich war wirk­lich ein Wrack. Vie­le Mona­te war Ver­zweif­lung das ein­zi­ge Gefühl, dass ich kann­te. Ich möch­te hier gar nicht zu sehr auf Ursa­chen und Grün­de des­sen ein­ge­hen, aber ich stau­ne heu­te immer wie­der rück­bli­ckend dar­über, dass man so jung bereits so fer­tig mit dem Leben sein konn­te. Viel­leicht bie­tet sich ein­mal hier die Mög­lich­keit, näher auf die­se Zeit ein­zu­ge­hen, aber hier nur die Kon­se­quen­zen: Ich war abso­lut unbe­last­bar, habe die Zeit mit Zocken ver­bracht und dem Kon­sum von Por­no­gra­phie, hat­te kei­ne Freun­de, kei­ne Freu­de, abso­lut kei­ne Lust am Leben. Ich erin­ne­re mich noch deut­lich, wie ich als Viert-Kläss­ler wirk­lich jeden Tag mit dem Gedan­ken auf­ge­wacht bin, dass ich nun einen Tag näher an mei­nen Tod bin. Und dann wür­de mich aber ja nur die Höl­le erwar­ten…

Gott schreitet ein

Es wäre hier viel zu erzäh­len, wie wun­der­bar Gott ein­griff. Wie­der nur kurz: Eines Tages frag­te ich einen Stra­ßen­pre­di­ger, ob auch Kin­der in die Kir­che gehen dür­fen. Irgend­wie war mir immer klar, dass es Gott gibt, aber wer er war und vor allem wie er war, das soll­te noch dau­ern, bis ich davon auch nur  eine Ahnung bekam. Eigent­lich gin­ge ich ger­ne zum Got­tes­dienst, mir ist heu­te nicht mehr ganz klar, war­um ich das eigent­lich ger­ne gemacht habe. Aber ich glau­be, dass ich vor allem von dem eben erwähn­ten Stra­ßen­pre­di­ger ange­zo­gen war, der für mich zum Ersatz­va­ter wur­de und der mir von Gott erzähl­te. Wann ich nun wie­der­ge­bo­ren wur­de und ein Kind Got­tes wur­de, ist mir heu­te auch nicht klar. War das bereits mit 10 Jah­ren, denn ich war beein­druckt von der Bot­schaft „du musst Jesus nur anneh­men und bit­ten in dein Herz zu zie­hen, dann wird er dort woh­nen“, wel­ches ich nach eini­gen Got­tes­diens­ten genau das bete­te und auch davon über­zeugt war. Aber als ich davon erzähl­te, klär­te (?) man mich auf, dass es kei­ne Bekeh­rung sein konn­te, denn ich schaue ja immer noch den Fern­se­her. Nun ja, auf jeden Fall arbei­te­te Gott eigent­lich seit mei­ner Geburt an mir. Er nahm mir den Vater, damit ich den himm­li­schen Vater suchen soll­te. Und wäh­rend vie­le psy­chisch sta­bi­le­ren, und begab­te­ren und bes­se­ren Men­schen nichts vom Evan­ge­li­um wis­sen woll­ten, hielt mich Gott fest. Ein­fach unfass­bar, abso­lut unbe­greif­lich von mir, wie es sein kann, dass Gott mir gnä­dig ist. Sola Gra­tia bedeu­tet für mich, dass ich kei­nen Anspruch auf eine Annah­me durch Gott habe.

Heilsgewissheit

Sprin­gen wir zu dem Moment, als ich das ers­te Mal Heils­ge­wiss­heit hat­te. Wochen der größ­ten Ver­zweif­lung gin­gen dem zuvor! Inten­si­ves Bibel­stu­di­um klag­te mich von allen Sei­ten an: Du bist die­ser Sün­der, der wie­der frisst, was er gespie­en hat (2. Pet 2,22), Du bist die Hure, die ihren Beschüt­zer ver­wirft ( z. B. Hes,23). Unfass­bar, wie mich die Schrift damals anklag­te. Da ich auch nach der Bekeh­rung Por­no­gra­phie-abhän­gig blieb, war Hebr. 6, 4 – 6 eine kla­re Ver­wer­fung für mich. Denn ich schau­te bewusst und aktiv und wehr­te nicht, dabei war doch die Ver­su­chung nicht bis aufs Blut  (Heb 12,4). Unfass­bar, wie konn­te ich da wis­sen, dass Gott mich annimmt? Ich such­te über­all nach Zei­chen des­sen, dass ich wirk­lich geret­tet wur­de. Jede Pre­digt, jedes Heft­chen und Büch­lein zum The­ma Heils­ge­wiss­heit ver­schlang ich. „Ein Christ hat Lust zur Bibel“, las ich, oh die hat­te ich aber nicht immer. „Ein Christ hei­ligt sich“. Oh ja, was war die Ver­än­de­rung groß in mei­nem Leben.

Ich brach­te gestoh­le­ne Güter zurück, ent­schul­dig­te mich bei jedem Mäd­chen, wel­ches ich davor frech begrab­scht habe, ging zu ver­schie­de­nen Leh­rern und sprach davon, dass ich nun ein „neu­es Leben“ ange­fan­gen habe. Aber was ist, wenn das alles nicht Got­tes Geist getrie­ben hat, und ich das nur aus eige­ner Kraft tue, und mich selbst betrü­ge? Ein Christ liebt Gott, ja natür­lich lieb­te ich ihn, ich woll­te ja nicht in die Höl­le kom­men. Oder lieb­te ich ihn nur, damit ich nicht in die Höl­le kom­me? Jede Bestä­ti­gung der Heils­ge­wiss­heit war nur eine wei­te­re Ankla­ge. Also fing ich an nach Zei­chen zu suchen. Ich frag­te Gott, war­um es nicht an mei­nem Gesicht zu sehen ist, dass ich geret­tet bin. In unse­rer Gemein­de spra­chen so vie­le, dass sie nach der Bekeh­rung strahl­ten. Ich strahl­te nicht! Was stimm­te bloß nicht mit mir?  Also bat ich um ein Zei­chen, und was bin ich froh, dass Gott es nicht erhört hat und mich ohne Zei­chen ließ. Auf der Suche nach Zei­chen ging ich soweit, dass ich Gott bat, dass die Shuf­f­le-Funk­ti­on mei­ner Ste­reo-Anla­ge eine bestimm­te Track-Num­mer spielt. Aber Gott schwieg. Er ant­wor­te­te mit sei­nem Wort, und erreich­te mich mit Joh 6,37:

Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den wer­de ich nicht hin­aus­sto­ßen.

Was bin ich (heu­te) froh, dass mei­ne Heils­ge­wiss­heit nicht auf irgend­wel­chen Trak­ta­ten oder Zei­chen ruht, son­dern auf dem Wort Got­tes. Das war der ers­te Schritt mit dem ich lern­te nicht im Schau­en son­dern im Glau­ben zu wan­deln  (2 Kor. 5,7). So ent­deck­te ich Sola Scrip­tu­ra und Solus Chris­tus.

Die Veränderung

Übri­gens, in mei­ner Suche nach Zei­chen der Erret­tung über­sah ich Got­tes Werk in mir. Denn ich war ja schon eine neue Krea­tur, bevor ich es über­haupt selbst wahr­nahm. Seit mei­ner Bekeh­rung ist z. B. die unfass­ba­re Ver­bit­te­rung über das Leben weg. Sie war weg, ohne dass ich es merk­te, wie Sie weg war. Ein­mal war es, dass ich bei Josh McDo­well am Ende eines Buches davon las, wie er zum Glau­ben fand. Und er beschrieb dort, dass Gott ihn vom Hass frei mach­te. Auch das stell­te ich in mei­nem Leben fest. Der Hass auf das Leben, auf die Men­schen war weg. Ohne jeden Ein­satz von mir, ein­fach nur des­we­gen, weil Jesus in mein Leben trat. Hal­le­lu­ja!

Ich soll­te noch ein­fü­gen, dass auch danach mich Zwei­fel immer noch befie­len, und zwar oft auch für lan­ge Zeit. Ich habe immer noch Angst, wenn ich dar­an den­ke, dass ich jetzt ster­ben müss­te. Ich füh­le mich nicht bereit. So vie­les tue ich nicht zur Ehre Got­tes. Oder sage ich das nur, weil ich Gott unbe­dingt einen Anlass geben will, mich zu lie­ben? Er liebt aber ohne Anlass, er lieb­te mich als ich sein Feind war, und wird des­we­gen auch alles ande­re mir schen­ken. (Röm 8.32). Hier wäre das Set kom­plett: Sola Fide.

Das Wachstum

Was ich durch­mach­te (eher immer noch durch­ma­che) ist der Wan­del von abso­lu­ter Unnütz­lich­keit zur Nütz­lich­keit. Mit One­si­mus kann ich mich super iden­ti­fi­zie­ren (Phlm. 1.11). Ein­fach mal ein paar Bei­spie­le: Ich kom­me wirk­lich aus einer kaput­ten Umge­bung, geprägt von Dro­gen­miss­brauch, Alko­hol­kon­sum, Untreue. Ich wäre nie­mals fähig gewe­sen eine Ehe zu füh­ren, aber Gott gab mir die Kraft dafür und arbei­tet an mei­nen größ­ten Schwä­chen, näm­lich der Unbe­last­bar­keit und der Unzu­ver­läs­sig­keit. Er mach­te das wun­der­ba­rer, als man sich das vor­stel­len könn­te. Im Grun­de ist jede Minu­te hier eine Füh­rung Got­tes. Ich könn­te ohne wei­te­res vie­le Aben­de damit fül­len, zu erzäh­len, wie wun­der­bar Gott führt, aber vie­les ist (so offen ich sonst sein mag) gleich­zei­tig auch unfass­bar intim und pri­vat.

(Ps 139:16)
Dei­ne Augen sahen mich, da ich noch unbe­rei­tet war, und alle Tage waren auf dein Buch geschrie­ben, die noch wer­den soll­ten, als der­sel­ben kei­ner da war.

Thomas Watson, Paul Humburg, Martin Luther und andere

Ein Ent­wick­lung in Stich­punk­ten:

Das ers­te was ich ent­deck­te, war das all­ge­mei­ne Pries­ter­tum. Da ich eine klei­ne Gemein­de besuch­te, wur­de ich schnell in ver­schie­de­ne Auf­ga­ben ein­ge­bun­den (wahr­schein­lich viel zu früh und mit viel zu wenig Vor­be­rei­tung), nun stel­le ich fest, dass ein Got­tes­dienst vor allem dann Freu­de mach­te, wenn ich ihn mit­ge­stal­te­te, z. B. wenn ich im Chor sang. Nun führ­te es Gott so, dass ich für eine Zeit lang aus ter­min­li­chen Grün­den aus dem Chor aus­schied. War mein Got­tes­dienst nun weni­ger wert? Über­haupt, 6 Tage pla­gen, damit man am sieb­ten auch mal eine Pre­digt reden darf?  Ich forsch­te und hier hat­te ich Schüt­zen­hil­fe von Ole Hal­les­by. Von ihm lern­te ich das, was man das all­ge­mei­ne Pries­ter­tum nann­te. Das war der ers­te Schritt zur refor­mier­ten Theo­lo­gie. Ich ver­stand nun, dass auch mei­ne Schul­zeit, mein Stu­di­um ein Got­tes­dienst sein müs­sen (lei­der kann ich im Nach­hin­ein nicht mehr sagen, wel­ches Buch das genau war).

Irgend­wann beschäf­tig­te mich eine Fra­ge: Es war mir klar, dass ich aus Gna­den selig gewor­den bin, aber wie blei­be ich selig? Kommt es da auf mei­ne Treue an? Wel­chen Wert hat Gna­de dann, wenn ich sie schließ­lich doch nur durch mei­ne Treue akti­vie­re und wie­der ver­wer­fe. Das war eine Fra­ge, die mich jah­re­lang beschäf­tig­te, und unru­hig mach­te. Ich sah viel Untreue in mei­nem Leben  in den unter­schied­lichs­ten Berei­chen: Unfreund­lich­keit gegen­über der Ehe­frau, Unlust zur Bibel, klei­ne Spöt­te­lei­en über die Gemein­de­lei­tung, Ver­geu­dung von Lebens­zeit. Es erwisch­te mich hier der Gala­ter­brief: Woll­te ich im Fleisch voll­enden, was ich im Geist anfing? (Gal. 3.3).

Aber wür­de das nicht bedeu­ten, dass ich dann machen kann, was ich will, denn nun lebe ich ja aus Gna­den. War­um aber woll­te ich geret­tet wer­den, war es nicht vor der Sün­de? Und nun soll­te ich in den Sumpf zurück­sprin­gen, aus dem Gott mich ret­te­te? (Vor allem Römer Kapi­tel 6). Logi­sche Kon­se­quenz dar­aus: Ein­mal geret­tet, immer geret­tet. Was fürch­te­te ich mich vor dem Gedan­ken, denn das war ja eine cal­vi­nis­ti­sche Irr­leh­re. Vor­beu­gend, flüch­te­te ich mich in die Zeit vor Cal­vin und las Luther, z. B. „Von den Guten Wer­ken“, „Von der Frei­heit eines Chris­ten­men­schen“.  Aber dann stell­te ich fest, das Luther ja auch von die­ser Irr­leh­re ver­dor­ben war. Nun war es an der Zeit sich näher damit aus­ein­an­der­zu­set­zen… Es war Füh­rung, dass ich in die­ser Zeit ein hilf­rei­ches Gespräch mit Br. Wolf­gang Büh­ne füh­ren konn­te, von dem ich auch das Buch „Sein Rat ist wun­der­bar“ von Paul Hum­burg bekam. Aber ich soll­te vor­weg­neh­men: Bereits bevor ich das las, habe ich mich ent­schie­den Got­tes Wort mehr zu ver­trau­en, als sogar mei­ner Gemein­de, und den „Brü­dern, die sich dabei ja was gedacht haben“.

Ich prei­se den Herrn, dass er mich fei­gen Hasen befä­hig­te, einen sol­chen Schritt zu tun. A. Kuy­per schrieb in sei­nen „Lec­tures on Cal­vi­nism“: Der Cal­vi­nis­mus befä­higt die Leu­te nicht auf­grund der Kir­che son­dern ent­ge­gen der Kir­che zu glau­ben. (Frei zitiert) Aber das las ich erst vie­le Jah­re spä­ter. Ich möch­te hier wirk­lich frei erken­nen, dass ich unab­hän­gig von allen mensch­li­chen Leh­rern refor­miert wur­de, es war wie­der allei­ne die Schrift. Aber als die Fra­ge nach dem Heil (die damals für mich alles war, was das refor­mier­te Den­ken aus­macht) geklärt war, wag­te ich mich nun an Auto­ren, die ich bis dahin mied, z. B. die Puri­ta­ner. Ich erin­ne­re mich noch, mit welch Erstau­nen ich zur Kennt­nis nahm, dass John Bun­yan ein Cal­vi­nist war. Aber ein Blitz traf mich als ich Tho­mas Wat­s­ons Body of Divini­ty las.

Im Grun­de waren es nur die ers­ten paar Sei­ten, denn ich muss­te das erst­mal ver­dau­en: Das Ziel des Mensch­li­chen Lebens bestehe dar­in, alle Din­ge zur Ehre Got­tes zu tun, und sich an ihm zu erfreu­en. Die­sem Gedan­ken nach­zu­ge­hen, kann ein gan­zes Leben erfül­len. Alles hat­te einen Zweck, nicht nur dass alles ein Dienst war, alles konn­te zur Ehre Got­tes gerei­chen. Wie konn­te ich je über­le­sen, dass alle Din­ge durch Jesus und für Jesus geschaf­fen sind (Kol. Kapi­tel 1, z. B. ab Vers 12). Unfass­bar, irgend­wie waren das alles Sät­ze, die ich so oft las, und die nur Flos­keln waren. Denn bis­her war mei­ne Theo­lo­gie eher eine Anthro­po­lo­gie, mit der Fra­ge: Wie kann ich geret­tet sein. Gott spiel­te eigent­lich nur am Ran­de eine Rol­le. Aber es geht ja eigent­lich um Gott und sei­ne Offen­ba­rung. Theo­lo­gie soll­te bei Gott anfan­gen, dass ken­ne ich nur aus der soge­nann­ten refor­mier­ten Theo­lo­gie. Wie viel des­sen, was man heu­te Theo­lo­gie nennt, fängt aber beim Men­schen an? Chris­tus im Zen­trum, ist für mich refor­mier­te Theo­lo­gie.

Unter den Seinen

Was dar­auf­hin in sehr kur­zer Zeit folg­te, war, dass mir dar­auf­hin die refor­mier­ten Theo­lo­gen unglaub­lich ver­traut vor­ka­men. Sind eini­ge Grund­la­gen gelegt, ergibt sich das ande­re wie eine Domi­no-Ket­te in äußerst kür­zes­ter Zeit. Hier möch­te ich unbe­dingt unter­strei­chen, dass nur die refor­mier­te Theo­lo­gie ein wirk­lich umfas­sen­des Lebens­mo­dell bie­tet. Wenn es mir dar­um geht, „Haupt­sa­che geret­tet“ zu sein, wer­de ich immer nur ein aus­rei­chen­des Min­dest­maß anstre­ben. Geht es mir um die Ehre Got­tes, wer­de ich Gott über­all mit­neh­men. Wie gin­ge es auch anders, ist er mir doch durch den Hei­li­gen Geist näher als alles ande­re. (Wie oft habe ich ihn betrübt durch mei­ne man­geln­de Lern­be­reit­schaft). Alles dient dem einen Ziel, die Ehre Got­tes groß zu machen. Hier ist Frie­de und Kraft. Denn wer mag wie­der uns sein, wenn Gott für uns ist?

Im Übri­gen ist es etwas, was moder­ne evan­ge­li­ka­le Gemein­den ver­lie­ren. Sie wol­len dir für ein zukünf­ti­ges Leben eine Absi­che­rung geben, die immer so neben dem Leben ste­hen bleibt. Man wird nicht wirk­lich mit dem gan­zen Leben davon ergrif­fen, man soll es auch oft­mals nicht sein, denn vie­les bleibt Pri­vat­sa­che. Sicher ist: Der Armi­nia­nis­mus will nicht dein gan­zes Leben beein­flus­sen, bei vie­len Fra­gen bleibt er stumm. Das ist übri­gens in der Tat eine Ursa­che, war­um so vie­le Evan­ge­li­ka­le Gemein­den so wenig Zulauf haben. Selbst der Katho­li­zis­mus bie­tet ein Lebens­kon­zept, oder z. B. der Islam. Der moder­ne Evan­ge­li­ka­le, will dich nur von der Höl­le ret­ten, wie du mit dir klar kommst, wie ein Mann ein Mann wird, wie ein Vater ein Vater wird, wie ein Pre­di­ger ein rech­ter Pre­di­ger wird, ist ihm egal. Das wird der Unter­gang des (ich den­ke das ist sei­ne kor­rek­te Bezeich­nung) unor­tho­do­xen Evan­ge­li­ka­lis­mus sein.

Wer das sel­ber unter­su­chen möch­te, der wage einen Ver­such. Besu­che z. B. eine russ­land­deut­sche Gemein­de und sprich mit den Leu­ten über die Gott­heit Jesu und Gott, den Hei­li­gen Geist. Man wird bei einem unglaub­lich hohen Pro­zent­an­teil  der Befrag­ten sehr viel Häre­sie raus­hö­ren. Gleich­zei­tig aber sehr detail­lier­te Ansprü­che auf exak­te Bibel­treue bei vie­len Details. Sprich, selbst das apos­to­li­sche Glau­bens­be­kennt­nis ist bei vie­len Evan­ge­li­ka­len nicht mehr zwei­fels­frei vor­han­den. Wer kei­ne russ­land­deut­sche Gemein­de besu­chen möch­te, darf die zahl­rei­chen Blogs besu­chen, die gegen die Gott­heit Jesu ankämp­fen und gleich­zei­tig brüs­ten rein evan­ge­li­kal zu sein. Dabei lehrt uns die Schrift, dass der Irr­leh­rer der ist, der leug­net, dass Chris­tus Got­tes Sohn ist.

Wo ich noch nicht reformiert bin

Ich wur­de her­me­neu­tisch refor­miert, nicht dog­ma­tisch. Es war die Schrift die mich über­führ­te. Muss­te ich frü­her „Beru­fe­ne“, „Hei­li­ge“, „Erwähl­te“ als Syn­ony­me für „Gläu­big sein“ anneh­men, sehe ich eine unfass­ba­re Viel­falt an Wegen Got­tes an sei­nem Volk. War vor allem die Ethik von Eph 4 – 6 wich­tig, ist es nun auch die Leh­re von Eph. 1 – 3. Vie­le Ver­se die man über­las (man den­ke nur an so gut wie den kom­plet­ten zwei­ten Teil des Römer-Brie­fes) kann man nun mit Lob­preis lesen. Jedoch habe ich z. B. immer noch das Gefühl, dass man z. B. 1.Tim 2,4 nur mit Gewalt in Rich­tung des­sen schie­ben kann, was man begrenz­te Süh­ne nennt. Ein­mal schrieb Spur­ge­on:

Of all com­men­ta­tors I belie­ve John Cal­vin to be the most can­did. In his expo­si­ti­ons he is not always what moderns would call Cal­vi­nistic; that is to say, whe­re Scrip­tu­re main­ta­ins the doc­tri­ne of pre­desti­na­ti­on and grace he flin­ches in no degree, but inas­much as some Scrip­tures bear the impress of human free action and respon­si­bi­li­ty, he does not shun to expo­und their mea­ning in all fair­ness and inte­gri­ty. He was no trim­mer and pru­ner of texts.

Immer wie­der habe ich das Gefühl, dass auch refor­mier­te Theo­lo­gen bestimm­ten Bibel­stel­len Gewalt antun. Aber die Anzahl an die­sen pro­ble­ma­ti­schen Stel­len ist wahr­schein­lich um den Fak­tor 100 gesun­ken. Lie­ber will ich ich bzgl. 1. Tim 2,4 im Unkla­ren befin­den, als drei Kapi­tel des Ephe­ser-Brie­fes zu igno­rie­ren.

Zum Abschluss: Anbetung

Ich will dich prei­sen und loben, mei­nen Gott, der du mich tüch­tig machst dich zu loben, du bist die Quel­le mei­nes Lebens und du gibst mir den Atem, damit ich zu dei­ner Ehre atmen kann, auch wenn ich in allem ande­ren Ver­sa­ge. Wenn ich auch als Ver­sa­ger enden soll, dann lass mich als dein Ver­sa­ger enden. Lie­ber will ich ein untüch­ti­ger Laza­rus sein, der dich sieht, als ein tüch­ti­ger Rei­cher, der dich zu spät sah. Vor allem lobe ich dich, dass alle Din­ge einen Sinn haben. Das Leben ist wie ein Kris­tall­pa­last. Selbst in Mär­chen lesen wir nicht von sol­chen Schät­zen. Jeder Gedan­ke passt zum ande­ren, jedes Wort ist eine Schöp­fung von dir, und wenn ich rede, dann schaffst du durch mich etwas, was zu dei­ner Ehre gereicht. Sei es Archäo­lo­gie, sei es Lin­gu­is­tik, Mathe­ma­tik oder Inge­nieur­we­sen, alles kann dich prei­sen, alles ist dein Werk. Wis­sen funk­tio­niert, weil wir in dei­ner Hand sind. Sin­gen funk­tio­niert, weil du die Musik erschaf­fen hast. Bit­te gebrau­che mein Leben, damit es lie­ber in dei­ner Hand ver­bren­nen kann, als außer­halb dei­ner Hand groß zu wer­den.

3 Kommentare

  1. Timotheus sagt

    Lie­ber Bru­der Ser­gej Pau­li,
    oft habe ich — so muss ich geste­hen — dei­ne Arti­kel teil­wei­se für über­zo­gen gehal­ten und mich an dei­ner Spra­che etwas gestört. Mir schien, als sei­est du mehr „Pha­ri­sä­isch“ unter­wegs denn ein ermu­ti­gen­der Bru­der im Herrn.
    Aber mit die­sem Zeug­nis hast du, bzw wohl eher Gott, mein Herz berührt. Auch wenn ich eine dir gegen­sätz­li­che (tol­le!) Kindheit/Jugendzeit hat­te, waren und sind es genau die glei­chen Fra­gen (teils auch ähn­li­che Pro­ble­me), die mich beschäftig(t)en. Es ermu­tigt mich vor allem auch dazu, noch mehr in mei­ner Bibel zu lesen, weil sie die ein­zi­ge Schrift ist, die uns ‚auf den rich­ti­gen Weg‘ (evtl. auch zum Refor­mier­ten­tum?) brin­gen und dar­auf hal­ten kann!
    Daher dan­ke ich dir und dem Herrn Jesus;
    alles Gute, Gott mit dir!
    Timo­theus
    PS: viel­leicht wer­de ich mir den ein oder ande­ren Arti­kel ja noch­mal anse­hen.. 😉

  2. Sergej Pauli sagt

    Hal­lo Timo­theus, ja du hast durch­aus recht, es ist mir im anfang mei­nes Glau­bens­le­ben ein gro­ßer Feh­ler gewe­sen,
    dass ich Glau­be und Kul­tur ver­wech­selt habe. So habe ich z.B. John Piper nur wegen sei­ner Abbil­dung in Wiki­pe­dia ver­wor­fen, war unfass­bar unfreund­lich zu Pfingst­lern etc…
    Super extremistisch…es wäre ein Arti­kel glei­cher län­ge nötig, um auch hier die Ent­wick­lun­gen zu beschrei­ben, hier führ­te mich Gott auch wun­der­bar.

  3. pflugi sagt

    Lie­ber Ser­gej, aus Dei­nem Lebens­be­richt ist zu erken­nen, dass Gott der Han­deln­de ist. Und das ist heu­te lei­der unter­ge­gan­gen. Ja, der Ephe­ser­brief ist da eine wich­ti­ge Hil­fe, denn Pau­lus macht hier vor allem im 1.Kapitel deut­lich, dass wir vor vor Grund­le­gung der Welt aus­er­wählt sind. Es ist also ALLEIN Got­tes Aus­wahl und Werk, dass wir zum Leib Jesu gehö­ren dür­fen. Wenn Gott uns schon erwählt hat, dann ver­än­dert ER uns auch nach Sei­nem Plan. Das kann ich auch über mei­nem Leben erken­nen. Nicht ich ver­än­de­re mich, son­dern ER ver­än­dert, denn wir sind ja nach SEINEM Plan beru­fen und erwählt.

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