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Wie auf Perelandra über Gottes Willen im Bösen diskutiert wurde
„O felix culpa“ auf der Venus

Perelandra: Die Perelandra-Trilogie, Band 2 by [C. S. Lewis]End­lich habe ich mich gewagt die Sci­ence-Fic­tion Tri­lo­gie von C.S.Lewis zu lesen. Sie ist als Gegen­ent­wurf zu der zu sei­ner Zeit auf­kei­men­den Sci­ence-Fic­tion-Lite­ra­tur zu ver­ste­hen. Ent­ge­gen den zahl­rei­chen Wer­ken von H.G.Wells (auch heu­te noch durch Krieg der Wel­ten bekannt) geht in C.S.Lewis Space-Tri­lo­gie die Gefahr nicht vom Außer­ir­di­schen Leben, son­dern vom Men­schen aus. Im ers­ten Band wird der Lin­gu­ist Ran­som von zwei Wis­sen­schaft­lern auf den Mars (im Buch Mala­kan­dra genannt) ent­führt, die hof­fen, die gro­ßen Gold­vor­kom­men dort im Aus­tausch für ein Men­schen­op­fer Ran­soms erwer­ben und aus­beu­ten zu können.

Nur durch das Ein­grei­fen der Eldi­la, einer Art Boten Got­tes (auf einem Pla­net ohne Sün­den­fall leben alle ein Leben vor Gott), kann die schlimms­te Kata­stro­phe ver­hin­dert wer­den, und die Mensch­lin­ge wer­den wie­der zurückgeschickt.

Ran­soms Blick auf das Leben wird durch die­se Begeg­nung ver­än­dert und er wird von den Eldi­la auf eine wei­te­re Mis­si­on nun auf den Pla­ne­ten Venus (von den Bewoh­nern dort Pere­lan­dra genannt) geschickt. Er weiß nur, dass er eine gro­ße Gefahr unter­bin­den soll, aber nicht genau wel­che. Bald begeg­net er einer Köni­gin auf die­sem Pla­ne­ten, die auf der Suche nach ihrem König ist. Bei­de sind eine Art Ure­va und Uradam. Im Grun­de nutzt C.S. Lewis die­se Sze­ne um Dia­lo­ge von einem Men­schen nach dem Sün­den­fall mit den Men­schen vor dem Sün­den­fall zu ermöglichen.

Die Gefahr, die Ran­som unter­bin­den soll, folgt auch schon in Form des Phy­si­kers West­on, der vom Bösen beses­sen, nur dar­auf aus ist, die Köni­gin zum Sün­den­fall zu ver­füh­ren, zum Bre­chen eines Gebo­tes, dass beson­ders unplau­si­bel klingt. An die­ser Stel­le fand ich das Buch sehr stark und mutig. Zudem will ich anmer­ken, dass C.S. Lewis fik­ti­ve Wer­ke immer die­ses Leben vor Gott ins Zen­trum rücken, ein Ele­ment, dass den Wer­ken von Tol­ki­en, wie z.B. in Herr der Rin­ge oder auch in der Hob­bit gänz­lich feh­len. Auf Mit­tel­er­de gibt es höchs­tens Fügun­gen eines unper­sön­li­chen Schick­sals, und auch die höchs­ten Wesen in Form der Elben sind häu­fig rat­los und unwis­send über eine Hil­fe von einem „Gott, der da sei“. Aus die­sem Grund wür­de ich Herr der Rin­ge oder den Hob­bit nicht als expli­zit christ­li­che Fik­ti­on bezeich­nen, aber sehr wohl das alle­go­ri­sche Werk von C.S. Lewis. Aber zu einem ande­ren Zeit­punkt zu die­sem The­ma sicher mehr.

Nun möch­te ich aus­führ­lich aus einer Ver­su­chung des Bösen an der Köni­gin Pere­landras zitie­ren, in der der Ver­su­cher argu­men­tiert, dass Malel­dil (der Name Got­tes auf Pere­lan­dra) ja auch den Sün­den­fall auf der Erde zum Bes­se­ren gewen­det hat und so offen­sicht­lich das Böse gewollt hat. Eine Dis­kus­si­on über felix cul­pa, die selig­keits­brin­gen­de Schuld, zwi­schen dem Ver­füh­rer West­on, der Köni­gin bzw. der Frau von Pere­lan­dra und Ran­som (von der Köni­gen Gescheck­ter genannt) fängt an:

»Noch nicht«, sag­te West­on. »Es gibt noch mehr. Er (d.h. Ran­som) hat dir nicht gesagt, daß es die­se Über­tre­tung des Gebo­tes war, die Malel­dil auf unse­re Welt brach­te und wegen der er zum Men­schen wur­de. Frag ihn; er wird nicht wagen, es zu leugnen.«

»Ist das rich­tig, Gescheck­ter?« frag­te die Frau. Ran­som hat­te die Fin­ger so inein­an­der ver­krampft, daß die Knö­chel weiß her­vor­tra­ten. Die Unge­rech­tig­keit des Gan­zen ver­wun­de­te ihn wie Sta­chel­draht. Wie konn­te Malel­dil von ihm erwar­ten, daß er gegen dies kämpf­te, wenn ihm jede Waf­fe genom­men war wenn er nicht lügen durf­te und sich doch in Situa­tio­nen sah, wo die Wahr­heit unheil­voll schien? Es war nicht gerecht! Ein jäher Impuls hei­ßer Empö­rung wall­te in ihm auf. Eine Sekun­de spä­ter brach Zwei­fel wie eine unge­heu­re Woge über ihn her­ein. Wie, wenn der Feind schließ­lich doch recht hät­te? Felix pec­ca­tum Adae. Selbst die Kir­che wür­de ihm sagen, daß am Ende auch aus Unge­hor­sam Gutes ent­ste­hen konn­te. Ja, und es war auch wahr, daß er, Ran­som, ein furcht­sa­mer Mensch war, ein Mann, der vor Neu­em und Har­tem zurück­schreck­te. Auf wel­cher Sei­te lag nun die Ver­su­chung? In einer kur­zen, aber groß­ar­ti­gen Visi­on pas­sier­te der Fort­schritt vor sei­nen Augen Revue: Städ­te, Arme­en, stol­ze Schif­fe, Biblio­the­ken und Ruhm und die Groß­ar­tig­keit von Poe­sie, die gleich einem Spring­brun­nen aus den Mühen und dem Ehr­geiz der Men­schen ent­sprang. Wer konn­te die Gewiß­heit haben, daß schöp­fe­ri­sche Evo­lu­ti­on nicht die tiefs­te Wahr­heit war? Aus allen mög­li­chen ver­bor­ge­nen Win­keln sei­nes Innern, deren Exis­tenz er nie zuvor ver­mu­tet hat­te, begann sich etwas Wil­des und Berau­schen­des und Köst­li­ches zu erhe­ben und zu West­ons Gestalt zu strö­men. »Er ist ein Geist, er ist ein Geist«, sag­te die­se inne­re Stim­me, »und du bist nur ein Mensch. Er geht wei­ter, von Jahr­hun­dert zu Jahr­hun­dert. Du bist nur ein Mensch …«

»Ist das wahr, Gescheck­ter?« frag­te die Frau wie­der. Der Bann war gebrochen.

»Ich will dir sagen, was ich davon hal­te«, ant­wor­te­te Ran­som und sprang auf. »Sicher­lich ist Gutes dar­aus ent­stan­den. Ist Malel­dil ein Tier, daß wir Ihm ein Ende machen kön­nen, oder ein Blatt, das wir nach unse­rem Belie­ben ver­bie­gen und fal­ten kön­nen? Was immer du tust, Er wird Gutes dar­aus machen. Aber es wird nicht das Gute sein, das Er dir für den Fall zuge­dacht hat, daß du Ihm gehorchst. Das wür­de für immer ver­lo­ren sein. Der ers­te Mann und die ers­te Frau unse­rer Welt taten das Ver­bo­te­ne; und Malel­dil wand­te es am Ende zum Guten. Aber was sie taten, war nicht gut, und was sie ver­lo­ren, haben wir nicht gese­hen. Und es gab vie­le, denen nichts Gutes zuteil wur­de, noch jemals zuteil wer­den wird.«

Er wand­te sich zu West­ons Kör­per. »Du mußt ihr alles sagen«, sag­te er. »Wel­ches Gute hat­test du davon? Ist es dir eine wah­re Freu­de, daß Malel­dil auf die Welt nie­der­stieg und ein Mensch wur­de? Erzähl ihr von dei­nen Freu­den, und wel­chen Gewinn du hat­test, als du Malel­dil mit dem Tod bekanntmachtest.«

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